alternativtext=|mini|Fotografie Max Brödels von Doris Ulmann Max Brödel (geboren 8. Juni 1870 in Leipzig; gestorben 26. Oktober 1941) war ein deutscher medizinischer Illustrator.

Er wurde Abschluss an der Akademie der bildenden Künste Leipzig, wurde er für Dr. Carl Ludwig tätig. Unter seiner Anleitung erlangte er ein solides Grundwissen der Medizin und wurde für seine detaillierten medizinischen Abbildungen bekannt. In den späten 1890ern wurde er zur Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore berufen, um für Harvey Cushing, William Halsted, Howard Kelly und andere namhafte Klinikärzte zu zeichnen. Ihm ist die damals neuartige Kohlenstaub-Technik zu verdanken, welche für eine erhebliche Steigerung der Qualität und Genauigkeit bisheriger medizinischer Illustrationen sorgte. 1911 trat er den Vorsitz der ersten „Abteilung für Angewandte Kunst in der Medizin“ an. In der Johns Hopkins School of Medicine untergebracht, welche noch heute medizinische Illustratoren unterrichtet. Seine Schüler sind weltweit aktiv und haben weitere akademische Programme ins Leben gerufen.

Biografie Frühes Leben und Ausbildung Max Brödel wurde am 8. Juni 1870 in Leipzig als Sohn von Louis Brödel und Henrietta Frenzel geboren. Ab dem sechsten Lebensjahr nahm er Klavierunterricht und mit zwölf spielte er Beethoven. Neben der Musik war er generell künstlerisch geneigt. Mit 15 Jahren fing er an, seine Fähigkeiten an der Leipziger Akademie der bildenden Künste weiterzuentwickeln. In einem Programm für Malerei und Grafik erlernte er die künstlerischen Techniken, welche die Kunstausbildung des 19. Jahrhunderts reflektierten. Hauptaugenmerk war die Erstellung präziser und feiner Zeichnungen. Sein bestechlicher Blick für Details und seine Genauigkeit war einer der Fähigkeiten, für welche später seine Zeichnungen hochgelobt wurden. Während der Sommerzeit verdiente er sich mit Landschafts- und Figurzeichnungen ein Nebeneinkommen. Mit 18 wurde Brödel vom Physiologen Carl Ludwig angeheuert, den Gehirnkortex in 150-facher Vergrößerung zu zeichnen. Dies war seine erste Begegnung mit medizinischer Illustration, welche seine Karriere ein Leben lang prägen sollte.

Privatleben Ehe und Familie Brödel wurde von Dr. Howard Kelly seiner zukünftigen Frau, Ruth Huntington, ebenfalls Künstlerin und medizinische Illustratorin vorgestellt. Als Absolventin in Zoologie und Botanik vom Smith College erhielt sie im Jahr 1900 ebenfalls die Einladung von Franklin P. Mall, als Teil der Hopkins’ Anatomie-Abteilung für Dr. Charles Bardeen zu illustrieren. Das Paar erkannte seine gemeinsamen Interessen in Musik und Kunst und heiratete am 31. Dezember 1902. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor: Elizabeth (geboren am 9. Oktober 1903), Ruth (geboren am 23. April 1905), Carl (geboren am 7. Juni 1908) und Elsa (geboren am 8. Februar 1911). Ruth erkrankte als Kind an Scharlach und starb am 1. Juni 1908. Elizabeth trat später in die Fußstapfen ihres Vaters und wurde medizinische Illustratorin für das New Yorker Krankenhaus, und Carl wurde Professor für Geologie an der Johns Hopkins University.

Für seine frohmütige, humor-liebende Art bekannt, wurde Brödel ein enger Freund von H. L. Mencken, ein amerikanischer Journalist und Satiriker. 1913 wurde er eingeladen, dem Saturday Night Club beizutreten, eine Gruppe Musiker und Intellektueller. In seiner Freizeit machte er Jagdausflüge im kanadischen Wald, angelte und spielte am Klavier. Außerhalb seines Berufs zeichnete er auch gelegentlich Szenen aus der Natur.

Karriere Brödels künstlerisches Potential wurde, trotz seines fehlenden medizinischen Fachwissens, vom damals renommierten Klinikarzt Carl Ludwig erkannt und gefördert. Unter seiner Anleitung am Anatomischen Institut des Physiologischen Instituts der Universität Leipzig, wurde Brödel mit dem Zeichnen von detaillierten anatomischen und histologischen Übersichten. Durch akribische Beobachtung während vielzähliger Operationen und Autopsien verlieh Brödel seinen Arbeiten neben der topographischen Genauigkeit auch den bahnbrechenden Realismus in der Darstellung von Gewebe, unter Einbezug anatomischer Querschnitte. Eine weitere Innovation stellte die gezielte Anwendung der Perspektive dar, welche dem Betrachter den Blick durch die Augen des Operierenden ermöglichte. Einige seiner frühen Illustrationen waren u. a. auch für die Mediziner Spalteholz, His und Braune. Sein Netzwerk von medizinischen Kontakten erweiterte sich, nachdem er 1888 Franklin P. Mall des Johns Hopkins Hospital kennenlernte.

Brödels künstlerische Karriere wurde kurz durch einen Wehrdienst ab November 1890 unterbrochen. Durch die Schutzbefohlenheit durch Geheimrat Carl Ludwig, dem Prinz Georg von Sachsen, absolvierte Brödel sein erstes Jahr bewaffnet, das zweite hingegen mit künstlerischem Ziel für das Regiment. Ab seiner Rückkehr nach Leipzig führte er seine Spezialisierung in anatomischer und wissenschaftlicher Illustration freiberuflich fort. Während dieser Zeit, erwiderte er Malls Einladung, am Johns Hopkins Hospital zu illustrieren.

Karriere an der „Johns Hopkins University“ Brödel traf am 18. Januar 1894 an der Johns Hopkins University ein. Schon bald darauf erhielt er in der Kollegschaft Lob durch seine Anstellung bei Howard Kelly als Zeichner für Operative Gynäkologie. Durch sein bestechendes Auge für Detail und Realismus war er u. a. bei Anatom Franklin P. Mall sehr gefragt. Kurz darauf schlossen sich die beiden medizinischen Illustratoren Hermann Becker und August Horn ihm an, welche ebenfalls Absolventen der Leipziger Akademie der bildenden Künste waren. In Zusammenarbeit entstand so ein umfangreicher Katalog von Übersichts- und histologischen Diagrammen für die medizinischen Angestellten, u. a. William S. Halstead oder Thomas S. Cullen. Letzterer war es, der Brödels Vorschlag vorantrieb, Schüler für die medizinische Illustration gewinnen.

Zusammenarbeit mit Howard Kelly Der Großteil Brödels Illustrationen wurden für den Chefarzt der Gynäkologie, Howard A. Kelly, während seiner Anstellung an der Johns Hopkins University angefertigt. Für dessen zweibändiges Textbuch Operative Gynäkologie, 1898 veröffentlicht, legte Brödel die Illustrationen an. Die Veröffentlichung der Bände brachte breites Lob und Anerkennung mit sich, festigte Kellys vorherrschende Rolle auf dem Gebiet der Gynäkologie und legte den Grundstein für Brödels Pionierarbeit in der medizinischen Illustration. Anschließend arbeitete Brödel an weiteren von Kelly verfassten oder mitverfassten Büchern mit, darunter solche über Erkrankungen der Nieren, der Harnleiter und der Blase, sowie an Kellys Zeitschriftenartikeln und Monografien.

Während des gesamten Illustrationsprozesses arbeitete Brödel unter enger Beratung mit Kelly zusammen, bevor die erste Skizze gezeichnet wurde. Im Anschluss führte Brödel akribisch unabhängige medizinische Nachforschungen durch und experimentierte, um die beste Methode zur Vermittlung von Informationen über komplexe Strukturen an medizinische Fachleute zu finden. Als Kelly beispielsweise einige anatomische Daten über die Blutversorgung der Niere benötigte, ging Brödel zu den Pathologischen Laboren, holte eine Niere aus den Autopsien und wusch sie aus, indem er sie mit einem Schlauch an den Wasserhahn anschloss. Dann füllte er die Arterien mit roter, die Venen mit blauer und den Harnleiter mit gelber Farbe. Mit Hilfe der Verdauungsmethode, die er bei Frank Mall im Labor von Carl Ludwig in Deutschland beobachtet hatte, konnte er verschiedene Abschnitte der Niere erkennen, die einem Baumzweig mit kleinen Äpfeln ähnelten, die die Glomerula der Niere darstellten. Brödel bemerkte auch einen avaskulären Bereich und schlug vor, bei der Suche nach Nierensteinen entlang dieser Linie zu schneiden. Er entwickelte das, was heute als „Brödelsche Naht“ bezeichnet wird, mit der eine prolabierte Niere repariert werden kann.

Brödels tieferliegende Philosophie wird am besten in seinen eigenen Worten beschrieben:„Der Künstler muss zuerst den Bildinhalt aus jedem Winkel erfasst haben: anatomisch, topographisch, histologisch, pathologisch, medizinisch und chirurgisch. Von diesem gesammelten Wissen wächst ein mentales Bild von welchem sich ein Plan für die zukünftige Zeichnung kristallisiert. Ein klares und plastisches Geistesbild muss immer dem eigentlichen auf dem Papier vorangehen. Die Planung des Bildes ist somit der wichtigere Teil, nicht die Umsetzung.“Er entwickelte eine Technik, bei der er jede medizinische Probe unter dem Mikroskop bei niedriger, mittlerer und hoher Vergrößerung (40x, 100x, 400x) untersuchte, um sich ein vollständiges Bild davon vor seinem geistigen Auge zu machen.

Zwei Monate vor seinem Tod schrieb er in einem Zeitschriftenartikel, „dass der Künstler seinen Gegenstand so gründlich kennen muss, dass er sogar die Augen schließen und ein geistiges Bild von großer Klarheit hervorzaubern kann“. Seine Betonung der anatomisch genauen Visualisierung vor der künstlerischen Umsetzung zeigte sich in seinen überaus lebensechten Darstellungen. Die nahtlose Umsetzung von medizinischem Wissen in seine Illustrationen ist seinem starken Forscherdrang zu verdanken. Brödel war sich der gewichtigen Rolle bewusst, die medizinische Illustrationen bei der Vermittlung der Komplexität und Funktionen anatomischer Strukturen für Medizinstudenten spielten, und bildete sich daher selbst durch das Studium medizinischer Texte, den Besuch von Vorlesungen und das Sezieren von Leichen weiter. In einem Bulletin an die Johns Hopkins University schrieb Brödel: „Keine Zeichnung wurde von mir ohne Originalstudium durch Injektion, Sektion, Schnellschnitt oder Rekonstruktion angefertigt.“ Weitere medizinische Fachgebiete, mit denen er sich intensiv beschäftigte, sind die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, die Urologie und die Neurochirurgie.

Rückschläge mini|Illustration der Muskulatur der Blase und Harnleiters von Brödel Am 24. März 1899 wurde bei Brödel eine Streptokokkeninfektion an Hand und Arm diagnostiziert, die durch unsachgemäße Handhabung anatomischer Präparate ohne Handschuhe verursacht worden war. Er benötigte mehrere Operationen an seinem linken Arm, darunter eine, um Nervenfasern vom Narbengewebe zu trennen. Diese Operationen wurden von William S. Halsted, Chefarzt der Chirurgie am Johns Hopkins Hospital, durchgeführt. Brödel nutzte diese Erfahrung und illustrierte und beschrieb seinen eigenen Gesundheitszustand und die daraus resultierende Taubheit seiner nicht dominanten linken Hand. Trotz der Ermutigung durch Halsted blieben diese Zeichnungen unveröffentlicht. Im Dezember 1904 erlitt Brödel schwere Verletzungen am Mittelfinger seiner rechten Hand. Ein anderer Johns-Hopkins-Arzt, John Miller Turpin Finney, konnte ihm helfen, seine normale Funktion wiederherzustellen, so dass Brödel seine künstlerischen und musikalischen Aktivitäten fortsetzen konnte.

Kriegsjahre Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs erlebte Brödel Entfremdung und Desillusionierung inmitten antideutscher Stimmung in den Vereinigten Staaten, während sich der Gesundheitszustand seiner Mutter in Deutschland verschlechterte. Henriette Brödel starb am 2. November 1915, und Max Brödel wurde im Lauf der Jahre immer introvertierter. Er erkannte, dass er die Bedeutung und das Wachstum seines Ausbildungsprogramms für medizinische Illustration überschätzt hatte und hatte erwartet, dass es in einer Weise wachsen würde, die es nie tat. Brödels Programm wurde in den Kriegsjahren durch niedrige Studentenzahlen und die anhaltenden Probleme der mageren Bezahlung im Beruf des medizinischen Illustrators geplagt, wobei zwei seiner Schüler Angebote, mit Brödels ehemaligem Kollegen Harvey Cushing, jetzt an der Harvard Medical School, zu arbeiten, wegen der Gehaltsfrage ablehnten.

Tod