Die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) (, ) mit Sitz in Zürich wurde 1976 gegründet. Als Stiftung finanziert sie «sich fast ausschliesslich mit privaten Spendengeldern» und ist von Bund und Kantonen als gemeinnützige Organisation anerkannt. Nach eigenem Bekunden versteht sich die SES als «energiepolitische Fachorganisation», die sich «für eine intelligente, umwelt- und menschengerechte Energieversorgung» einsetzt. Die SES betätigt sich nicht als Vergabestiftung und unterstützt keine Projekte von Dritten.
Die aus der Anti-Atomkraft-Bewegung hervorgegangene SES setzt sich für die Förderung erneuerbarer Energien und gegen die zivile Nutzung von Kernenergie ein.
Zweck und Organisation
Im Jahr 2024 haben etwa 10'000 Personen die SES mit Spenden, als Fördermitglied oder sonst wie unterstützt; etwa 15'000 sind der Organisation auf den sozialen Medien gefolgt.SES-Jahresbericht 2024 Die Geschäftsstelle befindet sich in Zürich. Nebst dem Geschäftsleiter Nils Epprecht sind bei der SES rund zwanzig Personen mit unterschiedlichen Pensen angestellt. Die Mitgliederzeitschrift Energie & Umwelt erscheint viermal jährlich. Sie ist ebenso wie der Vorgängertitel SES Notizen in digitalisierter Form auf der Plattform E-Periodica zugänglich.Digitalisat in E-Periodica
Geschichte Die Schweizerische Energie-Stiftung wurde am 27. Oktober 1976 in Zürich gegründet.Datum der ersten Statuten (Stiftungsurkunde) Bei der Gründung waren 23 Stifterinnen und Stifter anwesend, darunter Nationalrätin Monique Bauer-Lagier, Pierre Fornallaz, Werner Geissberger, Theo Ginsburg, Nationalrat Franz Jaeger, Ursula Koch und Elmar Ledergerber.Matthias Zimmermann: Als die SES erstmals Zähne zeigte. Rückblick auf 20 Jahre SES. In: Energie & Umwelt. 1996, Nr. 1 (März), S. 18–20 (Digitalisat in E-Periodica) Erster Präsident der Stiftung war Franz Jaeger. k: Für eine umweltfreundliche Energiepolitik. In: SMUV-Zeitung. 75. Jg., Nr. 45, 10. November 1976, S. 4 (Digitalisat in e-npa.ch) Am 10. Januar 1977 wurde die SES im Handelsregister des Kantons Zürich eingetragen. Gründungsanwalt war der Umweltrechtspionier Heribert Rausch.Im Gedenken an.... In: Energie & Umwelt. 2026, Nr. 1 (März), S. 5 (online)
Präsidium des Stiftungsrates Amtszeit Präsidium 1976–1986 Franz Jaeger 1986–1987 Werner Geissberger 1987–1993 Conrad U. Brunner 1993–2000 Rosmarie Bär 2000–2004 Eva Kuhn 2004–2016 Geri Müller 2016–2021 Beat Jans 2021– Nadine Masshardt
Geschäftsleitung Amtszeit Geschäftsleitung 1976–1986 Peter Gysling 1986–1990 Thomas Flüeler 1991–1994 Karl Wellinger 1994 ad interim Inge Tschernitschegg 1994–1996 Kurt Marty (Marti) 1996–2004 Armin Braunwalder 2004–2017 Jürg Buri 2017–2018 Rita Haudenschild 2018– Nils Epprecht
Aktivitäten (Auswahl) Zu den Hauptanliegen der Stiftung gehören der Klimaschutz, die Verbesserung der Energieeffizienz sowie die Förderung erneuerbarer Energien. Die SES positioniert sich klar gegen die zivile Nutzung der Kernenergie: Sie «befürwortet den raschen Atomausstieg der Schweiz und setzt sich für eine echte Energiewende ein» und widerspricht der These «einer globalen AKW-Renaissance».
Von 1977 bis 1993 war Ursula Koch Vizepräsidentin und zeitweise Geschäftsleiterin der SES. In dieser Eigenschaft war sie auch Präsidentin des Initiativkomitees «Für eine Zukunft ohne weitere Atomkraftwerke» und «Für eine sichere, sparsame und umweltgerechte Energieversorgung». Beide Initiativen wurden am 23. September 1984 mit knapper Mehrheit vom Volk und mit deutlicher Mehrheit von den Ständen abgelehnt.Eidgenössische Volksinitiative für eine Zukunft ohne weitere Atomkraftwerke – Initiative für eine Zukunft ohne weitere Atomkraftwerke im Wortlaut – Initiative für eine sichere, sparsame und umweltgerechte Energieversorgung im Wortlaut – Stimmergebnis 1988 lancierte die SES gemeinsam mit dem WWF Schweiz das «Energiestadt-Label», ein Projekt mit internationaler Ausstrahlung. Trägerverein Energiestadt. Abgerufen am 10. November 2021
Die Schweizerische Energiestiftung setzte im Frühjahr 2024 über die Hälfte ihrer Reserven für die Ja-Kampagne für den Mantelerlass am 9. Juni 2024 ein und war damit deren grösster Geldgeber. Mit dem Erlass gelinge der Ausstieg aus den «klimaschädlichen fossilen Energiequellen und dem Atomstrom», und genau das sei der Stiftungszweck, sagte der Geschäftsführer.Georg Halter: Der teure Abstimmungskampf um das Stromversorgungsgesetz. In: SRF News. 1. Mai 2024.
Gutachten des deutschen Öko-Instituts 2019 Im Zuge der Thematik um Einschlüsse in Reaktordruckbehältern (RDB), welche in den belgischen Reaktoren auftraten, wurden auch in der Schweiz die Reaktordruckbehälter geprüft. Die SES beauftragte daraufhin das deutsche Öko-Institut mit einem Gutachten zu dem von der Axpo erstellten Sicherheitsnachweis für den Reaktordruckbehälter Beznau I.Simon Banholzer: Öko-Institut zweifelt am Sicherheitsnachweis zum AKW Beznau I. In: Energie & Umwelt 2019, Nr. 4, S. 10 (Digitalisat in E-Periodica) Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) hat dieses Gutachten analysiert und Stellung genommen. Darin heisst es:
Archive Anfang Februar 2012 haben die SES und das Schweizerische Sozialarchiv (SSA) eine Archivvereinbarung unterzeichnet.Übernahme des Archivs der Schweizerischen Energie-Stiftung. Abgerufen am 19. Januar 2026 Die bisher dem SSA übergebenen Archivalien aus den Jahren 1964–2009 haben einen Umfang von 5,8 m.Schweizerisches Sozialarchiv: Eintrag zur Schweizerischen Energie-Stiftung in findmittel.ch. Abgerufen am 19. Januar 2026
Literatur (Auswahl) k (= Karl Aeschbach): Für eine umweltfreundliche Energiepolitik. In: SMUV-Zeitung. 75. Jg., Nr. 45, 10. November 1976, S. 4 (Digitalisat in e-npa.ch). Fabian Lüscher (Red.): Energiepolitik von unten. 1976–2025. 50 Jahre Schweizerische Energie-Stiftung. Schweizerische Energie-Stiftung, Zürich 2026 (online). rp/fb (= Reto Planta / Florian Brunner): 40 Jahre Schweizerische Energie-Stiftung SES. Der Anfang vom (Atom-)Ende. In: Energie & Umwelt. Nr. 2, 2016, S. 16 f. (Digitalisat in E-Periodica). se[elber]Gemäss Mitteilung eines damaligen Redaktionsmitglieds kennzeichnete Der Bund Kurzmeldungen mit dem Kürzel "se" (für "selber"), wenn diese nur wenig überarbeitet und ohne grossen Aufwand und Zusatzrecherche übernommen wurden.: Schweizerische Energie-Stiftung gegründet. In: Der Bund. 5. November 1976 (Digitalisat in e-npa.ch). Matthias Zimmermann: Als die SES erstmals Zähne zeigte. Rückblick auf 20 Jahre SES. In: Energie & Umwelt. Nr. 1 (März), 1996, S. 18–20 (Digitalisat in E-Periodica).
Weblinks
Website der SES, abgerufen am 19. Januar 2026 SES: Faktenblatt Energie Effizienz. Ca. 2012 SES: Anreize für Energiesuffizienz: Learnings aus der Coronakrise. Oktober 2020
Einzelnachweise
Kategorie:Stiftung (Schweiz) Kategorie:Politische Stiftung Kategorie:Umweltstiftung Kategorie:Stiftungsgründung 1976