Koschendorf, , ist ein zum Ortsteil Siewisch gehörender bewohnter Gemeindeteil der Stadt Drebkau im Landkreis Spree-Neiße in Brandenburg. Bis zur Eingemeindung nach Siewisch am 1. Juli 1950 war Koschendorf eine eigenständige Gemeinde.

Geografische Lage Koschendorf liegt rund fünf Kilometer nordnordwestlich des Drebkauer Stadtzentrums und zwölf Kilometer südwestlich von Cottbus. Umliegende Ortschaften sind Kackrow mit der Koselmühle im Norden, Leuthen im Osten, Siewisch im Süden, Illmersdorf im Westen und Brodtkowitz im Nordwesten. Zu Koschendorf gehört der südlich gelegene Wohnplatz Bollmühle. Nördlich der Ortschaft erstreckt sich der Cottbuser Stadtforst. Westlich fließt das Koselmühlenfließ von Süden kommend in nördlicher Richtung durch die Gemarkung, in den der nördlich gelegene Leuthener Hauptgraben entwässert.

Koschendorf liegt an der Kreisstraße 7126 zwischen Leuthen und Siewisch. Die Landesstraße 52 zwischen Calau und Drebkau liegt etwa vier Kilometer südlich und die Bundesstraße 169 zwischen Drebkau und Cottbus etwa fünf Kilometer östlich von Koschendorf.

Geschichte Ersterwähnung und Besitzgeschichte Entgegen dem bisherigen Kenntnisstand dürfte das Dorf Coßmeßdorff, in welchem am 24. Oktober 1500 Nickel von Köckritz zu Raakow vier Hüfner und zwei Gärtner von Mgf. Joachim von Brandenburg zu Lehen erhielt, auf Koschendorf zu beziehen sein, und damit die erste urkundliche Erwähnung darstellen.

Am 17. Oktober 1527, als sich der Weiler bereits seit rund einhundert Jahren im Besitz derer von Köckritz befand, findet sich die heute noch genutzte Bezeichnung Koschendorf. Damals erhielt Sigmund von Köckritz zu Raakow neben anderen Gütern u. a. einen Anteil an Koschendorf von dem neuen böhmischen König Ferdinand I. († 1564) zum Lehen, nachdem der vorherige König von Böhmen und Ungarn, Ludwig II., am 29. August 1526 in der Schlacht bei Mohács gestorben war. Die andere Hälfte des Dorfs erwarben 1538 die von Zabeltitz von den von Pannwitz auf Kathlow.

Die von Köckritz hielten den Besitz bis mindestens 1732, waren aber offenbar in finanziellen Schwierigkeiten. Ein Mitglied der Familie, Hieronymus von Köckritz auf Tranitz verklagte Hans Siegmund von Köckritz auf Raakow wegen ausstehender Lehnsgelder in Höhe von 2000 Talern, auf die den Gütern Groß Jauer und Kunnersdorf angefallen waren. Es kam zu einem Vergleich, den die Kinder des Hieronymus von Köckritz, eine Anna Margarethe und ein Sohn, der ebenfalls den Namen Hieronymus trug, mit Margarethe von Köckritz abschlossen. Offenbar waren die strittigen Lehnsgelder mittlerweile in ein Leibgedinge umgewandelt worden.17A 245; Klage des Hieronymus von Köckritz auf Tranitz und Koschendorf gegen Hans Siegmund von Köckritz auf Raakow wegen der auf den Gütern Groß Jauer und Kunnersdorf stehenden Lehnsgelder in Höhe von 2000 Talern sowie wegen des Verkaufs des Gutes Kausche; 1622–1647 (Akte), vorm. n. m. akt. Online-Recherche im Bestand des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (BLHA), Stand 2. November 2021. Eine weitere Klage richtete sich gegen die Geschwister von Carchesen aus Greifenhain, die sich in der Mitte des 17. Jahrhunderts um eine Gemarkung mit der Bezeichnung Crandorfscher Busch stritten.17A 314; Hieronymus v. Köckritz auf Koschendorf gegen die Geschwister v. Carchesien zu Greifenhain wegen des Crandorfschen Busches; 1657–1664 (Akte), vorm. n. m. akt. Online-Recherche im Bestand des BLHA, Stand 2. November 2021. Im Jahr 1685 erhielt Sigismund von Köckritz vom Herzog Christian I. die Erlaubnis, seine Güter Laubst, Koschendorf und Siewisch mit 1200 Talern zu belasten.37 Koschendorf U 2; Christian [I., Herzog von Sachsen-Merseburg und Markgraf der Niederlausitz, erteilt Sigismund von Köckritz zu Laubst die Genehmigung zur hypothekarischen Belastung seiner Güter Laubst, Koschendorf und Siewisch in Höhe von 1.200 Talern zu Gunsten Erdmuthe Sophias von Oppel, geb.], Online-Recherche im Bestand des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, abgerufen am 2. November 2021. Innerhalb der Familie kam es weiterhin zu Streitigkeiten zwischen Joachim Erdmann von Köckritz aus Greifenhain und Ferdinand von Köckritz aus Koschendorf, die sich um die Inspektion eines Hospitals in Drebkau und die dortigen Einkünfte stritten.40C 1630; Joachim Erdmann v. Köckritz zu Greifenhain gegen Ferdinand v. Köckritz zu Koschendorf (Sohn des verstorbenen Landrichters Kaspar Siegmund von Köckritz zu Koschendorf) wegen der Inspektion des Hospitals in Drebkau und dessen Einkünften; 1721–1725 (Akte), Online-Recherche im Bestand des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, abgerufen am 2. November 2021. Kaspar (Caspar) Sigismund von Köckritz war zu dieser Zeit in einen Grenzkonflikt mit Wolf Nicol von Muschwitz aus Wintdorf eingebunden.17B 3124; Kaspar Siegmund v. Köckritz auf Koschendorf gegen Wolf Nicol v. Muschwitz auf Wintdorf wegen Grenzstreits; 1687–1689 (Akte), Online-Recherche im Bestand des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, abgerufen am 2. November 2021. Dieser hatte wiederum bereits am 28. Juni 1688 eine öffentliche Befragung durchführen lassen, um die Eigentumsverhältnisse eines Erlenbuschs klären zu lassen, der sich an der Koselmühle befand. Nur wenige Monate später stritten die von Muschwitz mit den von Köckritz um einen „Streifen Landes, gelegen zwischen Cottbuser Stadtheide und Koschendorf“.37 Wintdorf-Leuthen 122; Instrument und Protokoll des öffentlichen Notars Christian Petzold aus Calau über eine auf Ersuchen des Wolf Nickel von Muschwitz auf Wintdorf erfolgte Befragung des Müllers der Wormlagsmühe bei Wercho (Kr. Calau) am 28. Juni 1688 zu Klärung der Eigentümerverhältnisse an ein, vorm. n. m. akt. Online-Recherche im Bestand des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (BLHA), Stand 2. November 2021. In einer weiteren Auseinandersetzung ging es um die Abpfändung und Schlachtung von Mastschweinen und der Wegnahme von rechtmäßig gepachteten Äckern auf der Wintdorfer Feldflur.37 Wintdorf-Leuthen 120; Rechtsstreit des Hans Schäffer (Schäfer), Georg Sontag (Sondag) und Kaspar Sigismund von Köckritz aus bzw. auf Koschendorf mit Wolf Nickel von Muschwitz auf Wintdorf vor dem Verweser des Herzogtums Crossen und Vizelandeshauptmann der Ämter Cottbus und Peitz, Ludwig von Brand, vorm. n. m. akt. Online-Recherche im Bestand des BLHA, Stand 2. November 2021. Nach und nach kamen die von Köckritz durch die gerichtlichen Auseinandersetzungen in finanzielle Not. Um erneut gegen die von Muschwitz klagen zu können, musste Hans Kaspar von Muschwitz eine Kaution stellen, damit Caspar Sigismund eine Klage vor dem Amt Cottbus einreichen konnte.37 Wintdorf-Leuthen 118; Kautionsstellung des Hans Kaspar von Muschwitz für Kaspar Sigismund von Köckeritz auf Koschendorf, Laubst (Krs. Calau) etc. als Voraussetzung für dessen Klage vor dem Amt Cottbus gegen Wolf Nickel von Muschwitz auf Wintdorf wegen Abnahme von Vieh seiner Untertanen und andere, vorm. n. m. akt. Online-Recherche im Bestand des BLHA, Stand 2. November 2021. Nur kurze Zeit später ging er gegen Johann Ernst von Staupitz aus Burkau gerichtlich vor. Ihm warf er vor, das halbe Gut Laubst zu relutieren.17B 2877; Siegmund v. Köckritz auf Koschendorf gegen Johann Ernst v. Staupitz zu Burkau wegen Reluition des halben Gutes Laubst; 1693–1694 (Akte), vorm. n. m. akt. Online-Recherche im Bestand des BLHA, Stand 2. November 2021.

mini|Herrenhaus Koschendorf. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden die Schulden derer von Köckeritz aktenkundig. Sie mussten eine Wiese bei Siewisch, die als Belischna bezeichnet wurde, an einen Hans Heinrich von Nostitz auf Laubst und Geißendorf verpfänden. Dies führte offenbar zu unklaren Abgabenverhältnissen, denn der dortige Kirchbauer Kaspar Wrose ging gegen die von Köckritz vor und gab dabei an, mit doppelten Lasten belegt worden zu sein.17B 2908; Kaspar Wrose, Kirchbauer zu Siewisch gegen Siegmund v. Köckritz auf Koschendorf wegen Belegung mit doppelten Lasten; 1706–1714 (Akte), vorm. n. m. aktive Online-Recherche im Bestand des BLHA, Stand 2. November 2021. Außerdem erhielt er von Caspar Dietrich von Zabeltitz ein Darlehen in Höhe von 2500 Talern.17B 7599; von Köckritz: Schuldenangelegenheiten des Caspar Siegmund von Köckritz auf Koschendorf, Siewisch und Raakow; 1700–1706 (Akte), vorm. n. m. akt. Online-Recherche im Bestand des BLHA, Stand 2. November 2021. Ein Dietrich von Zabeltitz war aber nicht nur Gläubiger derer von Köckritz, sondern ging auch gerichtlich gegen Siegmund von Köckritz wegen einer (der?) bei Siewisch gelegenen Wiese vor.17B 2924; Dietrich v. Zabeltitz zu Wolfshain gegen Siegmund v. Köckritz zu Koschendorf wegen Nutzung einer bei Siewisch gelegenen Wiese; 1706–1709 (Akte), vorm. n. m. aktive Online-Recherche im Bestand des BLHA, Stand 2. November 2021. Etwa zur gleichen Zeit musste er sich gegen August von Buchner aus Radensdorf gerichtlich zur Wehr setzen, der Grenzdifferenzen aufgeworfen hatte.17B 2942; August v. Buchner auf Radensdorf gegen Siegmund v. Köckritz zu Koschendorf wegen Grenzdifferenzen; 1714–1715 (Akte), Online-Recherche im Bestand des BLHA, Stand 2. November 2021. Zwischen 1729 und 1732 stritten sich Ferdinant von Köckritz und Friedrich von Löben aus Brodkowitz um das zwischen Kackrow und Koschendorf gelegene Fließ.17B 3051; Ferdinand v. Köckritz zu Koschendorf gegen Friedrich v. Löben zu Brodkowitz wegen Eigentums des zwischen Kackrow und Koschendorf gelegenen Fließes; 1729–1732 (Akte), Online-Recherche im Bestand des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, abgerufen am 2. November 2021. Anton Heinrich von Wackerbarth, Ehemann der Christiane Charlotte von Köckritz und Gutsherr auf Kogel bei Sterley im Herzogtum Lauenburg, erwarb von seinem überschuldeten Schwager 1742 die Grundherrschaft und ließ kurz danach ein neues, noch heute stehendes Herrenhaus erbauen.

mini|Wackerbarth-Mausoleum.