Sanija Ameti (* 11. Mai 1992 in Prizren, Bundesrepublik Jugoslawien, heute Republik Kosovo) ist eine ehemalige Schweizer Politikerin (parteilos, bis Januar 2025 GLP). Sie war von 2021 bis 2025 Co-Präsidentin der politischen Bewegung Operation Libero und von 2022 bis 2026 Gemeinderätin der Stadt Zürich.
Leben Sanija Ameti wurde 1992 in eine muslimische Familie geboren, sie selbst bezeichnet sich heute als Atheistin.«Einbürgerungen sind Schikane» – «Einzelne Missstände». In: Blick.ch, 1. Januar 2023. Ihr Vater soll Professor für Biologie und Politiker im ehemaligen Jugoslawien gewesen sein. Sie kam 1995 mit ihren Eltern als Flüchtling aus Bosnien und Herzegowina in die Schweiz. Darauf kam sie ins Asylzentrum von Adliswil und wuchs später in Oerlikon auf. Nach Abschluss der Kantonsschule Zürich Oerlikon 2011 studierte sie bis 2018 Rechtswissenschaften an der Universität Zürich.
Politik Politisch aktiv wurde Ameti, nachdem sie Elisabeth Kopp im Zug getroffen hatte, welche sie zu einer politischen Karriere ermuntert haben soll. Von 2019 bis 2020 war sie Mitglied der Geschäftsleitung der Jungen Grünliberalen Partei Schweiz und von 2020 bis 2024 Mitglied der Parteileitung der Grünliberalen Partei Kanton Zürich. Von 2021 bis 2025 war sie zusammen mit Stefan Manser-Egli im Co-Präsidium der politischen Bewegung Operation Libero. Sie setzte sich politisch gemäss eigenen Angaben für ein geregeltes und stabiles Verhältnis der Schweiz mit der EU ein und lancierte gemeinsam mit der Grünen Partei die Europa-Initiative. Ebenso forderte sie einen gesetzlichen Rahmen für aktive Massnahmen im digitalen Raum. Dazu gehört die Achtung der Freiheitsrechte der Bürger im digitalen Raum. Hierfür setzte sie sich für ein Verbot der öffentlichen Gesichtserkennung ein. Von Mai 2022 bis März 2026 war Ameti Gemeinderätin der Stadt Zürich und vertrat die Stadtkreise 4 und 5. Sie war Mitglied der Geschäftsprüfungskommission. Bei den Wahlen im März 2026 trat sie nicht wieder an.Sanija Ameti verabschiedet sich aus dem Zürcher Gemeinderat. In: Tages-Anzeiger, 21. Januar 2026. 2023 kandidierte sie für die GLP erfolglos für den Zürcher Kantonsrat sowie den Nationalrat.Galladé rein, Landmann raus: Das sind die grossen Gewinner und Verlierer. In: Zueritoday.ch, 12. Februar 2023 (Archiv).
Kontroverse Im November 2022 sorgte Ameti für eine Kontroverse, als sie zu den beiden Bundesratskandidaten der SVP, Albert Rösti und Hans-Ueli Vogt, in der Diskussionssendung «Club» des Schweizer Fernsehens auf die Frage der Moderatorin, wer von den beiden der grünere Bundesrat sei, gesagt hatte: «Ich kann mir – aus politischer Warte – keinen von beiden schöntrinken.»Sandro Benini, Edgar Schuler: War Sanija Ametis Angriff auf die SVP-Kandidaten daneben? In: Tages-Anzeiger, 1. Dezember 2022.Roman Zeller: Neue rechte Weinerlichkeit: Operation-Libero-Ameti kann sich SVP-Vogt «nicht schöntrinken». Dieser kriegt sich fast nicht ein. Warum bloss? In: Die Weltwoche, 1. Dezember 2022.
Ende der politischen Karriere Im September 2024 verwendete Ameti die Reproduktion einer Darstellung der Madonna mit Kind und dem Erzengel Michael von Tommaso del Mazza aus einem Katalog des Auktionshauses Koller als Zielscheibe für Schiessübungen und veröffentlichte auf Instagram Fotos davon. Sie wurde deswegen stark kritisiert und verlor ihre Anstellung bei einer PR-Agentur.Kritik an Ameti bricht nicht ab. SRF, 9. September 2024. Ameti gab in der Folge am 9. September ihren Rücktritt aus der Leitung der Zürcher Kantonalen GLP bekannt und trat im Januar 2025 aus der Partei aus, das eingeleitete Partei-Ausschluss-Verfahren der nationalen Partei war damit hinfällig.Die GLP Schweiz hat vom Parteiaustritt Sanija Ametis Kenntnis genommen, GLP Schweiz, 25. Januar 2025 Die Schweizer Bischofskonferenz teilte am 9. September mit, sie sei «dankbar für das Schreiben von Sanija Ameti an den Bischof von Chur, in dem sie die katholische Gemeinschaft um Vergebung bittet», wolle aber trotzdem ihre «tiefe Missbilligung» öffentlich zum Ausdruck bringen,Schweizer Bischofskonferenz: Inakzeptable Zielscheibe für Schiessübungen, abgerufen am 12. September 2024. der Bischof von Chur vergab ihrPlötzlich sind sie alle religiös, Republik, 22. Januar 2026 am 12. September und bat «alle Katholiken, Christen, Muslime und jeden, der sich in seinen religiösen, menschlichen Gefühlen verletzt fühlt, ihm zu folgen».Bischof von Chur vergibt Ameti nach Schüssen auf Marienbild, Blick, 12. September 2024, Bistum Chur, 12. September 2024 Die katholische Kirche des Kantons Zürich dankte ebenfalls für die Bitte um Vergebung und ergänzte: «Sie bezahlt für ihr Verhalten mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes und dem Ende ihrer politischen Karriere bereits einen hohen Preis. Wer sind wir als Kirche, dass wir ihre Bitte um Vergebung ausschlagen dürfen?»Die Zerstörung der Sanija Ameti. Tages-Anzeiger, 10. September 2024. Die Junge SVP kündigte an, Strafanzeige wegen Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit einzureichen und forderte in einer «Tirade», so die NZZ, den Rücktritt Ametis von allen Ämtern. Nils Fiechter schrieb, es sei «richtig und gut», dass sie politisch erledigt sei, nahm sich nach Stunden aber zurück im Bezug auf die berufliche Konsequenzen für Ameti und schrieb gegen Selbstjustiz und «Hexenjagd». Roger Köppel sagte, Ameti habe eine «kolossale Dummheit» begangen, eine Inquisition sei jedoch nicht angebracht; «Alle Leute, die sich jetzt so unglaublich darüber empören, wie diese Ikonenbilder zerschossen worden sind – diese Kreise haben sich bisher auch nicht durch besonderes christliches Traditionsbewusstsein hervorgetan.»Sanija Ametis unerwartete Verteidiger: Die gefallene GLP-Politikerin bekommt Unterstützung aus dem rechtskonservativen Lager. NZZ, 11. September 2024. Eine Gruppe prominenter Persönlichkeiten stellte sich hinter Ameti und rief dazu auf, die «Hetzjagd» gegen sie zu beenden. Christoph Sigrist, ehemaliger Grossmünster-Pfarrer, kritisierte die Medien als scheinheilig, welche «im Alltag die Bedeutung der Kirche oder des christlichen Glaubens herunterspielen und sie im Gegenzug dann plötzlich auf ein Podest heben, weil es ihrer Kampagne dient.»
Am 18. Dezember 2024 nahm Ameti erstmals wieder an der Gemeinderatssitzung teil. Am 21. Januar 2025 gab sie ihren Austritt aus der GLP bekannt.
Im Juli 2025 erhob die Zürcher Staatsanwaltschaft Anklage gegen Ameti. Mass-Voll-Präsident Nicolas Rimoldi hatte mit 23 weiteren Privatklägern Anzeige erstattet. Am 28. Januar 2026 wurde Ameti vom Bezirksgericht Zürich wegen Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 50 Franken sowie zu einer Busse von 500 Franken verurteilt. Der Richter sagte, sie habe wissentlich gehandelt und die Bilder veröffentlicht, damit sei der Straftatbestand der Störung der Glaubensfreiheit erfüllt. Er führte aus, dass Ameti die Gefühle von Christen wohl nicht absichtlich verletzt habe. Er entschied, dass die Privatkläger keine Entschädigung erhalten, sie können dies noch auf dem zivilrechtlichen Weg einfordern.Gericht verurteilt Sanija Ameti zu einer Geldstrafe, SRF News, 28. Januar 2026 Ameti meldete Berufung gegen das Urteil an,Luzia Nyffeler: Sanija Ameti meldet Berufung gegen Urteil des Bezirksgerichts an. In: Tages-Anzeiger, 26. Februar 2026. zog diese jedoch später zurück; das Urteil ist rechtskräftig.Simon Angelo Meier: Sanija Ameti akzeptiert Verurteilung: Berufung zurückgezogen. In: Tages-Anzeiger, 18. September 2026.
Ameti kündigte am gleichen Tag ihren Rückzug aus der Öffentlichkeit an.Sanija Ameti kündigt in Zürich Rückzug aus der Öffentlichkeit an, swissinfo, 28. Januar 2026
Veröffentlichungen Crypto-Leaks: Die Neutralität verlangt die Offenlegung des Minerva-Berichts. foraus.ch, 6. März 2020 Cyber-Defence braucht Cyber-Romance. foraus.ch, 2. April 2019 Cyber-War oder Cyber-Wahn? Wenn Ungenauigkeiten im allgemeinen Sprachgebrauch juristische Unterscheidungen gefährden. Völkerrechtsblog, 24. Oktober 2018, (doi:10.17176/20181024-102723-0)
Weblinks Sanija Ameti auf der Website des Gemeinderates der Stadt Zürich Sanija Ameti: Nicht mehr unsichtbar sein auf SRF.ch, 17. August 2021 (Video, 3 Min.). Sanija Ameti 2023 in der Talk-Sendung «Doppelpunkt» auf Radio 1
Einzelnachweise
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