mini|Frühklassische Münzen aus Athen bilden die größte Gruppe im Hort von Kabul. Auf der Rückseite AΘE für Athen. Um 454–404 v. Chr. mini|Achämenidische Imitation der Athener Münze; ein Exemplar ist im Schatz von Kabul enthalten. Um 380 v. Chr. Der Münzschatz von Kabul, auch bezeichnet als Hort von Chaman-e-Hozori, ist ein archäologischer Fund, der 1933 in der Innenstadt von Kabul, der Hauptstadt Afghanistans gemacht wurde. Er umfasste zahlreiche achämenidische Münzen sowie griechische Münzen des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr., insgesamt rund 1000 Stücke.Osmund Bopearachchi, Joe Cribb: Coins illustrating the History of the Crossroads of Asia, Cambridge 1992, S. 57–59. Osmund Bopearachchi: Coin Production and Circulation in Central Asia and North-West India (Before and after Alexander's Conquest), 2000, S. 300f. Die Deponierung kann anhand der Schlussmünze (einer imitierten athenischen Tetradrachme mit dem Münzbild der Eule) etwa auf 380 v. Chr. datiert werden.Osmund Bopearachchi: Coin Production and Circulation in Central Asia and North-West India (Before and after Alexander's Conquest), 2000, S. 309 Anm. 65.
Dieser Münzfund ist wichtig zum Verständnis und zur Chronologie der indischen Münzprägung. Denn nur selten ist es so wie in diesem Fall möglich, punzierte Münzen zu datieren. Hier gelingt es, weil sie sich mit bekannten, datierten achämenidischen und griechischen Münzen im gleichen Hort befinden. Der Schatz von Kabul beweist, dass es um 360 v. Chr. punzierte Münzen gab, was zuvor aufgrund literarischer Zeugnisse vermutet worden war.Joe Cribb: Investigating the introduction of coinage in India - a review of recent research, 1983, S. 85f. Der Numismatiker Joe Cribb nimmt an, dass das Konzept Geld wie auch Techniken der Münzprägung Indien im 4. Jahrhundert v. Chr. auf dem Weg über das Achämenidenreich erreichten.Joe Cribb: Investigating the introduction of coinage in India - a review of recent research, 1983, S. 101. Viele indische Fachleute sehen allerdings das Münzwesen in der Ganges-Ebene als eigenständige Entwicklung an.Shankar Goyal: The Origin and Antiquity of Coinage in India. In: Annals of the Bhandarkar Oriental Research Institute 80 (1999), S. 125–154.
Historischer Kontext mini|Das Achämenidenreich in seiner größten Ausdehnung, um 500 v. Chr. In der Regierungszeit von Kyros I. (600–530 v. Chr.) kamen das Tal von Kabul und die Region von Gandhara unter achämenidische Herrschaft. Dieses Gebiet war sowohl unter seinem iranischen Namen Paropamisaden als auch unter dem indischen Namen Gandara bekannt. Es wurde zunächst von Baktrien aus verwaltet, aber um 508 v. Chr. wurde es als selbständige Satrapie organisiert. Das Verwaltungszentrum wird in Pushkalavati (nahe dem heutigen Charsadda in Pakistan) vermutet.Pierre Herman Leonard Eggermont: Alexander’s campaigns in Sind and Baluchistan and the siege of the Brahmin town of Harmatelia (= Orientalia Lovaniensia analecta. Band 3). Leuven University Press, Leuven 1975, S. 175–177. Die Gegend war tributpflichtig bis in die Zeit von Artaxerxes (424 v. Chr.), und bis zum Indienfeldzug Alexanders des Großen wurde sie als zugehörig zum achämenidischen Reich betrachtet. Es heißt, zur Zeit Alexanders sei die Region von Hyparchen regiert worden (semi-autonomen Herrschern, die dem Großkönig Loyalität versprochen hatten). Die Form der lokalen Verwaltung in achämenidischer Zeit ist unsicher. Magee und andere bemerken hierzu, dass weder achämenidische noch klassische Quellen die Anwesenheit von Satrapen in Gandara erwähnen. Es kam jedoch zu Begegnungen von Teilnehmern des Alexanderzuges mit lokalen Herrschern.Peter Magee, Cameron Petrie, Robert Knox, Farid Khan, Ken Thomas: The Achaemenid Empire in South Asia and Recent Excavations in Akra in Northwest Pakistan, 2005, S. 714. mini|Lydische Silbermünze des Krösus, Vorderseite: Löwe und Stier Das Münzwesen Lydiens war vorbildhaft im östlichen Mittelmeerraum. Dazu trug der hohe Stand der lydischen Metallurgie bei, besonders aber die Münzreform unter Krösus (um 561-546): die Elektrum-Münzen, deren Metallwert für die Besitzer schwer einzuschätzen war, wurden durch klar unterscheidbare Gold- und Silbermünzen ersetzt. Unter Peisistratos begann Athen mit seiner Münzprägung, die exakt kompatibel zur lydischen war (25 attische Drachmen entsprachen einem leichten lydischen Goldstater). Auf diese Weise wurde Athen zu einem wichtigen Handelspartner Lydiens. Als Kyros I. Lydien eroberte und dem achämenidischen Reich eingliederte, ließ er das für seine Zeit moderne Münzysystem unangetastet. Viele Numismatiker vermuten, dass Kyros das lydische Münzwesen schlicht übernahm und achämenidische Münzen mit dem lydischen Löwe-und-Stier-Motiv prägen ließ.Michael Alram: The Coinage of the Persian Empire, New York 2012, S. 63.
Dareios I. führte neue achämenidische Münzen ein: den goldenen Dareikos und den silbernen Siglos. Anstelle des Löwe-und-Stier-Motivs wurde nun das Bild des Großkönigs in Hofkleidung und mit Pfeil und Bogen in den Händen geprägt.Michael Alram: The Coinage of the Persian Empire, New York 2012, S. 64f. Während die Dareiken populär wurden, konnte sich die Sigloi nicht durchsetzen. Die griechischen Städte prägten weiterhin ihre eigenen Silbermünzen. Sowohl diese städtischen griechischen Silbermünzen als auch die achämenidischen Sigloi zirkulierten im ganzen Achämenidenreich.Michael Alram: The Coinage of the Persian Empire, New York 2012, S. 69–71.
Entdeckung und Verbleib des Münzschatzes mini|Die Freifläche hinter dem Ghazi-Stadion ist der Chaman-e-Hozori-Park Bauarbeiter führten im Jahr 1933 Ausschachtungen für den Neubau eines Hauses nahe dem Chaman-e-Hozori-Park im Zentrum von Kabul durch. Dabei entdeckten sie einen antiken Münzschatz. Dem damaligen Direktor der Délégation Archéologique Française en Afghanistan (DAFA) zufolge umfasste der Hort etwa 1000 Silbermünzen und einige Schmuckstücke. 127 Münzen und mehrere Schmuckstücke wurden ins Nationalmuseum Kabul gebracht. Andere fanden ihren Weg in Museen außerhalb Afghanistans. Rund zwei Jahrzehnte nach dem Fund publizierte Daniel Schlumberger (DAFA) Fotos und Beschreibungen der im Museum Kabul aufbewahrten Stücke (Trésors Monétaires d'Afghanistan).Osmund Bopearachchi: Coin Production and Circulation in Central Asia and North-West India (Before and after Alexander's Conquest), 2000, S. 300f.
Die Münzen aus Chaman-e-Hozori blieben bis 1992/93 im Nationalmuseum Kabul. Im Afghanischen Bürgerkrieg plünderten rivalisierende Gruppen von Mudschahidin das Museum. Alle Münzen sind seitdem verschollen, ebenso wie andere Kunstwerke.Nancy Hatch Dupree: Museum Under Siege. In: Archaeology 49/2 (1996), S. 42–51, hier S. 49. Etwa zwei Jahre später tauchten 14 Münzen aus dem Bestand des Nationalmuseums in einer Privatsammlung in Pakistan auf. Osmund Bopearachchi und Aman ur Rahman beschrieben sie in dem von ihnen veröffentlichten Buch Pre-Kushana Coins in Pakistan (1995).
Beschreibung des Münzschatzes Zusammen mit anderen Münzfunden in Afghanistan und Pakistan deutet der Münzschatz von Kabul darauf hin, dass griechische Münzen ihren Weg nach Indien gefunden hatten und mindestens bis zum Indus gelangtenOsmund Bopearachchi, Joe Cribb: Coins illustrating the History of the Crossroads of Asia, Cambridge 1992, S. 57–59. – und zwar schon unter achämenidischer Herrschaft, vor dem Feldzug Alexanders des Großen. Die achämenidischen Sigloi bildeten im Schatzfund von Kabul ebenso wie in Hortfunden des gesamten Reichs allerdings eine kleine Minderheit.Jonathan Kagan: Archaic Greek Coins East of the Tigris: Evidence for Circulation? Glasgow 2011, S. 230f.
Daniel Schlumberger publizierte Beschreibungen von 115 Münzen aus der Sammlung des Museums Kabul. Darunter waren 30 Münzen aus verschiedenen griechischen Städten, etwa 33 athenische Münzen und eine iranische Imitation einer athenischen Münze, 9 königlich-achämenidische Silbermünzen (Sigloi), 29 lokale Prägungen, die als „neuartig“ bezeichnet werden und 14 punzierte Münzen in Form von gebogenen Barren. Anscheinend waren klassisch-griechische und achämenidische Münzen Importe aus dem Westen.Osmund Bopearachchi: Coin Production and Circulation in Central Asia and North-West India (Before and after Alexander's Conquest), 2000, S. 300f. und 308f.
Achämenidische Sigloi mini|Siglos, 485–470 v. Chr. Dieser Münztyp ist auch im Hortfund von Bhir Mound (Taxila) vertreten Sowohl im Münzschatz von Kabul, der um 350 v. Chr. deponiert wurde, als auch im Hort von Bhir Mound (zu den Ruinen von Taxila gehörig), der um 300 v. Chr. deponiert wurde, gibt es einige achämenidische Sigloi, die anscheinend aus dem Westen des Achämenidenreichs stammen. Typischerweise zeigen sie einen Bogen und Speer haltenden Achämenidenkönig im sogenannten Knielauf (Foto), auf der Rückseite findet sich eine rechteckige Punzierung. Die verschiedenen Münzschätze, die im Osten des Achämenidenreichs gefunden wurden, enthalten generell nur sehr wenige Sigloi. Dies deutet darauf hin, dass die Zirkulation der Sigloi, verglichen mit der Zirkulation griechischer Münzen (sowohl archaische als auch frühe klassische Prägungen) in diesem Teil des Großreichs relativ unbedeutend war.Osmund Bopearachchi, Joe Cribb: Coins illustrating the History of the Crossroads of Asia, Cambridge 1992, S. 57–59. Jonathan Kagan: Archaic Greek Coins East of the Tigris: Evidence for Circulation? Glasgow 2011, S. 230–234.
Griechische Münzen Ganz allgemein sind die griechischen Münzen (sowohl archaische als auch frühe klassische Prägungen) vergleichsweise zahlreich in Münzhorten im Osten des Achämenidenreichs vertreten und weitaus häufiger als die Sigloi. Das deutet darauf hin, dass griechische Münzen für das Währungssystem in diesem Teil des Großreichs von zentraler Bedeutung waren.Jonathan Kagan: Archaic Greek Coins East of the Tigris: Evidence for Circulation? Glasgow 2011, S. 230–234.
Archaische griechische Münztypen Der Münzschatz von Kabul enthält einige archaische, d. h. vor 480 v. Chr. geprägte Stücke, darunter Stater aus Aegina, Thasos und Chios. Diese frühen Münzen zeigen auf der Vorderseite ein Münzbild, auf der Rückseite dagegen ein punziertes geometrisches Muster.
Frühklassische griechische Münztypen Außerdem enthält der Münzschatz von Kabul zwei frühklassische Tetradrachmen aus Akanthos sowie einen Stater aus Korkyra. Auch die Levante ist mit ihren Münzprägungen vertreten: Pamphylien, Kilikien und Zypern. Jonathan Kagan vermutet, dass diese Münzen schon kurz nach ihrer Prägung in das Gebiet von Kabul gelangten.Jonathan Kagan: Archaic Greek Coins East of the Tigris: Evidence for Circulation? Glasgow 2011, S. 230f.
Bopearachchi und Cribb stellen fest, dass diese Münzen „ein greifbarer Beweis dafür sind, wie tief bereits im Jahrhundert vor Alexanders Eroberung der griechische Einfluss in den achämenidischen Satrapien war.“ Joe Cribb zufolge wurde die Herstellungstechnik dieser frühen griechischen Münzen bei den punzierten indischen Münzen übernommen. Diese stellen den ältesten indischen Münztyp dar.Osmund Bopearachchi, Joe Cribb: Coins illustrating the History of the Crossroads of Asia, Cambridge 1992, S. 56f.
Runde punzierte Münzen mini|Punzierte achämenidische Münze aus dem Kabul-TalOsmund Bopearachchi, Joe Cribb: Coins illustrating the History of the Crossroads of Asia, Cambridge 1992, S. 56f: In the same hoard there were also discovered two series of local silver coins which appear to be the product of the local Achaemenid administration. One series (no.8 [= cup-shaped coins]) was made in the same way as the Greek coins in the hoard, but with novel designs of local origin, and the other (no.9 [= bent-bar punch-marked coins]) had similar local design but made in a new way, which relates it to the silver punch-marked coins of India. It appears that it was these local coins, using technology adapted from Greek coins, which provided the prototypes for punch-marked coins, the earliest coins made in India.