Der Vitusbach ist ein heute im Gebiet der Altstadt von Regensburg meist unterirdisch verrohrt verlaufender Bach, der an einigen Orten im Stadtgebiet noch kleine Teiche speist. Der früher wasserreiche Vitusbach hat im Verlauf der Entwicklung der Stadt Regensburg immer eine wichtige Rolle gespielt. Die Quelle des Baches befindet sich im heutigen südlichen Stadtgebiet von Regensburg mitten in einem ehemaligen großen Quellgebiet im Umfeld vom ehemaligen Kloster Prüll, das sich in der Neuzeit zum heutigen Bezirksklinikum Regensburg entwickelte. Der Vitusbach verlief von einer erhöht gelegenen Quelle nach Norden, wo er nach seinem Verlauf im Dorfgebiet von Kumpfmühl nach Osten abwich und weiter in einer Ost-West-Senke verlief, in der heute die mehrspurige Ost-West-Bahnlinie verläuft. Am östlichen Ende der Senke erreichte der Vitusbach das heutige Gebiet der Altstadt von Regensburg. Hier spielte der Bach in der Römerzeit eine wichtige Rolle bei der Wahl des Standortes für das römische Legionslager Castra Regina. Nach Errichtung des Legionslagers 175 n. Chr. blieb der Vitusbach weiterhin wichtig für Versorgung und Betrieb des römischen Legionslagers, indem er die Brauchwasserversorgung und die Abwasserentsorgung der 6000 Bewohner des Legionslagers sicher stellte und im Verlauf der folgende Jahrhunderte auch in das heutige Stadtgebiet eindrang.
Ab 900 n. Chr. ermöglichte der Vitusbach mit Hilfe einiger von ihm gespeisten Nebenbäche die arnulfinische Erweiterung des Stadtgebiets und damit die Erweiterung des beengten Legionslagers nach Westen und Südwesten zu der mit der Arnulfinischen Stadtmauer und mit Stadtgraben geschützten, mit Fließwasser versorgten, frühmittelalterlichen, bedeutenden Handelsstadt Regensburg.
Erneut nach 1300 ermöglichte und begleitete der Vitusbach auch die nächste Stadterweiterung des Stadtgebiets mit der neu erbauten mittelalterlichen Stadtmauer nach Westen und Osten und ermöglichte damit die Gestaltung weiterer Stadtgebiete zu einer mit Stadtmauer und Stadtgraben befestigten und mit Brauchwasser im gesamten Stadtgebiet gut versorgten mittelalterlichen befestigten Großstadt, dem Vorläufer der heutigen Altstadt von Regensburg. Die ehemaligen Verläufe des Vitusbachs und der von ihm abzweigenden Nebenbäche im Gebiet der Altstadt sind noch heute an den Verläufen und Namen von einigen der heutigen Straßen plausibel nachvollziehbar, jedoch wegen vieler späterer Verzweigungen und Verschüttungen nicht in allen Einzelheiten aufgeklärt und nachgewiesen.
Überblick Geschichte Der Vitusbach entspringt ca. 1 km südlich außerhalb der heutigen Altstadt von Regensburg in einem Quellgebiet bei Kloster Prüll. Der Bach verläuft dann nach Norden, versorgte das ehemals bayerische Dorf Kumpfmühl, das 1810 ein Vorort von Regensburg wurde, mit Wasser und betrieb dort eine Getreidemühle, die dem Ort den Namen gab. Im weiteren Verlauf des Vitusbachs nach Norden änderte sich die Fließrichtung nach Osten, als der Bach das heutige Stadtgebiet von Regensburg dort erreichte, wo 175 n. Chr. das römische Legionslager Castra Regina entstehen sollte. Die Änderung der Fließrichtung des Vitusbachs nach Osten wurde verursacht durch die noch heute in Ost-West-Richtung verlaufende ca. 50 m breite Bodensenke, in der nach 1850 die Bahngleise und der Hauptbahnhof entstanden. Das ab hier in Richtung Osten fließende Wasser des Vitusbaches, ließ die Brauchwasserversorgung des hier geplanten römischen Legionslagers möglich erscheinen. Damit bestimmte Der Vitusbach die Wahl des Ortes und die Gestaltung von Legionslager und Umfeld. Nach der Errichtung des Legionslagers sicherte der Vitusbach nicht nur den Betrieb des Lagers, sondern mit Hilfe von Abzweigungen später auch den Betrieb der westlich des Legionslagers entstehenden Zivilsiedlungen.
Nach der Auflösung des römischen Legionslagers spielte der Vitusbach bis 900 n. Chr.weiterhin eine Rolle als Lieferant von Brauchwasser bei der Entwicklung des ehemaligen Legionslagers zu einer Stadt der bajuwarischen Herzöge. Nach 900 n. Chr. musste im frühen Mittelalter das früh außerhalb der Stadtmauer entstandene Kloster Sankt Emmeram und die westlich des Legionslagers entstandenen zivilen Siedlungsgebiete bis hin zum Südufer der Donau durch neue Stadtmauern und Wassergräben, gespeist vom Vitusbach, geschützt werden. Diese Entwicklung wiederholte sich, als nach 1300 neu entstandene Stadtgebiete im Osten und Westen wiederum mit neuen Stadtmauern und Wassergräben geschützt werden mussten. Wie im bisherigen Stadtgebiet mussten auch in den neuen Gebieten die Straßen gereinigt, Abfälle in die Donau geschwemmt, Stadtbauern mit Wasser versorgt und die neuen Gewerbegebiete im Westen der Stadt mit Brauchwasser versorgt werden.
Nach dem Abbruch der Stadtmauern ab 1860 übernahm der Vitusbach bei der Entwicklung der Stadt zur heutigen Welterbe-Stadt Regensburg im Stadtgebiet die Aufgabe der Wasserversorgung für Gemüseanbau und Gartenanlagen in den Bereichen der Gelände von Zwinger und Stadtgraben. Als Antrieb für die Mühle im Ortsteil Kumpfmühl war der Vitusbach noch am Beginn des 20. Jahrhunderts in Betrieb. Auch heute verläuft der nur noch wenig Wasser führende Vitusbach noch im Stadtbereich, ist aber im Bereich der Altstadt unterirdisch verrohrt und verliert sein Restwasser durch Versickerung und in der Donau. An einigen Orten hat sich der Vitusbach in Form von Teichen erhalten. Frei aber nur schwach fließend verläuft der Vitusbach heute noch in der Nähe seines Quellgebiets im Bereich einer Kleingartenanlage.
Vitusbach früher und heute Quellgebiet
Die Quelle des Vitusbachs befindet sich im Stadtbezirk 13 von Regensburg im Ortsteil Kumpfmühl auf dem Gelände des ehemaligen Kartäuserklosters Kloster Prüll. Die Bezeichnung Prüll meint ein sumpfiges Gelände, das sich in diesem Fall auf ganzer Breite am Südhang eines Ost-West-Höhenzuges gebildet hatte. Damit war die Quelle eine von mehreren ehemaligen Quellen in diesem quellenreichen Gebiet am Fuß des Höhenzuges, der südlich oberhalb des Klosters, zwischen Neuprüll und Ziegetsdorf verläuft.
Heute verläuft am Fuß des ehemaligen Quellhanges in Ost-West-Richtung die Ludwig-Thoma-Straße als Zubringer zur Universität und zum Bezirksklinikum Regensburg, dem Nachfolger des Klosters. Östlich der Einmündung der Nord-Süd-Nebenstraße Am Vitusbach in die Ludwig-Thoma-Straße, unterhalb der erhöht verlaufenden schmalen Gasse Karthaus Prüll tritt die Quelle des Vitusbachs in einer unterirdischen romanischen Brunnstube im Gartenbereich der ehemaligen Kartause Nr. 8 aus dem Boden. Bei der Brunnenstube handelt es sich um einen tonnengewölbten, 4 m hohen und 2,7 × 2,2 m großen unterirdischen Raum, dessen Boden mit Kalksteinplatten ausgelegt ist.
Nördlich benachbart der Quelle war der Standort der ehemaligen Pfarrkirche des Klosters St. Vitus. Die Pfarrkirche wurde vom Vitusbach in einem Stollen unterirdisch gequert. 1803 wurde die Pfarrkirche im Verlauf der Säkularisation in Bayern abgebrochen und unter Erhöhung des Straßenniveaus mit einem Wohnhaus überbaut. Dadurch wurde der Zugang zum Stollen und damit zur Quelle durch einen Vorbau so erschwert, dass heute ein einfacher Zugang zur Brunnstube nicht mehr möglich ist.Helmut Gloßner: in memoriam: Der Vitusbach in Regensburg, Hrsg. Helmut Gloßner, Regensburg 1998, ISBN 3-00-003441-2, S. 5–11. mini|Vitusbach, kurz oberirdisch, beim Eintritt in die gleichnamige Dauergartenanlage Nach dem Quellaustritt speiste der Vitusbach den großen Vitusweiher. Der Weiher wurde von den Mönchen als Fischteich genutzt, war aber auch ein Wasserreservoir für den Betrieb der Mühle in Kumpfmühl. Für das Klosterleben in dem um 1000 v. Chr. gegründeten, dem heiligen Vitus geweihten Benediktinerkloster, das 1484 den Mönchen der Kartäuser überlassen wurde, war die Wasserversorgung durch die wasserreiche Quelle des Vitusbachs sehr hilfreich. Die Quelle speiste auch einen benachbarten großen Teich, in dem Fische gezüchtet und im Winter Eis für Bierkeller gewonnen wurde. 1929 wurde der Vitusweiher zugeschüttet und auf dem Gelände entstand eine Kleingartenanlage, was für die damalige Zeit typisch war. In dieser Anlage verläuft der Vitusbach noch heute etwas versteckt oberirdisch offen.Dem Vitusweiher nordöstlich benachbart lag, gespeist von einer weiteren Quelle, der sog. mit Schilf bewachsene Schaferer-Weiher. Dieser Weiher war ein Vogelparadies und bot noch in der Neuzeit im Sommer Badegelegenheiten für Kinder und im Winter Möglichkeiten zum Eisstockschießen. Der Weiher wurde erst 1969 ohne dass es Proteste gab aufgefüllt.Helmut Gloßner: in memoriam: Der Vitusbach in Regensburg, Hrsg. Helmut Gloßner, Regensburg 1998, ISBN 3-00-003441-2, S. 57
mini|Vitusbach Quellgebiet Kloster Prüll, Ansicht 1742 mini|Vitusbach Quellort: unter der Kartause Nr. 8 der Klosterkirche St. Vitus Kumpfmühl Westlich oberhalb des Dorfes Kumpfmühl erbauten um 80 n. Chr. die Römer das Kastell Kumpfmühl. Der Bau des Kastells auf dem höher gelegenen Gelände hatte aber keinen Einfluss auf den weiter östlich entfernten und tiefer gelegenen Verlauf des Vitusbachs. Auch die Wasserversorgung und die umfangreichen Badeanlagen des Kumpfmühler Kastells wurden nicht vom Vitusbach, sondern von einem anderen, günstiger verlaufenden Bach versorgt. Das Wasser des Vitusbachs konnte aber zum Betrieb der Getreidemühle genutzt werden, da Brot und Backwaren für die Legionäre das Hauptnahrungsmittel waren.
Der Vitusbach verlief – und verläuft auch noch heute – dem leicht abfallenden Gelände folgend nach Norden, versorgte die dortigen Siedlungsgebiete und die Landwirtschaft im Bereich des damaligen Dorfes Kumpfmühl mit Wasser und sorgte im Dorf für den Betrieb einer wohl schon früh vorhandenen Getreidemühle, die bis 1920 betrieben und 1944 bei einem Bombenangriff zerstört wurde. Der Geländehügel für den Standort des Speicherteichs für das Antriebswasser der Mühle ist aber noch heute deutlich erkennbar.
Der Vitusbach selbst verläuft heute in Kumpfmühl unsichtbar unterirdisch verrohrt. Nur im Bereich der heutigen Kleingartenanlage mit dem Namen Am Vitusbach und durch zwei Privatgärten an der Straße Am Mühlbach verläuft der Vitusbach noch oberirdisch offen. Im Garten der ehemaligen Klosterkirche St. Theresia befindet sich der große ehemalige Fischteich des Klosters, welcher durch den Vitusbach unterhalb des ehemaligen Seminargebäudes kommend gespeist wird. Der Abfluss verlief früher in einer Steinrinne offen fließend, jetzt im überbauten ehemaligen Nutzgartenteil des Klosters unterirdisch. Nur wenige Meter weiter nördlich von Kumpfmühl musste der Vitusbach die Ost-West-Bodensenke überwinden, in der heute die Bahngleise verlaufen, um das Stadtgebiet von Regensburg zu erreichen. Das geschah bis ca. 1850, wie schon zur Römerzeit, mit Hilfe eines aufgeschütteten Damms und nach Verlegung der Bahngleise mit Hilfe einer Dükeranlage.
Römisches Legionslager mini|357x357px|Regensburg Altstadt mini|Fotorealistische Rekonstruktion des Legionslagers Castra Regina Das römische Legionslager wurde südlich der Donau nahe dem Ufer erbaut. Das war erforderlich, weil die Donau als Schutz gegen Angriffe von Norden aber auch als Transportweg für Baumaterial benötigt wurde. Die Abmessungen des Lagers und die genaue Positionierung wurden so gewählt, dass das Südwest-Eck des geplanten Legionslagers vom Vitusbach gut erreicht werden konnte. Dort sollte das Wasser des Vitusbachs über einen aufgeschütteten Damm in den Lagerbereich hineinfließen können und das Lager mit Brauchwasser versorgen (siehe unten).