Der Lorraine 37L (auch «Tracteur de ravitaillement pour chars 1937 L») ist ein leicht gepanzertes Kettenfahrzeug, welches kurz vor dem Zweiten Weltkrieg als Versorgungsfahrzeug für die gepanzerten Verbände der französischen Streitkräfte entwickelt wurde und bis zur französischen Kapitulation im Juni 1940 gefertigt worden ist. Im weiteren Verlauf des Krieges wurden die erbeuteten Fahrzeuge von der Wehrmacht übernommen und teilweise zu Selbstfahrlafetten umgebaut.
Hintergrund Im Jahr 1939 wurde die Lorraine 37L nach und nach an die Versorgungseinheiten der Panzerbataillone ausgegeben. Zur gleichen Zeit veränderte sich die taktische Betrachtung über den Einsatz von Panzertruppen. Während der frühen 1930er-Jahre hatte die französische Militärdoktrin die Bildung von tief gestaffelten Abwehrgürteln priorisiert. Diese sollten das Einsickern der feindlichen Infanterie verhindern, um den Gegner zurückzuschlagen, noch bevor er aus dem Angriff heraus in einen Bewegungskrieg übergehen konnte. Doch musste man natürlich damit rechnen, dass der Gegner sich genauso zur Wehr setzen würde. Man war sich bewusst, dass Frankreich für einen neuartigen Bewegungskrieg weniger gut vorbereitet war als der voraussichtliche Gegner Deutschland. Die Panzertruppe der französischen Infanterie war deshalb sehr mit dem unerfreulichen Problem beschäftigt, wie man eine vergleichbare Verteidigung mit mehreren Abwehrgürteln durchbrechen konnte. Dabei setzte man immer auf eine enge Zusammenarbeit mit der Infanterie. Viel weniger Aufmerksamkeit wurde dem nächsten Schritt gegönnt, dem Umfassen der gegnerischen Kräfte. Ende der 1930er-Jahre änderte sich dies. Man hatte inzwischen eine beachtliche Anzahl moderner und gut gepanzerter Infanteriepanzer gebaut und man fühlte sich zunehmend sicherer, dass man in der Lage war die gegnerischen Linien zu durchbrechen, sofern man ausreichend Artillerie- und Luftunterstützung hatte, um in der modernen Technik der kombinierten Waffen einen Erfolg zu erzielen. Gleichzeitig wurde auch für die Politik erkennbar, dass eine große Offensive erforderlich sein würde, um das Deutsche Reich zu besiegen. Nur wenige französische Offiziere erkannten das Erfordernis, geschlossene Panzerdivisionen zu schaffen, die in der Lage wären, die Front zu durchbrechen und die Frontlücke strategisch nutzbar zu machen. Dafür würden gut ausgebildete Panzersoldaten erforderlich sein, die aber zahlenmäßig in Frankreich nicht vorhanden waren. Man erkannte, dass das «manœuvre mass» (die große Truppenbewegung) von Panzern, mit denen der Durchbruch erzwungen wurde, anschließend die feindlichen Abwehrkräfte umfassen und Gegenangriffe der gegnerischen Panzerreserve abwehren musste. Ansonsten würde das Momentum, welches durch den taktischen Durchbruch geschaffen wurde, verloren gehen. Der erreichte Durchbruch würde abgeriegelt werden und die folgenden motorisierten Divisionen und die Kavalleriepanzer-Divisionen würden nicht mehr in der Lage sein, vorzustoßen und strategische Positionen zu besetzen und dann zu halten.
Doch es ergaben sich daraus logistische Probleme. Lastkraftwagen waren nicht in der Lage, den Panzern dicht auf das Schlachtfeld zu folgen. Die in den Vorschriften hinterlegte Prozedur für die Versorgung der Panzer sah die Rückkehr der Panzer in ihre Ausgangsstellung vor, um dort aufgetankt und aufmunitioniert zu werden. Dieses Vorgehen war in den vorhergehenden Kriegen noch möglich gewesen, da die gesamten Operationen viel langsamer verliefen, doch für die Fahrzeuggeschwindigkeit die in den 1930er-Jahren erreicht wurde, war dies nicht mehr sinnvoll. Es war klar geworden, dass es erforderlich sein würde, die Panzer auf dem Gefechtsfeld zu versorgen, damit diese so schnell wie möglich ihren Vorstoß fortsetzen konnten. Daraus ergab sich, dass Versorgungsfahrzeuge mit Kettenlaufwerk erforderlich sein würden, die mit den zu erwartenden schwierigen Geländebedingungen, wie Gräben und Granattrichtern klarkämen. Außerdem war eine Panzerung zum Schutz vor Granatsplittern erforderlich, da die Durchbruchszone sicherlich von gegnerischer Artillerie beschossen würde.
Entwicklung Im Jahr 1934 wurde in Frankreich entschieden, dass die unabhängigen Panzerverbände durch eigene Versorgungsfahrzeuge eine größere Operationsreichweite erhalten sollten. Man entschied die Entwicklung des Kettenschleppers Renault 36R weiter voranzutreiben und 1938 wurden letztlich 300 dieser Fahrzeuge bestellt. Doch dieses Fahrzeug war nur teilweise gepanzert und schon am 17. April 1936 wurde von der Armee offiziell eine Wunschspezifikation für ein vollständig gepanzertes Versorgungsfahrzeug veröffentlicht.Zaloga: French Tanks (1) 2014 S. 42
Anfang 1937 hatte Lorraine einen Prototyp fertiggestellt. Es handelte sich um eine verlängerte Ausführung des ursprünglich als Ersatz für das gepanzerte Infanterieversorgungsfahrzeug Renault UE 31 geplanten ModellsZaloga: French Tanks (1) 2014 S. 42. Im Februar 1937 war die Commission de Vincennes, die für die Ausrüstung der französischen Armee zuständig war, angewiesen worden, diesen Prototyp zu erproben und vor dem 1. November 1937 eine Beurteilung zu erstellen, selbst wenn die Versuche noch nicht abgeschlossen waren. Die Vorführung des Prototyps erfolgte am 9. Juli und die weitere Erprobung lief bis zum 4. August 1937. Das Fahrzeug war mit einem 2,371-Liter-Delahaye-Vierzylinder, vom Typ 124 F motorisiert. Auch wenn das Fahrzeug damit eine maximale Geschwindigkeit von 30 km/h erreichte, so fiel diese auf unbefriedigende 22,8 km/h, wenn der große Kraftstoffanhänger gezogen wurde, der für das Fahrzeug vorgesehen war. Aus diesem Grund wurde es zurück in die Fabrik geschickt. Es wurden ein leistungsstärkerer Sechszylindermotor vom Delahaye Type 135 und eine stärkere Kupplung montiert. Mit diesen Änderungen wurden vom 22. September bis zum 29. Oktober weitere Versuche durchgeführt, bei denen die gewünschte, maximale Geschwindigkeit von 35 km/h erreicht wurde.
Produktion Gegen Ende 1937 wurde das Fahrzeug von der Commission für die Fertigung freigegeben, diese war von dem robusten Fahrwerk sehr beeindruckt. Im September 1939 wurde entschieden, die gesamte Produktionskapazität der Laufwerke für die Fertigung der größeren Kettenschlepper zu verwenden. Hieraus lässt sich schließen, dass der kürzere Schlepper, der den UE ersetzten sollte, nicht in die Fertigung gehen sollte. Eine Bestellung über 100 dieser Schlepper wurde im September 1937 auf das größere Modell geändert.
Im Jahr 1938 wurden drei Aufträge für den Tracteur de ravitaillement pour chars 1937 L (TRC 37L) erteilt: einer über 78, einer über 100 und ein weiterer über 100 Fahrzeuge. Im Jahr 1939 folgte ein vierter über 100 Fahrzeuge und ein fünfter über 74 Fahrzeuge. Rechnet man die 100 Fahrzeuge ein, deren Bestellung auf dieses Modell geändert worden war, kommt man auf eine Gesamtbestellmenge von 552 TRC 37L.
Das erste Serienfahrzeug wurde am 11. Januar 1939 ausgeliefert und bis Kriegsbeginn, am 1. September 1939, waren 212 Fahrzeuge ausgeliefert.
Nach der Kriegserklärung wurden neue, ambitionierte Rüstungspläne erstellt, um die Vergrößerung der französischen Panzerdivisionen zu ermöglichen. Die Gesamtbestellung stieg damit auf 1012 Fahrzeuge. Vor dem Krieg hatte man mit 50 Fahrzeugen pro Monat geplant, nun erwartete man 70 Fahrzeuge. Um dies zu ermöglichen, wurde von der Firma Fouga in Béziers eine zweite Fertigungshalle für den TRC 37L errichtetZaloga: French Tanks (1) 2014 S. 42. Dort wollte man anfangs zwanzig und später dreißig Fahrzeuge pro Monat montieren. Doch diese Zahlen wurden nie erreicht. So wurden zum Beispiel im Januar von Lorraine 20 Fahrzeuge und im Mai 1940 von beiden Werken 32 Fahrzeuge gefertigt. Am 26. Mai 1940 waren von 440 gefertigten Fahrzeugen 432 an die Armee ausgeliefert worden. Die Produktion lief bis zur französischen Kapitulation weiter und zwischen 480 und 490 TRC 37L konnten bis zum 25. Juni fertiggestellt werdenZaloga: French Tanks (1) 2014 S. 42.
Technische Beschreibung Aus dem Chenillette-Projekt (Renault UE) kommend, ist der Lorraine 37L ein verhältnismäßig kleines Fahrzeug, gerade einmal 1,57 m breit. Man hatte Raum geschaffen, indem das Fahrzeug auf eine Länge von 4,22 m gestreckt worden ist, was es recht länglich machte. Ohne Aufbau und Turm ist es mit 1,215 m nicht besonders hoch. Diese schmale Form und die leichte Panzerung – 9 mm für die schrägen, genieteten Platten, 6 mm für die Bodenplatte und das Dach und 12 mm für den gegossenen Bugpanzer – machen es zu einem leichten Fahrzeug. Der normale TRC 37L wiegt leer nur 5,24 t und der Anhänger hat weiter 1,2 t.
Durch das geringe Gewicht des Fahrzeugs ist das Fahrwerk im Vergleich zu anderen Fahrwerkskonzepten französischer Panzer dieser Zeit, die entweder zu kompliziert oder zu empfindlich waren, sehr robust und außergewöhnlich zuverlässig. Sechs große Laufrollen, die in drei Rollenwagen zu zwei Rädern angeordnet sind, sorgen für eine gute Gewichtsverteilung und geringen Bodendruck. Jedes horizontal gegeneinander bewegliche Rollenpaar hat zudem eine vertikale Federung durch ein umgekehrtes Blattfederpaket, dass unmittelbar unterhalb und zwischen den oberen vier Stützlaufrollen platziert ist. Die Ketten sind 22 cm breit. Das Kettentriebrad sitzt vorne und wird über ein Getriebe im Bug des Fahrzeugs angetrieben. Die beiden Besatzungsmitglieder, der Fahrer auf der linken Seite, sitzen vorne im Fahrzeug mit der Antriebswelle zwischen ihnen. Der Einstieg erfolgt über eine breite, fast horizontale Klappe, die nach vorne weg geklappt werden kann, und eine nach oben aufklappbare Platte vor dem Kopfbereich, die für eine ungehinderte Sicht auch während der Fahrt fixiert werden kann und sonst als Schutz mit Sehschlitzen dient.
Der in der Mitte positionierte Motor hat nach vorne zum Fahrerraum ein Brandschott. Der links außen liegende Auspufftopf hat einen Panzerschutz. Alle Serienfahrzeuge wurden von einem Delahaye-Type-135-Sechszylinder mit 3,556 Liter Hubraum angetrieben. Dieser leistet bei 2800 Umdrehungen 70 PS (52 kW) und ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 35 km/h beziehungsweise eine durchschnittliche Marschgeschwindigkeit von 20 km/h. Das Getriebe verfügt über fünf Vorwärts- und einen Rückwärtsgang. Die Watfähigkeit liegt bei 60 Zentimetern, die Grabenüberschreitfähigkeit bei 1,3 m und Steigfähigkeit liegt bei 50 %. Der Kraftstofftank von 114 ltr erlaubt eine Reichweite von 137 km.
Der hintere Aufbau bestand aus einem gepanzerten Ladebord, welches bis zu 810 kg beladen werden konnte, wodurch das Gewicht des Fahrzeugs auf 6,05 t steigt. Wie der Renault UE erhielt auch der TRC 37L einen gepanzerten Anhänger mit Kettenlaufwerk mit zwei Laufrollen pro Seite. Zumeist waren Tankanhänger mit einem Volumen von 565 ltr vorgesehen, welche die Panzer der eigenen Einheit versorgen sollten. An Gewicht konnte maximal 690 kg auf dem Hänger mitgeführt werden, so dass die Gesamttransportlast bei 1,5 t lag. Der Hänger alleine hatte ein Leergewicht von 1,2 t. Mit einer Breite von 1,55 m war der Hänger minimal schmaler als das Zugfahrzeug und mit einer Höhe von 1,33 m mit Tankaufbau war er sogar höher. Das Gespann hatte eine Gesamtlänge von 6,9 m. Auf dem Trailer wurden in der Regel die Kraftstoffpumpe vom Typ „Vulcano“, Kanister mit Schmierölen, Schmierfette, Wasser und ein Sortiment an Ersatzteilen für die Wartungsmannschaften der Panzer mitgeführt.
Die Lorraine 37L der französischen Armee waren in der grünen Standardfarbe gehalten, auf der braune Flecken in der Farbe „Dunkle Erde“ gesprüht waren.
Varianten Der Lorraine 37L bot sich für eine Reihe von unterschiedlichen Aufgaben an, was zu weiteren Versionen führte. Neben den in der Folge aufgeführten Haupttypen gab es weitere Spezialfahrzeuge. Aufgrund der kurzen Produktionszeit sind jedoch von keinem solchen Fahrzeug mehr als einzelne Prototypen gefertigt worden. Erwähnt werden ein Befehlsfahrzeug und ein Funkpanzer, das Voiture de transmissions blindée sur TRC Lorraine 37 L ER.
VBCP 38L