Oppenheimer ist ein biografischer Historienfilm von Christopher Nolan über die Lebensgeschichte des „Vaters der Atombombe“, J. Robert Oppenheimer. Das Drehbuch adaptierte Nolan auf Basis der Oppenheimer-Biografie von Kai Bird und Martin J. Sherwin. Der Film hatte seine Weltpremiere am 11. Juli 2023 in Paris. Er kam am 20. Juli in die deutschen und österreichischen und am darauffolgenden Tag in die US-amerikanischen Kinos.
Bei der Oscarverleihung 2024 erhielt Oppenheimer bei dreizehn Nominierungen sieben Auszeichnungen, unter anderem in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller und Bester Nebendarsteller.
Handlung Der Film erzählt in nichtlinearer Form die Geschichte Robert Oppenheimers, des wissenschaftlichen Leiters des Manhattan-Projekts zur Entwicklung der ersten Atombombe.Jordan Ruimy: Christopher Nolan’s ‘Oppenheimer’ Will Span Four Decades. In: worldofreel.com, 25. November 2022 (abgerufen am 26. November 2022). In Rahmenhandlungen wird durch eine Ausschussanhörung Oppenheimers 1954 und eine Senatsanhörung von Lewis Strauss 1959 immer wieder auf frühere Ereignisse in Oppenheimers Leben zurückgeblickt. Eine Besonderheit des Films ist, dass die Szenen aus Oppenheimers Sicht in Farbe, die aus Strauss' Sicht jedoch in Schwarz-Weiß gezeigt werden.
1926 studiert der 22-jährige Physiker Robert Oppenheimer, ein jüdischer Amerikaner, am Cavendish-Laboratorium, dem Institut für Physik an der englischen Elite-Universität Cambridge. Er wird aber trotz seines brillanten Verstandes eher belächelt als bewundert, Freunde hat er kaum. Einmal gerät er gar in Versuchung, dem ihm verhassten Dozenten Patrick Blackett einen vergifteten Apfel zu hinterlassen. Schließlich erhält er von dem Gastprofessor Niels Bohr den Ratschlag, an die Universität Göttingen zu gehen, wo insbesondere an dem für Oppenheimer interessanten Feld der Quantenmechanik geforscht wird. Während seiner Zeit in Europa schließt er Freundschaft mit dem Physiker Isidor Isaac Rabi und lernt auch Werner Heisenberg kennen.
Nach einigen Jahren kehrt Robert Oppenheimer in die Vereinigten Staaten zurück und lehrt an der University of California, wo er die in den USA bis dahin wenig beachtete Quantenphysik bekannter macht. Während dieser Zeit lernt er weitere Physiker wie Ernest Lawrence kennen, aber auch zwei Frauen, die sein Leben bestimmen: zunächst die Psychiaterin und überzeugte Kommunistin Jean Tatlock, mit der er eine mehrjährige Beziehung hat, und schließlich die Biologin und Ex-Kommunistin Kitty Harrison, die er 1940 heiratet. Während seiner Zeit in Berkeley freundet sich der politisch linke Oppenheimer mit mehreren Kommunisten an und wird Mitgründer einer Gewerkschaft für universitäre Mitarbeiter. Er selbst distanziert sich aber immer wieder vom Kommunismus.
Während des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) wird Oppenheimer von US-General Leslie R. Groves, dem militärischen Projektleiter für das Manhattan-Projekt, kontaktiert. Oppenheimer einigt sich mit Groves darauf, im US-Bundesstaat New Mexico die abgesicherte Stadt Los Alamos errichten zu lassen, in der die besten Wissenschaftler der Vereinigten Staaten an der Entwicklung der Atombombe arbeiten sollen. Oppenheimer soll die Leitung übernehmen. Er ist vor allem deshalb motiviert, da Heisenberg und weitere renommierte deutsche Physiker an einem Uranprojekt für die Nationalsozialisten arbeiten.
Rekrutiert werden für das Manhattan-Projekt unter anderem Kenneth Bainbridge, Richard Feynman, George Kistiakowsky, Hans Bethe, Edward Teller und Oppenheimers langjähriger Freund Rabi. Später können auch Ernest Lawrence und Niels Bohr für das Projekt gewonnen werden. Oppenheimers Bitte, seinen Bruder Frank in das Manhattan-Projekt einzubinden, wird vom Militär wiederholt abgewiesen. Frank war zeitweise Mitglied der Kommunistischen Partei der USA gewesen und gilt daher sicherheitstechnisch für das Militär als untragbar, da man fürchtet, er könne Geheimnisse über das Programm an die Sowjetunion verraten. Erst kurz vor der Fertigstellung der Atombombe reist Frank Oppenheimer schließlich doch an und unterstützt seinen Bruder bei den letzten Vorbereitungen. Oppenheimer ist durch das Projekt sehr beansprucht und für die psychisch angeschlagene Jean Tatlock bis auf ein letztes Treffen nicht erreichbar. Tatlock nimmt sich im Januar 1944 das Leben, was Oppenheimer schwer trifft.
Am 8. Mai 1945 endet in Europa der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation Deutschlands. Mehrere der an der Entwicklung der Atombombe beteiligten Wissenschaftler zweifeln nun an der Notwendigkeit der Entwicklung der Bombe. Dennoch gelingt die Fertigstellung; der Trinity-Test wird erfolgreich durchgeführt. Wenig später verkündet Präsident Harry S. Truman die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki sowie die Kapitulation Japans. Oppenheimer plagen bei dem Gedanken an die über Hunderttausend Toten Schuldgefühle. Er teilt wichtigen Politikern und Militärs seine Sorgen über die Existenz einer so tödlichen Waffe mit, stößt aber auf wenig Gehör. Präsident Harry S. Truman empfängt Oppenheimer im Weißen Haus und lobt ihn zunächst dafür, den Krieg beendet und die amerikanischen Soldaten nach Hause geholt zu haben. Als Oppenheimer seine Schuldgefühle wegen der vielen zivilen Opfer in Hiroshima und Nagasaki zum Ausdruck bringt, endet jedoch das Gespräch abrupt.
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg ist Oppenheimer ein berühmter und einflussreicher Mann, der unter anderem als Vorsitzender des Beratungskomitees der amerikanischen Atomenergiebehörde Atomic Energy Commission fungiert. In dieser Funktion setzt sich Oppenheimer etwa gegen den Bau der von Edward Teller geplanten Wasserstoffbombe ein. Doch im beginnenden Kalten Krieg mit der Sowjetunion ist die amerikanische Politik nur an Aufrüstung interessiert und Oppenheimer wird zusehends als Störenfried gesehen.
1954 wird Oppenheimer eine neue Sicherheitsfreigabe verweigert, die benötigt wird, um auf viele der wichtigen und streng geheimen Informationen über das amerikanische Atomwaffenprogramm zugreifen zu können. Oppenheimer setzt sich einem für diese Angelegenheit gebildeten Ausschuss aus, um die Sicherheitsfreigabe doch noch zu erhalten. Es ist die Zeit der McCarthy-Ära und Oppenheimer werden seine Freundschaften und Kontakte mit Kommunisten vorgeworfen, teils wird ihm angedeutet, er sei selbst ein Kommunist. Hierbei fallen etwa die Namen von Jean Tatlock und seinem Bruder Frank. Ebenso hatte sich Klaus Fuchs, ein ehemaliger Mitarbeiter des Atomprogramms, als Spion für die Sowjetunion herausgestellt. Mehrere ehemalige Weggefährten wie Teller distanzieren sich vor dem Ausschuss von Oppenheimer. Am Ende ist der Ausschuss zwar von Oppenheimers Loyalität gegenüber den Vereinigten Staaten überzeugt, entscheidet sich aber wegen seines mangelnden Urteilsvermögens über die Vertrauenswürdigkeit der Mitarbeiter des Manhattan-Projekts mit zwei zu einer Stimme, Oppenheimer die Sicherheitsfreigabe zu entziehen.
Der ehemalige Leiter der Atomenergiekommission Lewis Strauss erklärt während der Senatsanhörung einem Mitarbeiter, dass er gegen Oppenheimer intrigiert habe. Oppenheimer habe ihn in einer Sitzung indirekt der Lächerlichkeit preisgegeben und ihn ein anderes Mal bei Albert Einstein schlechtgeredet. Des Weiteren habe er sich geweigert, der Entwicklung der H-Bombe zuzustimmen, an der Teller bereits forschte. Strauss sorgte dafür, Oppenheimer die Sicherheitsfreigabe zu entziehen, und ließ auch den extra gebildeten Ausschuss so besetzen, dass Oppenheimer keine Chance hatte. Jedoch rächen sich die Aktionen von Strauss, als ihm 1959 schließlich vor allem aufgrund seines Umgangs mit Oppenheimer die Bestätigung seines Amtes als Handelsminister verweigert wird, unter anderem von dem jungen Senator John F. Kennedy.
Oppenheimer hat nach 1954 einen Großteil seines politischen Einflusses verloren und kehrt in die Forschung zurück. 1963, vier Jahre vor seinem Tod, erhält er von Präsident Lyndon B. Johnson den Enrico-Fermi-Preis und ist dadurch zumindest teils wieder politisch rehabilitiert. An seiner Seite ist Kitty; die Ehe der beiden hat trotz einiger Streitereien und seiner Affäre mit Jean Tatlock alle Krisen überstanden.
In den letzten Szenen des Films wird offenbart, was Oppenheimer und Einstein besprachen, kurz bevor Strauss sich zu ihnen gesellte. Dabei ging es tatsächlich nicht um Strauss, sondern um die Frage, ob der erfolgreiche Trinity-Test eine unkontrollierte Kettenreaktion in Gang setzen und so die ganze Welt in Brand hätte setzen können. Oppenheimer befürchtet, dass genau dies geschehen sei (wenn auch anders als ursprünglich gedacht). Während Einstein sich entfernt, bleibt Oppenheimer zurück, gequält von der Vision einer von nuklearen Explosionen betroffenen Welt.
Produktion Vorgeschichte mini|hochkant|Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Christopher Nolan (2018) Im September 2021 wurde erstmals bekannt, dass Nolans nächstes Filmprojekt in Arbeit sei, das sich um den Wissenschaftler J. Robert Oppenheimer drehen solle.
Aufgrund seiner angespannten Beziehung zu Warner Bros., das seine vorherigen Filme finanziert und vertrieben hatte, wandte sich Nolan für das Projekt an mehrere Filmstudios, darunter Sony Pictures, Universal Pictures, Paramount Pictures und Apple Studios. Insidern zufolge schied Paramount schon früh aus der Auswahl aus, nachdem der CEO und Vorsitzende Jim Gianopulos durch Brian Robbins, einen Befürworter von Streamingdiensten, ersetzt worden war. Zu Nolans Forderungen gehörten ein Produktionsbudget von 100 Millionen US-Dollar und ergänzend dazu ein entsprechendes Marketingbudget, eine Kinolaufzeit von mindestens 100 Tagen, Gewinnbeteiligung in Höhe von 20 Prozent der Bruttofilmeinnahmen und dass der Verleih drei Wochen vor und drei Wochen nach der Veröffentlichung des Films keinen weiteren Film veröffentliche. Im September 2021 wurde vermeldet, dass Universal den Zuschlag erhalten habe.
Im Oktober 2021 wurden neben dem Titel auch Jennifer Lame, Ludwig Göransson und Hoyte van Hoytema als erneutes Team hinter der Kamera bekanntgegeben. Als Executive Producer fungierte zudem der Schauspieler James Woods.
Casting und Besetzung
Die Hauptrolle übernahm Cillian Murphy, der damit zum sechsten Mal mit Nolan zusammenarbeitete und zum ersten Mal eine Hauptrolle bei ihm übernahm. Zur Vorbereitung las sich Murphy in das Leben Oppenheimers ein, wobei er ebenso Inspiration vom Auftreten David Bowies in den 1970er Jahren bezog. Der Casting-Prozess verlief geheim, und einige Schauspieler erfuhren erst bei Vertragsunterzeichnung, welche Rolle sie spielen würden. Emily Blunt, Robert Downey Jr. und Matt Damon akzeptierten Gagen in Höhe von je 4 Millionen US-Dollar anstelle der für sie üblichen 10 bis 20 Millionen US-Dollar je Film. Im November 2021 wurden Rami Malek, Benny Safdie und Florence Pugh für Oppenheimer besetzt, und im Januar 2022 wurde das Mitwirken von Josh Hartnett und Jack Quaid öffentlich, ehe im Februar 2022 zudem Dane DeHaan, Dylan Arnold, Olli Haaskivi, Matthew Modine, Kenneth Branagh, Alden Ehrenreich, David Krumholtz und David Dastmalchian als Besetzung bekannt gegeben wurden. Weitere Bekanntgaben verkündeten das Mitwirken von James D’Arcy, Michael Angarano, Jason Clarke, Louise Lombard, David Rysdahl, Guy Burnet, Danny Deferrari sowie Josh Peck, Harrison Gilbertson, Emma Dumont, Matthias Schweighöfer, Gustaf Skarsgård, Devon Bostick, Tony Goldwyn und Trond Fausa Aurvåg. Im April 2022 ergänzten Olivia Thirlby, Christopher Denham, Josh Zuckerman und Gary Oldman den Cast. Abgerundet wurde das Ensemble durch Tom Conti, Jefferson Hall, Macon Blair, Harry Groener, Jack Cutmore-Scott, James Remar, Gregory Jbara, Tim DeKay und James Urbaniak sowie John Gowans, Will Roberts, Máté Haumann, Pat Skipper und Ted King. Michael Caine war hingegen zum ersten Mal seit Jahren an einem Nolan-Film nicht beteiligt.
Dreharbeiten