Robert William (Bob) Dickerman (* 24. September 1926 in Ithaca, New York; † 25. April 2015 in Bernalillo, New Mexico) war ein US-amerikanischer Ornithologe. Neben der Ornithologie publizierte er auch auf dem Gebiet der Mammalogie, Tierverhalten und der Virologie.

Leben und Wirken Robert William Dickerman war einer von drei Söhnen von John Allen Dickerman (1897–1971) und Harriet Elizabeth (1901–1974), einer Bauernfamilie in Ithaca. Er wurde zur Armee eingezogen und diente während der Besatzungszeit in Japan nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach dem Militärdienst besuchte er durch Hilfe des Bundesgesetzes G. I. Bill die Cornell University. Als undergraduated Student war er fast gleich alt wie viele graduated Studenten. Es verschaffte ihm ein Büro zwischen den höher graduierten Studenten, ein Privileg, das nicht jedem Studenten zugutekam. Zunächst arbeitete er mit Brina Kessel (1925–2016) an ihrer Dissertationsarbeit über den Star, die 1951 unter dem Titel Investigations on the life history and management of the European Starling (Sturnus vulgaris vulgaris L.) in North America erschien. Hierbei präparierte er viele Vogelbälge, die aus den Nachforschungen zur Dissertation entstanden. Als er den Bachelor-Abschluss hatte, verließ er die Cornell University und ging an die University of Arizona, um seinen Master bei seinem Mentor Allan Robert Phillips zu machen. Mit ihm verband er eine Freundschaft, die in ihm seine Leidenschaft für taxonomische Fragen weckte. Dickerman entdeckte dieses Interessensgebiet unter der Anleitung Phillips in der bis daher noch wenig erforschten Avifauna Mexikos. Er entwickelte die Passion weiter und überarbeitete die Klassifikation vieler Gattungen, Arten und Unterarten, wann immer es ihm nötig erschien.Andrew Bryant Johnson (2012), S. 199.

Dickermans Beiträge zu Ornithologie galten als legendär. Er galt als scharfer Beobachter in freier Natur sowie als unermüdlicher Sammler und Aufbereiter wissenschaftlicher Präparate. Mit mehr als 224 Veröffentlichungen galt er als äußerst produktiver Autor. Es waren seine Arbeiten aus dem nördlichen Lateinamerika und insbesondere aus Mexiko mit über 800 gesammelten Exponaten, die ihm den Respekt anderer Wissenschaftler einbrachte. 1961 promovierte er an der University of Minnesota über Singammern (Melospiza melodia) auf dem mexikanischen Plateau, die den Titel The song sparrows of the Mexican Plateau trug. Dickerman entwickelte eine Vorliebe zu Sümpfen und anderen feuchten Lebensräumen. So prägte er in den 1960ern und 1970ern die Erforschung mexikanischer Sumpfgebiete. Viele neue Unterarten wurden dabei durch ihn beschrieben. Am 7. September 1961 entdeckte er die als ausgestorben geltende Gelbrallen-Unterart (Coturnicops noveboracensis goldmani (, 1904)) in den Sümpfen des Río Lerma wieder.

Auch wenn Dickerman hauptsächlich Ornithologe war, galten seine ersten Feldarbeit in Mexiko zunächst der Säugetierforschung. So sammelte er für Eugene Raymond Hall von 1953 bis 1955. Für das University of Kansas Natural History Museum sammelte er in Nord- und Südmexiko 3132 Säugetierexponate. Die Präparate wurde für zahlreiche taxonomische Studien von Hall und seinen Schülern verwendet. 1972 beschrieben Roger Deforrest Price und Kary Cadmus Emerson aus den Sammlungen die Kieferläuse-Art Geomydoecus dickermani. Gemeinsam mit Bernardo Villa Ramirez entwickelte er mit Hilfe von Trockeneis eine neue Technik zum Konservieren von gesammelten Tieren in der Natur. Bei seinen Beobachtungen schaute Dickerman immer über den Tellerrand und so sind viele seiner Beobachtungen in freier Natur auch aus der Ferne sehr aufschlussreich. Seine Beobachtungen reichten von einheitlicher Größe der Carnegiea gigantea in Sonora, über die Morphologie von Termitenhügeln in Botswana, regionale Unterschiede in der Interaktion von Menschen im südlichen Afrika, Muster des Laubabwurfs der Bäume in den Bergen der Sangre de Cristo Range bis zum Verhalten von Guppys in seinem Aquarium. Für all diese Naturphänomene hatte er immer ein interessiertes Auge.

Obwohl Dickerman eine professionelle Karriere am Cornell University Medical College in New York als Virologe verfolgte, war er Angestellter in der Vogelabteilung des American Museum of Natural History. So sind die Mehrzahl der Publikationen über taxonomische Fragen zu Vögeln und Säugetieren erweitert um ihr Verhalten und ihre Naturgeschichte. Trotz allem war er ein Mitglied in einem Team von Biologen die Wildtierpopulationen auf Viren untersuchte. Als Sammler hatte er gelernt, Exponate zu beschaffen und zu konservieren. Die Proben, die er lieferte, waren sowohl zur Virusforschung geeignet als auch für seine taxonomischen Studien.Andrew Bryant Johnson (2012), S. 200.

1989 ging er in Pension und zog nach Albuquerque. Nun nahm er sich der Sammlung des University of New Mexico’s Museum of Southwestern Biology an. Diese glückliche Fügung führte dazu, dass deren Sammlung eine der am schnellsten wachsenden Forschungssammlungen von Vögeln in der Welt wurde. Bald wurde er zu deren Kurator, eine Aufgabe, die er 18 Jahre lang bis 2007 ausfüllte. Die Sammlung wurde unter seiner Ägide von 6.000 auf über 24.000 Bälge ausgebaut. Neben seinen eigenen Beiträgen wurde die Sammlung durch Handel mit anderen Institutionen und anderen Quellen wie der New Mexico Wildlife-Rehabilitation Gemeinschaft erweitert. So fand z. B. auch die Sammlung von Amadeo Michael Rea seinen Weg ins Museum. Ebenso wurde die Sammlungen von Dale Allen Zimmerman (geb. 1928) und des U.S. Geological Surveys integriert.Andrew Bryant Johnson (2016), S. 323. Gemeinsam mit John Patrick Hubbard (geb. 1935) gelang die Rückführung von Sammelstücken aus New Mexico, die inzwischen in anderen Museen deponiert worden waren. So gelang es ihnen beispielsweise das erste Exemplar eines Aplomadofalken (Falco femoralis , 1822) für das Museum zu gewinnen. Dickerman ist es zu verdanken, dass die Vogelabteilung nach seiner zweiten Pensionierung mit Christopher Cooper Witt erstmals einen professionellen und keinen ehrenamtlichen Kurator bekam.

Mitgliedschaften Dickerman war seit 1973 ein gewähltes Mitglied der American Ornithologists’ Union und wurde 1983 Fellow der Gesellschaft.Andrew Bryant Johnson (2016), S. 322.

Dedikationsnamen Sein Name findet sich in der Grauwasseramsel-Unterart (Cinclus mexicanus dickermani , 1966)Allan Robert Phillips (1966), S. 126, in der Piroltrupial-Unterart (Icterus pustulatus dickermani , 1995)Allan Robert Phillips (1995), S. 101 und der Graukappenvireo-Unterart (Hylophilus decurtatus dickermani , 1991)Kenneth Carroll Parkes (1991), S. 169..

Erstbeschreibungen von Robert William Dickerman Dickerman hat auch zusammen mit anderen Autoren einige Unterarten, die neu für die Wissenschaft waren, beschrieben.

Unterarten Zu den Unterarten gehören chronologisch u. a.: Singammer (Melospiza melodia villai & , 1957) Singammer (Melospiza melodia yuriria & , 1957) Schuppenhals-Rohrdommel (Botaurus pinnatus caribaeus , 1961) Gartentrupial (Icterus spurius phillipsi & , 1962) Singammer (Melospiza melodia azteca , 1963) Singammer (Melospiza melodia niceae , 1963) Singammer (Melospiza melodia zacapu , 1963) Gelbschultertrupial (Icterus prosthemelas praecox & , 1965) Rotflügelstärling (Agelaius phoeniceus nelsoni , 1965) Großschwanzgrackel (Quiscalus mexicanus loweryi ( & , 1966)) Virginiaralle (Rallus limicola friedmanni , 1966) Mangrovewaldsänger (Setophaga petechia oraria (Parkes & , 1967)) Lerchenstärling (Sturnella magna saundersi & Phillips, 1970) Ockerbrust-Gelbkehlchen (Geothlypis speciosa limnatis , 1970) Kahnschnabelreiher (Cochlearius cochlearius phillipsi , 1973) Waldzaunkönig (Henicorhina leucosticta costaricensis , 1973) Waldzaunkönig (Henicorhina leucosticta smithei , 1973) Kahnschnabelreiher (Cochlearius cochlearius ridgwayi , 1973) Rotflügelstärling (Agelaius phoeniceus arthuralleni , 1974) Pampazaunkönig (Cistothorus platensis graberi , 1975) Pampazaunkönig (Cistothorus platensis jalapensis , 1975) Pampazaunkönig (Cistothorus platensis potosinus , 1975) Pampazaunkönig (Cistothorus platensis russelli , 1975) Pampazaunkönig (Cistothorus platensis warneri , 1975) Seidennachtschwalbe (Antrostomus sericocaudatus mengeli (, 1975)) Olivbauch-Ameisenpitta (Myrmothera simplex pacaraimae & , 1980) Tepuiameisenfänger (Herpsilochmus roraimae kathleenae & , 1980) Tepuibaumschlüpfer (Cranioleuca demissa cardonai ( & , 1980)) Tepuibaumspäher (Syndactyla roraimae urutani ( & , 1980)) Buschorganist (Euphonia affinis olmecorum , 1981) Gilbdrossel (Turdus grayi lanyoni , 1981) Tropfentrupial (Icterus pectoralis carolynae , 1981) Weißkehl-Tachurityrann (Mecocerculus leucophrys chapmani , 1985) Clarktaucher (Aechmophorus clarkii transitionalis , 1986) Renntaucher (Aechmophorus occidentalis ephemeralis , 1986) Fleckenkauz (Strix occidentalis juanaphillipsae , 1997) Karibikspecht (Melanerpes santacruzi hughlandi , 1987) Rostschwanzammer (Peucaea ruficauda ibarrorum (, 1987)) Schuppenbrust-Hakenschnabel (Diglossa duidae georgebarrowcloughi , 1987) Tepuiolivtyrann (Elaenia olivina davidwillardi & , 1987) Tepuipipratyrann (Mionectes roraimae mercedesfosterae & , 1987) Tepuipipratyrann (Myiophobus roraimae sadiecoatsae ( & , 1987)) Gnomennachtschwalbe (Chordeiles pusillus novaesi , 1988) Gnomennachtschwalbe (Chordeiles pusillus xerophilus , 1988) Rotbauchorganist (Euphonia rufiventris carnegiei , 1988) Kehlband-Ameisenpitta (Grallaria guatimalensis binfordi , 1990) Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis suttoni , 1993) Brauenwaldschnäpper (Fraseria cinerascens ruthae , 1994) Kastanienliest (Halcyon badia obscuridorsalis & , 1994) Schwarzkopf-Haubenschnäpper (Elminia nigromitrata colstoni (, 1994)) Schweifhuhn (Tympanuchus phasianellus hueyi & , 1994) Tannenhuhn (Falcipennis canadensis isleibi & , 1996) Grünbülbül (Eurillas virens amadoni (, 1997)) Virginiauhu (Bubo virginianus pinorum & , 2008)

Synonyme Streifenrückenammer (Peucaea botterii petenica (tabascensis) ( & , 1967)) Haubenzwergfischer (Corythornis cristatus cyanostigma (stuartkeithi) , 1989) Gelbkehlkuckuck (Chrysococcyx flavigularis (parkesi) , 1994) Grünbülbül (Eurillas virens amadoni (poensis) (, 1994))

Schriften (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Ornithologe Kategorie:Mammaloge Kategorie:Virologe Kategorie:Kurator einer naturwissenschaftlichen Sammlung Kategorie:Sachbuchautor (Ornithologie) Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1926 Kategorie:Gestorben 2015 Kategorie:Mann