Die 70. Vierschanzentournee 2021/22 war eine Reihe von Skisprungwettkämpfen, welche als Teil des Skisprung-Weltcups 2021/22 zwischen dem 29. Dezember 2021 und dem 6. Januar 2022 stattfanden. Die Tournee wurde von der FIS organisiert. Die Wettkämpfe waren wie in jedem Winter für die vier Skisprungschanzen von Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen geplant. Nach windbedingter Absage des Wettbewerbs von Innsbruck fanden zwei Wettbewerbe in Bischofshofen statt. Wie bei allen anderen Weltcupspringen gab es auch für die Tourneeetappen Weltcuppunkte. Die Springen fanden aufgrund der COVID-19-Pandemie zum zweiten Mal in Folge ohne Zuschauer statt.

Titelverteidiger war der Pole Kamil Stoch, der 2020/21 zum dritten Mal die Tournee gewann. Er reiste jedoch nach der verpassten Qualifikation für das dritte Springen in Innsbruck ab, nachdem er bereits bei den ersten beiden Wettbewerben jeweils den zweiten Durchgang verpasst hatte. Er belegte letztendlich lediglich den 53. Platz der Gesamtwertung.

Die diesjährige Tournee-Ausgabe gewann der Japaner Ryōyū Kobayashi, der sich nach 2018/19 den „Goldenen Adler“ und den Gewinn von 100.000 Schweizer Franken (ca. 96.000 Euro) erneut sicherte. Er konnte die ersten drei Wettkämpfe gewinnen, lediglich das vierte Springen in Bischofshofen ging an den Österreicher Daniel Huber. Die weiteren Podestplätze der Gesamtwertung belegten die beiden Norweger Marius Lindvik und Halvor Egner Granerud. Bester Deutscher wurde Karl Geiger auf dem vierten Platz, einen Rang vor Markus Eisenbichler. Die beste Platzierung für Österreich fuhr Jan Hörl als Achter ein, einen Platz vor Daniel Huber. Bester Schweizer wurde Killian Peier als 13. knapp vor Gregor Deschwanden.

Vorfeld Gesamtweltcupstand vor der Vierschanzentournee Rang Name Punkte 1. 594 2. 496 3. 361 4. 359 5. 358 6. 337 7. 291 8. 290 9. 262 10. 240

Teilnehmende Nationen und nominierte Athleten Die Anzahl der Athleten, die die Nationen an den Start schicken dürfen, ist abhängig von den Weltcup-Ergebnissen innerhalb eines Jahres vor Tourneebeginn sowie von den Ergebnissen des Continental Cups in Kuusamo. Zusätzlich schicken die austragenden Nationen Deutschland (erstmals nur in Garmisch-Partenkirchen und nicht in Oberstdorf) und Österreich (in Innsbruck und Bischofshofen) eine nationale Gruppe von jeweils sechs Athleten an den Start.

Folgende Skispringer wurden nominiert:

Nation Plätze Anzahl Athleten 7 + 6 13 Markus Eisenbichler, Severin Freund, Karl Geiger, Stephan Leyhe, Pius Paschke, Constantin Schmid, Andreas WellingerNationale Gruppe: Martin Hamann, Felix Hoffmann, Justin Lisso, Kilian Märkl, Philipp Raimund, David Siegel (alle nur in Garmisch-Partenkirchen) 7 + 6 15 Philipp Aschenwald, Manuel Fettner, Jan Hörl, Daniel Huber, Stefan Kraft, Daniel Tschofenig, Ulrich WohlgenanntNationale Gruppe: Clemens Aigner, Michael Hayböck, Thomas Lackner, Stefan Rainer; Janni Reisenauer, Maximilian Steiner (beide ab Bischofshofen (Ersatz)); Elias Medwed, Maximilian Ortner (beide nur Innsbruck) 3 1 Wladimir Sografski 2 0 3 2 Artti Aigro, Kevin Maltsev 4 3 Antti Aalto, Niko Kytösaho, Eetu Nousiainen (ab Garmisch-Partenkirchen) 2 1 Valentin Foubert 2 2 Giovanni Bresadola, Alex Insam 6 6 Daiki Itō, Junshirō Kobayashi, Ryōyū Kobayashi, Naoki Nakamura, Keiichi Satō, Yukiya Satō 2 1 MacKenzie Boyd-Clowes 3 3 Sabyrschan Muminow, Sergei Tkatschenko, Danil Wassiljew 7 7 Joacim Ødegård Bjøreng (ab Innsbruck), Johann André Forfang, Halvor Egner Granerud, Robert Johansson, Marius Lindvik, Daniel-André Tande, Fredrik Villumstad 6 6 Dawid Kubacki, Andrzej Stękała, Kamil Stoch (bis Innsbruck), Paweł Wąsek, Jakub Wolny, Piotr Żyła 2 2 Daniel Cacina, Andrei Feldorean 5 5 Jewgeni Klimow, Ilja Mankow, Michail Nasarow, Danil Sadrejew, Roman Trofimow 4 3 Simon Ammann, Gregor Deschwanden, Killian Peier 6 7 Žiga Jelar, Lovro Kos, Anže Lanišek, Žak Mogel (ab Innsbruck), Cene Prevc (bis Garmisch-Partenkirchen), Peter Prevc, Timi Zajc 2 1 Choi Heung-chul 3 3 Roman Koudelka, Viktor Polášek, Filip Sakala 2 2 Muhammet İrfan Çintımar, Fatih Arda İpcioğlu 2 3 Witalij Kalinitschenko, Jewhen Marussjak (in Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck), Andrij Waskul (in Oberstdorf und ab Bischofshofen (Ersatz)) 2 3 Kevin Bickner (in Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck), Decker Dean (in Oberstdorf und ab Bischofshofen (Ersatz)), Casey Larson

Austragungsorte Oberstdorf (Große Schattenbergschanze, HS 137)

Die Qualifikation für das Auftaktspringen der 70. Vierschanzentournee in Oberstdorf fand am 28. Dezember 2021 statt. Hierbei setzte sich der Japaner Ryōyū Kobayashi vor Karl Geiger aus Deutschland und den beiden punktgleichen Norwegern Halvor Egner Granerud und Johann André Forfang durch.

Der Wettkampf fand am 29. Dezember 2021 statt. Ryōyū Kobayashi konnte sich knapp vor den beiden Norwegern Granerud und Robert Johansson durchsetzen. Nach dem ersten Durchgang hatte noch Johansson vorne gelegen, der weiteste Sprung des Wettkampfes im zweiten Durchgang sicherte jedoch letztendlich dem Japaner den Tagessieg. Titelverteidiger Kamil Stoch schied aus und verlor damit die Chance auf einen erneuten Triumph bei der Vierschanzentournee.

Mit Fatih Arda İpcioğlu sicherte sich erstmals ein türkischer Skispringer Weltcuppunkte.Türkeis Skispringer schreibt Geschichte, Sport 1, 29. Dezember 2021.

Rang Name Punkte Weite 1 Weite 2 1 302,0 128,5 m 141,0 m 2 299,2 132,0 m 133,0 m 3 298,6 135,5 m 131,0 m 4 296,3 129,5 m 137,5 m 5 295,9 131,5 m 131,0 m 6 289,5 126,5 m 139,5 m 7 281,1 129,5 m 132,5 m 8 269,0 129,0 m 126,5 m 9 266,8 124,5 m 125,0 m 10 262,6 129,0 m 122,5 m 11 261,2 127,0 m 124,5 m 12 260,1 126,5 m 123,0 m 13 258,4 123,0 m 125,0 m 14 256,8 121,5 m 125,0 m 15 256,6 122,0 m 123,0 m Rang Name Punkte Weite 1 Weite 2 16 252,8 117,0 m 123,5 m 17 252,4 121,0 m 121,5 m 18 251,0 121,5 m 121,0 m 19 249,8 128,0 m 118,0 m 20 248,1 121,5 m 119,0 m 21 246,2 122,0 m 115,5 m 22 244,7 121,0 m 116,0 m 23 241,3 116,0 m 121,5 m 24 234,1 115,5 m 123,5 m 25 234,0 126,5 m 111,0 m 26 233,8 123,0 m 110,0 m 27 230,7 122,0 m 110,5 m 28 227,8 111,5 m 113,5 m 29 224,7 120,0 m 109,0 m 30 224,4 110,5 m 121,0 m

Garmisch-Partenkirchen (HS 142)

Die Qualifikation für das Springen in Garmisch-Partenkirchen fand am 31. Dezember 2021 statt. Markus Eisenbichler setzte sich knapp vor dem Oberstdorf-Sieger Ryōyū Kobayashi durch. Auf den nächsten Plätzen folgten Karl Geiger und Jan Hörl. Aus der sechsköpfigen „Nationalen Gruppe“ Deutschlands, die beim Tournee-Start noch nicht im Einsatz war, schafften Justin Lisso auf Platz 40 und Felix Hoffmann auf Platz 45 den Sprung in den Wettbewerb. Zu den Überraschungen zählte, dass Stefan Kraft in der Qualifikation scheiterte.Eisenbichler gewinnt Quali in Garmisch - Geiger Dritter, Kraft scheitert, Kicker, 31. Dezember 2021.

Der Wettkampf, das sogenannte Neujahrsspringen, fand am 1. Januar 2022 statt. Nach dem ersten Durchgang lag Kobayashi dank eines Sprungs auf 143 m knapp vor Eisenbichler und Marius Lindvik. Mitfavorit Granerud patzte und verlor gegenüber Kobayashi bereits im ersten Durchgang über 25 Punkte. Unter anderem aufgrund von schlechten Windverhältnissen konnten auch Karl Geiger und Robert Johansson keine erstklassigen Sprünge zeigen und verloren letztendlich jeweils ebenfalls über 25 Punkte gegenüber dem Japaner. Im zweiten Durchgang konnte der Slowene Lovro Kos die höchste Punktzahl erreichen, obwohl Markus Eisenbichler über fünf Meter weiter auf 143,5 m sprang. Am Ende machte der nicht gesetzte Telemark bei Eisenbichler den Unterschied. Kobayashi gewann trotz eines schlechteren zweiten Sprungs denkbar knapp mit 0,2 Punkten Vorsprung und baute zugleich seinen Vorsprung in der Gesamtwertung auf über 10 Punkte aus. Als Dritter der Tageswertung sprang Kos erstmals in seiner Karriere auf ein Weltcup-Podest.

Rang Name Punkte Weite 1 Weite 2 1 291,2 143,0 m 135,5 m 2 291,0 141,0 m 143,5 m 3 286,0 135,5 m 138,0 m 4 283,7 138,0 m 138,0 m 5 274,9 134,0 m 132,0 m 6 267,9 132,5 m 130,0 m 7 265,0 130,0 m 127,5 m 8 264,2 128,0 m 140,5 m 9 264,1 137,0 m 127,5 m 10 263,7 128,0 m 136,5 m 11 262,0 135,5 m 131,0 m 12 261,8 130,5 m 132,0 m 13 261,2 132,0 m 135,0 m 14 257,6 130,0 m 135,0 m 15 257,3 131,0 m 135,0 m Rang Name Punkte Weite 1 Weite 2 16 257,1 132,0 m 132,0 m 17 256,1 134,5 m 125,5 m 18 255,6 127,0 m 133,0 m 19 252,2 128,0 m 132,0 m 20 249,2 133,0 m 125,5 m 21 249,0 130,5 m 130,0 m 22 247,1 131,0 m 129,0 m 23 246,5 127,0 m 132,5 m 24 246,0 127,5 m 131,5 m 25 245,9 129,0 m 130,5 m 26 245,5 129,5 m 130,0 m 27 244,7 128,0 m 126,5 m 28 244,2 128,0 m 127,5 m 29 241,4 127,5 m 128,0 m 30 229,4 123,0 m 128,0 m

Tournee-Zwischenstand

Unter Berücksichtigung der Ergebnisse von Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen ergibt sich folgender Zwischenstand in der Tournee-Gesamtwertung (aufgeführt sind die zehn besten Springer):

Rang Name Punkte 1 593,2 2 580,0 3 575,5 4 572,1 5 563,4 6 560,9 7 559,8 8 530,5 9 527,3 10 526,1

Innsbruck (HS 128)

Die Qualifikation für das Springen in Innsbruck fand am 3. Januar 2022 statt. Der in der Tournee zu diesem Zeitpunkt Führende, Ryōyū Kobayashi, gewann die Qualifikation vor Jan Hörl und Killian Peier. Auf den weiteren Plätzen folgten Daniel Huber und Lovro Kos, dem mit 130 Metern die größte Weite des Tages gelang. Als bester Deutscher qualifizierte sich Severin Freund auf Platz 6. Ebenfalls in den Top 10 landeten Markus Eisenbichler (Platz 8) und Karl Geiger (Platz 10). Aus der sechsköpfigen „Nationalen Gruppe“ Österreichs, die erstmals am Start war, schafften es Thomas Lackner, Clemens Aigner und Stefan Rainer in den Wettbewerb. Vorjahressieger Kamil Stoch sprang auf Platz 59 und scheiterte damit in der Qualifikation.Vierschanzentournee: Ryoyu Kobayashi gewinnt Qualifikation in Innsbruck, skispringen.com, 3. Januar 2022.

Der für den 4. Januar 2022 vorgesehene Wettkampf wurde wegen zu starken Windes abgesagt. Ein gleiches Szenario hatte es 2007/08 bereits erstmals gegeben.

Aufgrund der Absage des Wettkampfes zählte die erwähnte Qualifikation nicht und stattdessen fanden am 5. Januar sowohl eine erneute Qualifikation als auch der Wettkampf als Ersatz in Bischofshofen statt.

Bischofshofen (Ersatz für Innsbruck) (HS 140)

Die Qualifikation für das Nachholspringen fand ebenso wie der Wettkampf am 5. Januar 2022 statt. In der Qualifikation siegte Ryōyū Kobayashi dank eines Sprungs auf 141,5 Meter vor den beiden Norwegern Marius Lindvik und Daniel-André Tande.

Nach dem ersten Durchgang führte Lindvik, der bis dato auf dem zweiten Platz der Tournee-Gesamtwertung gelegen war, vor Kobayashi und seinem Teamkollegen Halvor Egner Granerud. Der Slowene Lovro Kos, der sich nach dem Wettbewerb in Garmisch-Partenkirchen in der Gesamtwertung auf dem dritten Platz befunden hatte, stürzte im ersten Durchgang nach einem Sprung auf 136 Meter. Dank der großen Weite durfte er aber auch seinen zweiten Sprung machen und verbesserte sich nach einem Satz auf 138,5 Meter auf Platz 25 der Tageswertung, verlor aber dennoch jegliche Chancen auf einen Tournee-Podestplatz. Den weitesten Sprung zeigte mit 140,5 Meter im zweiten Durchgang der Deutsche Markus Eisenbichler, der sich dadurch von Platz 16 nach der ersten Runde noch auf den achten Platz verbesserte. Aufgrund schlechterer Windbedingungen und geringerer Anlauflänge konnte aber Ryōyū Kobayashi nach einem Sprung auf 137,5 Meter die meisten Punkte des zweiten Durchgangs erzielen und siegte letztendlich vor Lindvik und Granerud, wodurch er seinen Vorsprung in der Gesamtwertung weiter ausbaute und noch dazu nur noch einen weiteren Sieg benötigte, um der erste Springer zu sein, der jemals den „Grand Slam“ zweimal holte.