Als Cadenza doppia () werden in der heutigen Musiktheorie Schlusswendungen bezeichnet, in der zwei Sopranklauseln zum gleichen Zielton unmittelbar aufeinanderfolgen, zuerst ohne, dann mit Synkopendissonanz. Die anderen Stimmen und insbesondere der Bass können dabei unterschiedlich gestaltet sein, indem sie diese Sopranklauseln auf unterschiedliche Weise kontrapunktieren, z. B.:

Bei den Varianten, bei denen der Bass auf einer langen Pänultima der Bassklausel liegen bleibt (im Notenbeispiel die ersten beiden Fälle), ergibt sich eine Besonderheit der Dissonanzbehandlung, die „konsonierende Quarte“: Die Quarte als Synkopendissonanz (3. Zählzeit zwischen Bass und Mittelstimme) bleibt aus der vorhergehenden unbetonten Zählzeit liegen und wird damit auf eine außerhalb von Kadenzen regelwidrige Weise vorbereitet.Siehe Menke 2015, S. 214.

Diese Kadenzformel ist schon in Musik des 15. Jahrhunderts anzutreffen. Nicola Vicentino bezeichnete sie bereits 1555 als veraltet. Trotzdem ist sie in der Musik des 17. Jahrhunderts nahezu allgegenwärtig und ist auch in Musik der nächsten zwei Jahrhunderte noch häufig anzutreffen.Siehe Menke 2011. So schließt z. B. der erste Abschnitt der Mondschein-Sonate Ludwig van Beethovens mit einer cadenza doppia:

Der Begriff wurde im 18. Jahrhundert in Neapel verwendet, insbesondere im Umfeld von Francesco Durante.Menke 2011, S. 393; Sanguinetti 2012, S. 105–108. Ältere historische Bezeichnungen sind u. a. Cadentia major perfectis (Georg Muffat) und Cadenza composta maggiore (Francesco Gasparini, Johann Gottfried Walther).Menke 2011, S. 393.

Quellen und Literatur (chronologisch) Nicola Vicentino: L’antica musica ridotta alla moderna prattica. Rom 1555 (online). Georg Muffat: Regulae Concentuum Partiturae 1699. Hg. von Bernhard Lang (online). Francesco Gasparini: L’armonico pratico al cimbalo. Bologna 1722 (online). Johannes Menke: Die Familie der cadenza doppia. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Musiktheorie (ZGMTH). Bd. 8, Nr. 3, 2011, , S. 389–405 (online). Giorgio Sanguinetti: The Art of Partimento. Oxford University Press, Oxford 2012, ISBN 978-0-19-539420-7.

Weblinks earlymusicsources.com:

Einzelnachweise

Kategorie:Musiktheorie Kategorie:Teil einer musikalischen Form