Die Dreikönigsmühle war eine Getreidemühle am Achursprung bei Schelklingen-Urspring und ist heute ein Wohnplatz.

Geographische Lage Die Dreikönigsmühle steht etwas über einen Kilometer westlich der Ortsmitte von Schelklingen und etwa einen halben Kilometer südlich des Weilers Urspring in einer alten Talschlinge. Unmittelbar nördlich liegt der Quelltopf der Achquelle, wenig abwärts mündet die einem Quelltopf im gleichnamigen Ort entfließende Urspring der Ach zu, in ihrem unteren Mündungswinkel liegen wenig östlich die Teiche einer Forellenzucht vor dem Umlaufberg Lützelberg.

Geschichte Der Mühlebetrieb im ehemaligen Kloster Urspring war 1838 offenbar endgültig eingestellt worden. Denn Ende 1838 reichte Johann Georg Friedrich Reichenbach, Fabrikinhaber in Urspring, Pläne zum Bau einer Mahlmühle an der Achquelle beim Oberamt Blaubeuren ein, welches die Akten dem Stadtrat in Schelklingen zur weiteren Begutachtung weiterleitete. Der Stadtrat solle seiner Äußerung einen Bauplan sowie ein Gutachten des Oberamts-Werkmeisters Weil in Blaubeuren anschließen.Stadtarchiv Schelklingen, Ratsprotokoll B 12 Bd. 12 § 155: Verhandlung vom 15. Dezember 1838. Der Bau durch Reichenbach kam aber nicht zustande, denn erst sieben Jahre später, 1845, wurde die Mahlmühle am Achtopf durch Johannes Balz und Kaspar Kneer erbaut.

Am 13. Februar 1845 stellten Stadtrat Kaspar Kneer in Schelklingen und Johannes Balz,Johannes Balz, geboren am 27. Dezember 1786, heiratet am 15. April 1811 Anna Rosina Veuchle; er war ursprünglich Zimmermann und von 1835 bis 1843 Sägmüller in Schmiechen; siehe Franz Rothenbacher, Ortsfamilienbuch Schmiechen (Arbeitstitel, in Vorbereitung). Werkmeister in Schelklingen, bürgerlich in Blaubeuren, den Antrag, eine Getreidemühle an der Achquelle erbauen zu dürfen. Sie hatten die Achquelle von Fabrikant Georg Reichenbach gekauft. Der Stadtrat befürwortet den Bau, da „die Mühle in Urspring eingegangen und somit dahier gar keine Mühle mehr ist, daher auch sehr erwünscht wäre, wenn den Bittstellern zu Erbauung einer Getreidemühle die erforderliche Concession erteilt würde“.Ratsprotokoll Schelklingen vom 13. Februar 1845.

Am 12. Juni 1845 bestätigt der Stadtrat dem Oberamt Blaubeuren, „dass der Erbauung einer Getreidemahlmühle mit Wohnung und Nebengebäude an der Aachquelle durch Kaspar Kneer und Johannes Balz, weder in polizeilicher noch in privatrechtlicher Beziehung ein Hindernis im Wege steht“.Ratsprotokoll Schelklingen vom 12. Juni 1845.

Am 19. Juni 1845 war der Bau der Mühle im Gange: Stadtrat Kaspar Kneer und Leonhard Kneer hatten am städtischen Herz-Jesu-Berg Felsensteine gebrochen und gehauen und wollten ihre Steine zum Mühlebauwesen des Stadtrats Kaspar Kneer und Johannes Balz verwenden. Sie hatten zwei Wagen voll Steine gebrochen. Der Stadtrat untersagte weitere Arbeiten. Als Entschädigung zahlten die beiden Kneer 1 fl.Ratsprotokoll Schelklingen vom 19. Juni 1845.

Noch 1845 wurde die neu erbaute Mühle mit 8000 fl. Versicherungssumme in die Feuerversicherung aufgenommen, das Mühlgebäude zu 5000 fl. und die Mühleinrichtung mit 3000 fl.Stadtarchiv Schelklingen B71: Brandschadensversicherungskataster Schelklingen, Sotzenhausen und Oberschelklingen, 1831 bis 1846, Nr. 135.

Stadtrat Kaspar Kneer trat seinen Anteil an der Mühle vor dem 28. Juli 1846 an Mahlmüller Johannes Balz zu Urspring ab, worauf sich ein Rechtsstreit zwischen denselben um gegenseitige Forderungen entfaltete. Kneer forderte insbesondere von Balz 500 fl. für die Abtretung seines Anteils an der Mühle.Ratsprotokoll Schelklingen vom 28. Juli 1846.

Balz verkaufte die Mühle wenig später an Johann Georg Mang, denn am 4. Mai 1847 war dieser bereits Müller in Urspring. An diesem Tag stellte Mang den Antrag, ein Schießgewehr anschaffen zu dürfen, was ihm bewilligt wurde, da er isoliert wohne und von ihm kein Missbrauch zu erwarten sei.Ratsprotokoll Schelklingen vom 4. Juli 1847. Wenig später, am 6. November 1847, wünschte er, noch einen zweiten Hund der Sicherheit halber halten zu dürfen, was ihm bei der abgeschiedenen Lage des Orts bewilligt wurde.Ratsprotokoll Schelklingen vom 6. November 1847. Jetzt taucht zum ersten Mal der Namen „Dreikönigsmühle“ auf; Mang selbst wird „Dreikönigsmüller in Urspring“ genannt. Warum dieser Name gewählt wurde, ist unbekannt, könnte aber darauf fußen, dass Mang vielleicht am Fest der Heiligen Drei Könige (6. Januar) 1847 auf die Mühle zog.

Mang betrieb neben seiner Mühle auch eine Landwirtschaft von zwei Morgen in der Umgebung der Mühle. Gegenüber der Mühle stand bis 1901 eine zweistöckige Scheuer mit angebautem Schweinestall. Mang hielt überdies eigene Kühe.Ratsprotokoll Schelklingen vom 5. Oktober 1848.

Am 29. November 1849 bezeugte das Stadtschultheißenamt Schelklingen dem Kgl. Oberamt Blaubeuren, dass Mang ein gutes Prädikat habe und nach der Schelklinger Strafliste bloß einmal wegen Verfehlung gegen die Mühlordnung vom Kgl. Oberamt Blaubeuren am 15. Mai 1848 mit 2 fl. bestraft worden sei. Derselbe besitze ein Vermögen von ungefähr 2000 fl.Ratsprotokoll Schelklingen vom 29. November 1849.

Am 25. Juli 1850 bezeugte das Stadtschultheißenamt Schelklingen dem Kgl. Oberamtsgericht Blaubeuren aber, dass Mang nach der im Jahr 1849 vorgenommenen Realteilung seiner Frau ein Vermögen nur ein von ca. 700 fl. besäße.Ratsprotokoll Schelklingen vom 25. Juli 1850. Seine erste Frau Anna Maria Girr war 1848 verstorben und offenbar gingen Vermögensteile an die vorhandenen Kinder.

Am 12. Januar 1853 wurde Mang auf Verlangen stadträtlich bezeugt, .Ratsprotokoll Schelklingen vom 12. Januar 1853.

An mühletechnischen Einrichtungen besaß die Dreikönigsmühle 1868, 1853 und wohl schon 1845 vier oberschlächtige Wasserräder, welche einen Gerbgang und drei Mahlgänge antrieben. 1868 waren außerdem eine Schwingmühle und eine Malzschrotmühle vorhanden.

Besitzer bzw. Mahlmüller Erster Mahlmüller war offenbar Johannes Balz selbst. Beim Bau der Mühle wird er als Werkmeister in Schelklingen bezeichnet, das Bürgerrecht hatte er in Blaubeuren, war also dort wohl geboren. Nach dem 28. Juli 1846 und vor dem 4. Mai 1847 verkaufte er die Mühle an Johann Georg Mang (1808‒1855). Mang stammte aus Sondernach, war evangelisch und Bürger in Gerhausen. Er heiratete erstmals in Gerhausen am 6. Februar 1844 die Witwe Anna Maria Girr (evangelisch) (1809‒1848).Eberl et al. 2012 Nr. 1146. Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau heiratete Mang in Blaubeuren am 6. Mai 1851 Anna Salzmann aus Merklingen (geb. 1823; † nach 18. Januar 1878).Eberl et al. 2012 Nr. 1147. Mang selbst starb aber bereits am 19. Juli 1855 in Urspring. Seine Witwe heiratete daraufhin am 20. Mai 1856 in Weiler Johann Jakob Scherb aus Sondernach (1831‒1873),Eberl et al. 2012 Nr. 1443. der die Mühle als Müller bis zu seinem Tod 1873 weiterbetrieb. Aus der zweiten Ehe des Johann Georg Mang stammte der Sohn Johann Georg (* 24. November 1853 in Schelklingen; † 18. Januar 1878 ebenda), der wohl die Mühle nach dem Tod seines Stiefvaters Jakob Scherb weiterführte, aber schon 24-jährig starb.

Bereits 1877 wurde die Dreikönigsmühle samt Scheuer, Stallung und Schweinestall von den Erben des verstorbenen Müllers Johann Jakob Scherb an Albert Rall, Fabrikant in Urspring, verkauft. 1878 verkaufte Albert Rall die Mühle gleich wieder an die Mechanische Weberei Urspring (MWU). Rothenbacher 2015 Nr. 156 S. 607; Rothenbacher 1984, S. 163. Robert Rall berichtet, dass im Jahre 1882Nach dem Brandversicherungsbuch Schelklingen im Jahre 1877, vgl. Rothenbacher 2012 Nr. 156 S. 607. die Mühle wegen Todesfalls des Besitzers verkauft wurde. Sein Onkel Albert Rall erwarb sie,Albert Rall ist aber bereits in Stuttgart am 7. August 1881 verstorben. um anstelle der Mühle eine Spinnerei zu errichten. Die beigezogenen Sachverständigen aber rieten Albert Rall dringend ab, „da die Wasserkraft viel zu klein und der Platz dabei ganz ungeeignet sei. Diese Mühle nun machte meinem Onkel sehr viel Verdruss, zuerst musste er ein neues Wasserrad einbauen, dann noch vielerlei Reparaturen vornehmen, auch mit den Pächtern hatte er Pech, bis er dann den Müller Braun bekam“.Rall 1984 S. 358f. Unter der Familie Rall wurde der Mühlenbetrieb demnach bis zum Verkauf der Mühle 1901 weitergeführt.

Weitere Nutzung 1901 verkaufte die Mechanische Weberei Urspring die Mühle an die Stadtpflege Schelklingen. In die Mühle wurde eine Pumpstation für die neu eingeführte Wasserversorgung Schelklingens eingebaut: die Wasserkraft der Ach bewegte über ein Wasserrad die Kolbenpumpen. 1912 wurde ein Notaggregat aufgestellt, welches bei Wassertiefstand die Kolbenpumpen in Bewegung hielt. Als Antrieb diente ein 42-PS-Einzylinder-Dieselmotor der Firma MAN Werk Augsburg (Fertigungsnummer 3381/Jahr 1912). Diese Anlage wurde als technisches Kulturdenkmal in die Liste der Kulturdenkmale der Stadt Schelklingen aufgenommen.Buchholz 1984 S. 344f.; Stadtarchiv Schelklingen und Jörg Martin 1999 S. 58f.; Landesdenkmalamt Baden-Württemberg ohne Jahr. 1966 endete die Wasserentnahme aus der Achquelle, als ein Tiefbrunnen in der Flur Spitzacker zwischen Urspring und Schelklingen erbohrt wurde.

1912 schließlich wurde die Dreikönigsmühle zu einem Elektrizitätswerk umgebaut. Zur Stromerzeugung benutzte man ein Wasserrad und einen Gleichstromgenerator. 1923 endete diese Art der Stromerzeugung, als sich die Stadt den Oberschwäbischen Elektrizitätswerken (OEW) als Stromlieferant anschloss. Als „Stadtwerke“ war das Schelklinger Elektrizitätswerk aber noch bis 1989 tätig. Buchholz 1984 S. 344f.; Stadtarchiv Schelklingen und Jörg Martin 1999 S. 58f.

Im Jahr 1912 wurde als Ersatz für die Dreikönigsmühle auf dem Gelände der ehemaligen Baumwollweberei Urspring durch die Getreide-Mühle eGmbH ein neues Mühlengebäude errichtet, in Konkurrenz zu den Blaubeurer Mühlen. Es handelte sich hierbei um eine Genossenschaft von Bürgern aus Schelklingen, Schmiechen, Altheim, Ringingen und Pappelau. Die Wasserkraft wurde von der Mechanischen Weberei Urspring erworben. Die Genossenschaft bestand bis 1958 und ging dann an die Bezugs- und Absatzgenossenschaft Ehingen über, die den Betrieb bald einstellte. Die ehemalige Genossenschaftsmühle ist heute an die Urspringschule vermietet und wird zu Wohn- und Unterrichtszwecken genutzt.Stadtarchiv Schelklingen und Jörg Martin 1999 S. 57.

Später erwarb die Stiftung Urspringschule das Gebäude der Dreikönigsmühle und richtete dort Wohnungen für Schüler und Personal ein.Hanold 1998 S. 24.

Literatur Ernst Buchholz, Die Stadtwerke der Stadt Schelklingen. In: Stadt Schelklingen (Hrsg.), Schelklingen: Geschichte und Leben einer Stadt. Hrsg. von der Stadt Schelklingen zum 750jährigen Stadtjubiläum 1234‒1984. Ulm a. D.: Süddeutsche Verlagsgesellschaft, 1984, S. 343‒345. Immo Eberl, unter Mitarbeit von Irmgard Simon und Franz Rothenbacher, Die Familien und Personenstandsfälle in den Pfarreien Stadt Schelklingen (1602‒1621, 1692‒1875) und Kloster Urspring (1657‒1832). 2. Auflage. Mannheim, 2012 Volltext (PDF; 7,0 MB). Eugen Hanold, Flurnamen der Markung Schelklingen: Gedanken, Erinnerungen und Überlegungen bei meinen Spaziergängen durch die Markung Schelklingen. Schelklingen: Museumsgesellschaft, 1998. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Liste der Kulturdenkmale: Entwurf. Landkreis: Alb-Donaukreis. Gemeinde: Stadt Schelklingen. Ohne Ort und Jahr. Werner Rall, Geschichte der Mechanischen Weberei Rall und Söhne 1831 bis 1953. In: Stadt Schelklingen (Hrsg.), Schelklingen: Geschichte und Leben einer Stadt. Hrsg. von der Stadt Schelklingen zum 750jährigen Stadtjubiläum 1234‒1984. Ulm a. D.: Süddeutsche Verlagsgesellschaft, 1984, S. 363‒371. Franz Rothenbacher, Zur Baugeschichte der Stadt Schelklingen. In: Stadt Schelklingen (Hrsg.), Schelklingen: Geschichte und Leben einer Stadt. Hrsg. von der Stadt Schelklingen zum 750jährigen Stadtjubiläum 1234‒1984. Ulm a. D.: Süddeutsche Verlagsgesellschaft, 1984, S. 86‒186.