alternativtext=Andreas Urs Sommer|mini|Andreas Urs Sommer, Vorstandsvorsitzender der Carl Friedrich von Siemens Stiftung Die Carl Friedrich von Siemens Stiftung dient dem Ziel der Förderung der Wissenschaften. Sie wurde 1958 aus den Unternehmen Siemens & Halske AG und Siemens-Schuckertwerke AG heraus auf Initiative des damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst von Siemens gegründet, die Stiftung trägt den Namen seines Vaters. Durch den langjährigen Vorsitz der Stiftung durch Armin Mohler von 1964 bis 1985, der den Begriff der Konservativen Revolution popularisierte, gilt die Stiftung als zentraler Ort der „Neuen Rechten“ dieser Zeit.Die "Neue Rechte" und die Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung: Das Fremde ausstoßen, Süddeutsche Zeitung 2. März 2023 1972 wurden die Ernst von Siemens Musikstiftung gegründet sowie 1983 die Ernst von Siemens Kunststiftung. Die drei Stiftungen operieren unabhängig voneinander. Die Siemens AG gründete 2008 die Siemens Stiftung, die nachhaltige Projekte im Bereich „Gesicherte Grundversorgung, Digitalität und Klima“ unterstützt.
Struktur Die Stiftung verfügt über zwei Gremien: den hauptamtlichen Stiftungsvorstand und den ehrenamtlichen Stiftungsrat. Seit einer Satzungsänderung im Dezember 2024 führt ein hauptamtlicher zweiköpfiger Vorstand die Stiftung. Am 1. März 2026 hat der Philosoph und Hochschullehrer Andreas Urs Sommer in der Nachfolge von Isabel Pfeiffer-Poensgen den Vorstandsvorsitz übernommen.Carl Friedrich von Siemens Stiftung Presseinformation vom 5. Februar 2026: Andreas Urs Sommer wird neuer Vorstandsvorsitzender der Carl Friedrich von Siemens Stiftung, abgerufen am 8. Februar 2026 Seit April 2025 fungiert der Stiftungsmanager Stefan Fritz als kaufmännischer Vorstand. Zuvor bestand der Stiftungsvorstand aus fünf ehrenamtlichen Mitgliedern, die gemäß Satzung einen Geschäftsführer bestellten. Dem aktuellen, weiterhin ehrenamtlichen Stiftungsrat gehören Ernst Osterkamp (Vorsitzender), Horst Dreier (Stellvertretender Vorsitzender), Reinhold Baumstark, Bert Hölldobler, Beate Kellner, Peter Schulz von Siemens, Petra Schwille und Ferdinand von Siemens an. Bis Anfang 2024 bestand der Stiftungsrat ausschließlich aus männlichen Mitgliedern, was auf Kritik stieß. Im April 2024 wurde mit der Biophysikerin Petra Schwille die erste Wissenschaftlerin in den Stiftungsrat berufen. Im Dezember 2024 erfolgte die Bestellung von Beate Kellner, die den Lehrstuhl für Germanistische Mediävistik an der LMU München innehat.
Ziele Die Carl Friedrich von Siemens Stiftung widmet sich gemäß Satzung insbesondere der Förderung des wissenschaftlichen, technischen und künstlerischen Nachwuchses, vor allem durch Nutzung der Stiftungseinrichtungen, der Förderung der wissenschaftlichen Forschung sowie der Pflege des Gedankenaustausches und des Kontaktes zwischen den an Hochschulen und Akademien, in Wirtschaft, Verwaltung und den freien Berufen tätigen Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern sowie Praktikerinnen und Praktikern des In- und Auslandes durch Vortragsveranstaltungen.
Aktivitäten Die Aktivitäten der Stiftung beziehen sich auf sechs Bereiche: Wissenschaftliches Vortragsprogramm, Förderung von Veröffentlichungen, die im Rahmen des Vortragsprogramms und der Fellowships entstanden sind, der gezielten Förderung individueller Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, der Projektförderung (insbesondere der Förderung wissenschaftlicher Editionen), der Förderung von Universitäts- und Forschungsbibliotheken und der Förderung von Gastveranstaltungen in den Räumlichkeiten der Stiftung in München.
Seit Gründung veranstaltet die Stiftung wissenschaftliche Vortragsreihen mit Vorträgen einzelner Referenten sowie interdisziplinäre Vortragsreihen, die teilweise in kostenfrei beziehbaren Publikationen veröffentlicht werden. Die Vorträge wurden vielfach u. a. im SWR-Fernsehen übertragen und sind teilweise auch online abrufbar.
Referenten, die in der Siemens-Stiftung Vorträge hielten, waren unter anderem Giorgio Agamben Jan Assmann Ernst-Wolfgang Böckenförde Katrin Böhning-Gaese Jean Bollack Horst Bredekamp J. M. Coetzee Richard Dawkins Daniel Dennett Jennifer Doudna Philippe Descola Louis Dumont Ronald Dworkin François Furet Dieter Grimm Hans Ulrich Gumbrecht Ágnes Heller Paul Kirchhof Hans Joas Benjamin List Jean-François Lyotard Peter von Matt Ernst Mayr Christoph Möllers Ernst Osterkamp Robert Pippin Ilya Prigogine Martin Rees Salvatore Settis Karl Schlögel Brendan Simms Wolf Singer Rudolf Smend Andreas Urs Sommer Jean Starobinski Michael Theunissen Helen Vendler David Wellbery
Vergabe der Carl Friedrich von Siemens Fellowships an hervorragende Wissenschaftler (seit 1993). Mit diesen Stipendien wird der Abschluss von Forschungen hervorragender Wissenschaftler gefördert.
Aktuelle Fellows (2026) sind: Frank Fehrenbach, Universität Hamburg Dorothea Schulz, Universität Münster Eric Buzzetti, Concordia University, Montréal
Ehemalige Fellows sind: Kathleen Wermke, Universitätsklinikum Würzburg Katerina Harvati-Papatheodorou, Eberhard-Karls-Universität Tübingen Peter Ahrensdorf, Davidson College North Carolina, USA Marina Münkler, Technische Universität Dresden Jörg Baberowski, Humboldt-Universität zu Berlin Robert D. Levin, Pianist und Dirigent Robert B. Pippin, University of Chicago, USA Jan Wagner, Schriftsteller Jürgen Osterhammel, Universität Konstanz Andreas Urs Sommer, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Michael Fried, Johns Hopkins University, USA Herfried Münkler, Humboldt-Universität zu Berlin Martin Mosebach, Schriftsteller Heinrich Detering, Georg-August-Universität Göttingen Karl Schlögel, Europa-Universität Viadrina Brendan Simms, University of Cambridge, Vereinigtes Königreich Dieter Grimm, Bundesverfassungsrichter a. D., Humboldt-Universität zu Berlin Hans Ulrich Gumbrecht, Stanford University, USA Lorraine Daston, Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin Helen Vendler, Harvard University, USA Philippe Descola, Collège de France, Paris, Frankreich Michael Maar, Schriftsteller Robert Darnton, Princeton University, USA Ernst Osterkamp, Humboldt-Universität zu Berlin Peter von Matt, Universität Zürich, Schweiz Jan Assmann, Universität Heidelberg
Förderprogramm zur Ergänzung der dringend benötigten wissenschaftlichen Literatur. Diese umfasst die Versorgung von Universitätsbibliotheken in den neuen und alten Bundesländern. Das Programm läuft in dieser Form noch bis 2027. Gastveranstaltungen, vor allem wissenschaftliche Konferenzen und internationale Symposien, bei denen die Einrichtungen der Stiftung zur Verfügung gestellt werden. Die Themen sind fächerübergreifend und reichen von naturwissenschaftlichen Themen über Literatur- und Musikwissenschaft bis hin zu philosophischen und kulturhistorischen Aspekten. Besonders gefördert werden soll dabei der Kontakt zwischen deutschen und ausländischen Wissenschaftlern. Seit 2010 vergibt sie alle drei bis vier Jahre den Heinz Gumin Preis für Mathematik der Carl Friedrich von Siemens Stiftung. Mit 50.000 Euro ist er der höchstdotierte Mathematikpreis im deutschsprachigen Raum. Der Mathematiker und Informatiker Heinz Gumin war von 1984 bis zu seinem Tode 2008 ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Stiftung.
Preisträger Gerd Faltings, Max-Planck-Institut für Mathematik, Bonn Stefan Müller, Universität Bonn, Hausdorff Center for Mathematics, Bonn Wendelin Werner, Eidgenössische Technische Hochschule, Zürich Wolfgang Hackbusch, ehem. Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften, Leipzig Don Bernard Zagier, Max-Planck-Institut für Mathematik, Bonn
Publikationen (Auswahl) Die Stiftung veröffentlicht seit 1961 regelmäßig Dokumentationen der Vorträge in der Stiftung in ihrer Reihe „Themen“. Seit 1961 sind über 100 Bände erschienen.siehe Bestand der Reihe in der Deutschen Nationalbibliothek unter https://d-nb.info/011468696 Die Stiftung publiziert außerdem die im Verlag C. H. Beck erscheinende „Edition der Carl Friedrich von Siemens Stiftung“. Dort sind u. a. erschienen:
Brendan Simms, Der längste Nachmittag, 400 Deutsche, Napoleon und die Entscheidung von Waterloo, 2014 Heinrich Detering, Die Stimmen aus der Unterwelt, Bob Dylans Mysterienspiele, 2016 Friedrich Wilhelm Graf / Heinrich Meier, Politik und Religion, Zur Diagnose der Gegenwart, 2017 Horst Dreier, Staat ohne Gott, Religion in der säkularen Moderne, 2018 Karl Schlögel, Das sowjetische Jahrhundert, Archäologie einer untergegangenen Welt, 2018 Dieter Grimm, Die Historiker und die Verfassung, Ein Beitrag zur Wirkungsgeschichte des Grundgesetzes, 2022 Peter Schäfer, Die Schlange war klug, Antike Schöpfungsmythen und die Grundlage des westlichen Denkens, 2022 Daniel Leese / Ming Shi, Chinesisches Denken der Gegenwart, Schlüsseltexte zu Politik und Gesellschaft, 2023 Jörg Baberowski, Der sterbliche Gott, Macht und Herrschaft im Zarenreich, 2024
mini|Sitz der Stiftung am Südlichen Schlossrondell vor Schloss Nymphenburg (2010)
Geschichte mini|hochkant|Carl Friedrich von Siemens vor 1916 auf einer Fotografie von Jacob Hilsdorf.
Die Förderungen der Carl Friedrich von Siemens Stiftung wurden zunächst durch Zuwendungen der beiden tragenden Gesellschaften finanziert, was nach der Fusionierung zur Siemens AG 1966 fortgesetzt wurde. Mehrere persönliche sowie die testamentarischen Zuwendungen von Ernst von Siemens machten die Stiftung schließlich unabhängig. Heute finanziert sie ihre Tätigkeit vollständig aus den Erträgen des Stiftungsvermögens. Der Sitz der Stiftung im Südlichen Schlossrondell des Münchner Schlossensembles Nymphenburg ist ein historisches Kavaliershaus, es befindet sich im Eigentum der Stiftung. Moderne Anbauten auf der Rückseite dienen als Veranstaltungs- und Tagungsort.
Ernst von Siemens, von 1956 bis 1971 Aufsichtsratsvorsitzender der Siemens AG, errichtete die Stiftung aus seinem Privatvermögen und vermachte ihr neben der Ernst von Siemens Musikstiftung und der Ernst von Siemens Kunststiftung seinen Nachlass. Sie trägt den Namen seines Vaters Carl Friedrich von Siemens, der zwischen 1919 und 1941 Aufsichtsratsvorsitzender des heutigen Siemens-Konzerns war. Geschäftsführer der Stiftung war ab 1964 der Publizist Armin Mohler, 1985 wurde Heinrich Meier Nachfolger Mohlers. Von 1984 bis zu seinem Tode 2008 war Heinz Gumin Vorstandsvorsitzender der Stiftung. 2022–2023 hatte der Literaturwissenschaftler Marcel Lepper die Geschäftsführung übernommen. Nach seiner Entlassung übernahm ab Oktober 2023 Isabel Pfeiffer-Poensgen die Geschäftsführung. Eine Debatte entbrannte anlässlich der Entlassung Marcel Leppers im Jahr 2023 über die Aufarbeitung der Stiftungsgeschichte, da mit dem umstrittenen Rechtskonservativen Armin Mohler ein wichtiger Vertreter der „Neuen Rechten“ die Geschäfte der Stiftung von 1964 bis 1985 geführt hatte. Mohler hatte u. a. den Begriff der „Konservativen Revolution“ popularisiert.
Bisherige Geschäftsführer (ab 2024 hauptamtliche Vorstände)
Die Stiftung unter Armin Mohler 1964–1985