Vladimir Roy Cerrón Rojas (* 16. Dezember 1970 im Distrikt Ahuac, Provinz Chupaca, Region Junín, Peru) ist ein peruanischer Neurochirurg und Politiker. Von 2011 bis 2014 sowie im Jahre 2019 war er Gouverneur der Region Junín, musste dieses Amt jedoch aufgrund einer Verurteilung wegen Korruption niederlegen.. Gestión, 20. August 2019. Er ist Mitgründer und derzeitiger Generalsekretär der politisch links orientierten Partei Perú Libre, die seit 2021 mit Pedro Castillo den Präsidenten stellte, bis dieser am 30. Juni 2022, rund 5 Monate vor seiner Amtsenthebung, aus der Partei austrat.
Leben Vladimir Cerrón Rojas wurde 1970 in Ahuac in der Region Junín als Sohn der beiden Hochschullehrer Jaime Cerrón Palomino und Bertha Rojas López geboren.Vladimir Roy Cerrón Rojas. Partido Político Nacional Perú Libre, 2020, abgerufen am 15. Oktober 2021. Sein Onkel, Bruder seines Vaters, ist der Quechua-Hochschullehrer und Wanka-Experte Rodolfo Cerrón Palomino.Juan Diego Quesada: El enigma Cerrón, la presencia incómoda de Pedro Castillo. El hombre que impulsó al nuevo presidente de Perú y el dueño de su partido político puede convertirse en un obstáculo para su Gobierno. Los 37 congresistas que tiene la formación se dividen entre afines a uno u otro. El País, 26. Juli 2021.
Vladimir ging an die Primarschule Sebastián Lorente in Huancayo und die Sekundarschule Colegio Nacional Santa Isabel in derselben Stadt. Danach begann er ein Studium der Elektrotechnik an der Universidad Nacional del Centro del Perú (UNCP) und gleichzeitig des Bauingenieurwesens an der Universidad Peruana Los Andes (UPLA).
Zu dieser Zeit war sein Vater Jaime Philosophieprofessor und Vizerektor für akademische Angelegenheiten an der UNCP. Dieser befand sich in der Zeit des Bewaffneten Konfliktes in Peru als beliebter linker Hochschullehrer und Autor marxistischer Literatur im Fadenkreuz der Rechten, und von staatlicher Seite wurden ihm Verbindungen zu Sendero Luminoso vorgeworfen, ohne dass es je Beweise dafür gab. Am 8. Juni 1990 wurden Jaime Cerrón und sein Chauffeur Armando Tapia von uniformierten Männern entführt und am 19. Juni 1990 ihre verstümmelten Leichen gefunden.Guillermo D. Olmo: Vladimir Cerrón, el polémico neurocirujano que se ha convertido en actor clave de la política peruana. BBC News Mundo, 25. August 2021.Informe Final de la Comisión de la Verdad y Reconciliación: 2.21. La Universidad Nacional del Centro. Lima 2003, S. 661–696, hier S. 676, 686.Comisión de la Verdad y Reconciliación: 3. Caso: Jaime Cerrón Palomino, testimoniante: Tomás Arauco Pariona (testimonio). Lima, Zeugnis vom 30. Oktober 2002. Das Verbrechen, das in der ersten Regierungszeit des APRA-Parteimitglieds Alan García als Staatspräsident stattfand, blieb bis zum heutigen Tag unaufgeklärt – nach Überzeugung von Vladimir Cerrón auf Grund einer entsprechenden staatlichen Politik.Vladimir Roy Cerrón Rojas: Jaime Cerrón Palomino – 28 años de un crimen impune perpetrado por el APRA. Perú Libre, 30. Juni 2020.Vladimir Roy Cerrón Rojas: El inmarcesible Jaime Cerrón Palomino – A 20 años de su desaparición física, un crimen que aún permanece impune. Perú Libre Carhuacayan, Mai 2010. Seine Mutter Bertha Rojas López sagte später vor der Kommission für Wahrheit und Versöhnung über die Entführung und Ermordung Jaime Cerróns aus. Vladimir Cerrón konnte im Klima der Todesangst nach der Ermordung seines Vaters nicht mehr weiter an der UNCP studieren und brach sein Studium in Huancayo ab.
Vladimir Cerrón gelang es mit Unterstützung seiner Mutter, in Lima ein Stipendium für ein Studium im Ausland zu erhalten. Er ging nach Kuba und studierte dort Medizin am Instituto Superior de Ciencias Médicas Carlos J. Finlay in Camagüey, heute Universität für medizinische Wissenschaften, wo er 1997 den medizinischen Doktortitel erlangte. Mit einem weiteren Stipendium war er am Hospital Universitario Manuel Ascunce Domenech in Camagüey tätig und spezialisierte sich in Neurochirurgie, worin er 2002 den Titel als Spezialist Ersten Grades als Neurochirurg erhielt. In Kuba lernte er die Kubanerin Lissette Paez kennen, mit der er den Bund der Ehe schloss und die später Peruanerin wurde. In Kuba festigte er auch seine sozialistischen Überzeugungen und äußerte 2015, er habe dort viel von den Vorzügen gelernt, die das Land habe, und lobte Fidel Castro, der der Dritten Welt helfe und keine Fachleute von dort zum eigenen Nutzen weghole.
Er kehrte mit seiner kubanischen Ehefrau nach Peru zurück und war nunmehr als Neurochirurg an der Universidad Nacional Mayor de San Marcos (UNMSM) in Lima tätig, wo er 2009 den Magistertitel in Neurologie und 2010 einen weiteren Doktortitel erlangte. Danach nahm er eine Stelle als Neurochirurg am Nationalen Krankenhaus EsSalud in Huancayo an. Darüber hinaus wurde er Hochschullehrer an der Fakultät für Humanmedizin an der UNCP in Huancayo sowie an der Universidad Peruana Los Andes für die Fachgebiete Neuroanatomie, Neurophysiologie und Neurochirurgie.
Politische Laufbahn mini|Wahlkampagne von Perú Libre, 2014, in der Mitte Vladimir Cerrón 2005 trat Cerrón der Peruanischen Nationalistischen Partei bei, zog sich jedoch im Juli 2006 nach dem Misserfolg bei den Präsidentschaftswahlen aus der Partei zurück. Noch 2006 gründete er in der Region Junín die Organisation Frente Patriota Peruano, deren Politischer Sekretär er von April 2006 bis zu seinem Rücktritt im Mai 2007 war.
2006 kandidierte er erstmals bei den Regionalwahlen in Junín als Kandidat der Peruanischen Patriotischen Front für das Amt des Gouverneurs der Region und erreichte mit 16,429 % der Stimmen den dritten Platz.
Im August 2007 gründete er die Regionale Politische Bewegung Freies Peru (Movimiento Político Regional Perú Libre), deren Generalsekretär er in der Region Junín bis zu seinem Rücktritt im Januar 2013 war. Bei den Regionalwahlen in Junín 2010 kam er als Kandidat für das Amt des Gouverneurs auf 172.979 Stimmen oder 33,427 % und somit auf den ersten Platz, weshalb er am 1. Januar 2011 Gouverneur von Junín wurde. Am 26. Januar 2011 wurde er darüber hinaus in Lima zum Vorsitzenden der Nationalen Versammlung der Regionalregierung gewählt.
Im Februar 2012 gründete er die Partei Perú Libertario, deren Generalsekretär in Junín er bis Mai 2018 war.
Bei den Regionalwahlen 2014 trat er für die Regionale Politische Bewegung Freies Peru für eine zweite Amtszeit als Gouverneur an, kam jedoch mit 26,303 % nur auf den zweiten Platz hinter Ángel Unchupaico, gegen den er im zweiten Wahlgang mit 46,888 % der Stimmen verlor.
2016 ließ sich Cerrón als Kandidat von Perú Libertario für das Amts des Staatspräsidenten bei den Wahlen in Peru 2016 registrieren, zog jedoch seine Kandidatur aus Protest zurück, nachdem Keiko Fujimori als Kandidatin zugelassen worden war.Vladimir Cerrón desiste de participar en elecciones presidenciales. Andina, 24. März 2016.
Bei den Regionalwahlen in Junín trat er 2018 abermals für das Gouverneursamt an und wurde mit 216.644 Stimmen oder 36,888 % erneut zum Gouverneur ab 1. Januar 2019 gewählt. Noch im ersten Amtsjahr seiner zweiten Amtszeit, die eigentlich bis zum 31. Dezember 2022 dauert, wurde er am 20. August 2019 durch den Regionalrat auf Grund einer Verurteilung wegen Korruption während seiner ersten Amtszeit im Rahmen von Kanalisationsarbeiten in La Oroya seines Amtes enthoben.. El Comercio, 20. August 2019.
In seiner zweiten Amtszeit als Gouverneur der Region Junín kritisierte Vladimir Cerrón den fehlenden Unterricht in indigenen Sprachen in Junín, so auch des in Cerróns Heimatort Ahuac traditionell gesprochenen Wanka-Quechua: „Im Mantaro-Tal unterrichtet niemand Quechua. In der Zone des Urwalds unterrichtet niemand Asháninka“. Nach einer Recherche wurde ihm vom Medienportal Ojo público widersprochen: Laut Informationen der regionalen und lokalen Bildungsinstitutionen (Héctor Chávez Melchor, Direktor der regionalen Bildungsverwaltung Dirección Regional de Educación de Junín sowie Unidades de Gestión Educativa Local, UGEL) gebe es im Mantaro-Tal (Jauja, Huancayo, Concepción und Chupaca) 241 Lehrer in der interkulturellen zweisprachigen Erziehung (IZE, spanisch EIB), wenn auch die IZE erst in der Phase der Implementierung sei und es noch an Lehrern mangele. Zudem gebe es im Dezember 2018 im Mantaro-Tal 3539 zweisprachige Lehrer. Vladimir Cerrón wiederum entgegnete, dass die Bedingungen eines wirklich zweisprachigen Unterrichts nicht erfüllt würden, da die Lehrer nicht wirklich Quechua könnten und nichts daran außer der Bezeichnung „zweisprachig“ sei. Seine Informationen stützte er auf Gespräche vor Ort während seiner Wahlkampagne. Ojo público bezeichnete seine Aussage dagegen als „falsch“.Verdadero o Falso | Vladimir Cerrón: “En el Valle del Mantaro nadie enseña quechua, en la zona de la selva nadie enseña asháninka” – FALSO. RPP, 21. Februar 2019.
2019 nahm Cerróns Partei Perú Libertario den Namen Perú Libre an. Im Oktober 2020 meldete die Partei Pedro Castillo als Präsidentschaftskandidaten und Dina Boluarte als Kandidatin für das erste Vizepräsidentenamt, Vladimir Cerrón dagegen für das zweite Vizepräsidentenamt bei den Wahlen in Peru 2021 an. Er wurde jedoch von der Nationalen Wahlkommission (JNE) wegen seiner Gefängnisstrafe von den Wahlen ausgeschlossen.
Politische Positionen Vladimir Cerrón charakterisiert seine Partei Perú Libre, deren Generalsekretär er ist, als links-sozialistisch, marxistisch-leninistisch und mariateguistisch. Er streicht heraus, dass die Partei ihren Ursprung in der Provinz habe (gegründet wurde sie von Cerrón in der Region Junín, wo er Gouverneur war) und damit das „tiefe Peru“ (Perú profundo) vertrete, weshalb sie sich für die bedürftigsten Bevölkerungsgruppen einsetze. Er grenzt Perú Libre von anderen als politisch links geltenden Formationen ab, so vom als Partei organisierten Bündnis Juntos por el Perú und der dort mitarbeitenden Organisation Nuevo Perú wie auch von der Wahlkoalition Frente Amplio, die ihren Ursprung in der Hauptstadt hätten und deshalb das offizielle Peru verträten.Vladimir Roy Cerrón Rojas: Diferencias entre Perú Libre, Nuevo Perú y Frente Amplio. Perú Libre (offizielle Website), 18. Februar 2021.
In der Regierungszeit von Pedro Pablo Kuczynski kritisierte Cerrón gemeinsam mit seinem Parteifreund und einstigen Bürgermeister Limas Ricardo Belmont scharf die Politik des Präsidenten, die Immigration aus Venezuela nach Peru zu erleichtern: „Es ist für niemanden ein Geheimnis, dass die plötzliche Immigration eine Bedrohung für jeden Staat der Welt ist.“Vladimir Cerrón respalda a Belmont en su discurso sobre los venezolanos. La República, 27. August 2018. Para nadie es un secreto que la inmigración súbita es una amenaza para cualquier estado en el mundo.
In Bezug auf LGBTI äußerte er: „Wir sind dazu verpflichtet, alle Teile der Gesellschaft zu respektieren.“ Homosexuelle dürften sich nicht gegenüber Minderjährigen exponieren. „[Vor Kindern v]on fünf bis elf Jahren sind sie eine Maschinerie des Nachmachens.“ Er stimme in Bezug auf dieses Thema mit dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Wladimirowitsch Putin überein. Cerrón hat sich gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und das Recht gleichgeschlechtlicher Paare auf Adoption ausgesprochen. Schuld an der „Gender-Ideologie“, wie sie in den Schulen verbreitet werde, habe der „neoliberale Kapitalismus“.
Die vor allem im städtischen Milieu Limas verankerten linksliberalen Kräfte distanzieren sich von Cerrón. Die peruanische Politologin Denisse Rodríguez-Olivari schreibt hierzu: „Cerrón und Perú Libre vertreten eine sehr konservative Linke, weit entfernt von der städtischen Linken und offener im Sozialen anderer Möglichkeiten“.Denisse Rodríguez-Olivari, in: Guillermo D. Olmo: Vladimir Cerrón, el polémico neurocirujano que se ha convertido en actor clave de la política peruana. BBC News Mundo, 25. August 2021. Cerrón y Perú Libre representan una izquierda muy conservadora, lejos de la izquierda urbana y más abierta en lo social de otras opciones.