mini|Globales Katastrophenrisiko gemäß Weltrisikoindex im Weltrisikobericht 2022 Der Weltrisikobericht ist ein jährlich erscheinender Fachbericht zu globalen Katastrophenrisiken. Die jährlichen Ausgaben des Weltrisikoberichts thematisieren je ein Schwerpunktthema mit Bezug zu Katastrophenrisikomanagement und werden auf Deutsch und Englisch herausgegeben. Der Bericht enthält den Weltrisikoindex, welcher für 193 Länder weltweit das Risiko ermittelt, dass aus einem extremen Naturereignis eine Katastrophe wird.
Der Bericht wird seit 2011 von Bündnis Entwicklung Hilft herausgegeben – bis 2016 in Kooperation mit dem Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit (UNU-EHS) der Universität der Vereinten Nationen in Bonn. Seit 2018 wird der Weltrisikobericht gemeinsam mit dem Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) der Ruhr-Universität Bochum veröffentlicht.
Durch den Bericht soll ein Beitrag dazu geleistet werden, Zusammenhänge zwischen extremen Naturereignissen, dem Klimawandel, Katastrophenvorsorge und sozialer Ungleichheit auf globaler Ebene zu verdeutlichen, um ein realistisches Bild von Katastrophen und Risiko zu vermitteln. Durch den engen Austausch zwischen Wissenschaft und entwicklungspolitischer Praxis werden Lösungsansätze und Handlungsempfehlungen für aktuelle Herausforderungen in der Katastrophenvorsorge, Klimawandelanpassung und Entwicklungspolitik identifiziert.
Schwerpunktthemen Mit den Schwerpunktthemen im Weltrisikobericht wird die quantitative Katastrophenrisikoanalyse in Form des Weltrisikoindex durch mehrere Schwerpunktartikel zu zentralen Aspekten von Katastrophenrisiko und dessen Bewältigung ergänzt. Neben den Schwerpunktartikeln enthalten die Berichte meist mehrere Fallbeispiele, welche Einblicke in die Projektarbeit der Mitgliedsorganisationen im Bündnis Entwicklung Hilft zu den jeweiligen Schwerpunktthemen ermöglichen sollen. Im Rahmen der Schwerpunktartikel und Fallbeispiele arbeiten Bündnis Entwicklung Hilft und IFHV mit externen Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis zusammen. Somit soll eine möglichst umfassende und vielschichtige Perspektive auf Katastrophenrisiko als komplexes Phänomen ermöglicht werden. Folgende Schwerpunkte wurden bisher im Rahmen der Weltrisikoberichte thematisiert: 2024: Multiple Krisen 2023: Diversität 2022: Digitalisierung 2021: Soziale Sicherung
2020: Flucht und Migration
2019: Wasserversorgung
2018: Kinderschutz und Kinderrechte
2017: Analyse und Ausblick
2016: Logistik und Infrastruktur
2015: Ernährungssicherheit
2014: Risikoraum Stadt
2013: Gesundheit und medizinische Versorgung
2012: Umweltzerstörung und Katastrophen
2011: Regierungsführung und Zivilgesellschaft
Weltrisikoindex Der Weltrisikoindex ermittelt anhand von 100 aggregierten, öffentlich zugänglichen Indikatoren das Katastrophenrisiko für 193 Länder weltweit. Konzeptionell setzt sich der Index zusammen aus der Exposition gegenüber extremen Naturgefahren und der gesellschaftlichen Verwundbarkeit (Vulnerabilität) einzelner Länder. Im Rahmen der Expositionsanalyse werden Erdbeben, Tsunamis, Wirbelstürme, Fluß- und Küstenüberschwemmungen sowie Dürren und der klimabedingte Meeresspiegelanstieg berücksichtigt. Die gesellschaftliche Vulnerabilität ist unterteilt in Anfälligkeit gegenüber extremen Naturereignissen, Mangel an Bewältigungskapazitäten und Mangel an Anpassungskapazitäten. Im Anschluss an die Imputation fehlender Werte werden alle Indexkomponenten einer Ordered-Quantile-Transformation unterzogen und auf den Wertebereich von 0 bis 100 skaliert. Je höher der Indexwert eines Landes im Weltrisikoindex ist, desto höher ist das nationale Katastrophenrisiko. Zur Veranschaulichung und besseren Vergleichbarkeit der Ergebnisse werden alle Länder in fünf Risikoklassen eingeteilt, deren Grenzen auf Basis der Quintilsgrenzen der letzten 20 Jahren festgelegt wurden.
Das methodische Grundkonzept des Index wurde ursprünglich vom Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) und Bündnis Entwicklung Hilft entwickelt und 2011 erstmals veröffentlicht.
Seit 2017 wird der Index vom IFHV berechnet und zunächst methodisch weiterentwickelt, bevor eine vollständige Überarbeitung des Indexmodells 2022 veröffentlicht wurde. Gemeinsam mit dem WeltRisikoBericht 2023 wurde ein Längsschnittsdatensatz veröffentlicht, der Nutzern des WeltRisikoIndex die Möglichkeit für Zeitverlaufsanalysen für jeden Aspekt des Modells ab 2000 bietet und jährlich mit Erscheinen des WeltRisikoBerichts aktualisiert wird. Gleichzeitig soll der Längsschnittsdatensatz für historische Vergleiche verwendet werden, da durch die Überarbeitung des Indexmodells ein substantieller Bruch in den Zeitreihen des WeltRisikoIndex vorlag. Seit 2023 werden alle Daten mit Bezug zum WeltRisikoBericht vom IFHV auch über den Humanitarian Data Exchange des United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA) bereitgestellt.
Im Rahmen der bisherigen Weiterentwicklung des Index wurden neue Datensätze zur Exposition und zur gesellschaftlichen Verwundbarkeit aufgenommen und die Zahl der analysierten Länder erweitert.