Die Geschichte Unterleinachs behandelt die Geschichte des heute zu Leinach gehörenden Ortes Unterleinach bei Würzburg seit dem Mittelalter.

Ur- und Frühgeschichte siehe Leinach#Urgeschichte und Frühgeschichte

Mittelalter und Frühe Neuzeit Im Jahr 1200 gehörte Unterleinach (bzw. „Niederleinach“) zum Amt Karlstadt. Ab 18. Oktober 1300 verfügte das bis 1803 bestehende Kloster Ebrach über Besitz aus einer Schenkung des Ritters Konrad oder Cuntz von Leinach und dessen Ehefrau Ludgardis. Ab 1370 verfügte es zudem über den seither Ebracher HofVgl. auch Günter Berthel: Ode an die geliebte Leinach. In: Main-Post. 3. Dezember 2006. genannten, nördlich der alten Pfarrkirche an der heutigen Ringstraße gelegenen, Anwesen über den als Notverkauf abgetretenen Hof des Edelknechts und Nachkommen der als Wohltäterin des Klosters Ebrach benannten „Ludgardis von Lynach“ Gotz Hotz (auch Gotze Hotze von L[e]ynach zu Niedernlynach oder Gotzo von Leinach genannt).Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 20, 83–86, 90, 97, 131, 364–366 (Der Ebracher Hof zu Unterleinach), S. 422, Anm. 2 und 4, und S. 444 f. sowie S. 448, Anm. 9. Von 1335 bis 1536 bezog das Kloster Heilsbronn Einkünfte (Gefälle) aus Unterleinach (bzw. „Nydernleinach“, bezeichnet auch als Leynach inferior). Insgesamt hatten in Unterleinach vom Mittelalter bis zur Neuzeit 39 Klöster, Stifte, Spitäler und Kirchen jährliche Abgaben ererbt oder erkauft.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 59, 130 f. (Klöster, Stifte und Spitäler, die im Leinachtal Besitz hatten), 202 („Bronnbacher Zins- und Gültbuch Anno 1529 für Leynach inferior“) und 371 f.

Zu den Lehensherren Unterleinachs gehörte vom 12. bis 18. Jahrhundert das Würzburger Ritterstift St. Burkard.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 143–146 (Das Hub- und Lehengericht des Ritterstiftes in Unterleinach), 176 („Seit 1160 erhielt das Kloster/Ritterstift St. Burkard den Zehntwein“) und 416–422 (Die Mühlen von Unterleinach). Unterleinach gehörte früher zum Amt Karlstadt. Von 1156 bis 1457 sind die Ritter und Ministerialen von Leinach in Unterleinach genannt. Auch in Oberleinach hatten sie ihren Ansitz. Von 1317 bis zum Verkauf ihrer Einkünfte an den Bischof von Würzburg etwa 1640 hatten die Reichsfreiherren von Thüngen Besitz in Unterleinach (so ihr Hofgut in der heutigen Hauptstraße 24, ein Lehen der Henneberger Grafen, dessen Inhaber Schmiede waren, bevor aus der alten Schmiede 1811 eine Bäckerei mit Kolonialwarenladen wurdeChristine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 98 und 367–369 (Das Hofgut der Freiherren von Thüngen zu Unterleinach).). Im Jahr 1375 erhielt das Kloster St. Burkard Güter in Ober- und Unterleinach von den Rittern von Leinach (bzw. den Rittern von Gerchsheim). Bereits 1350 hatte das Kloster bereits die älteste Mühle Unterleinachs, die bis 1977 betriebene „Dorfsmühle“, von dem Hotzo von Lynach genannten Edelknecht Gotzo erhalten. Von 1403 bis 1484 erhielten die Grafen von Wertheim, denen das Dorf ebenso wie Oberleinach durch den Würzburger Fürstbischof Johann I. von Egloffstein verpfändet worden war, Steuern aus Unterleinach (Durch den Würzburger Fürstbischof Rudolf von Scherenberg wurde Unterleinach 1484 aus der Verpfändung an die Grafschaft Wertheim ausgelöst und Unterleinach damit wieder würzburgisch). Über Besitz in Unterleinach verfügten seit Beginn des 14. Jahrhunderts zudem die Grafen von Rieneck und weitere niederadelige Familien sowie von 1436 bis 1642 die Nürnberger Patrizierfamilie Holzschuher, die ab 1582 auch die Zinsen und Gefälle des Klosters Heilbronn, welche 1536 an den Würzburger Bürger Heinrich Körner verkauft worden waren, erhielten.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 6, 15, 20, 76, 97, 112, 116–122, 126, 128, 318, 371–374, 416–418, 429 und 440.

In Unterleinach befand sich 1498 ein dem 1496 von Johann von Allendorf gestifteten Spital zu den 14 Nothelfern in Würzburg gehörender „Spitalhof“, der bis 1375 den Herren von Leinach (bzw. dem Familienzweig „von Geurichsheim“, auch „Gerichsheim“ usw., d. h. von Gerchsheim) gehört hatte, bis ihn Johann von Allendorf 1473 gekauft hat. Das Anwesen des Spitalhofs war ehemals das von der Familie Spor von Endreß von Laudenbach gekaufte und 1429 an Apel von Karsbach weiterverkaufte „Laudenbacher Hofgut“. Ab dem 17. Jahrhundert war das ritterschaftliche Gut auch als „Kropshausen“, „Kroppshausen“, „Grupshausen“, „Grubshausen“, „Hof Gropshausen“ und „Haus Grobshausen“ belegt. Als Wohngebiet um St. Peter wurde es später „Kleines Dörflein“ genannt.Vgl. Christine Demel: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 310–316. Bereits 1466 hatte Johann von Allendorf die Truchsessinwiese und 1472 die ehemaligen Güter der Ministerialen von Leinach in Unterleinach erworben. In der Kapelle St. Peter befand sich eine sechseckige (1930 restaurierte, 1976 auf eine rechteckige Tafel aufgebrachte und in der neuen Kirche Communio Sanctorum aufgehängte) Relieftafel mit den 14 Nothelfern.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 21, 58, 81 f., 86, 95–98 (Die Herren von Leinach in chronologischer Folge), 117 (Die Ritter von Karsbach, Truchsesse von Rieneck und ihr Besitz im Leinachtal), 127–129 (Die Freiherren von Thüngen, ihre Rechte und Einkünfte im Leinachtal), 200 (Johann von Allendorf stiftete das „Spital zu den 14 Nothelfern“ oder „Hofspital“), 288, 294, Anm. 4, S. 321 f., 313 f., 333 und 425.

Im Jahr 1549 gehörte Unterleinach zur Vogtei des auf dem Würzburger Marienberg residierenden Bischofs.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 21. Eine Pest-Epidemie im Leinachtal 1596/1597 forderte allein in Unterleinach etwa 195 Menschenleben. Der heilige Sebastian wurde in das Gemeindesiegel von Unterleinach aufgenommen und 1612 als Kirchenpatron genannt. Auch 1627 gab im Leinachtal eine Pestepidemie. In Unterleinach starben 1669 20, 1670 35, 1673 25 und 1674 31 Personen an der Pest. Während des Dreißigjährigen Krieges fielen ab 1631 die Schweden ein, so auch unter Heeresführung von Hans Christoph von Königsmarck (Feldmarschall), wobei es zur Plünderung des Dorfes und Schändung der Kirchen kam. In der Folge hatte Unterleinach auch später noch darunter und unter Plünderungen durch Franzosen und um 1673 bis 1675 auch durch die kaiserliche Armee während des Reichskriegs gegen Frankreich zu leiden. Auch 1688 erfolgen erneut Plünderungen durch Franzosen. Die Zerstörungen an Häusern und die Schuldenlast der Einwohner waren, wie auch in Oberleinach, noch 1690 beträchtlich.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 21, 148 f., 160–162 (Das Leinachtal im Dreißigjährigen Krieg 1618–1648), 163–166 (Reichskrieg gegen Frankreich 1673–1675 und französischer Einfall 1688), 324, 376 und 444.

Der ehemalige Stiftshof des in beiden Leinach Zehentbezieher gewesenen Ritterstiftes St. Burkard in Unterleinach, dessen Keller bereits im 18. Jahrhundert als Weinkeller diente (1810 nannte man nach der durch die Säkularisation 1803 als Ritterstift aufgelösten ehemaligen Fronhof „Zehendhof mit Keller und Kalterhaus“ – für den Zehentmost bzw. „Wählwein“), wurde nach 1810 privat verkauft, von der Gemeinde 1869 erworben und als (zweites) Rathaus und Lehrerwohnhaus genutzt. Dieses Rathaus wurde im Dezember 1975 geschlossen und das Gebäude im April 1976 abgerissen. An seine Stelle wurde auf dem Dorfplatz ein St. Urbans-Bildstock gesetzt (Bis 1966 fanden in Unterleinach Urbanusprozessionen statt). Der Bildstock aus rotem Sandstein ist eine der ältesten Bildsäulen Unterleinachs und hat den in eine ihrer vier flachen Nischen gesetzten Schutzherrn der Winzer, den Heiligen Urban, erst später von dem Kleinrinderfelder Bildhauer Willi Grimm erhalten. Ein 1972 geplantes drittes Rathaus an der Markungsgrenze gegen Oberleinach wurde im Dezember 1975 fertiggestellt.Christine Demel: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 23, 58, 75, 146, Anm. 1, S. 169, 172–179 (1225 Jahre Leinacher Wein- und Obstbauchronik 775–2000), 295–297 (Die Rathäuser von Unterleinach), 302, 333, 375, 385, 470, 500, 502 und 647.

18. Jahrhundert mini|Kapelle St. Peter

Im November 1791 wurde von dem Lehrer Hieronymus Seitz ein so genannter Industriegarten geplant, der 1792 im Kirchhof, dem ehemaligen Friedhof, von St. Peter angelegt wurde.Christine Demel: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 379–383. Die Pfarrei Unterleinach gehörte ab dem 12. Jahrhundert zum Landkapitel Karlburg/Karlstadt und kam 1797 mit der Filiale Oberleinach zum neugegründeten Landkapitel Rothenfels, dann (wie Oberleinach und 16 weitere Pfarreien) zum 1811 gebildeten Landkapitel Lengfurt, dessen 1. Dechant der Unterleinacher Pfarrer Joseph Anton Reichard (* 15. April 1749; † 22. Januar 1813) wurde. Reichard, der von 1776 bis 1813 in Unterleinach tätig war, wurde auf dem alten Friedhof beim um die Kirche Allerheiligen gelegenen Kirchhof beigesetzt, wo einer von zwei Priestersteinen an ihn erinnert.Christine Demel: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 327 und 349 f. Bis ins Jahr 1800 war in der alten Peterskapelle von „Nydern Leynach“, wo auch drei (ursprünglich vier) Reliquienpyramiden aufgestellt wurden, die sogenannte Johannisschüssel „Johannis Haupt“, eine kostbare, um 1600 geschaffene Votivgabe (auf silberner Schüssel den abgeschlagene Kopf von Johannes dem Täufer darstellend), die nun in der neuen Pfarrkirche aufbewahrt ist, Ziel von Wallfahrern.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 320–325 (Kunstschätze und Inneneinrichtung der Peterskapelle), hier: S. 320–322 und 333. Im Jahr 1737 wurde in Unterleinach eine Corpus-Christi-Bruderschaft gegründet. Das Ritual der 48-stündigen „Ewigen Anbetung“ hierzu erfolgte vom 2. bis 3. Februar in der Peterskapelle.Christine Demel: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 319.

19. Jahrhundert Von 1807 bis 1808 traten die Pocken in Unterleinach epidemisch auf. Ab dieser Zeit wurde auch in Unterleinach, nach der Ende August 1807 in Bayern eingeführten Impfpflicht, „Blatternimpfungen“ durchgeführt.Christine Demel: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 150 und 153. die auch in Unterleinach seither durIm Jahr 1818 entstanden mit dem Gemeindeedikt vom 17. JuniDie Gemeinden Bayerns nach dem Gebietsstand 25. Mai 1987. (statistischebibliothek.de PDF S. 7). die Gemeinden Oberleinach und Unterleinach. Während des Deutsch-Dänischen Krieges im Jahr 1864 wurden durchziehende Truppen in Unterleinach einquartiert, wozu am 30. November des Jahres eine Einquartierungskommission gebildet worden war.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 475–477 (Deutsch–Dänischer Krieg 1864 und Bruderkrieg 1866). Zwischen 1840 und 1891 wanderten 201 Unterleinacher nach Nordamerika aus, um der Armut zu entgehen. Von 1901 bis 1950, insbesondere wegen der Inflation von 1923, waren es 15.Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 147, 183 und 483.

Im Jahr 1873 begründete Nikolaus Roth das Gasthaus „Zum Löwen“ (ab 1985 „Bierbrunnen Piccolo“).Christine Demel u. a.: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. 1999, S. 308 f.