mini|hochkant=1|Britische Karte von Birma (1868) Die Geschichte Myanmars umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Republik der Union Myanmar von der Urgeschichte bis zur Gegenwart.
Vorgeschichte, Pyu-Staaten und Königreich Bagan Die Vorgeschichte Myanmars ist bisher ungenügend erforscht. Bisher fanden kaum Ausgrabungen an vorgeschichtlichen Fundstellen statt. Oberflächenfunde belegen, dass es zahlreiche potentielle Ausgrabungsorte gibt. Bei Lepanchibaw wurde 2001 ein neolithischer Fundplatz freigelegt. In den unteren Schichten fanden sich Steinwerkzeuge, die oberen erbrachten Bronzefunde. Die Besiedlung reicht hier von etwa 3000 bis 1500 v. Chr. Nyaunggan ist ein bronzezeitliches Gräberfeld.
mini|Ruinen der alten Hauptstadt in Bagan Um 500 v. Chr. scheint die Eisenzeit begonnen zu haben. Im 1. Jahrhundert v. Chr. entwickelten sich die ersten Stadtstaaten, die dem Volk der Pyu zugeordnet werden. Die älteste Stadt, Beikthano-myo, verlor im 5. nachchristlichen Jahrhundert an Bedeutung und wurde von Sri Ksetra als wichtigste Stadt abgelöst. Kulturell waren die Pyu stark von Indien abhängig. Sie prägten Münzen. Die Städte waren weitläufig von Mauern umgeben. Der Reisanbau war die Nahrungsgrundlage, der Hinduismus die Religion. Im 5./6. Jahrhundert gelangte der Buddhismus in den Formen des Hinayana, des Mahayana und des Tantrayana zu den Pyu. Die Dominanz der Pyu-Fürstentümer in Nordmyanmar wurde um 800 durch das Königreich Nanzhao gebrochen. Im Süden dominierten die Mon, die aber erst ab dem 10. Jahrhundert belegbar sind.
Im 9. Jahrhundert wurden die Pyu durch Nanzhao geschwächt, dies erlaubte die Einwanderung der Birmanen und führte schließlich Mitte des 9. Jahrhunderts zur Gründung der Stadt Bagan. Zwischen 1044 und 1077 regierte König Anawrahta. Er gründete nach der Unterwerfung des Mon-Königs Manuha in der Mon-Hauptstadt Thaton (1058) und der Eroberung des Irrawaddy-Deltas das erste birmanische Reich („Reich von Bagan“). Unter den verschiedenen buddhistischen Strömungen setzt sich der Theravada durch. Dies bedeutete die Hochblüte der buddhistischen Kultur in Myanmar. Im Jahr 1273 verweigerte König Narathihapate (1254–1287) die Tribut-Zahlungen an das von den Mongolen beherrschte China und ließ eine Gesandtschaft des Mongolenherrschers Kublai Khan hinrichten. Darauf wurde Myanmar in den Jahren 1277 bis 1287 gleich das Opfer von vier mongolischer Strafexpeditionen, welche das Reich von Bagan zerstörten. Der letzte ernstzunehmende König Bagans wurde 1299 von den Shan getötet, die Stadt zerstört.
Königreiche Pegu, Ava und Arakan mini|hochkant|Herrschaften auf dem Gebiet Birmas um 1450 Anstelle des Bagan-Reiches entwickelten sich Mitte des 14. Jahrhunderts im Wesentlichen zwei dominante Mächte: das Reich Pegu der Mon in Unterbirma und das von birmanisierten Shan gegründete Reich Ava im Norden. Ava war bestrebt, das ganze Gebiet des früheren Bagan-Reiches wieder zu vereinen, was zum vierzigjährigen Krieg mit Pegu von 1385 bis 1424 führte. Pegu konnte seine Unabhängigkeit wahren und entwickelte sich durch seine Lage am Meer und den aufkommenden Seehandel mit Europa zu einem wohlhabenden Handelszentrum. Daneben wurde Arakan an der Südwestküste des heutigen Birma zu einem unabhängigen Staat. Die Bedeutung Avas ging dagegen zurück.
Taungu-Dynastie mini|hochkant|Größte Ausdehnung des Einflussgebiets des Taungu-Reiches (1581)
Stattdessen gewann die Dynastie des Königreichs Taungu an Einfluss in Oberbirma. Ihr König Tabinshwehti eroberte 1539 Pegu und hatte damit das Gebiet des ehemaligen Bagan-Reichs (also ungefähr das heutige Birma) wieder unter einheitliche Kontrolle gebracht. Tabinshwehti ließ sich in der alten Königsstadt Bagan krönen, Hauptstadt wurde allerdings das günstig gelegene Pegu. Der Versuch Tabinshwehtis, sein Reich weiter nach Osten auszudehnen, wurde 1549 von den Truppen Ayutthayas beendet.
Die Zeit vom 16. bis zum 19. Jahrhundert wurde von ständigen Auseinandersetzungen der birmanischen Herrschaften mit den Königreichen Ayutthaya und Thonburi in Siam geprägt. Die Kriegszüge des Taungu-Königs Bayinnaung führten zur Eroberung Ayutthayas 1564 und bis 1580 zur Unterwerfung eines gewaltigen Gebiets. Über die eigentlichen birmanischen Territorien hinaus waren das Gebiet des heutigen Thailand, Laos, des indischen Bundesstaats Manipur, Teile Kambodschas und der südchinesischen Provinz Yunnan tributpflichtig. Lediglich Arakan konnte sich der Oberherrschaft Bayinnaungs entziehen. Sein Sohn Nandabayin verlor die Kontrolle über die meisten dieser Gebiete schnell wieder. 1592 konnte der neue siamesische König Naresuan die birmanische Herrschaft abschütteln. Er drang ab 1593 sogar weit auf birmanisches Gebiet vor und schwächte Pegu entscheidend.
Es kam zu einem innerbirmanischen Krieg („Birmanischer Bürgerkrieg“), in dessen Verlauf die Truppen Arakans, im Verband mit aufständischen Birmanen und portugiesischen Söldnern Pegu 1599 einnahmen und teilweise zerstörten. Anschließend gab es auf dem Gebiet Birmas viele unabhängige Staaten, aber keine dominante Herrschaft. Der portugiesische Abenteurer Filipe de Brito e Nicote gründete zusammen mit europäischen Söldnern in Syriam einen eigenen kurzlebigen Staat. König Anaukpetlun konnte von Ava aus zunächst die Kontrolle über Mittel- und 1613 auch über Unterbirma wiederherstellen.Donald Frederick Lach, Edwin J. Van Kley: Asia in the Making of Europe. University of Chicago Press, 1993, Band 3, Buch 1, S. 16. Er zog anschließend sogar wieder gegen Ayutthaya, allerdings ohne bleibenden Erfolg. Ab 1635 regierte die Taungu-Dynastie wieder dauerhaft von Ava aus. Nach 1740 verloren die Taungu-Könige endgültig die Kontrolle über Birma. Die Mon-Herrscher in Pegu machten sich wieder unabhängig. 1752 eroberten und plünderten sie Ava und entführten König Mahadammaya, den sie schließlich hinrichteten.
Konbaung-Dynastie
mini|Abbildung des Palasts von Amarapura in An account of an embassy to the kingdom of Ava von Michael Symes (1795) Der Vormarsch Pegus nach Oberbirma verschaffte allerdings der Konbaung-Dynastie des späteren Königs Alaungpaya Auftrieb. Er zerstörte Pegu 1757 weitgehend und tötete den letzten Mon-König. Nachdem er die Kontrolle über ganz Birma (mit Ausnahme Arakans) gewonnen hatte, wandte er sich gegen das infolge innerer Streitigkeiten ohnehin geschwächte Ayutthaya. Als Alaungpaya 1760 starb, bestimmte er, dass alle sieben seiner legitimen Söhne einen Anspruch auf den Thron hätten und ihm nacheinander folgen sollten. Das führte zu blutigen Streitigkeiten innerhalb der Dynastie, die über 20 Jahre andauerten. Alaungpayas zweitem Sohn Hsinbyushin gelang es, Ayutthaya vernichtend zu schlagen. Die alte siamesische Hauptstadt wurde am 7. April 1767 endgültig zerstört. Der siamesische Heerführer Taksin gründete allerdings nach kurzer Zeit ein neues Königreich in Thonburi, machte sich selbst zum König und trieb die Birmanen zurück.
Nach einer Reihe blutiger Intrigen kam 1782 der vierte Sohn Alaungpayas, Bodawpaya, an die Macht. Er fand, dass der Palast mit Blut besudelt und daher entheiligt sei und verlegte die Hauptstadt vom gut ausgebauten Ava in das sumpfige Amarapura. Die Bevölkerung zwang er, ebenfalls umzusiedeln, die alte Hauptstadt wurde zerstört.Carl Ritter: Die Erdkunde von Asien. Band IV, Berlin 1835, S. 236–237. Statt gegen das wiedererstarkte Siam wandte er seine Armee nun nach Westen, eroberte 1784 endlich Arakan, 1813 den heutigen indischen Bundesstaat Manipur und 1817 Assam.
mini|Unterbirma als Teil Britisch-Indiens (vor 1886) Nach Bodawpayas Tod ließ sein Sohn Bagyidaw 1821 die alte Hauptstadt Ava wiedererrichten. Nach dem Ersten Britisch-Birmanischen Krieg (1824–1826) musste Birma Assam, Manipur, Arakan und Tenasserim an die Briten abtreten. 1841 wurde Ava bei einem schweren Erdbeben fast vollständig zerstört. Die Residenz wurde erneut in das nahegelegene Amarapura verlegt. Im Zweiten Britisch-Birmanischen Krieg, der im Jahr 1852 stattfand, verlor Birma auch den Rest seiner Küstengebiete (das frühere Pegu) an Großbritannien. Nach dieser Niederlage stürzte Mindon Min seinen Halbbruder Pagan 1853 und setzte sich selbst auf den Thron. Als Zeichen eines Neuanfangs gründete er die neue Hauptstadt Mandalay.
Britische Herrschaft Nach dem Dritten Britisch-Birmanischen Krieg im Jahre 1885 wurde Birma vollständig von Großbritannien unterworfen und am 1. Januar 1886 Teil von Britisch-Indien. Der letzte König von Birma, Thibaw Min, wurde mit seiner Familie durch die britische Besatzung ins Exil nach Indien geschickt,Who stole Burma’s royal ruby? (BBC), 2. November 2017. wo er auch starb. Dem massiven Widerstand der Birmanen begegnete die Kolonialverwaltung mit massiven Vernichtungszügen gegen ganze Dörfer und Städte.Dokumentiert wurde das u, a. von dem Militärfotografen Willoughby Wallace Hooper.
Kolonialtruppen Erstmals hoben die Briten nach dem ersten birmanisch-britischen Krieg (1824–26) zwei Korps aus, eines unter den Maghs in Arakan, ein zweites unter den Mon von Tenasserim. Diese wurden nach dem Sepoy-Aufstand 1857 aufgelöst. Nach der Eroberung Oberbirmas 1886 und nach Abschluss des Abkommens mit Frankreich 1893, welches das Tal des Mae Nam Chao Phraya (Chao-Phraya-Fluss) in Siam neutralisierte, bestand keine äußere Gefahr für das Land mehr. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden keine Birmanen rekrutiert. Dies lag auch daran, dass die britischen Besatzer den ethnischen Birmanen nach den 10-jährigen Guerillaoperationen, die auf die Absetzung des letzten Königs folgten, nicht trauten. Die stationierten Truppen kamen aus anderen Teilen des indischen Subkontinents.
Es bestand noch eine Military Police genannte Gendarmerie. Ihre Hauptaufgabe war die kollektive Bestrafung von Dörfern, die die Steuerzahlung verweigerten.
Während des Ersten Weltkriegs wurden als Teil der indischen Armee folgende Regimenter aufgestellt: 70th Burma Rifles mit vier Bataillonen, davon einem aus Birmanen 84th Burma Rifles meist Rekruten aus der Military Police 3 Pionier-Kompanien Burma Sappers and Miners, davon eine aus Birmanen, aufgelöst 1929, neugeschaffen 1937 (380 Mann, dazu britische Unteroffiziere und Offiziere) 7 Transportkompanien, die teilweise beim Feldzug nach Mesopotamien und nach dem Krieg bei der Niederschlagung des Moplah-Aufstands eingesetzt wurden. Ein Teil wurde ab 1919 in Singapur stationiert (S. 254).
Ihre Hauptaufgabe war jedoch, die „innere Sicherheit“ zu gewährleisten. So z. B. bei der Niederschlagung des Bauernaufstandes der Saya San (1930–32).vgl. Herbert, Patricia; The Hsaya San Rebellion (1930–1932) Reappraised; Melbourne 1982 (Monash University) Die Rekrutierung nach dem Krieg erfolgte ausschließlich unter den Angehörigen der Bergstämme, Birmanen wurden ab 1923 ausgeschieden.
Nachdem Birma als eigene Kolonie verwaltet wurde, ging das Oberkommando auf den Gouverneur über. 1938 waren 358Mannschaftsstärken nach: India Office Records, Burma Office File 66/41, zit. in: Hack (2006), S. 197 f. britische Offiziere und 4713 Mannschaften, sowie 5922 Angehörige der indischen Armee bzw. British Burma Army im Lande stationiert. Dies bei einer geschätzten Bevölkerungszahl von 16 Millionen. Das einheimische Kontingent rekrutierte sich zu mehr als der Hälfte aus Indern, der Rest aus dem Volk der Karen, der Kachin und Chin, jedoch keine Shan, die nur bei der Polizei in den Ebenen eingesetzt wurden. Ethnische Birmanen machten 75 % der Bevölkerung aus, stellten jedoch nur 12 % der Truppen, die Stämme, bei einem Bevölkerungsanteil von 13 %, 83 % der einheimischen Truppen.