mini|Elektronisches Preisschild im Einzelhandel
Der Preis ist die sich aus Angebot und Nachfrage auf einem Markt ergebende und in Geldeinheiten gezahlte Gegenleistung für eine bestimmte Mengeneinheit von erworbenen Waren oder Dienstleistungen.
Allgemeines Der Preis besteht daher aus den Dimensionen Geldeinheit pro Mengeneinheit. Preis und Wert werden in der Umgangssprache oft als Synonyme verwendet, in der Wirtschaft unterscheiden sie sich jedoch voneinander. Das Ergebnis einer Schätzung ist immer ein Wert und kein Preis. Der geschätzte Verkehrswert eines Objekts wird durch Orientierung an Vergleichsobjekten ermittelt und bleibt daher abstrakt. Der Begriff Preis ist dagegen objektiv und konkret, er manifestiert sich erst bei der tatsächlichen Veräußerung. Solange der Wert nicht realisiert wird, stellt er lediglich eine Preisforderung des Anbieters oder ein Preisgebot des Nachfragers dar. Der Einkaufspreis ist mithin das an Verkäufer gerichtete Preisgebot und der Verkaufspreis die an Käufer gerichtete Preisforderung. Erst wenn sich Anbieter und Nachfrager im Verhandlungsprozess auf einen bestimmten Preis einigen und einen Kaufvertrag schließen, entsteht der realisierte Kaufpreis. Während der Preis der in Geldeinheiten gemessene Tauschwert einer spezifischen Tauschaktion zwischen Marktteilnehmern darstellt, versteht man unter dem Wert die aggregierte Preisvorstellung einer Gruppe von Marktteilnehmern.Matthias Thomas, Karl Werner Schulte: Handbuch Immobilien-Portfoliomanagement. 2007, S. 11. Der Preis beinhaltet deshalb stets die individuellen und subjektiven Vorstellungen über einen Vermögensgegenstand.
Geschichte Seitdem es Geld gibt, besteht auch ein Preis. Während im Tauschhandel () der Tauschwert als Gegenwert diente, ersetzte beim Kaufvertrag der Kaufpreis () diesen Wertmaßstab. Im römischen Recht war Ulpian zufolge ein Kaufvertrag ohne Kaufpreis unwirksam.Ulpian: Digesten. 18, 1, 36. Der Preis und der Sachwert besaßen einen einheitlichen Namen (). Der Ausdruck „pretium“ bezeichnete das Entgelt, das man einer Sache gegenüberstellte. Das „pretium“ wurde entweder beim Kauf oder bei der Sachwertschätzung festgesetzt.Heinrich Honsell: Quod interest im bonae-fidei-iudicium. 1969, S. 14. Für Gaius musste der Kaufpreis „in klingendem Geld bestehen“,Gaius: Institutionen. 3, 141. und zwar in einer bestimmten oder zumindest bestimmbaren Summe (). Das Bargeld () war für die Erfüllung des Kaufvertrages essentiell. Damit galt auch der vom Juristen Iulius Paulus aufgestellte Grundsatz „kein Kaufvertrag ohne Preis“ ().Iulius Paulus: Digesten. 18, 1, 2. In nachklassischer Zeit trat der Gedanke in den Vordergrund, dass jede Ware ihren „rechten Preis“ () habe und dass eine Abweichung von diesem Preis missbilligt werden müsse. Aus dieser Vorstellungswelt erwuchs eine Neuerung, die Justinian I. durch Interpolation in zwei Reskripten der Kaiser Diokletian und Maximian anbrachte.Paul Jörs: Römisches Recht: Römisches Privatrecht - Abriss des Römischen Zivilprozessrechts. 1949, S. 229. Danach hatte der Verkäufer ein Recht zur Auflösung des Kaufvertrags und zur Rückforderung der Kaufsache.
Das Wort Preis tauchte im Mittelalter in Deutschland ersichtlich erstmals in der Mitte des 14. Jahrhunderts auf, als im Seerecht die Güter nach ihrem Preis („prijse“) entgelten sollen.Pekka Katara: Das französische Lehngut in mittelniederdeutschen Denkmälern von 1300 bis 1600. 1966, S. 298. Die Schreibweise änderte sich über „pryse“ (1407) und „priidz“ (1486), bis erstmals 1663 die österreichische Form „Preiß“ bei einem Preisvergleich auftauchte.Anno 1663 – Codicis Austriaci ordine alphabetico compilati. In: Sebastian G. Herrenleben, Thomas I. Pöck (Hrsg.): Sammlung Oesterreichischer Gesetze und Ordnungen : Wie solche von Zeit zu Zeit ergangen und publiciret worden …. Band III, Eisfeld Leipzig 1748, S. 178 (reader.digitale-sammlungen.de; 37. Artikel: Der Berg-Knappen Lohn. ). Die heutige Schreibweise erschien 1669 zum ersten Mal in Würzburg im Zusammenhang mit der Lachsfischerei.
Der Physiokrat François Quesnay ging 1758 davon aus, dass der Preis der Bodenprodukte weder vom Käufer noch vom Verkäufer abhänge, sondern schon vorher existiere. Im produktiven Sektor der Landwirtschaft bestimmten danach andere Faktoren Wert und Preis der Waren, eben weil nur in diesem Sektor neuer Wert hinzugefügt werden könne.François Quesnay: Tableau économique. 1758, S. 122. „Der fundamentale Preis der Waren wird bestimmt durch die Ausgaben oder die Kosten, derer es zu ihrer Produktion oder Bereitung bedarf; er wird zum Verlust, wenn die Waren um weniger, zum guten Preis, wenn sie um mehr, zum Teuerungspreis, wenn sie so hoch über den Produktionskosten verkauft wird, dass ihre Beschaffung dem Volke schwer fällt".François Quesnay: L’Amis des Hommes ou Traité de la Population. 1756, S. 54. Quesnay sah damit die Herstellungskosten als Preisgrundlage an. Für Friedrich Esaias Pufendorf gelangte im Jahre 1772 der Kauf und Verkauf zur Vollkommenheit, sobald nur Käufer und Verkäufer über die Sache und den Preis einig seien.Friedrich Esaias Pufendorf: Entwurf eines hannoverschen Landrechts. 1772, Titel 61 § 1. Der Ökonom Adam Smith definierte in seinem Buch Der Wohlstand der Nationen (März 1776) die Nachfrage durch „diejenigen, welche den natürlichen Preis (Kostenpreis; ) einer Ware bezahlen wollen“.Adam Smith: Der Wohlstand der Nationen. Band I, 1776, S. 7. Die Zahlung erfolge aus deren „Zins, Profit oder Arbeitslohn“. Der „natürliche Preis“ im Sinne von Smith ist durchaus mit dem Gleichgewichtspreis zu vergleichen. Smith bezeichnete den Preismechanismus als „unsichtbare Hand“ ().“Adam Smith: Der Wohlstand der Nationen. Band IV, 1776, S. 339. Bei Jean-Baptiste Say hatten 1803 die Produkte der Bodenkultur (Landwirtschaft) die besondere Eigentümlichkeit, dass ihr Preis nicht steige, sobald sie seltener würden, weil immer zugleich die Einwohnerzahl abnehme, wenn die Lebensmittel zu mangeln anfangen, und weil folglich die Nachfrage in dem Grade abnehme, als das Angebot seltener werde.Jean-Baptiste Say: Traité d’économie politique. Band III, 1803, Kapitel 8.
Das österreichische ABGB vom Juni 1811 sieht im Preis den bestimmten Wert einer Sache (§ 304 ABGB). Bei David Ricardo bildete 1817 die Arbeit den natürlichen Preis, von diesem weiche der Marktpreis zufällig und temporär ab, denn dieser richte sich nach Angebot und Nachfrage.David Ricardo: On the Principles of Political Economy and Taxation. 1817, S. 78 ff. Bei den beliebig vermehrbaren Gütern bestimmen Angebot und Nachfrage den kurzfristigen Marktpreis, während der langfristige Preis auf die Dauer und im Durchschnitt, der natürliche Preis durch die Produktionskosten (Adam Smith) bzw. die Arbeitskosten (David Ricardo) bestimmt wird. Smith und Ricardo gelten als Begründer der klassischen Preistheorie für homogene Massengüter (Commodities). Karl Marx sah 1865/1866 den Preis als in Geld ausgedrückten Tauschwert an:Karl Marx: Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses. 1866, S. 27. „Der Warenpreis steht beständig über oder unter dem Warenwert, und der Warenwert selbst existiert nur in dem up and down [Auf und Ab, d. Verf.] der Warenpreise. Nachfrage und Zufuhr [Angebot, d. Verf.] bestimmen beständig die Warenpreise, decken sich nie oder nur zufällig“.Karl Marx: Das Kapital. Band III, MEW 25, 1865, S. 73. Für John Stuart Mill entsprach 1869 der Preis dem Marktwert.John Stuart Mill: Grundsätze der politischen Ökonomie. Band I, 1869, S. 466. Hermann Roesler sah 1871 zunächst den Preis als Ergebnis der Spekulation an, denn Angebot und Nachfrage könnten das Gesetz der Preisbildung nicht erklären.Hermann Roesler: Über die Grundlehren der von Adam Smith begründeten Volkswirthschaftstheorie. 1871, S. 210 (books.google.de). An späterer Stelle verstand er unter dem Preis einer Ware ihren aktuellen Wert in Geld.Hermann Roesler: Über die Grundlehren der von Adam Smith begründeten Volkswirthschaftstheorie. 1871, S. 222.
Heinrich von Stackelberg ordnete 1951 in seiner Begriffshierarchie den Wert höher als den Preis ein. Preis war für ihn die Geldsumme, die auf dem Markt für die Mengeneinheit eines Gutes bezahlt wird.Heinrich von Stackelberg: Grundlage der theoretischen Volkswirtschaftslehre. 1951, S. 19.
Arten Bei der Preiswahrnehmung unterscheidet man zwischen absolutem und relativem Preis. Der absolute Preis ist das Austauschverhältnis zwischen Geld und Ware. Der relative Preis drückt den Tauschwert eines Gutes in Einheiten eines anderen Gutes aus. Preiswürdigkeit ist die Relativierung zur Produkt- oder Dienstleistungsqualität, Preisgünstigkeit die Relativierung zur Konkurrenz. Der Kaufpreis beinhaltet in der Preiskalkulation folgende Preisbestandteile: Einstandspreis, Selbstkostenpreis und Listenpreis. Letzterer ist Grundlage der Preisauszeichnung, wobei eine etwaige Preisbindung zu beachten ist. Das Preisniveau reflektiert als volkswirtschaftliche Kennzahl die Preise eines bestimmten Warenkorbs im Zeitverlauf. Steigt das Preisniveau, spricht man von Inflation, sinkt es, so liegt eine Deflation vor. Preisveränderungen können durch einen Preisindex sichtbar gemacht werden. Während die meisten Güter und Dienstleistungen einen Festpreis besitzen, der auch von einer Inflation unberührt bleibt, weisen die meisten Finanzprodukte volatile Preise auf.
Der Negativpreis wird mathematisch ausgedrückt mit einer negativen Zahl und ist eine Preisangabe von .
Volkswirtschaftliche Aspekte Der Preis eines knappen Gutes ist größer als null, der eines freien Gutes ist null.Rudolf Richter: Preistheorie. 1970, S. 12 (books.google.de). Preise werden vom Anbieter gefordert („Angebotspreis“), vom Nachfrager geboten („Nachfragepreis“) oder am Markt akzeptiert (Marktpreis). Der Anbieter kann zwar seinen Angebotspreis und der Nachfrager seinen Nachfragepreis verlangen, jedoch ist dadurch noch kein Marktpreis entstanden. Vielmehr müssen sich Nachfrager bzw. Anbieter finden, die diesen Preis akzeptieren.Herbert Jacob: Preispolitik. 1971, S. 13 f. (books.google.de). Konsumenten willigen oft ohne Preisverhandlung in die Preisforderung des Verkäufers ein (so genanntes konkludentes Handeln). Der Preis, der auf einem freien Markt zwischen mehreren Anbietern und Nachfragern zum Marktgleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage führt, wird als Marktpreis oder Gleichgewichtspreis bezeichnet. Bei den Produktionsfaktoren heißt der Preis Lohn (beim Produktionsfaktor Arbeit), Zins (Kapital) und Bodenrente (Boden). Weitere Preise sind die Tarife (bei der Energieversorgung), Miete (beim Mietvertrag), Pacht (beim Pachtvertrag) oder Gebühren (bei öffentlichen Unternehmen).Hermann Diller: Preispolitik. 1985, S. 31 f. (books.google.de). Auch die Kurse wie Devisenkurse oder Aktienkurse gehören zu den Preisen. Während der Preis für den Nachfrager oder Besitzer Kosten darstellt, ist er für den Anbieter oder Verkäufer ein Umsatzerlös oder Ertrag. Beim Faktor Arbeit sind dies Personalkosten/Arbeitseinkommen, beim Kapital sind es Kreditzins/Habenzins, beim Boden der Bodenertrag (Früchte aus Ernte und Bodennutzung).
Der Preis ist das Erkenntnisobjekt der Preistheorie. Die Wert- und Preistheorie von Quesnay kannte bereits die Unterscheidung des Gebrauchswerts () und des Tauschwerts (), die auch Adam Smith übernahm.
Der Preis ist stets der Quotient aus dem geldlichen Leistungsäquivalent im Zähler und der nachgefragten/angebotenen Leistung im Nenner:Hans-Otto Schenk: Psychologie im Handel: Entscheidungsgrundlagen für das Handelsmarketing. 2007, S. 197 (books.google.de). . Wird das Leistungsäquivalent bei konstanter Leistung erhöht, steigt der Preis und umgekehrt. Sinkt die Leistung bei konstantem Leistungsäquivalent, steigt der Preis ebenfalls.
Preisfunktionen mini|Der Preis als Knappheits-Indikator
Auf den Märkten erfüllt der Preis stets folgende Funktionen.
Indikatorfunktion