Sofie Korner (* 16. Dezember 1879 in Wien;Sabine Plakolm-Forsthuber: Künstlerinnen in Österreich 1897–1938. Malerei – Plastik – Architektur. Picus-Verlag, Wien 1994, S. 271. † am oder nach dem 5. Juni 1942 in Izbica) war eine österreichische Malerin und Grafikerin.
Leben Von 1902 bis 1904 besuchte Sofie Korner die Fachschule für dekorative Malerei und graphische Kunst der Kunstgewerbeschule in Wien, wo sie eine Schülerin von Felician Myrbach, Erich Mallina, Rudolf Larisch und Adolf Boehm war. Danach setzte sie ihre Studien bei Bernhard Pankok in Stuttgart und möglicherweise auch in Paris und der ungarischen Künstlerkolonie Nagybánya fort.Korner Sofia, auch: Sophie, Sofie. In: Ilse Korotin (Hrsg.): biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 2. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2016, S. 1755.
1919 folgte Korner Johannes Itten, dessen private Kunstschule in Wien sie zuvor besucht hatte, an das Bauhaus Weimar. Dort trat sie zunächst wegen Krankheit das Studium nicht an, absolvierte aber 1920 eine Vorlehre und studierte 1921 – gefördert durch ein StipendiumKatharina Hövelmann: Bauhaus in Wien? Böhlau Verlag, Wien 2021, ISBN 978-3-205-21309-3, S. 50 (PDF). – das Fach Werkzeichnen.Korner, Sofie. In: bauhaus.community. Datenbank der Forschungsstelle für Biografien ehemaliger Bauhaus-Angehöriger. Abgerufen am 17. November 2021. 1922 beschickte sie die erste Bauhaus-Ausstellung im Ausland, welche im indischen Kalkutta stattfand und 250 Werke von Meistern und Schülern des Bauhauses präsentierte. Der einzige Verkauf der Ausstellung war ein Aquarell von Korner, das der Dichter Rabindranath Tagore erwarb.Elizabeth Otto: Das Bauhaus und Indien. In: Google Arts & Culture. Abgerufen am 17. November 2021.
Reisen nach Italien, Dalmatien, Ungarn und Böhmen inspirierten Korner zu einer Vielzahl von Landschaftsbildern. Sie stellte mehrfach im Wiener Künstlerhaus aus, unter anderem bei der 35. Jahresausstellung der Genossenschaft bildender Künstler Wiens (1909). Als Mitglied des von Robert Müller initiierten „Bundes der geistig Tätigen“ und der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs nahm sie 1919 bzw. 1930 an deren Ausstellungen teil.
Die Nationalsozialisten verfolgten Sofie Korner aufgrund ihrer jüdischen Herkunft. Am 5. Juni 1942 wurden sie und ihr Vater nach Izbica deportiert und ermordet.
Werk mini|Ölgemälde Das Bett Sofie Korner malte vor allem Landschaften, Genrebilder und Porträts. Um 1910 schuf sie auch monumentale Darstellungen weiblicher und männlicher Akte im biblischen Kontext. Sie wandte sich früh dem Expressionismus zu, womit sie in einen Bereich vordrang, der von männlichen Künstlern dominiert wurde.Rob McFarland, Georg Spitaler, Ingo Zechner (Hrsg.): Das Rote Wien: Schlüsseltexte der Zweiten Wiener Moderne 1919–1934. De Gruyter Oldenbourg, Berlin 2020, ISBN 978-3-11-064003-8, S. 639 (online). Die zeitgenössische Kunsthistorikerin Stella Kramrisch beschrieb Korners Stil als „Expressionismus der bewegten, abgegrenzten Farbfläche, die das Bild zu einem lebendigen Organismus werden läßt“.Stella Kramrisch: Sofie Korner. In: Die bildenden Künste. Wiener Monatshefte. 3. Jahrgang, 1920, S. 105.
Im Zuge vorbereitender Recherchen zur Ausstellung Vergessene Bauhaus-Frauen 2021/2022 im Bauhaus-Museum wurden durch Mitwirken von Verwandten aus Australien, Schweiz und USA über 50 Werke von Sofie Korner gefunden. Die neuen Erkenntnisse über die Künstlerin gingen in den Ausstellungskatalog ein.Henry Bernhard: Ausstellung über vergessene Bauhaus-Frauen. Spurensuche in Weimar. In: Deutschlandfunk Kultur. 3. Oktober 2021. Abgerufen am 17. November 2021.
Werke (Auswahl) Adam und Eva, 1912Sabine Plakolm-Forsthuber: Künstlerinnen in Österreich 1897–1938. Malerei – Plastik – Architektur. Picus-Verlag, Wien 1994, S. 174. Kirche in Warserburg, Öl, ausgestellt 1913 Wiener SecessionXLIII. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession Wien. Katalog. Wien 1913, S. 19 (digitale-bibliothek.belvedere.at). Das Bett, Öl auf Leinwand, 57 × 62 cm, Privatbesitz, ausgestellt 2017 Jüdisches Museum WienDie bessere Hälfte. Jüdische Künstlerinnen bis 1938. In: kultur.arbeiterkammer.at. Abgerufen am 17. November 2021. Anya (Mutter) und Gyümölcsfák (Obstbäume), Ölbilder, ausgestellt 1913 Muvészház, Budapest Parasztház (Bauernhaus), ausgestellt 1914 Muvészház, Budapest
Ausstellungen (Auswahl) 1909: 35. Jahresausstellung der Genossenschaft bildender Künstler Wiens, Künstlerhaus Wien 1913: 43. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession, Wiener Secessionsgebäude 1913: Zsurimentes kiállitás a Muvészházban, Muvészház, Budapest 1914: A Muvészház nagy kiállitása, Muvészház, BudapestKorner Sophie. In: Database of Modern Exhibitions. Abgerufen am 17. November 2021. 1919: Bund der geistig Tätigen, im Rahmen der Jahresausstellung der Genossenschaft bildender Künstler Wiens, Künstlerhaus Wien 1922: Bauhaus-Ausstellung als Beteiligung an der Internationalen Kunstausstellung der Indian Society of Oriental Art, Kalkutta 1925: 6. Kunstschau des Bundes österreichischer Künstler, Künstlerhaus Wien 1929: Galerie Würthle, Wien 1930: Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs, Wien 2017: Die bessere Hälfte. Jüdische Künstlerinnen bis 1938, Jüdisches Museum Wien 2021: Dispossession, Künstlerhaus Wien
Literatur Stella Kramrisch: Sofie Korner. In: Die bildenden Künste. Wiener Monatshefte. 3. Jahrgang, 1920, S. 104–107.
Korner, Sofie. In: Heinrich Fuchs: Die österreichischen Maler des 19. Jahrhunderts. Ergänzungsband. Wien 1978, S. 195. Sabine Plakolm-Forsthuber: Künstlerinnen in Österreich 1897–1938. Malerei – Plastik – Architektur. Picus-Verlag, Wien 1994, ISBN 3-85452-122-7, S. 271. Korner Sofia, auch: Sophie, Sofie. In: Ilse Korotin (Hrsg.): biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 2: I–O. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2016, ISBN 978-3-205-79590-2, S. 1755–1756 (biografia.sabiado.at). Anke Blümm, Patrick Rössler (Hrsg.): Vergessene Bauhaus-Frauen. Lebensschicksale in den 1930er und 1940er Jahren. Klassik Stiftung Weimar, Weimar 2021, ISBN 978-3-7443-0405-4.
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Einzelnachweise
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