mini|Sottrup Kirke von Südwesten mini|Das Kirchspiel Sottrup
Sottrup Kirke ist die evangelisch-lutherische Kirche des Sottrup Sogn in Nordschleswig, Dänemark. Sie liegt im Ort Vester Sottrup (deutsch: Wester-Satrup) auf der Halbinsel Sundeved (deutsch: Sundewitt). Zu ihrem Kirchspiel gehören die Dörfer Vester und Øster Sottrup sowie Vester und Øster Snogbæk (deutsch: Schnabeck), ferner Schloss Sandbjerg und einige größere Einzelgehöfte. Das um 1200 erbaute Kirchengebäude der Dänischen Volkskirche gehört zum Bistum Haderslev. Die Kirche ist durch ihren relativ großen Turm mit seiner markanten Spitze eine bis nach Alsen sichtbare Landmarke.
Baugeschichte Die weiß gekalkte Kirche befindet sich am Rand von Vester Sottrup auf einem Hügel, wo vermutlich schon in heidnischer Zeit eine Kultstätte existierte. Möglicherweise wurde zunächst, um den germanischen Kult zu verdrängen, eine (archäologisch allerdings nicht nachgewiesene) Holzkirche errichtet. Zwischen 1100 und 1250, wohl um 1200, wurden dann Kirchenschiff und Chor aus Feldsteinen auf einem Granitsockel erbaut.Sottrup kirkes historie (wie unter Weblinks). Der Chor wurde um 1475–1500 mit Backsteinen verlängert, wobei die ursprüngliche Apsis entfernt wurde, und anschließend wurden in Kirchenschiff und Chor Gewölbe eingezogen. Die heutige Sakristei an der Nordwand stammt aus dem Jahr 1862. Das 1687 und 1862 jeweils neu erbaute Waffenhaus an der Südseite der Kirche wurde 1892/93 abgerissen.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2230.
Turm und Glocken mini|Turmarbeiten (2021)
Der Kirchturm wurde im 14. Jahrhundert errichtet. Die heutige Kirchturmspitze ist bereits die dritte seit 1625, die in dieser langen und spitzen Form gebaut wurde. An der West- und Südwand des Turmes befinden sich Stützpfeiler von 1650 (diese Jahreszahl steht auch mit Mauerankern an der Westseite des Turms). Die Pfeiler stellten damals wohl den letzten Versuch dar, die Kirchenglocke im instabil gewordenen Turm zu belassen.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2228. Als dies nicht half und die mittlerweile zwei Glocken nicht mehr ohne Gefahr für den Turm geläutet werden konnten, wurde 1666 ein freistehender Glockenstapel erbaut. 1863 wurde er für 96 Rigsdaler zum Abbruch verkauft, da die Glocken nach einer Turmrestaurierung 1862 wieder in den Turm übernommen werden konnten.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2227.
Im Kirchturm befinden sich zwei Glocken: Eine Wiedervereinigungsglocke von 1920 aus Aalborg ersetzt eine 1598 von Matthias Benningk gegossene und 1795 und 1841 umgegossene Glocke, die 1917 als Metallspende abgegeben werden musste. Die Inschrift der ursprünglichen Glocke lautete: „Hebben de Vorständer der Kercken tho Soterup in Sundewith diisse Klocke laten geten in Lübeck Anno 1598 dorch Matthias Bennincker“; eine kleine Glocke, die 1829 von Jakob Friedrich Beseler in Rendsburg aus einer Glocke von 1656 umgegossen wurde, die 1808 gerissen war. Die ursprüngliche Inschrift dieser Glocke lautete: „Im Jahr Christi 1656, da M. Christoph Jäger Probst war, goss mich Meister Baltzer Melchersen in Flensburg“, daneben zwei fürstliche Wappen und ein frommer Vers in deutscher Sprache.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2242 f.
Zwei Gedenktafeln in der Kirche beschreiben die dreimalige Beschädigung des Kirchturms durch Naturgewalten: Am Fastensonntag Oculi (= 2. März) 1625, als der Gottesdienst beendet, aber die Kirchgänger noch nicht alle wieder zuhause waren, wehte ein starker Südwestwind die Turmhaube herunter, die daraufhin im Kirchendach einschlug. Herzog Philipp von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg finanzierte noch im selben Jahr die Reparatur bzw. den Wiederaufbau. Am 7. August 1687 schlug ein Blitz in die Westseite des Turmes ein und beschädigte diese, doch ohne einen Kirchenbrand auszulösen. Am 7. Juni 1860 brannte der Turm nach einem Blitzeinschlag ab. Ein Übergreifen der Flammen auf die Kirche konnte im letzten Moment verhindert werden, weil der Zugang vom Turm zum Kirchendachboden rasch zugemauert wurde und das Gewölbe standhielt. Unter Leitung des königlichen Bauinspektors und Architekten Laurits Albert Winstrup wurde der Turm bis 1862 wiederhergestellt. Die Jahreszahl 1862 steht auch mit Mauerankern an der Südseite des Turms.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2241 f.
Im Jahr 2006 wurden der Turm und die Turmspitze vollständig renoviert und mit einer neuen Holzkonstruktion und einem neuen Schieferdach versehen. Der goldene Ring um die Turmspitze wurde von der früheren Dachkonstruktion übernommen und wieder angebracht. Wenn man die Kirche aus der Ferne und bei günstigem Sonnenstand betrachtet, ruft der goldene Ring einen optischen Effekt hervor, als ob die Kirchturmspitze schweben würde.Sottrup kirkes historie (wie unter Weblinks).
Ausstattung mini|Inneres der Kirche mit Taufbecken, Altar und Kanzel mini|Altar und Kalkmalereien
Das Taufbecken mit seinem Rankenmotiv ist romanisch und entspricht in seiner Form dem der Kirche von Notmark auf Alsen. Den Messingdeckel lieferte 1847 Goldschmied Linde aus Sønderborg. Ein zweites, klassizistisches Taufbecken aus gebranntem Lehm, das der Kirche 1847 geschenkt wurde, stand zunächst kaum benutzt im Kirchenschiff; nach 1920 wurde es ans Museum Schloss Sonderburg abgegeben.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2237 f.
Über dem Chorbogen hängt ein Kruzifix mit einem ca. 75 cm hohem Marmor-Korpus, das der Sottruper Pfarrer Lauritz Ottosen Riese (Amtszeit 1679–1714) 1696 seiner Kirche schenkte. Auf dem Querbalken, der das Kruzifix trägt, steht auf Lateinisch in Versalien „Spes mea unica Christus“, d. h. „meine einzige Hoffnung Christus“. Eine lateinische Inschrift auf der Rückseite des Balkens nennt Riese als Stifter.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2238. Der Kronleuchter vor dem Chorbogen stammt aus dem Jahr 1898.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2242.
Die Kanzel mit Schalldeckel schenkte Herzog Philipp von Glücksburg 1642 der Kirche. Sie wurde vom Flensburger Bildschnitzer Claus Gabriel für 55 Reichsthaler angefertigt und ähnelt seiner Kanzel von 1647 in Bredstedt. Die reich geschnitzten Reliefs der vier Fächer zeigen Mariae Verkündigung, die Geburt Christi, die Heiligen Drei Könige und die Taufe Christi im Jordan. An den Ecken der Fächer stehen Freifiguren (z. B. Christus mit der Weltkugel) auf Konsolen mit Engelsköpfen.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2238 f. Der dänische Kunsthistoriker Rudolf Broby-Johansen (1900–1987) urteilte über die Kanzel „Wir haben kein leidenschaftlicheres Knorpelbarock“ und der Autor H. E. Sørensen (* 1940) schrieb: „Das Holz formte sich unter Meister Gabriels Hand, als wenn es Wachs wäre“.H. E. Sørensen: Sundeved. Skærbæk, Forlag Melbyhus 1983, S. 64 (für beide Zitate). Als der fünfeckige Schalldeckel der Kanzel altersschwach wurde und abzustürzen drohte, wurde er 1844 von dem Schreiner Mathias Petersen (1807–1873) aus Vester Sottrup umgearbeitet.
Der gemauerte Altartisch und das Altarretabel stammen aus dem Jahr 1783, als das vorherige Retabel des Bildschnitzers Peter Petersen aus Tondern (1703) wegen Pilz- und Holzwurmbefall ersetzt werden musste. Das neue Altarretabel wurde von dem Sottruper Schreiner Christensen u. a. mit einer Heiliggeisttaube im Rocaillerahmen als oberem Abschluss gestaltet. Von dem vorherigen Retabel stammen noch einige Teile wie die beiden Pfeiler und die korinthischen Säulen neben dem Hauptfeld. Die drei Gemälde des Retabels stammen von dem Apenrader Maler Jes Jessen, welcher der erste Lehrmeister des bekannten dänischen Malers C. W. Eckersberg war. Das Hauptfeld zeigt die Auferstehung, das obere Feld die Himmelfahrt und das Mittelstück der Predella das letzte Abendmahl. Seitlich davon steht auf der Predella in moderner Fraktur und dänischer Sprache: „Nehmet, esset, das ist mein Leib“ (links) und „Trinket alle davon, das ist mein Blut“ (rechts).Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2234–2236.
Im Chorgewölbe und Chorbogen wurden 1941 Wandmalereien aus der Zeit von 1500–1525 freigelegt. Sie stammen von dem Künstler Peter Lykt, der u. a. auch Fresken in der Broager Kirke und der Flensburger Johanniskirche geschaffen hat. In Sottrup ist überwiegend Rankenwerk mit großen Kolbenblumen dargestellt, aber auch Vögel und der rote Storchschnabel, der am Bach nahe dem Pfarrhaus wächst.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2232 f. Die Künstlerin Hanne Skyum (* 1961) aus Kegnæs fertigte 2011 eine neue Altardecke an, handgewebt in Gobelin-Technik. Diese zeigt vom Wasser umspieltes braunes und grünes Wurzelwerk, womit das Rankenwerk der Kalkmalereien aufgegriffen und zugleich an erinnert wird. Das Votivschiff der Kirche ist ein Modell des Schulschiffes Danmark, 1954 von dem Fischer H. C. Hansen in Sottrupskov gebaut.Sottrup kirkes historie (wie unter Weblinks).
Orgel mini|Prospekt der historischen Marcussen-Orgel von 1844 mini|Spieltisch der Marcussen-Orgel
Die Sottruper Kirche erhielt ihre vermutlich erste Orgel im 17. Jahrhundert, möglicherweise 1696, als der Schreiner Hans Jürgensen eine Empore in die Kirche eingebaut haben soll. 1704 wurde das Instrument vom Orgelbauer Hinrich Wiese repariert und 1719 umgebaut und erweitert. 1761 lieferte Orgelbauer Johann Daniel Busch eine neue Orgel, die 1786 von Jürgen Hinrichsen Angel repariert wurde. Die dritte und heutige Orgel wurde 1844 von Marcussen und Reuter aus Aabenraa gebaut. Firmeninhaber Jürgen Marcussen stammte aus der Gemeinde und hatte seine Orgelbauwerkstatt von 1806 bis 1830 in Vester Sottrup geführt.Danmarks Kirker, S. 2240. Das frühromantische Instrument ist weitgehend original erhalten, doch wurden im Ersten Weltkrieg die Prospektpfeifen konfisziert und später ersetzt,Sottrup kirkes historie (wie unter Weblinks). auch sind mutmaßlich zwei Register zur Klangaufhellung ausgetauscht worden (unten Nr. 12 und Nr. 15).Im Pedal ist das Register Octav 4′ offensichtlich ausgetauscht, da die Buchstaben durch ihre etwas hellere Farbe auffallen und es außerdem auf den originalen Registerschildern des Hauptwerks Octave mit -e heißt; ursprünglich war hier wohl ein Gedackt 8′ o. ä. Im zweiten Manual verrät sich das Register Quintatøn 2′ durch das dänische ø (die originalen Registerbeschriftungen haben wie im Wort „Flöte“ ein ö mit Pünktchen) und durch die unlogische Reihenfolge der Registerzüge am Spieltisch (8′ - 2′ - 4′), ursprünglich war hier vermutlich eine Fugara 4′ o. ä. Außerdem hätte es nach der Logik der originalen Beschriftungen Quintatøn 2 Fußton, nicht 2 Fuß heißen müssen, denn Quintatön ist ein Gedacktregister. Der Zimbelstern, den man bei barocken, aber nicht bei romantischen Orgeln erwarten würde, ist vermutlich ebenfalls nachträglich eingebaut. Für die Zeit des Umbaus bekommt man dadurch einen Anhaltspunkt, dass Marcussen das Register Quintatøn 2′ ab der Mitte des 20. Jahrhunderts disponierte, z. B. 1940 in der Nordorgel der Grundvigtskirke (Disposition online hier). Die Disposition lautet:Vgl. Disposition und Fotos auf Orguesfrance
I Hauptwerk C–f3 1. Bordun 16′ 2. Principal 8′ 3. Rohrflöte 8′ 4. Octave 4′ 5. Quinte ′ 6. Superoctave 2′ 7. Terz ′ 8. Mixtur III II Hinterwerk C–f3 9. Viola di Gamba 8′ 10. Gedackt 8′ 11. Flöte 4′ (gedeckt) 12. Quintatøn 2′ Pedal C–d1 13. Subbass 16′ 14. Violoncello 8′ 15. Octav 4′ Koppeln: II/I und I/P als Manubrien Traktur: Schleifladen, vollmechanisch Effektregister: Zimbelstern
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