Herr der Zeit (englisch: The Accidental Time Machine) ist ein im Jahr 2007 veröffentlichter Science-Fiction-Roman von Joe Haldeman. Matthew Fuller, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Physik am Massachusetts Institute of Technology, hat versehentlich eine Zeitmaschine entwickelt, mit der man in die Zukunft reisen kann jedes Mal um exponentiell längere Zeiträume.

Handlung

Die Handlung des Buches setzt im Jahr 2057 ein, doch der technologische Fortschritt ist bis auf die namensgebende Zeitmaschine eher unauffällig: Die Hauptperson Matt Fuller verdingt sich als Mitarbeiter am MIT und erschafft rein zufällig eine kleine, kastenartige Zeitmaschine, während er eigentlich ein Messgerät zum Aufspüren von Gravitonen konstruieren will. Als Fuller, der zu diesem Zeitpunkt durch leistungssteigernde Drogen bereits tagelang wach ist, die Maschine aktiviert, verschwindet sie, um kurz darauf zurückzukehren. Es stellt sich heraus, dass die Machine in die Zukunft reisen kann. Jedes Mal, wenn sie erneut aktiviert wird, reist sie weiter als beim vorherigen Sprung; zunächst 34 Minuten, dann 6 Stunden und 48 Minuten. Fuller rechnet aus, dass die folgenden Intervalle 3,34 Tage, 39,54 Tage, 465 Tage, 15 Jahre, 177 Jahre, 2094 Jahre und so weiter betragen werden.

Da Fuller weder seine Stellung, in der ihm wenig zugetraut wird, noch seine Beziehung zu seiner lieblosen Freundin Kara wirklich etwas bedeuten, beschließt er mit einem umgebauten Kraftfahrzeug weiter in die Zukunft zu reisen. Seine erste Reise führt ihn etwas mehr als ein Jahr in die Zukunft: Matt findet sich in einer unangenehmen Situation wieder, da ein Freund, der ihn bei der Vorbereitung seines ersten Sprungs unterstützt hatte, wenig später unter verdächtigen Umständen gestorben ist. Matt wird festgenommen, doch ein geheimnisvoller Wohltäter entrichtet eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar. Matt ist überzeugt, dass es sich bei dieser Person um ihn selbst handeln muss, herbeigereist aus einer fernen Zukunft. So entschließt er sich, weiter in diese Zukunft vorzustoßen.

Er reist weiter in die Zukunft, 465 Tage, dann 15 Jahre, wo er von Professor Marsh begrüßt wird, der die theoretischen physikalischen Grundlagen der Zeitreise berechnet und so Fuller aufgespürt hat. Über ein Jahrhundert später findet er in Massachusetts einen fundamentalistischen Gottesstaat vor. Die Bewohner geben an, es sei vor etwa 70 Jahren zur Wiederkunft Jesu gekommen, und dieser habe dann eine Diktatur errichtet. Das MIT ist jetzt als das Massachusetts Institute der Theosophie bekannt. Als Jesus von Matt verlangt die Zeitmaschine zu zerstören flüchtet er mit der jungen Studentin Martha in das Jahr 4346.

Dort finden sie eine Gesellschaft vor, in der die gesamte Menschheit von wohlwollenden Robotern umsorgt werden. Da die Menschen nicht mehr arbeiten müssen investieren sie stattdessen viel Zeit in höchst komplizierte Tauschgeschäfte (eine Währung existiert nicht mehr). Matt und Martha begegnen einer künstlichen Intelligenz namens La. Da La von Matts Zeitmaschine erfahren hat, möchte sie ihn begleiten.

Während die drei weiter in die Zukunft reisen, erhalten Matt und Martha in ihren Träumen Botschaften von Wesen, die sie davor warnen, dass La bereit ist, ihr Leben für ihr Ziel zu opfern, und ihnen raten, Zeit zu schinden, um sie einholen zu können. Gleichzeitig entdecken sie immer mehr unbekannte Lebensformen, darunter androgyne Menschen und eine Rasse intelligenter Bären. Nicht werden sie freundlich willkommen geheißen. Da es in der Zukunft viele Krankheiten nicht mehr gibt fehlt den dortigen Menschen die Immunität, weswegen Zeitreisende als gefährliche Überträger von Krankheiten betrachtet werden.

So reisen sie weiter und finden die Welt als eine Wüste vor, in der sie erfahren, dass die meisten Menschen ins Weltall ausgewandert sind. Schließlich erscheinen die Wesen aus Matts Träumen und intervenieren. Sie ermöglichen es La, allein weiter in die Zukunft zu reisen, schicken jedoch Matt und seine Begleiterin zurück an einen Ort oder in eine Zeit ihrer Wahl. Denn auch ihre Kräfte sind begrenzt, sie können bei einer Sendung in die Vergangenheit entweder den Ort oder den Zeitpunkt genau festlegen, nie jedoch beides. Da Matt und Martha nicht riskieren wollen im Meer oder im Inneren eines Berges zu materialisieren, entscheiden sie sich für das MIT. Nachdem sie dort angekommen sind müssen sie feststellen, dass sie sich am Ende des 19. Jahrhunderts befinden. Da sie keine andere Wahl haben, finden sie sich mit ihrem Schicksal ab und richten sich in ihrem neuen Leben ein. Matt und Martha gründen eine Familie. Am Ende des Buches stellt sich heraus, dass Professor Marsh (Matts MIT-Professor Mitte des 21. Jahrhunderts) in Wirklichkeit Matts Ur-Ur-Enkel ist.

Zeitlinie und die verschiedenen Gesellschaften 2. Februar 2058: Matts erste Zeitreise – 39 Tage. Taucht mitten auf einer Straße in Boston auf. 15. Mai 15 2059: 465 Tage später. Taucht mitten auf einem vollen Highway auf. 2074: 15 Jahre später. Matt taucht auf dem Spielfeld eines Stadions auf, dass „Matthew Fuller Sports Centre“ heißt. Die Gesellschaft ist der von 2058 ähnlich, ist aber auf dem Gebiet der Wissenschaft und technologie fortschrittlicher. Auch gibt es neue Trends wie z. B. Gesichtsnarben bei Körpermodifikationen. 2252: 177 Jahre später. Matt taucht an der Grenze zu New Hampshire auf. Dort hat sich ein theokratische Gesellschaft gebildet, an dessen Spitze ein Anführer steht, der sich als Jesus ausgibt. Die Einwohner scheuen Technik und das Studium jedweder Geschichte vor dem Einjährigen Krieg. Sie glaube, dieser Krieg wurde zwischen Gläubigen und Nicht-Gläubigen von Jesu nach seiner Wiederkunft ausgetragen. Sie bezeichnen das Jahr, in dem Matt ankommt, als 71. 4346: 2.094 Jahre später. Matt und Martha kommen in der Nähe von Kalifornien in einer Gesellschaft an, die von einer künstlichen Intelligenz namens La (von L. A.) regiert wird. Es scheint keine Armut oder Krankheit zu geben und die Bewohner leben nach den Regeln des Tauschhandels, der sich auf materiellen Reichtum konzentriert. 24.000 Jahre später. Martha, La und Matt landen mit ihrem Gleiter im Pazifischen Ozean vor der Küste Indonesiens und reisen nach Australien und Amerika. Sie werden von einem Hologramm begrüßt, das ihnen aufgrund ihrer Erfahrung mit Krankheiten, die von früheren Zeitreisenden eingeschleppt wurden, keinen Kontakt zur Gesellschaft erlaubt. Ansonsten begegnen sie biotechnologisch veränderten Dinosauriern und bärenähnlichen Menschen. 320.000 Jahre später. Es scheint kein Leben mehr auf der Erde zu geben. Deshalb reisen sie zum Mond. Dort begegnen sie nur großen, feindseligen mechanischen Kreaturen. 3,5 Millionen Jahre später. Sie treffen sechs weitere Zeitreisende, die Martha und Matt in die Vergangenheit und La in die Zukunft schicken. 1898. Martha und Matt kommen wieder in Boston an.

Vergleich mit Haldemans Der Ewige Krieg Die Laufbahn der Hauptperson Mandella in Der Ewige Krieg beginnt im Jahr 1995 und endet 3143; Matt Fuller begegnet dem Leser im Jahr 2058 und reist so weit in die Zukunft, dass Datumsangaben sinnlos erscheinen.

Dramatis personæ Matt Fuller – Protagonist, MIT-Labormitarbeiter Professor Jonathon Marsh – Vorgesetzter von Matt Fuller Kara – Lieblose Lebensabschnittsgefährtin der Hauptperson Strom – Karas neuer Lebensgefährte/Ehemann Denny Peposi – Matts Dealer Vater Hogarty – MIT Professor im Fachbereich Theokratie Martha – MIT Assistentin, später Matts Gefährtin La – Überlegene künstliche Intelligenz Em & Arle – Bewohner der Zeit des Tauschhandels Jesus/Jesse – Allmächtiger Zeitreisender aus der Zukunft, der Matt zurücksendet

Literatur Joe Haldeman: Herr der Zeit. Mantikore-Verlag, Frankfurt am Main 2012, ISBN 3-939212-18-0.

Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Literatur (Vereinigte Staaten) Kategorie:Science-Fiction-Literatur Kategorie:Joe Haldeman