Edmund Palla (* 15. April 1885 in Klagenfurt; † 3. November 1967 in Wien) war österreichischer Sozialpolitiker, Direktor der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien und Niederösterreich, Mitbegründer der Arbeiterhochschule und Sozialstatistiker.
Leben Edmund Palla wurde am 15. April 1885 in Klagenfurt geboren. Sein Vater, Hofrat Josef Palla, war viele Jahre hindurch als Landesschulinspektor in Kärnten tätig. Edmund Palla besuchte das Gymnasium in Klagenfurt, studierte Rechte in Wien und Graz und absolvierte die politische Praxis in der Kärntner Landesregierung in Klagenfurt. Danach war er mehrere Jahre im Präsidium der damaligen Statistischen Zentralkommission in Wien tätig, wo der spätere Finanzminister Robert Meyer sein Mentor wurde. Im Ersten Weltkrieg leistete er Kriegsdienst als Oberleutnant des k.u.k. Infanterie-Regiments Nr. 17Verlustlisten Österreich-Ungarn 1. Weltkrieg: Ausgabe 277 vom 28. September 1915, S. 5 (Palla Edmund, Oblt. i. d. Res., IR. Nr. 17, verw.). und wurde nach zweimaliger Verwundung der politischen Verwaltungskommission im Generalgouvernement Lublin, dem österreich-ungarisch verwalteten Teil des von den Mittelmächten besetzten Russisch-Polens, zugeteilt. Im Juni 1918 wurde er in das Ministerium für soziale Verwaltung einberufen, wo er an der Vorbereitung der Sozialgesetze mitarbeitete, die in den folgenden Jahren nach dem Zerfall der Doppelmonarchie in der neu entstandenen Republik Österreich umgesetzt wurden. 1921 wurde er von Staatssekretär Ferdinand Hanusch mit der Büroleitung der neu geschaffenen Kammer für Arbeiter und Angestellte in Wien betraut, die er dreizehn Jahre führte. Er wurde zum Mitbegründer der Arbeiterhochschule in Wien und trat gemeinsam mit Otto Neurath als Vertreter der modernen Sozialstatistik hervor. In Verbindung steht Edmund Palla auch mit der Entstehung der Marienthal-Studie, deren Trägerverein, die „Österreichische Wirtschaftspsychologische Forschungsstelle“, er gemeinsam mit Ernst Streeruwitz, Rudolf Winter und Karl Bühler kuratierte.Archiv für publizistische Arbeit (Internationales Biografisches Archiv), 16. Mai 1935, S. 6550.
Im Zusammenhang mit den Februarereignissen 1934 wurde Palla beurlaubt. Im Austrofaschismus gelangte er nach der Zerschlagung der sozialdemokratischen Freien Gewerkschaften durch Sozialminister Neustädter-Stürmer Anfang März 1934 mit Schaffung der ständestaatlichen Einheitsgewerkschaft unter dem Vorsitz von Johann Staud und Josef Lengauer zusammen mit Fritz Lichtenegger, Karl Untermüller und Adolf Vesely in den Vorstand des neu errichteten Gewerkschaftsbundes der österreichischen Arbeiter und Angestellten,Klaus-Dieter Mulley: Von der NSBO zur Deutschen Arbeitsfront (DAF). In: Regina Fritz, Heinrich Berger, Melanie Dejnega, Alexander Prenninger (Hrsg.): Politische Gewalt und Machtausübung im 20. Jahrhundert. Zeitgeschichte, Zeitgeschehen und Kontroversen. Festschrift für Gerhard Botz. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-205-78725-9, S. 193–214, hier: S. 196. wo er vor allem die Interessen der freien Berufe vertreten sollte. Nach dem nationalsozialistischen Anschluss Österreichs wurden die Arbeiterkammern im Juni 1938 aufgelöst und alle Ansprüche aberkannt. Die Angestellten erhielten nach langen Verhandlungen eine geringfügige Abfertigung. Palla war dann bis August 1939 arbeitslos und von da an bis 1952 in der Apothekerkammer tätig. Edmund Palla wohnte bis zu seinem Tod im Jahre 1967 in Wien.
Veröffentlichungen (in Auswahl) Ferdinand Hanusch. In: Neue österreichische Biographie 1815–1918. Band 4. Amalthea-Verlag, Wien 1927, S. 43–57. Die Interessenvertretung der Arbeiterschaft in Österreich. Eine Denkschrift zur Errichtung der Arbeiterkammern. Wien 1921. Die Statistik im Dienste der Arbeiterbewegung: nach Vorträgen in der Betriebsträte-Instruktorenschule der Wiener Arbeiterkammer. Wien 1922. 40 S. Die Bedeutung der Wirtschaftspolitik für die Arbeiterbewegung. In: Arbeit und Wirtschaft, 1.7.1923, S. 465–470. Die Entwicklung der Sozialpolitik. In: Arbeit und Wirtschaft, 1.6.1924, S. 443. Sozialpolitik und Arbeiterschaft. Verlag Braumüller, Wien 1930.
Literatur Helmut Konrad, Wolfgang Maderthaner (Hrsg.): Neuere Studien zur Arbeitergeschichte. Bd. 1 – Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Europaverlag. Wien 1984. Darin: Walter Euchner: Integration oder Gegenmacht? Sozialdemokratische Konzeptionen zur Institutionalisierung der Beziehungen von Kapital und Arbeit in der Weimarer Republik und in Deutschösterreich. S. 117–142. Karl R. Stadler (Hrsg.): Ferdinand Hanusch. Ein Leben für den sozialen Aufstieg (1866–1923). In: Schriftenreihe des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Geschichte der Arbeiterbewegung. Nr. 3. Europaverlag, Wien 1973. 109 S.
Weblinks Arbeiterkammern: 1918–1933: Gründung & erste Erfolge Wiener Arbeiterkammer und Sozialversicherungsinstitute auf der Ausstellung Wien und die Wiener 1927
Einzelnachweise
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