mini|Bruno Kastner auf einer Fotografie von Alexander Binder
Richard Otto Bruno Kastner (* 3. Januar 18903. Januar: Deutsches Bühnenjahrbuch, Jg. 44/1933, (Nachruf) S. 114/115, hier S. 114. Paul S. Ulrich: Biographisches Verzeichnis für Theater, Tanz und Musik. Berlin Verlag Arno Spitz 1997, S. 906. Es wird oft 1891 als Geburtsjahr angegeben. in Forst (Lausitz); † 30. Juni 1932 in Bad Kreuznach) war ein deutscher Schauspieler, der vor allem in Stummfilmen auftrat. Er galt als einer der beliebtesten deutschen Filmschauspieler seiner Zeit.
Leben Bruno Kastner wurde 1890 als Sohn des Steuereinnehmers Paul Ferdinand Richard Kastner und seiner Gattin Ida Elisabeth Emma, geb. Voigt, in Forst geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Fürstenwalde ging Kastner zum Militär, wo er wegen Dienstuntauglichkeit nur 17 Tage blieb. Anschließend nahm er Schauspielunterricht bei dem Schauspieler Paul Biensfeldt in Berlin, wurde darauf vom Stadttheater Harburg engagiert. Nach einiger Zeit auf Wanderbühnen wirkte Kastner ab 1911 bis 1921 als Chorsänger und Schauspieler an den Meinhard- und Bernauer-Bühnen in Berlin.
Aufstieg Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs brachte für den dienstuntauglichen Kastner den Durchbruch im Film. Alle für den Kriegsdienst tauglichen Schauspieler wurden eingezogen, wodurch Darsteller zu einer raren Mangelware wurden. Noch 1914 wurde Bruno Kastner vom dänischen Regisseur Urban Gad entdeckt, der ihm im Lustspiel Engelein und dem Nachfolge-Film Engeleins Hochzeit eine Rolle an der Seite von Asta Nielsen übernahm. Der junge, gutaussehende und mit einem gewinnenden Lächeln ausgestattete Kastner wurde rasch zum Frauenschwarm, dem von der Post die Liebesbriefe seiner weiblichen Fans in Wäschekörben zugestellt wurden. Das männliche Publikum fand weniger schmeichelhafte Bezeichnungen wie Kleiderbügel und löste eine rege Diskussion über Kastner in Zeitungen und Filmzeitschriften aus. 1921 wurde Bruno Kastner zum besten Schauspieler Deutschlands gewählt.
Im März 1922 gründeten Manfred Liebenau und Paul Dienstag die Kastner-Film GmbH der Ring-Film AG, um Filme mit dem Star zu produzieren, die Liebenau als Erik Lund selbst inszenierte.Handelsregister Berlin HRB Nr. 24514
Kastner war von 1918 bis 1924Heiratsurkunde 164/1918 Standesamt Berlin 12a, online www.ancestry.de; Scheidung am 30.06.1924 in Berlin in erster Ehe mit der Schauspielerin Ida Wüst verheiratet, mit der er auch gemeinsam vor der Kamera stand und Drehbücher verfasste.
Abstieg Nachdem Bruno Kastner 1924 einen schweren Motorradunfall in Lugano hatte, von dem er sich nie wieder ganz erholte, begann der Stern des schönen Bruno zu sinken. Hinzu kam, dass ihm durch das fortschreitende Alter die Rollen als junger und verführerischer Dandy, mit denen er sein weibliches Publikum besonders begeistert hatte, versagt blieben. Schließlich machte es auch der aufkommende Tonfilm dem durch einen Sprachfehler stark beeinträchtigten Schauspieler schwer, seine Fans zu halten. Kastner litt sehr unter seiner schwindenden Popularität – am 30. Juni 1932 setzte er in einem Hotelzimmer in Bad Kreuznach mit nur 42 Jahren seinem Leben ein Ende durch Erhängen.
Bruno Kastner war in zweiter Ehe seit 1925 mit Lisl Tirsch-Kastner verheiratet.Standesamt Charlottenburg von Berlin III Nr. 239/1925; Geburtsname: Aloisia Maria Dusek; Namensregister online Deren Nachlass befindet sich im Besitz von Sebastian Kuboth.
Filmografie 1914: Engelein 1915: Die Tochter der Landstraße 1915: Ein kluges Herz 1915: Das Schicksal der Gabriele Stark 1916: Artur Imhoff 1916: Engeleins Hochzeit 1916: Die Stimme des Toten 1916: Dynamit 1916: Dorritchens Vergnügungsreise 1916: Dorrit bekommt eine Lebensstellung 1916: Der unsichtbare Mensch 1916: Dorrits Eheglück 1916: Ein nettes Pflänzchen 1917: Für die Ehre des Vaters 1917: Der Erbe von Het Steen 1917: Die Retterin 1917: Die Bettlerin von St. Marien 1917: Hilde Warren und der Tod 1917: Prinzesschen soll heiraten 1917: Das Rätsel der Stahlkammer 1917: Der Onyxknopf 1917: Die Rache des Avenarius 1917: Das Legat 1917: Die Krone von Kerkyra 1917: Lori & Co. 1917: Die Hochzeit im Excentric-Club 1917: Strandgut oder Die Rache des Meeres 1917: Das Geschäft 1917: Das Gewissen des Andern 1917: Katharina Karaschkin 1917: Das verlorene Paradies 1917: Der schwarze Chauffeur 1917: Das Klima am Vaucourt 1917: Die Kaukasierin 1917: Ein Lichtstrahl im Dunkel 1918: Die Ehe der Charlotte von Brakel 1918: Die Buchhalterin 1918: Die Fürstin von Beranien 1918: Fünf Minuten zu spät 1918: Der Gattestellvertreter 1918: Das Gerücht 1919: Das Herz des Casanova 1919: Der Schwur 1919: Zwischen zwei Welten 1919: Die goldene Lüge 1919: Die Bodega von Los Cuerros 1919: Eines Mannes Wort 1919: Artistentreue 1919: Nur ein Diener 1919: Der letzte Sonnensohn 1919: Der Weltmeister 1919: Allerseelen 1920: Verbotene Liebe 1920: Das Erbe von Carlington 1920: Feuerreiter 1920: Alfred von Igelheims Lebensdrama 1920: Der König von Paris (2 Teile) 1920: Weiße Rosen 1921: Das Brandmal der Vergangenheit 1921: Der Silberkönig (4 Teile) 1921: Der Graf, die Tänzerin und der Staatsanwalt 1922: Das Geheimnis von Schloss Ronay 1922: Wenn die Maske fällt 1922: Die Lüge eines Sommers 1922: Der bekannte Unbekannte 1923: Das Paradies im Schnee 1924: Colibri 1924: Königsliebchen 1924: Der Aufstieg der kleinen Lilian 1924: Soll und Haben 1924: Die Bacchantin 1924: Komödianten des Lebens 1925: Der Flug um den Erdball (2 Teile) 1925: Die drei Portiermädel 1925: Die Frau mit dem Etwas 1925: Die vertauschte Braut 1925: Der Mann, der sich verkauft 1925: Die Aßmanns 1925: Die vom anderen Ufer 1925: Wenn Du eine Tante hast 1926: Der Mann ohne Schlaf 1926: Die Brüder Schellenberg 1926: Wehe, wenn sie losgelassen 1926: Wien – Berlin 1926: Es blasen die Trompeten 1926: Die geschiedene Frau 1927: Hotel Erzherzogin Viktoria (Seine Hoheit, der Eintänzer) 1927: Die Bräutigame der Babette Bomberling 1927: Die schönsten Beine von Berlin 1927: Der Orlow 1927: Die Dame mit dem Tigerfell 1927: Jugendrausch 1927: Mein Freund Harry 1927: Du sollst nicht stehlen 1927: Luther – Ein Film der deutschen Reformation 1928: Freiwild 1928: Die Pflicht zu schweigen 1928: Angst 1930: Das Land des Lächelns 1930: Tingel-Tangel
Literatur Wolfgang Jacobsen: Bruno Kastner – Schauspieler. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 14, 1989. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 4: H – L. Botho Höfer – Richard Lester. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 315.
Weblinks
Letzter Brief des Schauspielers Bruno Kastner Text seines Abschiedsbriefes vor dem Suizid
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