mini|Frontispiz der Partitur zu „Musique de table“ (Tafelmusik) Tafelmusik (der Originaltitel lautet Musique de table) ist eine 1733 veröffentlichte Sammlung von Instrumentalwerken des Komponisten Georg Philipp Telemann (1681–1767). Das Werk ist eine der bekanntesten Kompositionen Telemanns; es ist Höhepunkt und gleichzeitig eines der letzten Beispiele höfischer Tafelmusik.

Der Begriff führte zu Missverständnissen, da Telemann sie für Instrumente schrieb, die man an einer Tafel sitzend spielen könnte, nicht als Unterhaltung während einer Mahlzeit.

Veröffentlichung Die Komposition richtete sich vor allem an wohlhabende Musikfreunde. Acht Reichstaler kostete der in Kupfer gestochene Stimmensatz des umfangreichen Werks – ein exorbitanter Preis, wenn man in Betracht zieht, dass Johann Sebastian Bach die gleiche Summe erhielt, um damit das gesamte Orchester, inklusive Pauken und Trompeten, für eine höfische Huldigungsmusik zu entlohnen.

Es fanden sich mehr als 200 Subskribenten, die bereit waren, den Kaufpreis im Voraus zu bezahlen, und deren Name, Stand und Wohnort in der Erstauflage mitveröffentlicht wurde. Die illustre Liste umfasste neben gekrönten Häuptern, adeligen Damen und Kaufleuten auch Musiker und Komponisten aus dem In- und Ausland – darunter Händel aus London, Pisendel und Quantz aus Dresden und Blavet aus Paris.

Telemann, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Musikdirektor von Hamburg war, reimte über seine Veröffentlichung: „Diß Werk wird hoffentlich mir einst zum Ruhm gedeien,Du aber wirst den Wehrt zu keiner Zeit bereuen …“

Max Seiffert, Musikwissenschaftler, wies achtzehn verschiedene Zitate aus der Tafelmusik in Händels Werk nach – dies galt damals nicht als Plagiat. Ganz im Gegenteil fühlte sich Telemann geschmeichelt, zumal sich Händel durch Beschaffung seltener Pflanzen bei seinem alten Freund revanchierte. Aufbau miniatur|Anfang des Quartetts aus dem I. Teil Das Werk gliedert sich in drei Teile („Produktionen“) mit gleichem Aufbau: Sie beginnen mit einer groß besetzten Ouverture, dann folgt ein Quartett für drei Instrumente und Continuo, ein Konzert für mehrere Soloinstrumente und Streicher, eine Triosonate und eine Solosonate mit Continuo. Den Abschluss bildet jeweils ein Satz, den Telemann mit Conclusion überschreibt: Er nimmt Tonart und Besetzung der einleitenden Ouverture wieder auf; im Übrigen folgen Besetzungen und Tonart keinem erkennbaren Schema.

Mit Ouvertüre, Konzert, Trio- und Solosonate sowie dem sonst im Barock seltenen, von Telemann aber bevorzugten Quartett, bietet jeder Teil je ein Beispiel der wichtigsten instrumentalen Genres.

Musique de table, 1. Production Ouverture (Suite) in e-Moll, TWV 55:e1 für zwei Flöten, Streicher und Continuo I. Ouverture: Lentement - Vite - Lentement II. Rejouissance III. Rondeau IV. Loure V. Passepied VI. Air VII. Gigue

Quartett in G-Dur, TWV 43:G2 für Flöte, Oboe, Violine und Continuo I. Largo - Allegro - Largo II. Vivace - Moderato - Vivace III. Grave IV. Vivace

Concerto in A-Dur, TWV 53:A2 für Flöte, Violine, Violoncello, Streicher und Continuo I. Largo II. Allegro III. Grazioso IV. Allegro

Trio in Es-Dur, TWV 42:Es1 für zwei Violinen und Continuo I. Affettuoso II. Vivace III. Grave IV. Allegro

Sonata in h-Moll, TWV 41:h4 für Flöte und Continuo I. Cantabile II. Allegro III. Dolce IV. Allegro

Conclusion in e-Moll, TWV 50:5 für zwei Flöten, Streicher und Continuo Sinfonia

Musique de table, 2. Production mini|Anfang des 2. Satzes der Ouverture zum II. Teil. Händel hat das Anfangstutti (bis T. 12) fast unverändert in sein Orgelkonzert Op. 7 Nr. 4 übernommen. Ouverture (Suite) in D-Dur, TWV 55:D1 für Oboe, Trompete, Streicher und Continuo I. Ouverture II. Air: Tempo giusto III. Air: Vivace IV. Air: Presto V. Air: Allegro

Quartett in d-Moll, TWV 43:d1 für zwei Querflöten, Blockflöte (oder Fagott) und Continuo I. Andante II. Vivace III. Largo IV. Allegro

Concerto in F-Dur, TWV 53:F1 für drei Violinen, Streicher und Continuo I. Allegro II. Largo III. Vivace

Trio in e-Moll, TWV 42:e2 für Flöte, Oboe und Continuo I. Affettuoso II. Allegro III. Dolce IV. Vivace

Sonata in A-Dur, TWV 41:A4 für Violine und Continuo I. Andante II. Vivace III. Cantabile IV. Allegro – Adagio – Allegro – Adagio

Conclusion in D-Dur, TWV 50:9 für Oboe, Trompete, Streicher und Continuo Allegro – Adagio – Allegro

Musique de table, 3. Production Ouverture (Suite) in B-Dur, TWV 55:B1 für zwei Oboen, Fagott, Streicher, Continuo I. Ouverture II. Bergerie (un peu vivement) III. Allegresse (vite) IV. Postillons V. Flaterie VI. Badinage (très vite) VII. Menuet

Quartett in e-Moll, TWV 43:e2 für Flöte, Violine, Violoncello und Continuo I. Adagio II. Allegro III. Dolce IV. Allegro

Concerto in Es-Dur, TWV 54:Es1 für zwei Hörner, Streicher und Continuo I. Maestoso II. Allegro III. Grave IV. Vivace

Trio in D-Dur, TWV 42:D5 für zwei Flöten und Continuo I. Andante II. Allegro III. Grave – Largo – Grave IV. Vivace

Sonata in g-Moll, TWV 41:g6 für Oboe und Continuo I. Largo II. Presto: Tempo giusto III. Andante IV. Allegro

Conclusion in B-Dur, TWV 50:10 für zwei Oboen, Fagott, Streicher, Continuo Furioso

Weblinks

(Ausgabe von Max Seiffert, Denkmäler Deutscher Tonkunst)

Einzelnachweise

Kategorie:Werk von Georg Philipp Telemann