mini|3D-Ansicht des digitalen Geländemodells Die Burg Stein ist eine abgegangene Höhenburg auf in Nordwestthüringen oberhalb des Orts Lengenfeld unterm Stein im Unstrut-Hainich-Kreis.

Geographische Lage Die Burg Stein befand sich auf dem Schlossberg unmittelbar nordwestlich von Lengenfeld etwa 15 km westlich von Mühlhausen und 10 km östlich der hessischen Kreisstadt Eschwege. Der komplett bewaldete Schlossberg () ist ein spornartiger Ausläufer der obereichsfelder Muschelkalkplatte am Uhlenstein (). Die Burganlage selbst lag auf der äußersten Südwestspitze des Berges, die steilen Berghänge führen ins Effeldertal im Südosten, Friedatal im Süden und Bilztal im Nordwesten und Norden. Südlich am Fuße des Berges verläuft die Eisenbahnstrecke der ehemaligen Kanonenbahn, die heute als Draisinenstrecke genutzt wird und das im 18. Jahrhundert erbaute Schloss Bischofstein.

Von einer kleinen Abbruchkante an der Unteren Burg hat man eine Aussicht übers Friedatal bis zur Plesse und den Hülfensberg.

Geschichte Das Gebiet um die Burg Stein war im Mittelalter eng mit der Windischen Mark verbunden, gehörte zur Germarmark und geriet somit in Besitzansprüche zwischen den Landgrafen von Thüringen und den Grafen von Northeim eichsfeld-archiv.de und nachfolgend zwischen den Landgrafen von Hessen, den Herzögen von Braunschweig und den Mainzer Erzbischöfen. Besitzer der Gegend im 11. Jahrhundert waren die Gisonen; mit dem Tode von Hedwig von Gudensberg fiel das Erbe der Gisonen 1148 an ihren Ehemann Ludwig, den Landgrafen von Thüringen.

Die Burg wurde vermutlich Anfang des 12. Jahrhunderts erbaut, die Größe der Anlage aber lässt eine ältere befestigte Vorgängeranlage aus dem 10./11. Jahrhundert vermuten. Paul Grimm, Wolfgang Timpel: Die ur- und frühgeschichtlichen Befestigungen des Kreises Mühlhausen. Mühlhausen 1972, S. 23 Schriftlich erwähnt wurde sie als Burg erstmals 1298 als castrum Steyn.Johann Wolf: Politische Geschichte des Eichsfeldes. Göttingen 1793, Band 2, 3. Abschnitt, Seite 3: "castrum Stein situm apud cenobium Sanktimonialium dictus Celle" Anfangs erscheint nur der Name „Stein“, der aber auch bei anderen Burgen in Westthüringen und Nordosthessen vorkommt (Schloss Altenstein) und deshalb nicht immer der später Bischofstein genannten Burg zuzuordnen ist. Aber schon vorher weisen einige Urkunden auf die Burg hin.

Wahrscheinlich wohnte bereits ein Tuto de Lapide 1234 auf dem Felsen über Lengenfeld. 1269 wird in einer Verkaufsurkunde über 4 Hufen Wald bei Gozrode der Pfarrer von Lapide als Zeuge erwähnt, dabei kann es sich nur um den Pfarrer der Kirche der Stadt Stein gehandeldt haben. Mitte des 13. Jahrhunderts muss die Burg bereits im Besitz von Kurmainz gewesen sein, denn Erzbischof Gerhard I. von Mainz übertrug 1251 die Burg dem Edelherren Gottschalk von Plesse zur Bewachung und Verwaltung aller Zubehörungen. Im Zusammenhang mit dem Thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg (1247 bis 1264) brachten die Herzöge von Braunschweig mehrere Orte im Werratal in ihren Besitz, darunter auch die Burg Stein. Nach dem Tod des Erzbischofs Gerhard (1251–1259) musste Gottschalk von Plesse die Burg an Herzog Albrecht von Braunschweig verkaufen. In einem Vertrag von 1264 musste der Herzog acht befestigte Plätze im Werratal an den hessischen Landgrafen Heinrich I. abtreten, nicht aber die Burg Stein. Der nachfolgende Erzbischof Werner (1259–1284) habe die Burg ebenfalls zurückgefordert, aber nicht erhalten.

1282 wurde ein Hugo als advocatus in Lapide erwähnt und 1288 ein Verwalter Arno von Heimberg; sie waren somit braunschweigische Amtleute. 1298 gelobten Landgraf Dietrich von Thüringen und Graf Bertold von Henneberg dem Erzbischof und Kurfürsten Gerhard (1288–1305) von Mainz mit Hilfe des Königs, Herzog Albrecht zum Verzicht auf Thüringen und die Burg Stein zu veranlassen.RIplus Regg. EB Mainz 1,1 n. 558, in: Regesta Imperii Online, (Abgerufen am 23. April 2020) Im Jahr 1305 kam es zu einem Vertrag zwischen den Gefolgsleuten Herzogs Albrecht von Braunschweig und des Landgrafen von Thüringen. Dabei erhielt der braunschweigische Vasall Hildebrand von Hardenberg den Stein zu Lehen. Da die Brüder Bernhard und Hildebrand von Hardenberg 1321 als kurmainzische Amtleute auf dem Rusteberg eingesetzt wurden, wurden sie somit auch Dienstleuten des Erzbischofs. Daher verkauften Hildebrand und Johann (Ritter) und Bernhard (Edelknecht) von Hardenberg 1326 die Burg Stein mit allen Zubehörungen für 2300 Mark reines Silber an Erzbischof Matthias von Buchegg, der somit wieder in den Besitz der Burg gelangte.Burg Stein auf der Internetseite von Eichsfeld-Archiv (Quelle von Raymund Falk in Eichsfelder Heimatstimmen) Bei dieser Gelegenheit wird auch das oppidum (Städtchen, Burgflecken) erwähnt, dessen Reste sich als Stadtwüstung unterhalb der Burg im Gelände erhalten haben.

Erzbischof Baldewin von Luxemburg musste 1336 (und 1341) die Burgen Stein (vermutlich nur die Oberburg) und Großengottern dem Landgrafen Friderich von Thüringen wegen offener Schulden verpfänden.RIplus Regg. EB Mainz 1,2 n. 3501, in: Regesta Imperii Online (Abgerufen am 23. April 2020) Die Herzöge von Braunschweig erhoben ebenfalls mehrfach Anspruch auf den Besitz der Burg Stein als ihr Gisonisches Erbe. In einem Güterverzeichnis von 1358 wird das Gebiet der Windischen Mark mit allen Dörfern und Wüstungen aufgezählt. Ab dem 15. Jahrhundert wurde der Name Bischofstein gebräuchlich.Nikolaus Görich: Das Amt Bischofstein. In: Unser Eichsfeld, Mecke Verlag Duderstadt 1921, Seite 7–9 Im 17. Jahrhundert verfiel die Burganlage, wurde aber noch als Amtssitz benutzt.

Im 18. Jahrhundert wurde das heutige Schloss Bischofstein aus den Mauerresten der Burgruine Stein erbaut. Der Ort Lengenfeld unterm Stein hat seinen Namen von der Burg Stein. Auch ein in der Nähe liegender Felsvorsprung trägt den Namen „Stein“.

Burgmänner und Vögte Von den Besitzern der Burg wurden Burgmannen oder Vögte zur Verwaltung von Burg und Gerichtsbezirk eingesetzt. Da die Burg zeitweise auch zwei oder mehrere Besitzer gleichzeitig hatte bzw. Anteile verpfändet waren, wohnten häufig auch mehrere Burgherren und Dienstleute zur gleichen Zeit auf dem Stein (auf der Oberburg und der Unteren Burg oder in der Stadt). Folgende Amtmänner, Vögte und Burgmannen sind nachweisbar:Johann Wolf: Eichsfeldisches Urkundenbuch nebst der Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel. Göttingen 1819 (Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel, als Beitrag zu dessen Geschichte. §7 Seite 40)Verschiedene Seiten eichsfeld-archiv.deAnton Fick: Lengenfeld, Stein und das Amt Bischofstein im Eichsfeld. Herausgegeben von Alfons Montag und Maik Pinkert. Eichsfeld-Verlag, Heiligenstadt 2006, S. 32–42 und folgende 1184 Berengar II., ein Bruder von Graf Ludwig III. von Lohra 1251, 1259 Gottschalk von Plesse (Kurmainzer Vogt) 1272 Tuto de Lapide (Vogt) 1282 Hugo von Stein (Braunschweigischer Vogt), danach Ritter in Mühlhausen 1286, 1288 Arno von Heimberg (Braunschweigischer Verwalter) 1293 Otto von Ershausen (Burgmann) 1304 Hildebrand von Hardenberg (Braunschweigischer Vasall) kauft Burg Stein (Vogt Konrad Arnold (Hardenbergscher Burgmann)) 1321 Bernhard de Lapide (Amtmann) 1321 Hildebrand und Bernhard von Hardenberg (Mainzische? Officiates zu Rusteberg und Stein) 1329, 1336 Apeln von Ershausen (Burgmann) 1339 Edelknecht Heinrich von Hanstein (Pfandbesitz mit 1/2 Burg) 1336 Dietrich und Hermann von Heringen (Erbburgmänner zum Stein) 1342 Apel von Proyse, Beringer von Schonrestete, Reinhard Koidil (Pfandbesitz mit 1/4 der Burg) 1342 Bertold von Worbis und Johann von Wintzingerode, Vögte zu Rusteberg erhalten die halbe Burg zum PfandRIplus Regg. EB Mainz 1,2 n. 4855, in: Regesta Imperii Online (Abgerufen am 23. April 2020) 1345 Ulrich von Nezze mit Sohn Hugo (castrenses) 1350 Reinhard Keudel 1357, 1359, Bernhard von Bynsforte (Amtmann) und 1363 Heinrich von Bynsforte (Vogt) 1358 Johannes Tene, Burgmann des Markgrafen von Meißen 1360 Eckert von Proyse neben anderen Rittern, Wilhelm und Heinrich von Doringenberge (Erbburgmänner) 1364 Heinrich von Dingelstädt (Vogt) 1364 Marold von Töpfer (Dopphirn)RIplus Regg. EB Mainz 2,1 n. 2770, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/bdab2ad5-47e7-4f5d-b953-5fb77d6c702c (Abgerufen am 17. August 2017) 1364 (nach?) Heinrich und Johann von Nazza (von der Necze)RIplus Regg. EB Mainz 2,1 n. 2771, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/bb0e30dd-dc98-4280-80a2-4033fa037866 (Abgerufen am 17. August 2017) 1364 (nach?) Bertold von Volkerode, sein Vater und seine BrüderRIplus Regg. EB Mainz 2,1 n. 2774, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/b2e0b5a1-383b-4ea1-80a9-92ba6484708d (Abgerufen am 17. August 2017) 1367 Otto und Johann von Ershausen (Erbburglehen auf der unteren Burg), 1377 Otto von Ershausen (Vogt) 1378, 1381 Siegfried von Bültzingslöwen (Vogt), (die von Bültzingsleben erhalten die halbe Burg bis 1574 als Pfand) 1381 Gebrüder Eckard, Heinrich, Herdein und Appel von Proyse 1385: Helfrich von Schwarzenberg (mainzischer Teil) danach Ulrich von Nesse, Herren von Volkerode, von Harstall 1420 Herren von Ershausen (auf der unteren Burg) 1423, 1425 Thile von Westernhagen (Amtmann) 1423, 1459 Siegfried von Bültzingsleben (Amtmann) 1476 Herren von Hanstein übernehmen den Ershäuser Anteil 1525 die Mainzische Hälfte wird vom Vogt zu Rusteberg mit verwaltet 1526 Georg Widemann (Bültz. Vogt) 1539–1561 Cuntz Gutjahr (Mainz. Vogt) 1561–1574 Thomas Thunhose (Mainz. Vogt) 1561, 1566, 1571 Frantz Poppe (Bültz. Vogt) ab 1574 nur noch Mainzische Vögte des Amtes Bischofstein

Stadt Stein mini|Standort der St. Georgskapelle innerhalb der Wüstung Stein Am Fuße des Burgberges befand sich eine befestigte Siedlung, die vermutlich der Versorgung der Burg gedient hat. Die Siedlung war mit einer Mauer und Graben umgeben und direkt mit der Burg verbunden. Auf Grund der Hanglage unterhalb der Burg war die Bebauung auf Terrassen angelegt worden. Das „Oppidum“ war aber sicher keine Stadt im rechtlichen Sinne, sondern mehr ein befestigter Markt oder Wirtschaftshof. Archäologische Funde aus dem 13.–14. Jahrhundert befinden sich im Heimatmuseum Mühlhausen. eichsfeld-archiv.de Auf einem Plateau befand sich die St. Georgs-Kapelle, ein Schuttwall deutet auf eine Größe von 15 × 5 Meter, unterhalb folgt ein weiterer Ringwall eines möglichen Friedhofes. Bereits 1269 wurde ein Pfarrer Siegfried zu Lapide erwähnt. 1326 kauft der Erzbischof von Mainz Burg und Stadt Stein von den Rittern von Hardenberg.

1420 wird die Burg und Stadt zum letzten Mal erwähnt. Wann die Siedlung aufgegeben wurde, ist nicht bekannt. Die Kapelle war 1583 vermutlich nicht mehr vorhanden und wurde um 1600 wieder aufgebaut und 1611 eingeweiht, im Dreißigjährigen Krieg abermals zusammen mit der Burg zerstört. Im Jahre 1708 wird die Kapelle in Zusammenhang einer kirchlichen Handlung erwähnt, danach wurde sie wohl abgebrochen.Rolf Aulepp: „Mittelalterliche Wüstungen im Eichsfelder Teil des Kreises Mühlhausen.“ In: Eichsfelder Heimathefte, Hrsg. Pädagogisches Kreiskabinett Worbis, Eichsfelddruck Heiligenstadt 1988, Seiten 180ff.

Unterhalb der Stadt am Fuße des Burgberges befand sich noch Ende des 16. Jahrhunderts ein Vorwerk, vermutlich zur landwirtschaften Versorgung der Burg. Im Friedatal gehörte noch die Hagemühle zum Burgbezirk.

Das kurmainzische Amt Bischofstein