mini|Schematischer Plan der römischen Stadtanlage von Rapidum, das Militärlager oben rechts Rapidum (heute Sour Djouab oder Djouab) war eine antike Stadt in der römischen Provinz Mauretania Caesariensis, die aus dem gleichnamigen Militärlager hervorging. Dieses wurde um 122 n. Chr. gegründet und war Standort einer römischen Hilfstruppe, der Cohors II Sardorum. Die Zivilsiedlung entstand in den folgenden Jahrzehnten südlich und westlich des Militärlagers. Für das Jahr 167 ist nachgewiesen, dass die vor Ort ansässigen Veteranen und Zivilisten eine Stadtmauer errichteten, obwohl sie noch nicht über römisches Stadtrecht verfügten. Wann genau die Zivilistensiedlung von Rapidum zur Stadt (Municipium) aufstieg, lässt sich nicht sicher sagen; einiges spricht für das frühe 3. Jahrhundert. Im späten 3. Jahrhundert wurden Teile des Siedlungsgebietes aufgegeben und schließlich der gesamte Ort bei feindlichen Überfällen zerstört. Um 300 kam es jedoch zu einer Neubesiedlung eines reduzierten Areals, die noch einmal für einige Zeit anhielt.

Geschichte Gründung des Lagers und Entstehung der Zivilstadt im 2. Jahrhundert mini|Entwicklung der Stadtanlage von Rapidum: 1. Militärlager der Cohors II Sardorum (ab 122); 2. Militärlager und ummauerte Zivilsiedlung (ab 167); 3. Aufgabe des Areals D der Zivilstadt und bereits länger leerstehendes Militärlager (um 250); 4. Aufgabe des Areals C der Zivilstadt (um 270–275); 5. Zerstörung der Stadt im späten 3. Jahrhundert; 6. Neubesiedlung eines reduzierten Areals um 300Jean-Pierre Laporte: Rapidum, vingt ans après. In: Bernadette Cabouret, Agnès Groslambert, Catherine Wolff (Hrsg.): Visions de l’Occident romain. Hommage à Yann Le Bohec. De Boccard, Paris 2012, S. 231–260, hier S. 236–237. Das Kastell Rapidum wurde unter Kaiser Hadrian (regierte 117–138 n. Chr.) gegründet und war Standort der Cohors II Sardorum.: Imp(erator) Caes(ar) divi Traiani / Parthici fil(ius) divi Ner/vae nep(os) Traianus / Hadrianus Aug(ustus) p(ontifex) m(aximus) tr(ibunicia) / p(otestate) co(n)s(ul) III p(ater) p(atriae) coh(ors) II Sar(dorum) fec(it). Der Gründungszeitpunkt des Kastells lässt sich genauer eingrenzen durch einen Meilenstein der Straße von Rapidum nach Auzia aus dem Jahr 123/124 und eine Bauinschrift des Kaisers Hadrian aus dem Jahr 121/122, die sich möglicherweise auf das gesamte Lager Rapidum selbst bezieht.: „Imp(erator) Caes(ar) divi Traiani / Part<hic=ICH>i fil(ius) divi Nervae / nepos Traianus Hadri/anus Aug(ustus) pontif(ex) max(imus) / trib(unicia) pot(estate) VI co(n)s(ul) III proco(n)s(ul) / fecit“. Um das Kastell herum entwickelte sich in der Folgezeit eine Zivilsiedlung.

Im Jahre 167 schlossen sich die Veteranen und die Einwohner dieser Siedlung zusammen, um eine Mauer aus Stein um ihre Siedlung zu errichten. An diesen Bau erinnert eine Inschrift in zweifacher Ausführung über den beiden Stadttoren., . Siehe William Seston: Le secteur de Rapidum sur le Limes de Mauritania césarienne après les fouilles de 1927. In: Mélanges de l’école française de Rome. Band 45, 1928, S. 150–183, hier S. 175 ff. Die archäologischen Funde sprechen dafür, dass Rapidum ursprünglich keine Veteranenkolonie wie Madauros oder Sétif war, sondern eher eine direkte Erweiterung eines Militärlagers. Zu Beginn scheint Rapidum eher canabae geähnelt zu haben, wie sie häufig in der Nähe von permanenten Lagern anzutreffen waren. In dieser Zeit hatte der Ort anscheinend auch noch keinen offiziellen römischen Rechtsstatus („Stadtrecht“): Die Befestigungsmauer des Jahres 167 wurde laut der Inschrift nicht von einer Stadtgemeinde errichtet, sondern von Einzelpersonen, die sich als veterani et pagani consistentes aput Rapidum bezeichneten (etwa: „Veteranen und Zivilisten, die sich bei Rapidum niedergelassen haben“).; . Diese Bevölkerung, die sich aus Einheimischen, Veteranen und römischen Bürgern zusammensetzte, unterstand der Aufsicht der Militärbehörde, hatte zu dieser Zeit aber bereits eine politische Organisation mit Magistraten und Stadtverordneten. Diese Amtsträger sind durch Weihinschriften bekannt, mit denen die Einwohner Rapidums dem Kaiser Säulen, Statuen und sogar Tempel mit eigenen Tempelwächtern stifteten.

Die Cohors II Sardorum war bis um 200 n. Chr. in Rapidum stationiert; es wird angenommen, dass das Lager danach nicht mehr militärisch genutzt wurde.Jean-Pierre Laporte: Rapidum, vingt ans après. In: Bernadette Cabouret, Agnès Groslambert, Catherine Wolff (Hrsg.): Visions de l’Occident romain. Hommage à Yann Le Bohec. De Boccard, Paris 2012, S. 231–260, hier S. 232 und 235.

Aufstieg zum Municipium und Zerstörung im 3. Jahrhundert Die Zivilstadt erhielt irgendwann in dieser Zeit das römische Stadtrecht, indem sie in den Rechtsstatus eines Municipiums erhoben wurde. Der genaue Zeitpunkt dieser Ehrung ist unbekannt. Der erste sichere Beleg für den neuen Stadtstatus ist eine Inschrift aus der Zeit der Tetrarchie (293–305 n. Chr.). Einen möglichen Hinweis gibt die Weihinschrift einer Statue, die von den Dekurionen von Rapidum im Jahr 209 n. Chr. zu Ehren des Kaisersohns Geta errichtet wurde.. Da in Teilen Africas auch die nichtstädtischen Siedlungen eigene Dekurionen hatten, ist jedoch nicht sicher, ob man bei Rapidum aus dieser Nennung von Dekurionen darauf schließen kann, dass Rapidum zu diesem Zeitpunkt bereits municipium war.William Seston: Le secteur de Rapidum sur le Limes de Mauritania césarienne après les fouilles de 1927. In: Mélanges de l’école française de Rome. Band 45, 1928, S. 150–183, hier S. 177 ff. Es scheint allerdings wahrscheinlich, dass Rapidum unter Septimius Severus (regierte 193–211) ein Municipium wurde, möglicherweise als Ersatz für die Schwächung, die der Ort erlitt, als in dieser Zeit das Militärlager aufgelöst wurde. Das benachbarte Auzia, das bereits ein Munizipium war, erhielt von Severus den Titel einer Kolonie.Jean-Pierre Laporte: Rapidum, vingt ans après. In: Bernadette Cabouret, Agnès Groslambert, Catherine Wolff (Hrsg.): Visions de l’Occident romain. Hommage à Yann Le Bohec. De Boccard, Paris 2012, S. 231–260, hier S. 235.

Wie William StetsonWilliam Seston: Le secteur de Rapidum sur le Limes de Mauritania césarienne après les fouilles de 1927. In: Mélanges de l’école française de Rome. Band 45, 1928, S. 150–183, hier S. 177 ff. schreibt, erlebte Rapidum im Schutz des neuen Limes, der von Septimius Severus fünfzig Kilometer südlich errichtet wurde, einen großen Wohlstand. Die westliche Nekropole aus der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts weist viele bemerkenswerte Grabsteine und andere Funde auf, insbesondere die Grabstele von Claudia Luciosa und ihren vier Kindern, die auf den 17. Dezember 235 datiert ist. Diese Funde weisen auf eine blühende Bevölkerung in Rapidum zu Beginn des 3. Jahrhunderts hin. Außerdem wurde die strategisch wichtige Straße, die ursprünglich 124 von Hadrian gebaut und von Antoninus Pius repariert wurde, im Auftrag des Septimius Severus instand gehalten.: „[Imp(erator) Caes(ar) M(arcus) Aurelius Severus Antoninus] / [Pius Felix Aug(ustus) Pa]rthic[us maximus Britannicus] / maximus Germanic[us ma]xi[mus pontifex] / maximus tr(ibunicia) p(otestate) XVIIII imp(erator) IIII co(n)s(ul) IIII / proc(on)s(ul) p(ater) p(atriae) mil(ia)r(ia) dilapsa restituit per M(arcum) Anto/nium Sabinum v(irum) p(erfectissimum) proc(uratorem) suum a Rapidu(!) / m(ilia) p(assuum) / X“.

Im Jahr 244 ließ Kaiser Philippus Arabs und zwischen 249 und 250 Kaiser Decius weitere Reparaturen durchführen. Ab 253 wurde die Provinz zehn Jahre lang von Rebellionen der Berber aus Numidien und Mauretanien erschüttert. Die Gegend um Auzia scheint besonders betroffen gewesen zu sein und es ist möglich, dass die Garnison von Rapidum an der Niederschlagung beteiligt war, wie eine vor Ort gefundene Inschrift nahelegt. Die Stadt selbst scheint jedoch von Plünderungen verschont geblieben zu sein. Unter Kaiser Gallienus (regierte 260–268) stabilisierte sich die Lage wieder. Dieser Aufschwung zeigt sich auch in Rapidum, wo zahlreiche Münzen mit dem Bildnis des Gallienus gefunden wurden. Die Straße zwischen Auzia und Rapidum wurde von seinem Nachfolger Claudius Gothicus zwischen 268 und 270 erneut repariert, während dessen Nachfolger Aurelian (regierte 270–275) die Route zwischen Rapidum und Caesarea wiederherstellte.William Seston: Le secteur de Rapidum sur le Limes de Mauritania césarienne après les fouilles de 1927. In: Mélanges de l’école française de Rome. Band 45, 1928, S. 150–183, hier S. 179–180; zu Decius siehe .

Irgendwann in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts scheint es jedoch zu einer größeren Katastrophe für Rapidum gekommen zu sein. Die wichtigste Quelle dazu ist die Inschrift aus tetrarchischer Zeit (um 300 n. Chr.), die auch den ersten Beleg für den Rang eines Munizipiums darstellt. In diesem Text danken die Stadtbewohner den damals regierenden vier Kaisern, dass sie für den Wiederaufbau der Stadt nach vorangegangenen Zerstörungen durch rebelles („Aufständische, Rebellen“) gesorgt hätten, die sich „vor langer Zeit“ (ante plurima tempora) ereignet hätten.; Michel Christol, Andreina Magioncalda: Note su un’iscrizione di epoca tetrarchica. CIL VIII 20836 da Rapidum. In: L’Africa romana, Atti del VII convegno di studio, Sassari, 15–17 dicembre 1989. Gallizzi, Sassari 1990, S. 907–932. Wann und in welchem Zusammenhang diese Zerstörungen erfolgten, ist allerdings unklar, ebenso wie die Frage, welches Ausmaß sie in Rapidum konkret hatten – in solchen Ehreninschriften wurden die vorangegangenen Katastrophen gerne übertrieben, um die Leistung der regierenden Kaiser größer erscheinen zu lassen. Als mögliche historische Hintergründe für die Zerstörung Rapidums kommen zwei schwere Aufstände infrage, von denen Afrika unter Kaiser Diokletian erschüttert wurde: das erste Mal im Jahr 289, als Rebellen die Straße und Brücken zwischen Rapidum und Auzia abschnitten und den Prokurator Aurelius Litua zwangen einzugreifen.. Der Krieg flammte bald darauf wieder auf und erst Maximian (297–298) konnte den Frieden wiederherstellen. Es ist aber genauso gut möglich, dass die Stadt von Rebellen außerhalb eines großen Aufstandes eingenommen und zerstört wurde, als die mangelhafte Sicherheitslage auch kleinere Raubzüge feindlicher Stämme in das Römische Reich zuließ. Tatsächlich deuten die Münzfunde von Rapidum auf eine frühere Zerstörung bereits unter Aurelian (regierte 270–275) hin, da sie eine vollständige Münzreihe von Trajan bis Gallienus zeigen, aber (nach Stand 1928) keine Münzfunde aus den letzten 30 Jahre des dritten Jahrhunderts.William Seston: Le secteur de Rapidum sur le Limes de Mauritania césarienne après les fouilles de 1927. In: Mélanges de l’école française de Rome. Band 45, 1928, S. 150–183, hier S. 181–182. Aufgrund der archäologischen Befunde nimmt Jean-Pierre Laporte an, dass um 250 das Viertel D direkt westlich des leerstehenden Militärlagers verlassen wurde, wobei es sich bei der aufgegebenen Fläche um ein recht kleines und anscheinend wenig bedeutendes Areal handelte. Wenige Jahre später sei dann jedoch auch der Bezirk C verlassen worden, der deutlich größer war und eine Reihe bedeutender Gebäude (darunter mehrere Tempel) umfasste. Kurz danach, möglicherweise um 270, sei die Stadt eingenommen und zerstört worden und blieb für eine lange Zeit, bis etwa 297–300, verlassen.Jean-Pierre Laporte: Rapidum, vingt ans après. In: Bernadette Cabouret, Agnès Groslambert, Catherine Wolff (Hrsg.): Visions de l’Occident romain. Hommage à Yann Le Bohec. De Boccard, Paris 2012, S. 231–260, hier S. 237–238.

Spätantike Neubesiedlung im 4. Jahrhundert