mini|Maria Malibran als Desdemona in Rossinis Otello. Gemälde von Henri Decaisne im Musée Carnavalet, Paris María Felicia García SichesCarmen de Reparaz Madinaveitia: García Siches, María Felicia. María Malibrán, la Malibrán. In: Dicionario Biografico espanol (DBe). Real Academia de la Historia, 2022 (spanisch; Abruf am 13. Februar 2025), verheiratete Malibran und De Bériot, bekannt als Maria Malibran (* 24. März 1808 in Paris, Frankreich; † 23. September 1836 in Manchester, England), war eine spanischeMerlin stellt klar, dass Malibran, obwohl in Paris geboren, als Tochter eines Spaniers selber auch Spanierin war. María de las Mercedes Santa Cruz y Montalvo, comtesse de Merlin: Madame Malibran, 2 Bde., Société Typographique Belge, Ad. Wahlen et Compagnie, Brüssel, 1838. Bd. 1, S. 193. Online auf Gallica (französisch; Abruf am 23. Februar 2025) Opernsängerin (Mezzosopran, „sopran-e-contralto“„Pour prendre au hasard des exemples, nous citerons … comme parcourant avec une égale puissance les deux échelles de voix, c’est-à-dire comme sopran-e-contralti, la Malibran et Pauline Garcia.“ S. 602–603 in: Revue des deux mondes XXV. 1841, (online bei Wikisource).) und Komponistin, die vor allem in Bühnenwerken von Gioachino Rossini und Vincenzo Bellini brillierte. Außergewöhnliche vokale Qualitäten, eine exzeptionelle Virtuosität und ihre betont leidenschaftlichen und originellen Darstellungen – aber auch persönlicher Charme und ihr früher tragischer Tod –, machten sie zu einer gefeierten und legendären Figur der Operngeschichte. Sie war die Schwester des einflussreichen Musikpädagogen Manuel Patricio Rodríguez García und der dreizehn Jahre jüngeren Sängerin Pauline Viardot-García.

Leben und künstlerisches Wirken Kindheit und Jugend mini|hochkant|Geburtshaus der Maria Malibran in der Rue de Condé, Paris Als Tochter einer spanischen Musikerfamilie lernte María Felicia in ihrer Kindheit und Jugend eine Art von künstlerischem Nomadenleben kennen, das sie durch halb Europa und bis nach Amerika führte. Neben ihrer Muttersprache Spanisch lernte sie dadurch schon früh Französisch, Italienisch und Englisch. Sie war die Tochter des berühmten spanischen Tenors, Komponisten und (späteren) Gesangspädagogen Manuel del Pópulo Vicente García und der Sopranistin Joaquina Siches, genannt La Briones. Zur Zeit ihrer Geburt bis 1811 lebte die Familie in Paris, wo ihr Vater seit kurzem an der Opéra buffa, später auch am Théâtre-Italien engagiert war.Paulino Capdepón Verdú: Rodríguez Aguilar, Manuel. Manuel del Pópulo Vicente García. In: Dicionario Biografico espanol (DBe). Real Academia de la Historia, 2022 (spanisch; Abruf am 13. Februar 2025) Von 1811 bis 1816 wuchs sie in Italien, in Neapel und Rom, auf.

Bereits mit fünf Jahren, am 28. November 1813, übernahm sie am Teatro San Carlo in Neapel eine kleine stumme Kinderrolle in Giovanni Simone Mayrs erfolgreicher Oper Medea in Corinto, neben ihrem Vater als Egeo und der berühmten Isabella Colbran in der Titelrolle.S. 18 im Booklet zur CD-Box: Giovanni Simone Mayr: Medea in Corinto, mit Jane Eaglen, Yvonne Kenny, Bruce Ford, Raúl Giménez, Alastair Miles u. a., Philharmonia Orchestra, Dir.: David Parry (Opera Rara; 1994) Durch ihren Vater lernte sie auch Rossini kennen, den sie als Achtjährige nach dem anfänglichen Misserfolg seines Barbiere di Siviglia (Rom, 1816) „getröstet“ haben soll.Nach Rossinis eigenen Worten. Booklet-Text zur CD: Maria, mit Cecilia Bartoli u. a., Orchestra La Scintilla, Dir.: Adam Fischer (Decca, 2007), S. 73 In Neapel stand sie im selben Jahr 1816 wieder neben ihrem Vater auf der Opernbühne, in einer kleinen Kinderrolle in Ferdinando Paërs Agnese.Booklet-Text zur CD: Maria, mit Cecilia Bartoli u. a., Orchestra La Scintilla, Dir.: Adam Fischer (Decca, 2007), S. 73

In den folgenden Jahren lebte sie mit ihrer Familie abwechselnd in Paris (1816–18, 1819–23) und London (1816, 1818–19, 1823–25). María Felicia lernte zunächst Gesang bei ihrem Vater, der extrem streng mit ihr gewesen sein soll.Booklet-Text zur CD: Maria, mit Cecilia Bartoli u. a., Orchestra La Scintilla, Dir.: Adam Fischer (Decca, 2007), S. 76 Andere Lehrer waren Ferdinand Hérold und Auguste Panseron.

1825–1827: Frühe Karriere Ihr eigentliches Debüt gab sie mit siebzehn Jahren am 11. Juni 1825April FitzLyon: Malibran, Maria Felicia, in: Oxford Dictionary of National Biography. Online-Version, 23. September 2004 (englisch; Abruf nur mit Abonnement)Nach anderen Quellen am 7. Juni. Siehe: Carmen de Reparaz Madinaveitia: García Siches, María Felicia. María Malibrán, la Malibrán. In: Dicionario Biografico espanol (DBe). Real Academia de la Historia, 2022 (spanisch; Abruf am 13. Februar 2025) am Londoner King’s Theatre als Rosina in Rossinis Il barbiere di Siviglia, wobei sie ganz kurzfristig für eine andere Sängerin einsprang;Laut Ferris handelte es sich bei der erkrankten Dame entweder um Giuditta Pasta (nach Fétis), oder um die Giuseppina Ronzi de Begnis (u. a. nach Lord Mount Edgecombe). George T. Ferris: Maria Felicia Malibran, in: Great singers, Bd. II (Second Series, Malibran to Titiens), D. Appleton & Co, New York, 1879, S. 9–51, hier: S. 14–15. Online im Internet-Archiv (englisch; Abruf am 15. Februar 2025)Im Booklet zu Cecilia Bartolis Malibran-CD wird (offenbar nach Fétis ?) behauptet, die erkrankte Sängerin sei die Pasta gewesen. Booklet-Text zur CD: Maria, mit Cecilia Bartoli u. a., Orchestra La Scintilla, Dir.: Adam Fischer (Decca, 2007), S. 73 ihr Vater sang dabei den Grafen Almaviva, den er schon in der Uraufführung der Oper gesungen hatte. Maria hatte sofort einen geradezu sensationellen Erfolg. Kurz darauf sang sie auch die Felicia in Meyerbeers Il crociato in Egitto – neben dem „letzten“ Kastraten Giovanni Battista Velluti.George T. Ferris: Maria Felicia Malibran, in: Great singers, Bd. II (Second Series, Malibran to Titiens), D. Appleton & Co, New York, 1879, S. 9–51, hier: S. 15. Online im Internet-Archiv (englisch; Abruf am 15. Februar 2025) Sie wurde auch zum Festival von York eingeladen und sang dort Arien aus Händels Messias und Haydns Schöpfung.Siehe S. 13–14, in:

Bereits im Oktober des Jahres ging ihre Familie zusammen mit einigen anderen Sängern nach New York, wo sie die ersten waren, die das amerikanische Publikum mit der italienischen Oper bekannt machten. Maria war dabei die bejubelte Primadonna im Barbiere und in mehreren anderen Rossini-Opern (Otello, La Cenerentola und Il turco in Italia) und sang die Titelrolle im Tancredi. Sie trat außerdem in zwei Opern ihres Vaters auf und sang die Zerlina in der amerikanischen Erstaufführung von Mozarts Don Giovanni (23. Mai 1826); hinzu kamen zahlreiche Konzerte.

In New York lernte Maria den 27 Jahre älteren Bankier (oder Kaufmann ?) François Eugène Malibran (1781–1836) kennen, den sie anscheinend etwas überstürzt am 23. März 1826 heiratete; vorübergehend zog sie sich sogar von der Bühne zurück. Nur wenige Monate nach ihrer Hochzeit ging ihr Ehemann bankrott. Während ihre Familie bereits nach Mexiko weitergereist war, trennte sie sich Ende 1827 von ihrem Gatten und ging zurück nach Europa.

1828–1832: Paris und London mini|hochkant|Maria Malibran

In Paris debütierte sie 1828 am Théâtre-Italien in der Titelrolle von Rossinis SemiramideMaría de las Mercedes Santa Cruz y Montalvo, comtesse de Merlin: Madame Malibran, 2 Bde., Société Typographique Belge, Ad. Wahlen et Compagnie, Brüssel, 1838. Bd. 1, S. 55 und, obwohl es durchaus auch Kritik gab,François-Joseph Fétis: Malibran, (Marie Félicité), née Garcia, in: Biographie universelle des musiciens, et bibliographie générale de la musique, Band 6, H. Fournier, Paris 1840, S. 239–244, hier: S. 240. Online als Google Book (französisch; Abruf am 16. Februar 2025) erntete sie für ihre Darbietung laut Fétis einen solch donnernden „Applaus wie man ihn noch nie zuvor gehört hatte“. Man bot ihr daraufhin einen extrem vorteilhaften Vertrag an und in den nächsten vier Jahren war sie der umschwärmte Star von Paris. Ihre Interpretationen wurden immer besser und als neuartig und bahnbrechend empfunden. Kein Geringerer als Frédéric Chopin bezeichnete sie als „Wunder“. Noch im Jahr 1828 komponierte Halévy für sie seine Oper Clari. Zu dem von ihr gesungenen Repertoire gehörten neben den Rossini-Opern Otello, Tancredi, La gazza ladra, La Cenerentola und Il Barbiere auch der Romeo in Zingarellis Giulietta e Romeo, sowie Fidalma in Cimarosas Il matrimonio segreto. Besonders berühmt war sie als Desdemona im Otello: Ihr melancholischer Ausdruck während der Romanze im dritten Akt soll derart echt gewesen sein, dass sie die Menschen zum Weinen bringen konnte.Maria de las Mercedes Santa Cruz y Montalvo, comtesse de Merlin: Madame Malibran, 2 Bde., Société Typographique Belge, Ad. Wahlen et Compagnie, Brüssel, 1838, Bd. 1, S. 20 Nicht zufällig ließ sie sich in dieser Rolle auch von Henri Decaisne porträtieren.

Daneben gastierte die Malibran regelmäßig in London, wo sie zuerst 1829 am King’s Theatre einen „kolossalen“ Erfolg als Desdemona und als Cenerentola hatte. In London (und später auch in Paris) trat sie in Konkurrenz zu Henriette Sontag, da jedoch beide Sängerinnen exzellent, aber stimmlich und vom künstlerischen Temperament vollkommen verschieden waren, wurden beide als Publikumslieblinge gefeiert, oft zusammen in derselben Oper.François-Joseph Fétis: Malibran, (Marie Félicité), née Garcia, in: Biographie universelle des musiciens, et bibliographie générale de la musique, Band 6, H. Fournier, Paris 1840, S. 239–244, hier: S. 240–241. Online als Google Book (französisch; Abruf am 16. Februar 2025) Im Juni 1830 sang die Malibran am Theatre Royal Covent Garden den Romeo in Nicola Vaccais Romeo e Giulietta. Laut FitzLyon soll sie in London bei allem Enthusiasmus nicht ganz den „Kultstatus“ erreicht haben wie in Paris.

Um dieselbe Zeit verliebte sie sich in den belgischen Geiger und Komponisten Charles-Auguste de Bériot (1802–1870) und, da die Scheidung ihrer Ehe mit Malibran sich jahrelang hinzog, lebte sie mit Bériot in „wilder Ehe“ zusammen, abwechselnd bei Paris oder in einem gemeinsamen Haus bei Brüssel,François-Joseph Fétis: Malibran, (Marie Félicité), née Garcia, in: Biographie universelle des musiciens, et bibliographie générale de la musique, Band 6, H. Fournier, Paris 1840, S. 239–244, hier: S. 241. Online als Google Book (französisch; Abruf am 16. Februar 2025) wo seit dem Tode von Marias Vater im Jahr 1832 auch ihre Mutter und Schwester wohnten.Booklet-Text zur CD: Maria, mit Cecilia Bartoli u. a., Orchestra La Scintilla, Dir.: Adam Fischer (Decca, 2007), S. 80 1833 ging aus ihrer Verbindung mit Bériot ein Sohn hervor, Charles-Wilfrid de Bériot (1833–1914),Siehe Abschnitt „Paris und internationaler Ruhm“, in Anke Charton: Artikel „Maria Malibran“. In: MUGI. Musikvermittlung und Genderforschung: Lexikon und multimediale Präsentationen, hrsg. von Beatrix Borchard, Nina Noeske und Silke Wenzel, HfMT Hamburg, 2003ff. und HfM Weimar, 2022ff. Stand vom 12. Juni 2015, online verfügbar unter: https://mugi.hfmt-hamburg.de/receive/mugi_person_00000516 (abgerufen am 18. Februar 2025). der spätere Pianist und Lehrer von Maurice Ravel.