Die Grunion, auch USS Grunion (Kennung: SS-216), war ein dieselelektrisch angetriebenes Hochsee-U-Boot der United States Navy, welches im Zweiten Weltkrieg auf dem pazifischen Kriegsschauplatz zum Einsatz kam. Das U-Boot, benannt nach der Fischart Grunion, gehörte der Gato-Klasse an und wurde als 12. Einheit dieses Typs fertiggestellt. Es war die einzige Einheit der US-Marine, die bislang diesen Namen trug. Die Grunion wurde am 1. März 1941 auf der Werft der Electric Boat Corporation in Groton (US-Bundesstaat Connecticut) auf Kiel gelegt, lief am 22. Dezember 1941 vom Stapel und wurde schließlich am 11. April 1942 in Dienst gestellt. Das U-Boot geriet bereits auf seiner ersten Feindfahrt mit der gesamten Besatzung in Verlust, wobei die genauen Gründe lange Zeit unklar blieben und das Boot über Jahrzehnte hinweg als verschollen galt. Erst 2006 wurde das Wrack der Grunion nahe Kiska Island gefunden. Erster (und zugleich letzter) Kommandant des U-Bootes war Lieutenant Commander Mannert Lincoln Abele.

Dienstzeit

Nach der Indienststellung und dem Abschluss der Probefahrten in den Gewässern vor New London (Connecticut) am 18. Mai 1942 – hierbei wurden Tauchtests bis zu einer Tiefe von 315 Fuß (rund 96 Meter) durchgeführt, wobei es aber zu kleineren Wassereinbrüchen kam, was nachfolgend einen mehrtägigen Werftaufenthalt notwendig machte –, verlegte die Grunion ab dem 24. Mai 1942 nach Pearl Harbor. Die Fahrt führte zunächst entlang der Ostküste der Vereinigten Staaten nach Süden und via der Bahamas, Anfang Juni 1942 wurde der Panamakanal passiert.

Auf diesem Verlegungsmarsch in Richtung des Kanals rettete das U-Boot dabei am 31. Mai 1942 rund 120 Seemeilen südwestlich von Port-Salut (Haiti) 16 Überlebende des US-Army-Transportschiffes (USAT) Jack (2.622 BRT), das bereits am 27. Mai 1942 von dem deutschen U-Boot U 558 versenkt worden war. Die Grunion suchte danach noch einen Tag erfolglos nach weiteren Überlebenden. Die Geretteten wurden am 3. Juni 1942 auf der US-U-Boot-Basis Coco Solo an Land gesetzt und das U-Boot passierte im Anschluss den Panamakanal. Am 20. Juni 1942 traf die Grunion in Pearl Harbor ein und wurde, als Teil der Task Group 7.8.7, dort der Submarine Squadron (Subron) 4 der US-Pazifikflotte zugeteilt.

Erste Feindfahrt und Verlust

Am 30. Juni 1942 brach die Grunion zur ersten Feindfahrt auf, die Unternehmung sah Operationen gegen den japanischen Schiffsverkehr sowie Aufklärungsaufgaben im Seegebiet der westlichen Aleuten vor. Ab dem 10. Juli operierte das U-Boot dabei in den Gewässern vor Kiska Island. Hierbei gelangen dem U-Boot zwei Erfolge:

15. Juli 1942: Torpedierung und Versenkung der beiden japanischen U-Boot-Jäger Ch-25 und Ch-27 (je 438 ts) etwa drei Seemeilen nordnordöstlich von Kiska Island.Fock, Harald: Flottenchronik. Die an beiden Weltkriegen beteiligten aktiven Kriegsschiffe und ihr Verbleib. Koehlers Verlagsgesellschaft. Hamburg 2000, S. 179. Die beiden Schiffe fuhren in einem Verband von insgesamt drei U-Boot-Jägern (das dritte Fahrzeug, Ch-26, erlitt durch einen Torpedofrühdetonierer leichte Schäden), wobei Lieutenant Commander Abele aber irrtümlich davon ausging, einen Verband von Zerstörern vor sich zu haben. Obgleich Ch-26 die Untergangsstellen absuchte, konnten keine Überlebenden gefunden werden.

Im Anschluss operierte die Grunion weiter im Seegebiet um Kiska. Eine letzte Positions- und Lagerückmeldung des U-Bootes erfolgte am 30. Juli 1942. In dieser wurde erwähnt, dass es im betreffenden Seegebiet starke U-Jagd-Aktivitäten der japanischen Marine geben würde und dass der Bestand an Torpedos auf zehn abgesunken sei. Die Grunion erhielt daraufhin den Befehl, gemeinsam mit drei weiteren US-U-Booten, die ebenfalls vor den Aleuten operierten, zwecks Versorgung nach Dutch Harbor zu verlegen. Das U-Boot traf jedoch nie in Dutch Harbor ein, auch weitere Funkmeldungen erfolgten nicht mehr. An Bord der Grunion fanden Lieutenant Commander Abele und alle 69 Besatzungsangehörige den Tod, es gab keine Überlebenden. Am 2. November 1942 wurde das Boot aus dem Flottenregister gestrichen.

Ursachenforschung

Für mehr als 60 Jahre blieb unklar, was den Verlust der Grunion verursacht hatte und wo sich das Wrack befand. Das U-Boot galt nachfolgend mit der gesamten Crew als verschollen und wurde von der United States Navy am 5. Oktober 1942 offiziell für als in Verlust geraten eingestuft (irrtümlicherweise wird dieses Datum teils als eigentliches Verlustdatum genannt). (Nach anderen Quellen soll die Verlustbestätigung seitens der US-Marine bereits am 16. August 1942 erfolgt sein.Bendert, Harald: U-Boote im Duell. E. S. Mittler & Sohn. Hamburg 1996, S. 128.) Da die letzten Meldung der Grunion vom 30. Juli 1942 stammte und sich das U-Boot zu dieser Zeit vor den westlichen Aleuten aufhielt, wurde in Erwägung gezogen, dass das U-Boot eventuell von dem japanischen U-Boot I 25 (unter Kaigun-Shōsa Tagami Meiji), das zeitweise vor der Westküste der Vereinigten Staaten operierte, torpediert und versenkt worden sein könnte. Zumindest nehmen manche Quellen dies an.Fock: Flottenchronik, S. 238. Diese Vermutung wird jedoch zugleich auch verworfen,Bendert: U-Boote, S. 128. da sich I 25 zum (möglichen) Verlustzeitpunkt der Grunion Ende Juli 1942 bereits wieder in Japan befunden hatte.

Weitere Spekulationen über die Verlustursache beinhalteten, dass das U-Boot aufgrund einer Tauchpanne oder infolge eines Kontaktes mit einer treibenden Seemine gesunken sein könnte.

Durch Zufall ergab sich im Jahr 1998 eine erste Spur, als der US-amerikanische Marinehistoriker Lieutenant Colonel Richard Lane in den Besitz mehrerer Bilder und mit japanischen Schriftzeichen versehenen Zeichnungen kam, die das Wrack des japanischen Transporters Kano Maru (8.572 BRT) zeigten, der nach einem Torpedotreffer am 31. Juli 1942 vor der Küste von Kiska Island auf Grund gesetzt worden war. Lane veröffentlichte diese Skizzen auf einer japanischen Website für Marinegeschichte und bat um Unterstützung beziehungsweise das Verifizieren der Dokumente. Hierauf wurde er von dem japanischen Marinehistoriker Iwasaki Yutaka kontaktiert, der nicht nur die Echtheit der Zeichnungen bestätigte, sondern der anhand einer handgefertigten japanischen Skizze, die das Gefecht der Kano Maru mit einem U-Boot am 31. Juli 1942 beschrieb, auch angab, dass er wisse, was mit der Grunion geschehen sei.

Demnach habe die getaucht laufende Grunion am 31. Juli 1942, um 05:47 Uhr, die einzeln fahrende Kano Maru, die in der Nacht zuvor im Nebel den Kontakt zu ihrer Eskorte verloren hatte, nordöstlich von Kiska Island beziehungsweise etwa zehn Seemeilen nördlich von Segula Island mit einem Torpedofächer attackiert und einen Torpedotreffer erzielt, der den Steuerbordmaschinenraum aufriss (wobei zwei Besatzungsangehörige starben) und das Schiff zum Stoppen zwang. Zwei weitere Torpedoangriffe blieben infolge eines Versagens der Zündvorrichtungen der Torpedos erfolglos, worauf Lieutenant Commander Abele den Befehl zum Auftauchen gab, um das Schiff mit dem Deckgeschütz zu versenken (etwa gegen 05:57 Uhr). Die Kano Maru war jedoch selbst mit zwei alten 8-cm-MarinegeschützenEs handelte sich genau genommen um in Japan in Lizenz gefertigte britische 7,62-cm-Marinegeschütze von 1908, die die Bezeichnung Typ 41 führten und deren Kaliber mit 8 cm angegeben wurde, obgleich es nur 7,62 cm betrug. sowie mehreren Maschinengewehren bewaffnet und erwiderte das Feuer des achteraus passierenden US-U-Bootes, wobei insgesamt 84 Schüsse aus den 8-cm-Bordgeschützen abgegeben wurden.Stevens, Peter F.: Fatal Dive. Solving the World War II Mystery of the USS Grunion. Regnery Publishing, Inc. Washington 2012, S. 153. Obwohl allem Anschein nach keine Treffer auf der Grunion erzielt wurden,Stevens: Fatal Dive, S. 150. tauchte das U-Boot erneut, um sich der unerwartet heftigen Gegenwehr zu entziehen und um einen neuerlichen Torpedoangriff auszuführen. mini|links|Sonarbild des Wracks der Grunion (2007).

Auch wenn mit allerletzter Sicherheit nicht gesagt werden kann, was danach geschah, so ist die Theorie, die am ehesten akzeptiert wird, jene, wonach das U-Boot gegen 06:07 Uhr erneut einen Fächer aus drei Torpedos abfeuerte und dass einer dieser Torpedos als Kreisläufer (die beiden anderen Torpedos trafen nach japanischen Angaben die Kano Maru, explodierten jedoch erneut nicht) zum U-Boot zurückkam und die auf Sehrohrtiefe laufende Grunion entweder am Turm oder im Vorschiff traf. Für den Fall, dass der Treffer am Turm erfolgte, wird davon ausgegangen, dass dieser Torpedo zwar ebenso nicht explodierte, aber ein Leck riss und das Periskop zerschlug. Die relativ unerfahrene Besatzung der GrunionLieutenant Commander Abele galt zwar als erfahrener U-Boot-Kommandant, hatte aber bislang nur auf U-Booten der S-Klasse gedient, die nicht einmal halb so groß wie die Boote des Gato-Typs waren; für den Großteil der Besatzung war es die erste Feindfahrt überhaupt auf einem U-Boot. könnte darauf die Kontrolle über das U-Boot verloren haben, welches unter die Zerstörungstauchtiefe absank und schließlich vom Wasserdruck zerquetscht wurde. Die zweite Möglichkeit wäre, dass der Torpedo das Vorschiff getroffen hatte und dort explodiert war, was zum Abbrechen der Bugsektion und zum raschen Sinken führte. Der Umstand, dass der abgerissene Bug später knapp einen halben Kilometer vom Rumpf entfernt gefunden wurde und dass das U-Boot starke Zerstörungen im Vorschiff aufwies, könnte die zweite Theorie stützen (s. u.). Die Unzuverlässigkeit der vom U-Boot eingesetzten 53,3-cm-Torpedos vom Typ Mark 14, von mindestens sieben abgefeuerten Torpedos explodierten mindestens vier trotz eines klar bestätigten Treffers nicht, war zu diesem Zeitpunkt berüchtigt (siehe hierzu Torpedoskandal). Neben einem vergleichsweise häufigen Versagen der Zündpistolen kam es zu mindestens 22 (bekannt gewordenen) Kreisläufer-Vorfällen bei diesem Torpedo-Typ,Newpower, Anthony: Iron Men and Tin Fish: The Race to Build a Better Torpedo during World War II. Greenwood Publishing Group, Westport (CT) 2006, S. 12. was ebenso die Theorie eines Treffers durch einen eigenen Torpedo untermauern könnte. mini|links|Aufnahme der Hecksektion des Wracks (2007).

Die Suche nach dem Wrack