mini|White Christmas in der Variante mit weißer Schokolade, fertig portioniert, aufgehäuft (Nahaufnahme) White Christmas (englisch für Weiße Weihnachten) ist eine traditionelle australische Süßspeise, die speziell in der Vorweihnachts- sowie Weihnachtszeit zubereitet und verzehrt wird; ferner dient sie – dekorativ verpackt – als kleines weihnachtliches Geschenk. Hauptbestandteile sind Trockenfrüchte, Kokosraspel und bestimmte Frühstücksflocken aus Puffreis, die durch gesüßtes, abkühlendes und erstarrendes Kokosfett, seltener je nach Rezept auch weiße Schokolade, eine Bindung erhalten. Die Zubereitung ist einfach, da die Speise weder gebacken noch gekocht wird. Alle Zutaten sind gut lagerfähig, vor allem in Australien leicht verfügbar und oft ohnehin Teil der Vorratshaltung. Mit einer je nach Variante luftig-weichen bis (halb-)festen Konsistenz erinnert White Christmas an Müsliriegel und optisch an weißen Nougat.
Hintergrund und Name In Australien wie auf der gesamten Südhalbkugel fallen die Adventszeit und die Weihnachtstage weitgehend in den späten Frühling beziehungsweise schon in den Frühsommer. Viele Australier nutzen die gewöhnlich warmen bis heißen Feiertage bis über die Jahreswende gerne für den Sommerurlaub oder Besuche bei auch räumlich weiter entfernten Verwandten und Freunden. Die Weihnachtstage selbst verbringt man gerne mit der Familie oder Freunden bei ausgiebigen Barbecues oder beim Picknick im Freien. In der australischen Küche besteht daher ein besonderes Bedürfnis nach Speisen, vor allem weihnachtlichen Süßspeisen, die sich gut vorbereiten sowie transportieren lassen und die insbesondere durch den Verzicht auf einen Schokoladen-Überzug und Schokolade allgemein auch bei höheren Temperaturen nicht schnell schmelzen.Übersicht über kulinarische Besonderheiten in Australien zu Weihnachten auf dem Webportal des Australischen Jugendherbergswerks yha.com.au, abgerufen am 20. Dezember 2021 (englisch).White Christmas auf dem Webportal petersfoodadventures.com, abgerufen am 20. Dezember 2021 (englisch).
Der Name der Süßspeise nimmt allgemein Bezug auf das Christfest und damit die Religion oder zumindest die kulturelle Prägung vieler Einwanderer nach Australien und ihrer Nachfahren. Im Speziellen nimmt der Name Bezug auf das Wetterereignis Weiße Weihnachten, wenn also an Heiligabend, am Weihnachtstag 25. Dezember und am Zweiten Weihnachtsfeiertag (26. Dezember) oder zumindest irgendwann in dieser Zeit entweder Schnee fällt oder Schnee liegt. Für viele Australier spielt dieses Wetterereignis eine besondere Rolle: Einerseits ist es dort im Frühsommer eine extreme Ausnahme;So gab es im Südsommer 2006 „Weiße Weihnachten“ in Teilen Tasmaniens (kältester Weihnachtstag in Hobart seit zwei Jahrzehnten) und sogar in Teilen Victorias (kältester Weihnachtstag seit 150 Jahren); selbst in der Region um den Mount Kosciuszko in den Snowy Mountains in New South Wales, dem mit höchsten Berg auf dem Festland des australischen Kontinents, ist Schneefall im Südsommer selten. zum anderen geht das Wetterereignis für viele eingewanderte Australier mit Erinnerung und Sehnsucht einher, wenn sie „Weiße Weihnachten“ von ihrem Herkunftsland her kennen, sie auf Reisen selbst erlebt haben oder ihre Vorfahren davon erzählen.
Eine Korrelation zwischen der Süßspeise und ihrem Namen besteht auch durch die weiße Grundfarbe: Sie resultiert aus der Verwendung von wieder erstarrtem Kokosfett sowie Milchpulver und Puderzucker, alternativ von weißer Schokolade, ferner von Kokosraspel und Puffreis; damit hebt sich White Christmas von der Mehrheit der weihnachtlichen Süßspeisen ab, die gewöhnlich gebacken und/oder mit herkömmlicher Schokolade überzogen und somit braun sind.
Bedeutung und Entwicklung In Australien gehört White Christmas zu den besonders beliebten, traditionellen weihnachtlichen Süßspeisen. Selbst zubereitet, wird es gerne in der eigenen Familie verzehrt, ist aber auch ein beliebtes Gastgeschenk und Präsent zum Verschicken. Dazu wird es in größere Würfel geschnitten, in Zellophan-Folie verpackt und mit bunten Bändern verziert. Mitunter wird das klassische Grundrezept als „altmodisch“ bezeichnet, weshalb ergänzend weitere Zutaten wie Pfefferminz-Essenz und weiße Schokolade vorgeschlagen werden. Weitere Modernisierungen betreffen die Verwendung von Backformen für Mini-Muffins zum Portionieren, die Nutzung des Mikrowellenofens zum Schmelzen des Kokosfetts und von aufwendigeren, moderneren, teils fertig zu kaufenden essbaren weihnachtlichen Dekorationen. Ferner gibt es spezielle Rezepte, bei denen die Masse für die Süßspeise weitgehend im Thermomix, einer Multifunktions-Küchenmaschine, zubereitet wird.
Im gewöhnlich warmen Australien wird die mit Kokosfett zubereitete, gekühlte Variante auch aus einem weiteren Grund geschätzt: Kokosfett hat einen günstigen Schmelzpunkt, so dass es auf der Zunge schmilzt. Dabei wird dem Mundraum die zum Schmelzen benötigte Energie entzogen, was als Kühle und dadurch als erfrischend wahrgenommen wird. Die Empfindung gleicht derjenigen beim Verzehr von gekühltem, pralineartigem Eiskonfekt und kann durch Zugabe von Pfefferminzessenz weiter unterstrichen werden.
Wegen der einfachen Zubereitung und traditioneller Gesichtspunkte wird White Christmas in der Variante mit reinem Kokosfett nicht industriell hergestellt und gewöhnlich nicht als Fertigprodukt verkauft. Seit Herbst 2019 bietet der Süßwarenhersteller Cadbury in Australien saisonal eine weiße Schokolade mit einer an die Süßspeise White Christmas angelehnten Füllung an.Ankündigung der saisonal angebotenen Cadbury Dream White Christmas, einer industriell hergestellten weißen Schokolade mit einer Füllung analog der klassischen Süßspeise, auf dem Webportal taste.com.au, abgerufen am 23. Dezember 2021 (englisch). Einzelne Konditoreien und Bäckerei-Filialketten in Australien verkaufen zumindest saisonal aufwändigere, verfeinerte, mitunter besonders dekorierte Varianten von White Christmas, beispielsweise mit dünnem Überzug von weißer Schokolade.Beispiel für kommerziell hergestelltes White Christmas mit Überzug von weißer Schokolade auf dem Webportal gustobakery.com.au, abgerufen am 23. Dezember 2021 (englisch).
Verwandte Süßspeisen mini|Bei der Zubereitung und den Zutaten sehr ähnlich mit White Christmas: Die traditionelle australische Süßspeise Chocolate Crackles mit Kakaopulver statt Trockenfrüchten und daher braun statt weiß-bunt Bei der Zubereitung und den wesentlichen Zutaten stellt sich White Christmas – in der heute bekannten Form: ohne Backen – als eine Abwandlung von Chocolate Crackles dar, einer traditionellen australischen Süßspeise, deren Zubereitung und Verzehr als landestypisches „großes Vergnügen bei Kinderfeiern“ gilt. Im Unterschied zu White Christmas wird der Masse für Chocolate Crackles Kakaopulver statt Trockenfrüchten zugefügt, so dass die kleinen Portionsstücke kräftig braun statt weiß-bunt sind. Eine Grundidee beider Süßspeisen ist, mit preiswerten, gut lagerfähigen und leicht verfügbaren Zutaten süße Naschereien zu schaffen; so konnten frisch Eingewanderte sowie die in den Anfängen oft noch armen Farmer und einfachen Handwerker trotz prekärer Verhältnisse ihren Kindern an Geburts- und Feiertagen kleine Überraschungen bieten.
Geschichte mini|Die bei White Christmas typischerweise verwendeten Kellogg’s Rice Bubbles wurden in Australien ab den 1930er-Jahren populär: Ein Ford-Barrel-Nose-Lkw von 1938/39 mit Kellogg’s-Werbung vor der Universität von Sydney Nicht näher bekannt ist, wann und von wem das ursprüngliche Rezept für White Christmas in seiner heute bekannten Form entwickelt beziehungsweise erstmals veröffentlicht wurde. In Australien lässt sich die Süßspeise unter diesem Namen sowie ihre große Verbreitung zumindest bis weit in das 20. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Ursprünge könnten in den 1930er-Jahren liegen: Einerseits wurde das dafür typischerweise verwendete Kokosfett Copha 1933 entwickelt und fand rasche Verbreitung;Die Geschichte des Kokosfetts Copha auf dem Webportal copha.com, abgerufen am 20. Dezember 2021 (englisch). zum anderen vermarktete Kellogg’s ab 1928 seine Rice Krispies,Die Geschichte von Kellogg’s auf dem Webportal kelloggs.de, abgerufen am 20. Dezember 2021. die in Australien und Neuseeland die markenrechtlich geschützte Bezeichnung Rice Bubbles tragen.
In Australien lässt sich die Bezeichnung White Christmas für eine Süßspeise noch über die 1930er-Jahre hinaus zurückverfolgen, zumindest bis in das späte 19. Jahrhundert: Der US-amerikanische Schriftsteller Mark Twain erwähnt sie in seinem weitgehend autobiografischen, 1897 erschienenen Reisebericht Following the Equator (More Tramps Abroad) (auf Deutsch: Dem Äquator nach). Zu dieser Zeit wurden darunter jedoch noch kleine Portionsstücke von herkömmlich gebackenem, in Rechtecke geschnittenem Christmas Cake verstanden.
Unklar ist, ob White Christmas – in seiner heute bekannten Form: ohne Backen – von einem der beiden Hersteller von Copha beziehungsweise der Rice Bubbles neu geschaffen oder eine schon vorhandene Idee nur aufgegriffen und weiter verbreitet wurde. Jedenfalls waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Möglichkeiten, für ein neues Produkt zu werben, noch recht begrenzt. Beide Hersteller hatten ein großes wirtschaftliches Interesse, die Rice Bubbles als Frühstückszerealien beziehungsweise Copha als Pflanzenfett überhaupt bekannt zu machen und sodann den Kunden einen möglichst breiten Anwendungsbereich aufzuzeigen. Beide arbeiteten frühzeitig mit unterschiedlichen abwechslungsreichen Rezeptvorschlägen, die den Produkten unmittelbar als Rezeptkarten beigefügt waren oder zu Werbezwecken Zeitschriften zum Abdruck angeboten wurden. Speziell bei den Chocolate Crackles und bald darauf mit White Christmas trafen sich die Interessen beider Unternehmen und die einfache Rezeptur mit Kokosfett, Milchpulver, Puderzucker, Trockenfrüchten, Kokosraspel und Rice Bubbles fand in Australien rasche Verbreitung, zum Teil auch in Neuseeland. Noch heute (Stand: 2021) werben beide Hersteller auf ihrem jeweiligen australischen Webportal mit einem weitgehend gleichen, traditionellen White Christmas-Rezept. Viele Autoren von Kochbüchern sowie Betreiber von Webportalen zur australischen Küche griffen das traditionelle Rezept auf und veränderten es im Laufe der Jahrzehnte mehr oder weniger.
Hingegen blieb die Süßspeise in anderen Teilen der Welt, auch den kulturell ähnlich geprägten, weitgehend unbekannt. Ein maßgeblicher Grund war und ist, dass weder in Nordamerika noch dem Vereinigten Königreich ein Kokosfett oder sonstiges geschmacksneutrales und bei Zimmertemperatur ausreichend festes Pflanzenfett gebräuchlich beziehungsweise erhältlich ist.
Zutaten Zur Zubereitung von White Christmas genügen klassischerweise wenige Zutaten. Wesentliche Geschmacksträger sind Trockenfrüchte, Kokosraspel, Milchpulver und gesiebter Puderzucker. Eine luftig-lockere und zugleich knusprige Komponente erhält die Speise durch die Frühstücksflocken Rice Krispies (in Australien und Neuseeland: Rice Bubbles, spezieller Puffreis), wie sie insbesondere von Kellogg’s vermarktet werden. Gebunden werden diese Zutaten durch Kokosfett, das durch seine vielen gesättigten Fettsäuren beim Abkühlen wieder erstarrt; im deutschsprachigen Raum wird es insbesondere unter dem Markennamen Palmin vermarktet, in Australien als Copha und in Neuseeland als Kremelta. Als Verzierung dienen insbesondere Belegkirschen oder zurückbehaltene Trockenfrüchte.