Hedwig Ferdinande Wilhelmine Christine Buschmann (* 7. Dezember 1872 in Köln; † 20. Oktober 1950 in Marburg) war eine deutsche Konzertpianistin, Bildhauerin und Entwerferin von Reformkleidung.

Leben mini|Aufnahme aus der 1911 im Schabbelhaus Lübeck veranstalteten Modenschau „Neue Frauen-Kostüme“ mit Entwürfen Hedwig Buschmanns mini|Weitere Aufnahme von derselben Modenschau, 1911 mini|Kindermode aus derselben Modenschau, 1911

Hedwig Buschmann war die Tochter von Joseph und Christine Buschmann, geborene Giese. Wie ihre ältere Schwester, die Malerin und Grafikerin Mechthild Czapek-Buschmann, wählte sie einen künstlerischen Beruf. Als Pianistin trat sie nach einer Ausbildung am Konservatorium Köln, das sie 1894/1895 unter Max Pauer besucht hatte,Buschmann, Hedwig. In: SchülerInnen Konservatorium Köln. (PDF; 3,2 MB) Sophie-Drinker-Institut. in Konzerten auf.Die Musik. 1905, S. 453. 1905 gründete sie eine Werkstatt für Reformkleidung in Berlin mit dem Namen Hedwig Buschmanns Neue Frauentracht. Neben Mode schuf sie auch Bühnenkostüme und expressionistische Puppen aus Wolle und Draht. Seit dem Jahr 1922 bildete sie sich autodidaktisch als Porträtbildhauerin weiter.Ulrike Müller: Buschmann, Hedwig. In: Andreas Beyer, Bénédicte Savoy and Wolf Tegethoff: Allgemeines Künstlerlexikon - Internationale Künstlerdatenbank - Online, K. G. Saur, Berlin / New York 2021. Als Bildhauerin schuf sie Gesichtsplastiken, etwa von Ludwig van BeethovenBeethoven-Maske, Objektdatenblatt im Portal beethoven.de oder Eleonora Duse.Elenore Duse, Objektdatenblatt im Portal timelineimages.sueddeutsche.de

In einer feministisch inspirierten Berliner Gruppe Gleichgesinnter, zu der Jeannie Watt,Ab 1918 Ehefrau von Alfons Mumm von Schwarzenstein Doris Kiesewetter und Hermine Steffahny gehörten,Wolfgang Georg Fischer: Gustav Klimt & Emilie Flöge. An Artist and His Muse. Overlook Press, 1992, S. 76. erwarb sie sich einen Namen als Entwerferin von Reformkleidung. Hierzu erläuterte sie, dass sie sich durch Vorträge des Kunsthistorikers Johannes Andreas Jolles über griechische und frühmittelalterliche Gewandung dazu habe anregen lassen, eine „neue Frauentracht“ zu entwerfen, die die Bewegung ihrer Trägerinnen weniger hemme und sich „in ihrer ehrlichen Einfachheit bald eingebürgert haben“ werde.Dokumente des Fortschritts. Internationale Revue. Berlin 1910, S. 145. Aufgrund seiner Studien zu griechischen und frühmittelalterlichen Gewändern hatte Jolles 1909 in Vorträgen, die er an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin hielt, darauf hingewiesen, dass derartige Gewänder auf einfachen geometrischen Schnitten beruhten, insbesondere auf dem Rechteck und der Kreisform. Buschmann konkretisierte diesen Gedanken daraufhin in ihren Entwürfen und verbreitete ihn durch ihre Schriften,Jahrbuch für Volkskunde, Neue Folge, 14, S. 74. zu denen ihre Schwester beitrug, indem sie ihre Entwürfe künstlerisch illustrierte.

Zu ihren Entwürfen erklärte Buschmann: „Bei meiner neuen Frauentracht (…) spielt die Schere eine absolut untergeordnete Rolle. Die Stoffe büßen, fast oder ganz unverschnitten verwandt, nichts.“

Ihre lose geschnittenen Kleider konnten von fast allen Figuren getragen werden und eigneten sich für die Produktion auf Vorrat. Die Forderung der hygienisch orientierten Fraktion der Kleiderreform, dass die Maße für Ober- und Unterbekleidung bei der tiefsten Einatmung genommen werden müssten, erfüllten sie spielend.Patricia Ober: Der Frauen neue Kleider. Das Reformkleid und die Konstruktion des modernen Frauenkörpers. Verlag Hans Schiler, Kempten im Allgäu 2005, ISBN 3-89930-025-4, S. 138. (Google Books) Ihr Berliner Atelier befand sich am Kurfürstendamm.„Hedwig Buschmann (Modegeschäft) 1917 Hedwig Buschmann. Kurfürstendamm 43 46187“. In: Berliner Handels-Register. Ausgabe 61, 1925, S. 94; zlb.de

Buschmann wohnte zuletzt in Marburg. Sie starb 1950 unverheiratet im Alter von 77 Jahren in der dortigen medizinischen Klinik, heute Teil des Universitätsklinikums Gießen und Marburg. Die Sterbeurkunde führt als wahrscheinliche Todesursache einen Suizid durch Schlafmittelvergiftung an.

Schriften (Auswahl) Die neue Frauentracht. In: Neue Frauenkleidung und Frauenkultur. Nr. 4, S. 35. Neue Frauentracht. Mit 9 farbigen Modebildern von Mechthild Buschmann-Czapek. Berlin [ca. 1910]. Das Bühnenkleid der Zukunft. Berlin 1910. Hedwig Buschmann’s neue Frauentracht. Berlin 1911.

Rezeption Der Kleidungshistoriker Max von Boehn schrieb 1918 über ihren Reformansatz:Max von Boehn: Bekleidungskunst und Mode. Delphin-Verlag, München 1918, S. 116 ff. (Digitalisat 1, Digitalisat 2)

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