Die Rocca Meli Lupi di Soragna ist eine mittelalterliche Burg in Soragna in der italienischen Region Emilia-Romagna. Sie liegt an der Piazza Bonifacio Meli Lupi 5 und wurde zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert in eine elegante Adelsresidenz umgewandelt.
Das Gebäude gehört immer noch den Fürsten Meli-Lupi, die das Fürstentum Soragna bis zur Abschaffung des Feudalismus auf Befehl des französischen Kaisers Napoleon 1805 regierten.
Geschichte Die Burg der Pallavicini Die Verteidigungsburg in der Gegend ließ Markgraf Adalbert I. von Mailand, Sohn von Oberto I. der Obertenghi, 985 errichten. 962 schrieb dieser der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Otto I., die Ländereien zwischen Soragna und Busseto zu. Genau im Inneren dieser Burg vollstreckte Adalbert das Testament seines Sohnes Oberto III., Vater von Adalbert II. Pallavicino.
1077 investierte der König von Italien, Heinrich IV., Hugo und Fulco I. d’Este in einen Teil der Ländereien von Soragna, der 1090, nach der Aufteilung zwischen den beiden Brüdern, Fulco zugeteilt wurde. In den folgenden Jahren wurde der Markgraf Oberto Pallavicino, genannt „Pelavicino“, der einzige Lehensherr, vielleicht durch einen Austausch und eine Übereinkunft mit den D’Estes. 1145 gab Oberto Pallavicino alle Höfe, die er im Gebiet von Parma besaß, an die Stadt Piacenza ab, die ihn in diese Lehen im Tausch gegen den Eid der Vassallenschaft offiziell investierte.
1186 wurde die Festung von den vereinigten Truppen der Guelfen aus Parma und Cremona angegriffen und im Zuge der Kämpfe mit den Truppen aus Piacenza und Fidenza zerstört. Die Herrschaftsrechte wurden den Pallavicini dennoch bestätigt, als der Markgraf Oberto Pallavicino sie von Kaiser Friedrich Barbarossa verliehen bekam.
Die Burg der Lupis 1198 brachte eine Heirat der Familie Lupi den Besitz des Lehens ein. Sie leiteten Umbauarbeiten an der Burg ein, die „Castrum Novum“ genannt wurde, im Unterschied zum „Castrum Vetus“ in Castellina, das noch den Pallavicini gehörte. Hugo, Sopramonte, Rolando und Guido Lupi erbten die väterlichen Güter 1237.
1266 wurde die Burg von den Guelfen aus Parma erobert. 1305 verfügten sich die Lupis, die Rossis und die Scorzas, die von Giberto III. da Correggio aus Parma verbannt worden waren, nach Soragna und suchten dort Zuflucht, nachdem sie die Burg erobert hatten. Sobald Giberto III. da Correggio davon erfuhr, unterzog er die Burg einer Belagerung und nach 22 Tagen waren die Besatzer zur Aufgabe gezwungen, die sich dann mit dem Markgrafen von Ferrara, Azzo VIII. d’Este, verbündeten und nach San Secondo flohen, von wo aus sie einige Überfälle im Gebiet von Parma durchführten. 1311 wurde Frieden geschlossen und wahrscheinlich hatten die Lupis die Möglichkeit, wieder auf die Burg von Soragna zu ziehen. Acht Jahre später unternahm Manfredino Pallavicino einen untauglichen Versuch, wieder in Besitz der Burg zu gelangen, die von Markgraf Bonifacio Lupi gehalten wurde.
1345, nach dem Verkauf von Parma an den Markgrafen von Ferrara, Obizzo III. d’Este, durch die Da Correggios, begaben sich die Truppen von Luchino Visconti in das Gebiet von Parma und eroberten und zerstörten in Soragna die Festung. Ugolotto und Raimondino Lupi wandten sich an Kaiser Karl IV., der sie 1347 in das Lehen von Soragna investierte, das in den Rang einer kaiserlichen Markgrafschaft erhoben wurde, sowie in das Gebiet von Castione.
1385 gewährte der Herzog von Mailand, Gian Galeazzo Visconti, Bonifacio und Antonio Lupi das Recht, die Burg wiederaufzubauen. Die Bauarbeiten wurden um 1392 abgeschlossen. 1395 wurde dennoch Niccolò Pallavicino durch den römisch-deutschen König Wenzel in das Lehen von Soragna investiert, ohne dass es ihm gelang, es in Besitz zu nehmen. 1427 versuchte auch sein Sohn Rolando il Magnifico vergeblich, es zu beanspruchen.
Die Burg der Meli-Lupis 1513 bestimmte der Markgraf Diofebo Lupi, der selbst keine Kinder hatte, als Erben seinen sehr jungen Großneffen Giampaolo I. Meli, den Enkel seiner Schwester Caterina, ein. Im Folgejahr, nach dem Tod von Diofebo Lupi, nahm sein Neffe, Giambattista Meli, Soragna für seinen Sohn in Besitz. Papst Leo X. ließ in seiner Eigenschaft als Herrscher von Parma Burg und Lehen von Soragna einnehmen, um seinen Bruder Giuliano di Lorenzo de’ Medici, den Herzog von Nemours, zum Vikar zu ernennen. Dieser wurde von seinem Neffen, König Franz I. von Frankreich, 1515 in das Lehen investiert. Nach dem Tod von Giuliano de‘ Medici im Folgejahr gelang des „Giambattista Meli“ erneut, sich der Burg zu bemächtigen, aber Philiberta von Savoyen, die Witwe des Herzogs, erhielt vom Papst sofortige Hilfe bei der Vertreibung des Besatzers. Der Markgraf wandte sich an den König von Frankreich und 1518 erreichte er eine Einigung mit der Herzogin, die ihm das Lehen gegen eine große Summe Geldes zurückgab.
1522 bemächtigte sich der Vetter Bonifacio Aldighieri, der Ansprüche auf die Markgrafschaft erhob, der Burg. Nach einiger Zeit gelang es den Melis mit dem Wohlwollen des Königs von Frankreich, ihn aus der Burg zu vertreiben, aber es entstand ein langer Rechtsstreit, in den auch Kaiser Karl V. und zunächst Papst Hadrian VI. und dann Papst Clemens VII. verwickelt waren. Der Kaiser investierte anfangs Gimpaolo Meli in das Lehen, der 1530 an seinen eigenen Familiennamen den seines Großonkels anfügte und so die Dynastie Meli-Lupi begründete, und dann 1534 Bonifacio Aldighieri, der, obwohl es ihm nicht gelang, das Lehen nicht in Besitz zu nehmen, 1539 eine Bestätigung von Papst Paul III. erfuhr. 1542 kaufte Ferrante I. Gonzaga de Rechte von Bonifacio Aldighieri, aber der neue Herzog von Parma, Pier Luigi II. Farnese, übernahm die Verteidigung von Giampaolo Meli und widersetzte sich dem feudalen Handel.
1551 wurde die Burg, die damals durch starke Verteidigungsbauwerke gekennzeichnet war, während des Krieges von Parma angegriffen, aber widerstand diesen Eroberungsversuchen. Später wurde sie endgültig verstärkt, war aber keinen wesentlichen Angriffen mehr ausgesetzt. Aus diesem Grunde wurde sie im 16. Jahrhundert und vor allem im 17. Jahrhundert in eine elegante, barocke Adelsresidenz umgebaut.
1709 erhob Kaiser Joseph I. die Markgrafschaft zu einem Reichsfürstentum mit dem Recht, Münzen zu prägen. Die Meli-Lupis verschönerten die Burg weiter, wobei sie die Architekten Angelo Rasori im 18. Jahrhundert und Antonio Tomba im 19. Jahrhundert mit den Arbeiten betrauten.
1805 wurde das Reichsfürstentum Soragna in der Folge der Edikte Napoleons abgeschafft, aber die Meli-Lupis behielten das Eigentum an der Burg, deren großer Park auf der Rückseite 1833 unter der Leitung des Architekten Luigi Voghera in einen englischen Landschaftsgarten umgestaltet wurde.
Beschreibung miniatur|links|Fassade des mittleren Baukörpers miniatur|Fassade auf der Westseite Die Burg erhebt sich symmetrisch auf einem fast quadratischen Grundriss um einen Innenhof in der Mitte. An den vier Ecken sind darüber hinaus quadratische Türme aufgebaut, während in der Mitte der Hauptfassade sich ein fünfter, schmalerer Eingangsturm erhebt. Auf den drei Stirnseiten tut sich ein tiefer, trockener Burggraben auf. Auf der Rückseite ist an den Nordwestturm ein langes Gebäude angeschlossen, das die Burg mit der Kapelle „Santa Croce“ verbindet und sich schließlich nach Westen fortsetzt, um am neugotischen Fort zu enden, das sich an den Ufern eines kleinen, romantischen Sees erhebt.
miniatur|Mariae Verkündigung auf dem Gewölbe des Empfangssalons Die, wie der Rest des Gebäudes, vollständig im Mauerwerk ausgeführte Hauptfassade ist über eine gemauerte Brücke zu erreichen, die im 17. Jahrhundert als Ersatz für die alte Zugbrücke errichtet wurde. Auf den Seiten sind zwei hohe Ziegelsockel als Basis für so viele große Steinlöwen aufgebaut. Die Fassade ist durch die drei Türme in fünf Baukörper gleicher Höhe aufgeteilt, die sich über drei Stockwerke, getrennt durch dünne Gesimse, und dazu ein Tiefparterre erheben. Das untere Geschoss, das durch eine Maueranschrägung gekennzeichnet ist, öffnet sich direkt in den Graben.
miniatur|links|Burggraben und Zugangsbrücke Am mittleren Turm, der im Zuge des Umbaus der Burg in einen Adelspalast im 17. Jahrhundert errichtet wurde, liegt über dem breiten Rundbogeneingangstor ein kleiner, versunkener Balkon im Obergeschoss, über dem in der Mitte eines zweiten Bogens ein großes Wappen der Herzöge Meli-Lupi hervorsticht. Ganz oben am Eingangsturm erhebt sich ein breites, dreieckiges Tympanon in klassischer Art.
Die Seitenfassaden sind ebenfalls durch die hervorspringenden Ecktürme gekennzeichnet und übernehmen die Merkmale der Hauptfassade fast unverändert. Die Westfassade unterscheidet sich von den anderen durch eine Loggia im obersten Stockwerk.
Der Empfangssalon ist mit einer Tonnengewölbedecke versehen, die mit einem großen Oval mit Fresken verziert ist. Das Bild zeigt Mariä Verkündigung und besitzt den Schriftzug „Domum custodiat quae Christum custodivit“ (dt.: Bewahre das Haus, das Christus bewahrt hat).
Innenhof in der Mitte und Vorhalle miniatur|links|Vorhalle und Hof miniatur|Vorhalle und Zugang zum rechten Flügel Innen liegt vor dem Hof in der Mitte eine elegante Vorhalle mit Korbbögen, die sich, gestützt von massigen, ionischen Steinsäulen aus Sarnico, über die südliche Eingangsseite erstreckt. Das Klostergewölbe mit Lünetten an der Decke ist mit Fresken verziert, die 1446 geschaffen wurden und Triebe und Äste von Weinreben darstellen, wogegen die breiten Lünetten an den Wänden mit den Wappen der Adelshäuser bemalt sind, die sich im Laufe der Jahrhunderte mit den Meli-Lupis verbunden haben.
Der Innenhof, der durch vier Statuen an den Ecken bereichert wird, ist auf der Höhe des Erdgeschosses an den Umfassungswänden mit einer dichten Wand aus Schlingpflanzen bedeckt.
Säle im rechten Flügel Baglione-Saal miniatur|links|Detail der Fresken im Sala del Baglione Der große Raum, der auch „Sala delle Grottesche“ genannt wird, ist durch Renaissancefresken mit Grotesken gekennzeichnet, die die Wände und das Deckengewölbe vollständig bedecken. Die Malereien, die heute in perfektem Erhaltungszustand sind, wurden 1580 vom Maler Cesare Baglioni geschaffen, die von den typischen römischen Wandmalereien des augustanischen Zeitalters inspiriert sind. Dort sind männliche und weibliche Figuren innerhalb einer phantastischen Architektur abgebildet, manchmal hybrid und monströs, exotische und erfundene Tiere, Instrumente und Wappen und darüber hinaus kleine Kameen von Landschaften. In der Mitte des Gewölbes sticht das große Emblem der Herzöge Farnese.
Außerdem ist der Saal mit einem großen, steinernen Kamin und alten Möbeln geschmückt; letztere umfassen Truhen aus verschiedenen Epochen, Mensatische und Stühle. Von großem Wert zeigt sich schließlich eine Nische, die durch zwei große Holztüren verschlossen ist, die mit Grotesken bemalt sind; man nimmt an, dass sie ursprünglich als Altar diente, da sie innen mit religiösen Motiven dekoriert ist.
Gelber Saal Der Raum, der auch „Sala di Nicolò dell’Abate“ oder „Sala d'Ercole“ heißt, zeichnet sich durch die gelbe Farbe seiner Wände aus, wogegen das Deckengewölbe mit Fresken verziert ist, die Grotesken zeigen, und die verdeckten Lünetten sind mit Landschaften bemalt.
Von besonderem Wert sind die vier freistehenden Fresken auf Leinwand, die die Wände zieren und von dem Maler Nicolò dell’Abbate um 1543 geschaffen wurden. Um die mythologische Figur des Herkules zeigen sie folgende Szenen: „Herkules als Kind erwürgt die Schlangen“, „Herkules schießt den kretischen Stier ab“, „Herkules tötet Cacus“ und „Herkules tötet Antaios“.
Schließlich bereichert das Gemälde „Amor legt den Pfeil in den Bogen ein“ den Raum, das vermutlich ebenfalls von Nicolò dell’Abate geschaffen wurde.
Kammer der Braut