Das Schwebegestell SG 1262 war ein Erprobungsträger im Rahmen der Entwicklung des Projekts Senkrechtstarter VFW-Fokker VAK 191 B, VJ 101 C und Dornier Do 31. Die Bezeichnung „1262“ stammt von der ursprünglichen Benennung des Projekts VAK 191 B als Focke-Wulf (FW) 1262.

Technische Fragestellung Im Rahmen der Entwicklung des Senkrechtstarters VFW-Fokker VAK 191 B galt es, die Kontroll- und Steuerungsfunktionen zu konfigurieren und zu testen. Um Kosten und Risiken während der Entwicklung des Senkrechtstarters zu minimieren, wurde 1966 dazu das Schwebegestell SG 1262 zur Simulation wesentlicher Funktionen konstruiert. Dabei galt es insbesondere, die Flugsteuerung unter Anwendung eines Fly-by-Wire Systems, eines redundanten Flugreglers und eines Selbstdiagnosesystems zu prüfen. Insgesamt wurden in diesem Projekt ca. 650 Stunden Simulationszeit, 2000 Stunden Prüfläufe auf Systemprüfbänken und 6900 Stunden Windkanalversuche dokumentiert.Wehrtechnische Studiensammlung Koblenz: Exponatbeschreibung SG 1262. Stand: Mai 2018.

Konstruktive Auslegung Die Konstruktion basiert auf einem trapezförmigen Rahmengestell ohne jegliche Verkleidungen, auch „bed-frame-rig“ (Bettrahmengestell) genannt. Abweichend vom Triebwerkkonzept der VAK 191 B sind fünf Hubtriebwerke Rolls-Royce RB.108 mit jeweils 9000 N Maximalschub montiert. Neben einer umfangreichen Sensorausstattung verfügt es über eine Hilfsgasturbine zur autonomen Energieversorgung und einen Martin-Baker-Schleudersitz. Die Übermittlung der Steuerbefehle erfolgt ausschließlich über eine elektrische Steuerung (Fly-by-Wire) mit mechanischer Rückkoppelung. Dazu hat der Flugregler eine dreifache Redundanz und doppelte elektrohydraulische Servo-Einheiten mit integrierter Selbstüberwachung. Die Steuerimpulse in die drei Steuerachsen werden mit Druckluftdüsen über ein 4000-psi-Hochdruckhydrauliksystem bewerkstelligt, auf die Ansteuerung der Hubtriebwerke zur Lenkung wird bewusst verzichtet. Eine direkte mechanische Einwirkungsmöglichkeit auf die Druckluftsteuerung war für den Notfall vorgesehen. Mit 200 m ausgelegter Flughöhe, 800 kg Kraftstoffbeladung und einer Maximalgeschwindigkeit von 75 km/h wurde eine Flugdauer von ca. 12 min erreicht. Die Startmasse wird mit 4100 kg angegeben.Wehrtechnische Studiensammlung Koblenz: Exponatbeschreibung SG 1262. Stand: Juni 2004.

Erprobungsdurchführung Zunächst wurden an einem „Dorn“, einer fixierten Teleskopstange, 40 Fesselflugversuche durchgeführt, bevor am 5. August 1966 erstmals der Testpilot Ludwig Obermeier das Schwebegestell in einem Freiflug erprobte. Im insgesamt 18-monatigen Versuchsprogramm fanden 150 Freiflüge statt. Dazu gehörte auch ein Demonstrationsflug auf der Luftfahrtschau 1968 in Hannover-Langenhagen.

Ergebnisse Die Erkenntnisse aus den Versuchen mit dem Schwebegestell konnten trotz der Einstellung aller deutschen Senkrechtstarterprogramme u. a. für die Entwicklung des MRCA Tornado genutzt werden.www.flugrevue.de: Senkrechtstarter VAK 191 B – Der deutsche Harrier, abgerufen am 29. Oktober 2021.

Verbleib Das Schwebegestell SG 1262 ist in der Wehrtechnischen Studiensammlung Koblenz ausgestellt.

Siehe auch Mit dem ähnlich konzipierten Rolls-Royce Thrust Measuring Rig wurde Anfang der 1950er Jahre ein Versuchsprogramm zur Triebwerksentwicklung von VTOL-Flugzeugen durchgeführt.

Das ebenfalls ähnlich aufgebaute Lunar Landing Training Vehicle diente im Rahmen des Apollo-Programmes zur Erforschung und Einübung einer manuell gesteuerten Landung auf dem Mond.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

VFW Fokker SG 1262 VFW Fokker SG 1262 Kategorie:Prototyp der Bundeswehr (Luftfahrzeug) Kategorie:Erstflug 1966 Fokker SG 1262 Kategorie:Museumsbestand (Wehrtechnische Studiensammlung Koblenz)