Fuhrberg () ist ein Dorf und ein Ortsteil im Norden der Stadt Burgwedel in der niedersächsischen Region Hannover.
Geschichte Fuhrberg, dessen Ortsname bis heute nicht klar gedeutet werden kann, wird 1323 erstmals als Wurberghen und 1377 als Fuhrberge schriftlich erwähnt ( = „Föhre“). Die Urkunde aus dem Jahre 1223 berichtet lediglich, dass die Edelleute Hugo und Johannes von Escherde mit Einverständnis ihrer Erben dem Propsten des Klosters zu Walsrode für 20 Mark Bremischen Silbers ihr Landgut (Villa in Wuhrbergen) verkauften. Das Dokument aus dem Jahre 1377 ist eine Auflistung der Schäden, die die Soldaten des Herzogs Otto von Braunschweig dem Herzog Albrecht von Lüneburg zufügten. Die geringe Anzahl zur Verfügung stehender historischer Daten mag an Fuhrbergs geographischer Lage im Kirchspiel und Amt Großburgwedel liegen. Schon immer von Wäldern umgeben, war es andererseits ein Grenzort zwischen dem hildesheimischen Gau Flutwidde und dem mindischen Loingau, die durch die im Westen des Ortes fließende Wietze getrennt wurden.
Am 6. April 1945 trafen in Fuhrberg drei „Todesmärsche“ aus KZ-Außenstellen Hannovers ein. Die entkräfteten Gefangenen „übernachteten“ in Fuhrberg in mehreren Scheunen und wurden am nächsten Tag zum Konzentrationslager Bergen-Belsen weitergetrieben.
Bis zum Jahre 1939 zählte der Ort 707 Einwohner. Diese Zahl stieg nach dem Zweiten Weltkrieg auf mehr als das Doppelte an. Durch die Zuzüge von Heimatvertriebenen aus ehemaligen deutschen Ostgebieten ergab sich bei einer erneuten Zählung 1952 eine Einwohnerzahl von 1476.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen, die am 1. März 1974 stattfand, verlor die Gemeinde Fuhrberg ihre politische Selbständigkeit und wurde eine Ortschaft der neuen Gemeinde Burgwedel.
Einwohnerentwicklung Jahr 1910 1925 1933 1939 1950 1956 1961 1970 1973 2007 2020 Einwohner 777 765 726 707 1533 1331 1253 1417 1570 2206 2160 Quelle
Religion Evangelisch-lutherische Kirche Der größte Teil der Fuhrberger Christen ist evangelisch-lutherischen Bekenntnisses. Die einzige angesiedelte Kirchengemeinde ist die evangelisch-lutherische Ludwig-Harms-Gemeinde, die zur Landeskirche Hannover zählt. Römisch-Katholische Kirche Die römisch-katholischen Christen Fuhrbergs gehören zur 1970 errichteten St.-Paulus-Pfarrgemeinde Burgwedel, die ihren Sitz in Großburgwedel hat und dem Bistum Hildesheim angehört.
Politik Ortsrat Der Ortsrat von Fuhrberg setzt sich aus fünf Ratsmitgliedern folgender Parteien zusammen: CDU: 2 Sitze SPD: 2 Sitze Grüne: 1 Sitz (Stand: Kommunalwahl 12. September 2021)
Ortsbürgermeister Die Ortsbürgermeisterin ist Mia Marie Jöhrens-Lazar (SPD). Ihr Stellvertreter ist Stephan Mithöfer (Grüne).
Wappen Der Entwurf des Kommunalwappens von Fuhrberg stammt von dem Heraldiker und Grafiker Alfred Brecht, der zahlreiche Wappen in der Region Hannover erschaffen hat. Das Wappen wurde am 9. Juni 1966 vom Rat beschlossen und am 4. August 1966 durch den Regierungspräsidenten in Lüneburg erteilt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Feuchtbiotop Bauwerke
Ludwig-Harms-Kirche Wasserwerk Fuhrberg
Naturdenkmale
Feuchtbiotop
Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen, Verschiedenes Im Ort befinden sich drei Bäckereien und zwei Tankstellenshops.
Eine Bürgerinitiative gründete eine Gesellschaft zur Errichtung eines Supermarktes gegründet. Die Gesellschaft hat in Zusammenarbeit mit dem Ortsrat das Projekt geplant. Das Geschäft wurde 2012 erbaut und eröffnet.https://www.haz.de/lokales/umland/burgwedel/supermarkt-in-burgwedel-fuhrberg-so-laeuft-es-im-nahkauf-zwei-jahre-nach-dem-start-UUJKPXXKLFAAJOR7UY4LEXJYUI.html
mini|Blick in das Innere des Bienenzauns Fuhrberg ist landwirtschaftlich geprägt und ein bekanntes Spargelanbaugebiet. Im 19. Jahrhundert betrieben die Imker der Gegend intensiv die Heideimkerei. Nach dem Verschwinden der Heideflächen ist ein letztes Zeugnis dieser Zeit ein Bienenzaun in einem Wäldchen nahe dem Ort. Der ehemalige Bienenstand wurde zum Kulturdenkmal erklärt. In Fuhrberg gibt es noch einen Erwerbsimker und mehrere Hobby-Imker.
Bei Fuhrberg befindet sich mit dem Fuhrberger Feld das größte Wasserschutzgebiet Niedersachsens (ca. 300 km²). Das Wasserwerk Fuhrberg förderte 2001 20.900.000 m³ Wasser und deckte somit 45,7 % des Wasserbedarfs der Region Hannover.
Bildung In Fuhrberg gibt es die staatliche Maria-Sibylla-Merian-Grundschule. Weiterführende allgemeinbildende Schulen befinden sich im Hauptort der Stadt Burgwedel: Großburgwedel. Berufsbildende Schulen befinden sich in Burgdorf und Celle.
Verkehr Fuhrberg ist über die Anschlussstelle 52 (Mellendorf) der Bundesautobahn 7, die westlich von Fuhrberg verläuft, zu erreichen. Durch Fuhrberg führen die Landesstraßen L 310 und L 381.
Des Weiteren verbindet eine Buslinie Fuhrberg direkt mit Kleinburgwedel, Großburgwedel sowie Mellendorf. Die Busse haben in Großburgwedel am Bahnhof Anschluss an den „Metronom“-Zug nach Hannover oder Celle.
Persönlichkeiten
Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehen
Ludwig Harms (1808–1865), evangelischer Theologe, die Ludwig-Harms-Kirche in Fuhrberg ist nach ihm benannt Kurt Griemsmann (* im 20. Jahrhundert), Heimatforscher, Autor sowie Gründer und Leiter der Volkshochschule in Großburgwedel, er verfasste umfangreiche Chroniken mit zahlreichen Illustrationen vor allem mit historischem Bildmaterial u. a. zu dem Ort Fuhrberg Hans Kramer (1948–2013), Handballspieler, verstarb in Fuhrberg
Literatur Bischöfliches Generalvikariat Hildesheim: Handbuch des Bistums Hildesheim. 2. Teil, Hildesheim 1995, S. 104–107.
Weblinks
Webseite der Stadt Burgwedel
Einzelnachweise
Vom Bildungs- und Freizeitzentrum in Hannover-Mühlenberg wurde später jährlich ein Gedenkmarsch über Isernhagen, Burgwedel, Fuhrberg, Wietze und Winsen/A. zur katholischen Sühnekirche vom Kostbaren Blute in Bergen durchgeführt. Der Gedenkmarsch von Hannover nach Bergen-Belsen fand erstmals vom 12. bis 14. April 1985 statt und endete mit einer Gedenkfeier auf dem Gelände des ehemaligen KZs, siehe Frankfurter Rundschau vom 15. April 1985 und Antifaschistische Rundschau vom März 1985.
Kategorie:Ort in der Region Hannover Kategorie:Geographie (Burgwedel) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Region Hannover) Kategorie:Ersterwähnung 1323 Kategorie:Gemeindeauflösung 1974