mini|hochkant|Anna Sara Hochschild und ihr Verlobter, der promovierte Offiziersstellvertreter Paul Reiner, Frühling 1916

Anni Reiner (geboren am 27. Februar 1891 in Frankfurt am Main, Deutschland; gestorben am 28. Februar 1972 in Zürich, Schweiz), geboren als Anna Sara Hochschild,Geburtsregister Anna Sara Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 883/1891, S. 283, 2. März 1891Zivilstandsregister Zürich, Band 1, Sterbeeintrag Nr. 471/1972, S. 371; Zitiert gem. handschriftl. Vermerk auf der Geburtsurkunde der Anna Sara Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 883/1891, S. 283, vom 2. März 1891. war eine qualifizierte deutsche Krankenpflegerin,„Ausweis für staatlich geprüfte Krankenpflegepersonen. Pr. I. 7 M. 1137. Die Krankenpflegeschülerin Anna Hochschild aus Frankfurt a./Main, welche vor der staatlichen Prüfungskommission in Frankfurt a./Main die Prüfung für Krankenpflegepersonen mit der Gesamtzensur »Sehr gut« bestanden hat und die zur Ausübung des Krankenpflegeberufs erforderlichen Eigenschaften besitzt, erhält hiermit die Bescheinigung, daß sie staatlich als Krankenpflegerin anerkannt ist. […] Wiesbaden, den 11. Oktober 1915. Der Regierungspräsident“, eigenhändige Signatur, Dienststempel des kgl. preuß. Regierungspräsidenten in Wiesbaden. – Zitiert nach: Faksimile des Originaldokuments aus dem Nachlass der Anna Sara Reiner, geb. Hochschild, Schweiz. eine pädagogisch nicht ausgebildete Hilfslehrkraft für die jüngsten Schüler in der Freien Schulgemeinde in Wickersdorf und in der Schule am Meer auf Juist sowie eine schweizerische Kinderbuchautorin.Anna Sara Hochschild studierte in Heidelberg, München und Frankfurt am Main, zunächst Naturwissenschaften, dann jedoch Philosophie und später zusätzlich Literaturgeschichte. Sie erwarb aufgrund ihrer ersten Schwangerschaft und der Geburt des Kindes keinen akademischen Abschluss bzw. absolvierte kein Staatsexamen für ein Lehramt. Sie konnte demzufolge nicht als geprüfte Lehrerin an staatlichen Schulen tätig werden, sondern wurde de facto im Gefolge ihres Ehemanns in den privaten Landerziehungsheimen Freie Schulgemeinde in Wickersdorf (ab 1920) und Schule am Meer auf Juist (ab 1925) als Hilfslehrkraft bei den jüngsten Schülern eingesetzt und konnte auch ihre Qualifikation als staatlich geprüfte Krankenpflegerin (nicht Krankenschwester = anderes Berufsbild, deutlich längere Ausbildung) in den Krankenstationen dieser Internate zur Anwendung bringen. – Es gibt bislang keinerlei Primärbeleg dafür, dass Anna Sara Reiner jemals geplant gehabt hätte, auf das Lehramt hin zu studieren. Ihr Studienfach Literaturgeschichte jedenfalls ist kein Schulfach, wenngleich sich daraus Bezüge zum Deutschunterricht höherer Jahrgangsstufen (Oberstufenschüler) ableiten lassen, den sie jedoch nur für die jüngsten Schüler neben Rechnen erteilt hat, beides auf Elementarschulniveau, also weitestgehend ohne Bezug zu ihren Studienfächern Literaturgeschichte und Philosophie. – Zitiert nach: Faksimiles der Originaldokumente aus dem Nachlass der Anna Sara Reiner, geb. Hochschild, SchweizReiner, Anni: Mein Freund Elio, Cecilie Dressler Verlag, Berlin 1962, Aufl. 1. bis 5. Tsd., 111 S. In: Deutsche Nationalbibliothek, auf: d-nb.infoReiner, Anni: Mein Freund Elio, Dressler, Berlin 1962, 111 S., Ill., auf: swisscovery.slsp.ch

Familie mini|hochkant|Anni Reiners Eltern Philippine und Zachary Hochschild, um 1900 mini|hochkant|Die Geschwister von links: Henriette „Henni“ Hochschild, Philipp Hochschild, Alice Gustine Hochschild und Anna Sara Hochschild, 1902 mini|hochkant|Eva, Renate und Ruth Reiner auf dem Areal der Schule am Meer auf der ostfriesischen Nordseeinsel Juist, vor der Geburt ihrer Schwester Karin, um 1929

Anna Sara Hochschild war das jüngste von vier Kindern bzw. die jüngste Tochter des Mitbegründers der Frankfurter Metallgesellschaft AG und der Metallurgischen Gesellschaft AG, Zachary Hochschild (geboren am 16. Mai 1854 in Biblis; gestorben am 6. November 1912 in München), und dessen Ehefrau Philippine Hochschild (geboren am 7. Juli 1859 in Frankfurt am Main; gestorben am 28. Dezember 1931 ebenda), geborene Ellinger.Eva-Maria Prenzel: Hochschild, Zachary. In: Deutsche Biographie, auf: deutsche-biographie.de

Anna Sara Hochschild hatte drei ältere Geschwister, zwei Schwestern und einen Bruder:

die Erstgeborene Henriette „Henni“ Hochschild (geboren am 13. Mai 1882 in Frankfurt am Main; gestorben am 9. Mai 1965 in Königstein im Taunus),Geburtsurkunde Henriette Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 1563/1882, S. 363, 15. Mai 1882.Heiratsurkunde Karl Rudolf Euler und Henriette Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 2094/1903, Blatt 24, 28. September 1903.Sterbeurkunde Henriette Hochschild, Standesamt Königstein/Ts., Nr. 37/1965; Zitiert nach: Vermerk auf Geburtsurkunde Henriette Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 1563/1882, S. 363, 15. Mai 1882. später trotz Widerstands des Vaters verheiratet mit dem als nicht standesgemäß erachteten Kaufmann Carl Rudolf Euler (* 19. Oktober 1875 in Frankfurt am Main; † 2. März 1964 in Königstein im Taunus),Euler, Rudolf. In: Deutsche Biographie, auf: deutsche-biographie.deMartin Münzel: Die jüdischen Mitglieder der deutschen Wirtschaftselite 1927–1955. Verdrängung – Emigration – Rückkehr (= Sammlung Schöningh zur Geschichte und Gegenwart). Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2006, ISBN 978-3-506-75625-1, S. 83.Sterbeurkunde Karl Rudolf Euler, Standesamt Königstein im Taunus, Nr. 15/1964, 12. März 1964; Zitiert nach: Vermerk auf Heiratsurkunde Karl Rudolf Euler und Henriette Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 2094/1903, Blatt 24, 28. September 1903. Philipp Hochschild (geboren am 29. Dezember 1883 in Frankfurt am Main; gestorben am 17. März 1946 in Hampstead, Middlesex, England)Geburtsurkunde Philipp Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 4090/1883, S. 490, 31. Dezember 1883. und Alice Gustine Hochschild (geboren am 10. August 1889 in Frankfurt am Main; gestorben am 23. Dezember 1948 in Zürich),Geburtsurkunde Alice Gustine Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 2878/1889, S. 478, 12. August 1889. später verheiratet mit dem Zürcher Mediziner Paul von Monakow (* 24. März 1885 in Pfäfers, Kanton St. Gallen, Schweiz; † 22. August 1945 in Samaden, Kanton Graubünden, Schweiz).Heiratsurkunde Paul von Monakow und Alice Gustine Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 883/1912, Blatt 299, 30. September 1912.Prof. Dr. Mieczyslaw Minkowski: Privatdozent Paul von Monakow – 24. März 1885 bis 22. August 1945 (Nachruf). In: Universität Zürich, Jahresbericht 1945/46. Hrsg. v. d. Universität Zürich, Art Institut Orell Füssli A.-G., Zürich, S. 62–64.

Am 11. Dezember 1916 heiratete Anna Sara Hochschild den im Kriegseinsatz befindlichen promovierten „geprüften Lehramtspraktikanten“ Paul Reiner, evangelisch-lutherischer Konfession. Als dessen Trauzeuge fungierte der Schriftsteller Gustav Wyneken, für Anni deren Schwager Carl Rudolf Euler.Heiratsregister Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 764/1916, Blatt 175, vom 11. Dezember 1916 für den „Hauslehrer Doktor der Philosophie Paul Reiner, evangelischer Religion, geboren in Nürnberg Bleiweishof, wohnhaft in Wolfratshausen, Regierungsbezirk Oberbayern, mit Anna Sara Hochschild, ohne Beruf, israelitischer Religion“; Als Trauzeugen sind verzeichnet: für die Braut der Kaufmann Rudolf Euler und für den Bräutigam der Schriftsteller Gustav Wyneken.Zivilstandsregister Zürich, Band 1, Sterbeeintrag Nr. 471/1972, S. 371; Zitiert gem. handschriftl. Vermerk auf der Geburtsurkunde der Anna Sara Hochschild, Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 883/1891, S. 283, vom 2. März 1891.

Aus der Ehe von Anna Sara und Paul Reiner gingen vier Töchter hervor, die standesamtlich als der israelitischen Religion zugehörig eingetragen wurden:

Renate „Nati“ (geboren am 8. Dezember 1917 in Frankfurt am Main; gestorben am 13. Januar 2003 in Ann Arbor, Michigan, USA)Renate Reiner besuchte in Wickersdorf die Dorfschule, ab 1925 das Landerziehungsheim Schule am Meer auf Juist. Um 1939 war sie in Zürich unter der Anschrift Hinterbergstraße 61 als Gymnastiklehrerin gemeldet. In Zürich lernte sie den ETH-Doktoranden Hans Samelson kennen, den sie nach dessen Promotion am 29. November 1940 in Zollikon heiratete. 1941 emigrierte sie mit ihm gemeinsam über Lissabon in die Vereinigten Staaten. Sie erhielt ihre US-Staatsbürgerschaft am 8. April 1947 in Syracuse, NY. Aus ihrer Ehe ging ein Sohn hervor, Peter Samelson (* 3. Juni 1949). Die Ehe wurde am 26. September 1956 in Ann Arbor, Michigan, USA, geschieden. – Zitiert nach: Renate Samelson: Renate’s Saga, autobiographische Aufzeichnungen mit 12 Fotos, Ann Arbor, Michigan, USA, abgeschlossen im Jahr 2002, 25 Seiten, unveröffentlicht; Zitiert nach: Adressbuch der Stadt Zürich 1940, 65. Band, Teil I, Orell Füssli Verlag, Zürich 1940, S. 867; Zitiert nach: „List or Manifest of Alien Passengers for the United States Immigrant Inspector at Port of Arrival, List ten (10), S.S. Ciudad de Sevilla, Passengers sailing from Lisboa, 15th May, 1941. Arriving at Port of New York, 3th (sic!) June, 1941. Pos. 30: Samelson, Hans, Doctor, able to read German, English, French. Place of Birth: Strasburg (sic!). Race or People: Hebrew. Immigration Visa QIV 2108, issued Zurich, 23 Jan 1941. Last permanent residence: Zurich, Switzerland. Nearest relative: Mother-in-law Anna Reiner, Brissago, Switzerland. Final destination: Institute for Advanced Study, Princeton, NJ“; Zitiert nach: „List or Manifest of Alien Passengers for the United States Immigrant Inspector at Port of Arrival, List eleven (11), S.S. Ciudad de Sevilla, Passengers sailing from Lisboa, 15th May, 1941. Arriving at Port of New York, 3th (sic!) June, 1941. Pos. 1: Samelson, Renate, Teacher, able to read German, English, Swedish. Place of Birth: Frankfort (sic!). Race or People: Hebrew. Immigration Visa QIV 19031, issued Zurich, 27 Jan 1941. Last permanent residence: Zurich, Switzerland. Nearest relative: Mother Anny (sic!) Reiner, Casa Reiner, Brissago, Switzerland. Final destination: Institute for Advanced Studies (sic!), Princeton, NJ“. Eva Maria (geboren am 14. Juni 1919 in Frankfurt am Main; gestorben am 23. Januar 1999 in Zollikon, Kanton Zürich, Schweiz)Zitiert nach: Vermerk über Geburtsurkunde Eva-Maria Reiner I/394/1919 auf der Heiratsurkunde Standesamt Frankfurt am Main, Nr. 487/1881, Blatt 137, für den Kaufmann Zodik (genannt Zachary) Hochschild und Philippine Ellinger vom 1. Juni 1881Zitiert nach: Faksimile der Meldekarte der Familie Paul Reiner, Signatur ISG_A.12.02_R02928. In: Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, übermittelt durch Christian König M.A., 8. Januar 2021. Ruth „Ruthli“ Elisabeth (geboren am 15. September 1922 in Saalfeld, Thüringen; gestorben am 22. Mai 1948 in Marina di Massa, Toskana, Italien) Karin (geboren am 24. August 1931)

Renate, Eva und Ruth waren Schülerinnen der Schule am Meer.Schülerbuch der Schule am Meer Juist: Renate Reiner, Blatt 34; Eva Maria Reiner, Blatt 135; Ruth Elisabeth Reiner, Blatt 230. In: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Kiel, Nachlass Luserke, Martin, Signatur: Cb 37. Alle vier Töchter sollen nach dem 30. Januar 1933 christlich getauft worden sein,Schriftlich übermittelte Angaben durch Peter Samelson (USA), Sohn der ältesten Tochter des Paul Reiner, Renate Reiner, später verh. Samelson, 6. Januar 2021. ein Primärbeleg dafür steht jedoch aus.

Leben Schule und Studium