Die Deminex GmbH war ein deutsches Unternehmen zur Erschließung und Förderung von Erdöl- und Erdgasvorkommen im Ausland. Es existierte von 1966 bis 1998 und sollte der Bundesrepublik Deutschland – in Eigenregie oder in Zusammenarbeit mit anderen privaten beziehungsweise staatlichen Mineralölgesellschaften – insbesondere eine eigene Rohölbasis verschaffen, um die Abhängigkeit von politisch unruhigen Förderländern So galten beispielsweise Libyen und Saudi-Arabien als politisch unberechenbar. Henning Türk: Treibstoff der Systeme. Kohle, Erdöl und Atomkraft im geteilten Deutschland, be.bra, Berlin 2021, S. 52, ISBN 978-3-89809-197-8. und großen ausländischen Mineralölunternehmen zu verringern. Maßnahmen zur Erreichung dieses Ziels waren der Erwerb von Konzessionen, der Aufschluss und die eigene Förderung.Blömer: Die Deutsche Erdölversorgungsgesellschaft mbH Deminex … (1972), S. 143–145. Karlsch, Stokes: „Faktor Öl“ … (2003), S. 367. Der Staat subventionierte Deminex zwei Jahrzehnte lang. 1998 kam es zur Auflösung des Unternehmens und zur Aufteilung der einzelnen Sparten unter den Gesellschaftern. Diese hatten zuvor auf ein jeweils eigenständiges unternehmerisches Handeln gedrängt und argumentiert, die Gesellschafterstruktur der Deminex sei nicht mehr wettbewerbsfähig.
Hintergrund In der Bundesrepublik wuchs die Bedeutung von Öl stetig. Sie machte der Kohle den Rang als Energieträger streitig, getrieben von der wirtschaftspolitischen Vorgabe, insbesondere für die Industrie günstige Energiepreise sicherzustellen.Christoph Nonn: Die Ruhrbergbaukrise. Entindustrialisierung und Politik 1958–1969 (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 149). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, S. 171, ISBN 3-525-35164-X. Der Import von Öl stieg bis 1957 nur langsam, anschließend jedoch rasch. Waren es 1957 noch 8 Mio. Tonnen, so lag dieser Wert zwei Jahre später bei 17 Mio. Tonnen, 1969 überschritt er die 90-Millionen-Tonnen-Grenze.Werner Abelshauser: Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945, Beck, München 2004, ISBN 978-3-406-51094-6, S. 203. Der Anteil des Mineralöls zur Deckung des westdeutschen Energiebedarfs wuchs von 4 Prozent im Jahre 1950 auf 53 Prozent im Jahr 1970.Emil Kratzmüller: Vorwort. In: Institut für Bilanzanalysen GmbH (Hrsg.): Die Mineralölindustrie in der Bundesrepublik Deutschland (= Branchenanalysen. Nr. 20). Frankfurt am Main 1972, S. 3. Günstiges Öl wurde zudem für die Privathaushalte attraktiv, zwischen 1958 und 1963 verdreifachte sich der Heizölverbrauch. Auch die expandierende chemische Industrie benötigte Erdöl als wichtigen RohstoffAbelshauser: Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945 … (2004), S. 389. und günstigen Energielieferanten.Henning Türk: Treibstoff der Systeme. Kohle, Erdöl und Atomkraft im geteilten Deutschland, be.bra, Berlin 2021, S. 47, ISBN 978-3-89809-197-8. Ein weiterer Faktor war die einsetzende Massenmotorisierung.Zahlen dazu bei Abelshauser: Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945 … (2004), S. 338. Zahlen zur Massenmotorisierung und Zunahme des Individualverkehrs bei Henning Türk: Treibstoff der Systeme. Kohle, Erdöl und Atomkraft im geteilten Deutschland, be.bra, Berlin 2021, S. 43, ISBN 978-3-89809-197-8. Das Land verfügte zwar über große Kohlereserven, kaum aber über Öl- und Erdgasvorkommen, die sich mit den damaligen Mitteln wirtschaftlich erschließen und ausbeuten ließen.
Der rasch wachsende und liberale Mineralölmarkt in DeutschlandKarlsch, Stokes: „Faktor Öl“ … (2003), S. 358 und S. 368. Siehe auch Henning Türk: Treibstoff der Systeme. Kohle, Erdöl und Atomkraft im geteilten Deutschland, be.bra, Berlin 2021, S. 45, ISBN 978-3-89809-197-8. war von großen Mineralölunternehmen geprägt, deutsche Anbieter waren insbesondere bei Raffineriekapazitäten mit zirka 25 Prozent, beim Vertrieb von Benzin mit zirka 40 Prozent beziehungsweise Heizöl mit zirka einem Drittel Marktanteil in der MinderheitKarlsch, Stokes: „Faktor Öl“ … (2003), S. 359. und sahen sich in der Defensive.Karlsch, Stokes: „Faktor Öl“ … (2003), S. 346 f. u. S. 353 f. Deutlich wurde dies zuletzt bei der Übernahme von DEA durch Texaco, die auch in der Bundesregierung, der Politik und der Presse eingehend debattiert wurde. Dieser Unternehmenskauf wurde ab März 1966 geplant und war bis zum Jahresende vollzogen.Zur Übernahme siehe Karlsch, Stokes: „Faktor Öl“ … (2003), S. 353–358. Ferner Thomas Handschuhmacher: „Was soll und kann der Staat noch leisten?“ Eine politische Geschichte der Privatisierung in der Bundesrepublik 1949–1989. ISBN 978-3-525-35593-0, S. 136–138.
Gründung und Ziele Am 27. Oktober 1966 gründeten die deutschen Mineralölgesellschaften die Deutsche Mineralöl-Explorationsgesellschaft mbH, kurz Deminex,Blömer: Die Deutsche Erdölversorgungsgesellschaft mbH Deminex … (1972), S. 143. als Gemeinschaftsunternehmen zur Erschließung von Erdöl- und Erdgasvorkommen im Ausland. Als Sitz der Gesellschaft war Düsseldorf vorgesehen. Das Bundeswirtschaftsministerium unter Kurt Schmücker hatte dazu die Initiative ergriffen und über Josef Rust, den Vorsitzenden des Aufsichtsrats von Wintershall, die Unternehmen motiviert.Karlsch, Stokes: „Faktor Öl“ … (2003), S. 359 f. Folgende Gesellschaften bildeten den Kreis der Gesellschafter des Gemeinschaftsunternehmens:Karlsch, Stokes: „Faktor Öl“ … (2003), S. 360 f. Unternehmen Sitz Andere Geschäftsfelder Eigentumsverhältnisse C. Deilmann Bentheim Bohrarbeiten, Berg- und Tiefbau, Torfgewinnung, Maschinenbau 100 % Familie Deilmann Deutsche Schachtbau- und Tiefbohrgesellschaft Lingen/Ems Erdgasförderung 100 % Salzgitter AG (Bundeseigentum) Gelsenkirchener Bergwerks-AG Essen Tanker, Petrochemie, Chemiefaser-Herstellung >25 % Dresdner Bank, Rest Streubesitz Preussag Hannover Erdgasförderung 26,5 % Veba (40,2 % Bundeseigentum), Rest Streubesitz Saarbergwerke Saarbrücken über Beteiligung an Saarlor-ChemieZu diesem Unternehmen siehe Die Saarbergwerke schalten um. Saarlor-Chemie-Projekt mit französischer Beteiligung. In: Nordwest-Zeitung, 9. Juli 1966. Produktion von Ammoniak und Harnstoff 74 % Bundeseigentum, 26 % Saarland Scholven-Chemie Gelsenkirchen Düngemittel, Alkoholsynthese, Hochdruckhydrierung von Benzol, Polyethylen-Herstellung, Petrochemie 100 % Hibernia (Teil der Veba) Union Rheinische Braunkohlen Kraftstoff AG Wesseling Tanker, Produktion von Methanol, Ammoniak, Harnstoff, Ethylen 100 % Rheinische Braunkohlenwerke (RWE-Gruppe) Wintershall Kassel Erdgasförderung 50 % Gewerkschaft Wintershall, Rest Streubesitz
Als Aufgabe der neuen Gesellschaft nannte der Gesellschaftsvertrag „die Verfolgung von Erdöl- und Erdgasvorhaben im Ausland im Namen und für Rechnung von Gesellschaftern oder im eigenen Namen“.Zitiert nach Karlsch, Stokes: „Faktor Öl“ … (2003), S. 364. Das Stammkapital brachten alle acht Gesellschafter zu gleichen Teilen auf. Allerdings belief es sich nur auf einen Betrag von 100.000 DM. Mehrheitlich waren die Gesellschafter bestrebt, die Strukturen ihrer eigenen Unternehmen zu bewahren sowie mit der Deminex eine Organisation ins Leben zu rufen für die Einwerbung und Verteilung von Staatshilfen. Sie wünschten sich überdies sofortige steuerliche Erleichterungen für das Mineralölgeschäft. Kritiker auch aus dem Wirtschaftsministerium bemängelten umgehend, die Gesellschaft könne in dieser Form keine Explorationsvorhaben durchführen oder an solchen mitwirken.Karlsch, Stokes: „Faktor Öl“ … (2003), S. 362–364. Bedingt durch die Rezession von 1966 kürzte die Bundesregierung die vorgesehenen Anpassungshilfen für Raffinerien und die Bohrdarlehen in erheblichem Umfang, auch weil sie Mittel für die Unterstützung des krisenhaften Steinkohlenbergbaus freimachen wollte. Alle gegenteiligen WünscheSiehe Die Deminex verlangt Bundeshilfen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. August 1967. der Deminex blieben unberücksichtigt. Das Unternehmen war aufgrund seiner Unterfinanzierung schon vor dem praktischen Start gescheitert.Karlsch, Stokes: „Faktor Öl“ … (2003), S. 365–368. Angesichts der Streichung von versprochenen Bohrdarlehen unternahm das Unternehmen praktisch kaum relevante Explorationsaktivitäten.Schürmann: Veba — Gelsenberg — Deminex … (1981), S. 27, Fußnote 15.
Neustart 1969 Die angespannte Lage der deutschen Mineralölunternehmen hielt an.Karlsch, Stokes: „Faktor Öl“ … (2003), S. 368 und S. 370–372. Das bewog Wirtschaftsminister Karl Schiller zu einer erneuten Initiative. 1968 legte der SPD-Politiker in einem Beitrag für den Vorwärts dar, welche Ziele die deutsche Ölpolitik ins Auge fassen müsse; Anfang 1969 fand sich diese Akzentsetzung auch im Jahreswirtschaftsbericht: Die Bundesregierung wolle „1. niedrige Preise für Erdölprodukte, 2. Sicherheit der Erdölversorgung, 3. Aufrechterhaltung des Marktanteils deutscher Mineralölunternehmen.“, S. 33. Den deutschen Mineralölunternehmen sei dabei zu helfen, sich eine Rohölbasis zu verschaffen, man sei bereit, ihnen dabei „Starthilfe“ zu gewähren. Die Gesellschaften sollten zugleich ihre Zusammenarbeit stärken. Steuerliche Nachteile der Unternehmen wolle man beseitigen.Siehe hierzu auch Karlsch, Stokes: „Faktor Öl“ … (2003), S. 372.
Die Gesellschafterversammlung beschloss am 16. Juli 1969 eine Erhöhung des Stammkapitals um „DM 49,9 Mio auf DM 50 Mio“.Deutsche Erdölversorgungsgesellschaft mbH Deminex: Geschäftsbericht 1969, S. 2. Die Gesellschaft wurde überdies in die Deutsche Erdölversorgungsgesellschaft mbH Deminex umbenannt. Die Anteile an der Gesellschaft verteilten sich wie folgt: Die Deutsche Erdölgruppe ist einig. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. März 1969.
Die Ziele blieben jene, die 1966 formuliert worden waren. Wie 1966 hatten die Gesellschafter das Recht, Ölaktivitäten auch auf eigene Rechnung vorzunehmen. Einstimmigkeit über Projektvorhaben war unter den Gesellschaftern jedoch nicht mehr notwendig, eine Dreiviertelmehrheit (nach Kapitalanteilen) reichte. Unerwünschtem Einfluss ausländischer Akteure schob die Festlegung einen Riegel vor, die vorsah, aus dem Gemeinschaftsunternehmen ausscheiden zu müssen, falls ein solcher nichtdeutscher Akteur in den Besitz von mindestens 25 Prozent der Anteile eines Gesellschafters gelangen würde. Die Deminex-Anteile des Betroffenen wären zum Nennwert oder zum Buchwert (sofern dieser unter dem Nennwert läge) auf die übrigen Gesellschafter zu übertragen.Karlsch, Stokes: „Faktor Öl“ … (2003), S. 373 f.
Verarbeitung und Vertrieb des Rohöls blieb ausdrücklich Sache der Deminex-Gesellschafter.Lögters: Die deutsche Erdölversorgungsgesellschaft – DEMINEX … (1972), S. 41.
Entwicklung des Unternehmens + Vorsitzende der GeschäftsführungDiese Position wurde 1970 eingerichtet. Zuvor waren Ernst Denzel, Walther Haase, Hans-Georg Knief, Herbert Lögters, Hans-Lothar Pallas, Enno Schubert und Gerd Zuncke Mitglieder einer Geschäftsführung ohne Vorsitzenden. Siehe die Geschäftsberichte des Unternehmens von 1966 bis 1970. 1970–1976 Herbert LögtersDeminex – Deutsche Erdölversorgungsgesellschaft mbH: Geschäftsbericht 1975, S. 2. 1976–1977 Fritz OschmannDeminex – Deutsche Erdölversorgungsgesellschaft mbH: Geschäftsbericht 1977, S. 2. 1978–1988 Ernst Eberhard HotzEintrag Hotz, Ernst E. In: Munzinger-Archiv, abgerufen am 28. Oktober 2021.Personalien: In: Handelsblatt, 15. Juli 1988. 1988–1993 Ernst LeonhardtDeminex Deutsche Erdölversorgungsgesellschaft mbH: Jahresabschluss 1993. Veröffentlicht im Bundesanzeiger, 25. November 1994. 1993–1998 Paul HaseldonckxEintrag Paul Haseldonckx. In: Munzinger-Archiv, abgerufen am 28. Oktober 2021.
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