Die Schönfließer Brücke in Berlin-Prenzlauer Berg ist eine 1964 errichtete Fußgängerbrücke über die Berliner Ringbahn. Sie steht am Ort einer im Zweiten Weltkrieg zerstörten Straßenbrücke zwischen Sonnenburger und Schönfließer Straße. Benannt wurde die Brücke 1912 nach der Stadt Bad Schönfließ in Westpommern. Der Berliner Senat plant, die bestehende Brücke durch eine voll nutzbare Straßenbrücke, die 2029 eröffnet werden soll, zu ersetzen.

Lage Die Schönfließer Brücke überquert den nördlichsten Punkt der Berliner Ringbahn. Sie verbindet die südlich von ihr gelegene Sonnenburger Straße im Gleimviertel mit der Schönfließer Straße im Nordischen Viertel (Ortsteil Prenzlauer Berg im Bezirk Pankow). Wenige Meter westlich an der Dänenstraße liegt die katholische Kirche St. Augustinus, etwas nördlich der Arnimplatz. Südlich der Brücke befindet sich wenige Schritte entfernt das 1926 errichtete Umspannwerk Humboldt an der Kopenhagener Straße.

Geschichte Straßenbrücke 1912–1944 mini|links|Nördlicher Teil der Brücke, 1913

1908 fertigte das Berliner Tiefbauamt unter Stadtbaurat Friedrich Krause Pläne für eine Überquerung der Ringbahn an,Friedrich Krause: Erläuterungsbericht zum Bau einer Brücke im Zuge der Schönfließer und der Sonnenburger Straße. Berlin, im November 1908. In: Stadt Berlin, Vorlagen für die Stadtverordnetenversammlung von Berlin: 84. Vorlage betreffend Erbauung einer Brücke über die Ringbahn im Zuge der Schönfließer und der Sonnenburger Straße. Band Nr. 9, Berlin 27. Januar 1909, S. 112–113. (Digitalisat bei der: zlb.de) Architekt Alfred Grenander entwarf die Brückengeländer.Magistrat von Berlin: Gemeinde-Blatt. 53. Jahrgang, Berlin 1. Dezember 1912, S. 530. Verzögert durch fehlende Genehmigungen begannen die Bauarbeiten erst im August 1911, Oberbürgermeister Adolf Wermuth übergab die Brücke schließlich am 28. November 1912 dem Verkehr. Die Baukosten betrugen gut 280.000 Mark, heute entsprechend etwa Millionen Euro.Vorlagen für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin. Nr. 28, Berlin 26. Juni 1915, S. 441.

Die dreifeldrige Brücke maß knapp 51 Meter Länge und 25 Meter Breite, mit 15 Meter breiter Fahrbahn und fünf Meter breiten Gehwegen. Das Mittlere Feld oberhalb der Gleise überspannten sieben parallele Träger mit einer Weite von gut 31 Metern, gefertigt aus Stahl der Vereinigten Königs- und Laurahütte. Die verzierten Geländer an den Gehwegen waren mit 1,9 bis 2,1 Metern relativ hoch und mit engmaschig gerastertem Gitterblech versehen. Auf der südlichen Seite schlossen die Geländer direkt an die Hausfassaden der Sonnenburger Straße an.Friedrich Krause und Friedrich Hedde: Die Brückenbauten der Stadt Berlin seit dem Jahre 1897. Die Schönfließer Brücke. In: Zeitschrift für Bauwesen, Jahrgang 72, Heft 10–12, Ernst und Sohn, Berlin 1922, S. 316ff.

Am frühen Nachmittag des 27. Juni 1922 ereignete sich an der Schönfließer Brücke der schwerste Eisenbahnunfall in der Geschichte Berlins. Am Tag des Staatsaktes für den ermordeten Außenminister Walther Rathenau waren die Züge der Ringbahn überfüllt, zahlreiche Passagiere fuhren außen an den Waggons auf den Trittbrettern mit. Bei der Begegnung zweier Züge etwa dreißig Meter östlich der Schönfließer Brücke stürzten zahlreiche von ihnen auf die Gleisanlagen.Berliner Tageblatt: Das Eisenbahnunglück auf der Nordringstrecke. Der Schauplatz des Unglücks. 51. Jahrgang, Nr. 299. Morgenausgabe, 28. Juni 1922, Beiblatt. Verlag Rudolf Mosse, Berlin 1922, S. 5. (Digitalisat im Zeitungsinformationssystem der Staatsbibliothek zu Berlin: staatsbibliothek-berlin.de) 45 Menschen starben, zahlreiche wurden schwer verletzt.

mini|Zerstörte Brücke, 1954 Am Abend des 30. Januar 1944 wurde die Schönfließer Brücke bei einem britischen Luftangriff durch eine Sprengbombe zerstört.Laurenz Demps: Berichte der Hauptluftschutzstelle der Stadtverwaltung Berlin. Ch. Links, Berlin 2012. Spezialinventar von Kerstin Bötticher, S. 739. („Brücke über die Ringbahn im Zuge der Schönfließer- und Sonnenburger Straße durch Sprengbombe zerstört, Ringbahnverkehr unterbrochen.“) Die Fahrbahn des kleineren, südlichen Brückenfelds stürzte ein, der größere nördliche Brückenteil blieb stehen. Während der Schlacht um Berlin war die Brücke Ort tagelanger Gefechte zwischen der Roten Armee und Soldaten der Schutzstaffel (SS). Am 23. April 1945 setzten deutsche Soldaten das südwestlich angrenzende Wohnhaus in Brand.Annett Gröschner u. a.: Kriegspfad Berlin 1945. Kulturladen e. V., Berlin 1994, Blatt 8. (Broschüre der gleichnamigen Ausstellung im Prenzlauer Berg Museum, 1994)Reichsamt für Landesaufnahme: Meßtischblatt 3446, Gebäudeschäden im Gebiet der Stadt Berlin. Karte, Berlin 1945. Bei: deutschefotothek.deUnbekannter Fotograf: Fliegerschäden an der Brücke über die Ringbahn Schönfließer und Sonneburger Straße. Undatiert. Stadtmuseum Berlin: SM 2013-7954,36. (Foto der zerstörten Brücke und der angrenzenden südlichen Häuserruinen) Über einen provisorischen Steg auf der Südseite blieb die Brücke bis zu ihrem Abriss Mitte der 1960er Jahre für Fußgänger passierbar.Neue Zeit: Brückenbau über die S-Bahn Gleise. Neuer Fußgängerüberweg an der Sonnenburger Straße im Bau. 17. Jahrgang, Nr. 251, Berlin 26. Oktober 1961. S. 8.

Seit 1964: Neue Fußgängerbrücke Von 1961 bis 1964 Jahren wurde wenige Meter östlich der alten Brücke eine neue, kleinere Fußgängerbrücke gebaut. Das zunächst als Provisorium gedachte und auf zwanzig Jahre Lebensdauer ausgelegte Bauwerk wurde 1987 wegen der Elektrifizierung der Fernbahnstrecke zeitgleich höher gelegt und saniert. Seit den 2010er Jahren galt die Brücke erneut als sanierungsbedürftig und mit ihren 2,50 m Breite als zu schmal für das hohe Fußgänger- und Fahrradaufkommen. Ein vom Senat ursprünglich geplanter Neubau 2026 bis 2028 der Brücke für knapp vier Millionen Euro stellte sich im Zusammenhang mit Vorplanungen und Abstimmungen mit den Verkehrsträgern als zu kurzfristige Lösung heraus. Der neue Steg sollte an gleicher Stelle errichtet werden und sieben Meter breit werden.Berliner Senatsverwaltung für Finanzen: Investitionsprogramm des Landes Berlin für die Jahre 2023 bis 2027. Berlin 2023, S. 37. Bei: zlb.deberlin.de

Totaler Brückenneubau ab 2027 Nun plant die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Abteilung Tiefbau, eine vollständig neue Straßenbrücke. Die dafür nötigen 12 Millionen Euro kommen zu einem Drittel aus den Betrieben, deren Leitungen unter der Brücke geführt werden sollen, die restlichen acht Millionenen stellt der Bund aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität bereit. Zusammen mit der Deutschen Bahn AG (die die darunter verlaufende Ringbahn betreibt) ergab ein Planungswettbewerb, den das Stuttgarter Büro Werner Sobek gewonnen hat, nun folgende Ziele: eine 10,40 m breite und 47 Meter lange moderne Stabbogenbrücke soll bis zum Jahr 2029 fertiggestellt werden. Beidseitig werden 3,20 m breite Fußwege über die Brücke führen, die gegenüber der Fahrbahn um 50 bis 60 Zentimeter abgesenkt werden. Dazu soll im März 2027 der Bauauftrag vergeben werden, der Baubeginn wird zum Januar 2028 erwartet und noch im gleichen Jahr ist eine Teilinbetriebnahme vorgesehen. Der alte Steg soll Ende 2028 abgetragen werden. Peter Neumann: Kein Party-Hotspot, Berliner Zeitung, 25. Juni 2026, S. 5.

Literatur Friedrich Krause und Friedrich Hedde: Die Brückenbauten der Stadt Berlin seit dem Jahre 1897. Die Schönfließer Brücke. In: Zeitschrift für Bauwesen, Jahrgang 72, Heft 10–12, Ernst und Sohn, Berlin 1922, S. 316–319. Mit zahlreichen Abbildungen.

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Einzelnachweise

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