Ostramondra ist eine Gemeinde im Landkreis Sömmerda in Thüringen. Sie gehört der Verwaltungsgemeinschaft Kölleda an, die ihren Verwaltungssitz in der Stadt Kölleda hat.
Geografie Ostramondra liegt am Südrand der Finne zwischen Thüringer Pforte und dem nördlichsten Weinanbaugebiet Freyburg (Unstrut). Zu Ostramondra gehört der Ortsteil Rettgenstedt. Durch Ostramondra verläuft der Bach Schafau, in den der Litterbach von Norden kommend einmündet.
Geschichte Erstmals wurde Ostramondra im Jahr 876 erwähnt. Der Ort gehörte zur Grafschaft Stolberg in Lehnschaft der Herzöge von Sachsen. Die Grafen zu Stolberg belehnten Hans Knauth 1461 mit Schloss Ostramondra samt Rittergut, Ort und Gerichtsbarkeit. Die adlige Familie Knauth hatte Ostramondra bis 1596/1612 im Lehnsbesitz. Es folgten als Besitzer von Schloss und Rittergut die Tangels, ab 1708 Heinrich von Bünau, ab 1770 von Sperling, ab 1829 Schubart sowie dessen Enkel von Müller-Schubart. Aus dieser Familie heiratete eine Tochter in die Familie von Krosigk ein.
Im April 1945 besetzte die US-Armee den Ort. Auch das Schloss wurde besetzt und der letzte Gutsherr Karl-Dedo von Krosigk (1889–1975) und dessen Schwester Elisabeth (1892–1946) ausquartiert. Nachdem die Amerikaner Anfang Juli 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht abgelöst worden waren, wurden die Krosigks entschädigungslos enteignet.
Das Wasserschloss stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde nach 1829 ausgebaut. Das Rittergut umfasste 438 ha und besteht aus sehr großen und soliden Wirtschaftsgebäuden. Zur Zeit der DDR beherbergte es eine große Schafzucht. 2010 standen die Gebäude weitgehend leer. Das Schloss ist restauriert und befindet sich mit Park in Privatbesitz.
Während des Zweiten Weltkrieges mussten 245 Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer aus Russland, Polen, der Ukraine, Frankreich und Italien Zwangsarbeit auf dem Rittergut und bei Bauern Zwangsarbeit leisten.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 272.
Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl: 1994 – 632 1995 – 627 1996 – 623 1997 – 616 1998 – 614 1999 – 615 2000 – 613 2001 – 610 2002 – 608 2003 – 594 2004 – 591 2005 – 574 2006 – 581 2007 – 588 2008 – 575 2009 – 582 2010 – 581 2011 – 533 2012 – 528 2013 – 503 2014 – 497 2015 – 478 2016 – 463 2017 – 471 2018 – 474 2019 – 476 2020 – 476 2021 – 466 2022 – 459 2023 – 437 2024 – 437
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat aus Ostramondra setzt sich aus 6 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen. HV 1 Sitz FFW 2 Sitze Schützen 1 Sitz Tanzgruppe 1 Sitz Sportverein 1 Sitz
(Stand: Kommunalwahl am 26. Mai 2019)
Wappen Blasonierung: „In Grün schräg gekreuzt ein gestürztes goldenes Schwert und ein goldener Palmzweig, darüber eine silberne Lilie, darunter eine silberne Flachsblüte.“
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Die Bundesstraße 176 führt durch den Ort. Die nördlich vorbeiführende Finnebahn Laucha–Kölleda, die an der Ostramondra einen Haltepunkt besaß, ist nicht mehr in Betrieb. Auf der stillgelegten Strecke verläuft heute der Finne-Wanderweg.
Wasserver- und Abwasserentsorgung Die Aufgabe der Wasserversorgung hat die Gemeinde auf den Trinkwasserzweckverband „Thüringer Becken“ übertragen.Übersicht der Mitglieder des Trinkwasserzweckverbands „Thüringer Becken“ Die Aufgabe der Abwasserbeseitigung nimmt der Abwasserzweckverband „Finne“ im Auftrag der Gemeinde wahr.Übersicht der Mitglieder des Abwasserzweckverbandes „Finne“
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Wasserschloss Ostramondra mit Park Evangelische Schlosskirche St. Marien Wirtschaftsgebäude des früheren Rittergutes Evangelische Pfarrkirche St. Bonifacius im Ortsteil Rettgenstedt Hofanlagen und -portale
Museum Heimatstube
Denkmäler Grabmal des Gutsherrn und preußischen Generalmajors Dedo von Krosigk (1856–1924) unter einer Baumgruppe östlich des Gutsparks
Persönlichkeiten Georg Friedrich Kauffmann (1679–1735), Organist und Komponist des Barock Hans Rudolf von Bischoffwerder (1741–1803), Berater Friedrich Wilhelms II. von Preußen Johann Wilhelm Fuhrmann (1750–1780), evangelischer Theologe und Hochschullehrer an der Universität Kiel Dedo von Krosigk (1856–1924), Gutsherr, preußischer Generalmajor, Rechtsritter des Johanniterordens Kurt Ritter (1909–1944), Kommunist und Widerstandskämpfer
Einzelnachweise
Weblinks
Website der Gemeinde Ostramondra Website der Verwaltungsgemeinschaft
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