Der Landkreis Mannheim war ein Landkreis in Baden-Württemberg, der im Zuge der Kreisreform am 1. Januar 1973 aufgelöst wurde.

Geographie

Lage Der Landkreis Mannheim lag im Nordwesten Baden-Württembergs.

Geographisch hatte der Landkreis überwiegend Anteil an der Oberrheinischen Tiefebene; wenige Gemeinden lagen im Odenwald. Mannheim als Kreissitz selbst gehörte nicht zum Landkreis Mannheim, sondern war bereits seit 1939 Stadtkreis. Die Stadtkreise Mannheim und Heidelberg teilten das Kreisgebiet in zwei Teile.

Nachbarkreise Seine Nachbarkreise waren Anfang 1969 im Uhrzeigersinn beginnend im Norden Bergstraße in Hessen, Heidelberg, der Stadtkreis Heidelberg, der Landkreis Bruchsal und der Stadtkreis Mannheim in Baden-Württemberg. Im Westen bildete der Rhein die Grenze zu Rheinland-Pfalz mit dem dortigen Landkreis Ludwigshafen am Rhein und der kreisfreien Stadt Speyer.

Geschichte mini|Gebäude des ehemaligen Bezirksamtes Mannheim (1906), heute Sitz des Polizeipräsidiums Mannheim

Das Gebiet des Landkreises Mannheim gehörte vor 1803 überwiegend zur Kurpfalz. Dann kam es an das Kurfürstentum Baden, das 1806 zum Großherzogtum erhoben wurde. Es entstanden im späteren Kreisgebiet das Stadtamt Mannheim und die Ämter bzw. Bezirksämter Ladenburg, Schwetzingen und Weinheim. Das Bezirksamt Ladenburg wurde 1863 aufgelöst und sein Gebiet mit dem Stadtamt Mannheim zum Bezirksamt Mannheim vereinigt. Das Bezirksamt Schwetzingen wurde 1924 mit dem Bezirksamt Mannheim verschmolzen. 1936 wurden die Bezirksämter Mannheim und Weinheim zum Bezirksamt Mannheim zusammengelegt und 1939 entstand daraus der Landkreis Mannheim durch das Gesetz über die Landkreisselbstverwaltung.

Der Landkreis Mannheim kam 1945 mit dem nördlichen Teil des alten Landes Baden zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden in der Amerikanischen Besatzungszone. Nach der Bildung des Landes Baden-Württemberg 1952 gehörte der Landkreis Mannheim zum Regierungsbezirk Nordbaden. Durch die Gemeindereform ab 1970 veränderte sich das Kreisgebiet in einem Fall. Am 1. Januar 1972 wurde die Gemeinde Altenbach, Landkreis Heidelberg, in die Stadt Schriesheim eingegliedert. Damit vergrößerte sich das Kreisgebiet des Landkreises Mannheim entsprechend.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Mannheim aufgelöst. Sein Gebiet ging vollständig im neu gebildeten Rhein-Neckar-Kreis auf, der damit Rechtsnachfolger des Landkreises Mannheim wurde.

Einwohnerentwicklung Alle Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse. Jahr Einwohner 17. Mai 1939 102.675 13. September 1950 136.335 Jahr Einwohner 6. Juni 1961 158.860 27. Mai 1970 192.902

Politik Landrat Die Oberamtmänner bzw. Landräte des Stadtamt, Bezirksamts bzw. Landkreises Mannheim 1803–1972: 1803–1814: Karl Anton Rupprecht 1814–1826: Philipp von Jagemann 1826–1832: Jakob Wundt 1832–1835: Philipp Jakob Orff 1835–1847: Karl Joseph Riegel 1847–1849: Franz Kern 1849–1855: Franz Stephani 1855–1864: Rudolf Graf von Hennin 1864–1872: Leopold von Stengel 1872–1877: Franz Sales Hebting 1877–1883: Eduard Engelhorn 1883–1886: Karl Siegel 1887–1891: Richard Bensinger 1891–1896: Rudolf Rüdt von Collenberg-Eberstadt 1896–1900: Alexander Pfisterer 1900–1908: Edmund Lang 1908–1913: Konrad Clemm 1914–1920: Wilhelm Lukas Strauss 1920–1924: Karl Steiner 1924–1933: Julius Guth-Bender 1933–1945: Ludwig Vesenbeckh 1945: Richard Freudenberg (kommissarisch) 1945–1946: Karl Geppert (kommissarisch) 1946: Valentin Gaa (kommissarisch) (CDU) 1946–1948: Ernst Becherer 1948–1970: Valentin Gaa (CDU) 1970–1972: Albert Neckenauer

Wappen Das Wappen des Landkreises Mannheim zeigte in Blau einen rot bewehrten, gezungten und gekrönten silbernen Löwen, in den Vorderpranken einen goldenen Schlüssel mit dem Bart nach unten haltend. Das Wappen wurde dem Landkreis Mannheim am 9. März 1970 durch das Innenministerium Baden-Württemberg verliehen.

Der Großteil des Kreises (24 Gemeinden) gehörte zur Kurpfalz. Daher ist der kurpfälzisch-bayerische Löwe abgebildet. Der Schlüssel ist dem Wappen des früheren Hochstifts Worms entnommen, das im Kreisgebiet einige Rechte hatte, diese jedoch Ende des 18. Jahrhunderts an die Kurpfalz tauschte.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Durch das Kreisgebiet führt von Nord nach Süd die Bundesautobahn 5 Frankfurt-Karlsruhe sowie die nahezu parallel verlaufende A 6. Ferner führen die Bundesstraßen 3, 36, 38 und 291 durch das Kreisgebiet.

Gemeinden Zum Landkreis Mannheim gehörten ab 1938 zunächst 27 Gemeinden, davon 4 Städte.

Am 7. März 1968 stellte der Landtag von Baden-Württemberg die Weichen für eine Gemeindereform. Mit dem Gesetz zur Stärkung der Verwaltungskraft kleinerer Gemeinden war es möglich, dass sich kleinere Gemeinden freiwillig zu größeren Gemeinden vereinigen konnten. Den Anfang machte im Landkreis Mannheim die Gemeinde Oberflockenbach, die sich am 1. Mai 1972 mit der Stadt Weinheim zusammenschloss. In der Folgezeit reduzierte sich die Zahl der Gemeinden stetig, bis der Landkreis Mannheim am 1. Januar 1973 im Rhein-Neckar-Kreis aufging.

Größte Gemeinde des Landkreises war die Stadt Weinheim, die bereits seit 1956 eine Große Kreisstadt ist, kleinste Gemeinde war Ritschweier.

In der Tabelle stehen die Gemeinden des Landkreises Mannheim vor der Gemeindereform (alle heutigen Gemeinden gehören zum Rhein-Neckar-Kreis). Die Einwohnerangaben beziehen sich auf die Volkszählungsergebnisse in den Jahren 1961 und 1970. frühere Gemeinde heutige Gemeinde Einwohneram 6. Juni 1961 Einwohneram 27. Mai 1970 Altlußheim Altlußheim 4.151 4.764 Brühl Brühl 7.807 10.849 Edingen Edingen-Neckarhausen 6.275 8.128 Großsachsen Hirschberg an der Bergstraße 2.196 2.662 Heddesheim Heddesheim 6.163 9.000 Hemsbach Hemsbach 4.786 9.677 Hockenheim, Stadt Hockenheim 13.213 15.542 Hohensachsen Weinheim 1.664 2.077 Ilvesheim Ilvesheim 6.286 7.509 Ketsch Ketsch 6.471 8.674 Ladenburg, Stadt Ladenburg 8.338 9.799 Laudenbach Laudenbach 3.316 3.645 Leutershausen an der Bergstraße Hirschberg an der Bergstraße 3.652 5.148 Lützelsachsen Weinheim 2.984 3.243 Neckarhausen Edingen-Neckarhausen 4.107 4.423 Neulußheim Neulußheim 4.089 4.898 Oberflockenbach Weinheim 1.283 1.620 Oftersheim Oftersheim 6.860 8.398 Plankstadt Plankstadt 7.905 9.050 Reilingen Reilingen 4.195 5.195 Rippenweier Weinheim 671 793 Ritschweier Weinheim 86 119 Schriesheim Schriesheim 7.414 8.610 Schwetzingen, Stadt Schwetzingen 14.992 16.508 Sulzbach Weinheim 1.936 2.302 Ursenbach Schriesheim 161 163 Weinheim, Stadt Weinheim 27.859 29.670

Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen MA zugewiesen. Es wird im Stadtkreis Mannheim durchgängig bis heute ausgegeben.

Literatur Staatl. Archivverwaltung Baden-Württemberg in Verbindung mit d. Städten u.d. Landkreisen Heidelberg u. Mannheim (Hrsg.): Die Stadt- und die Landkreise Heidelberg und Mannheim: Amtliche Kreisbeschreibung. Bd. 1: Allgemeiner Teil. Karlsruhe 1966. Bd. 3: Die Stadt Mannheim und die Gemeinden des Landkreises Mannheim. Karlsruhe 1970. Stadt- und Landkreis Mannheim. (= Die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs in Wort und Zahl; Heft 65/66). Hrsg. vom Innenministerium und Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, Bearbeitung und Druck Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 1973. PDF-Datei, 19,1 MB.

Weblinks

Einzelnachweise

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