Albert Vogler (* 20. November 1919Kosch, Wilhelm: Deutsches Theaterlexikon. Nachtragsband Teil 8, V-Z. Berlin. Boston: De Gruyter, 2020, Seite 54. ISBN 978-3-11063-207-1. Anmerkung: Bei dem dort angegebenen Geburtsjahr 1910, statt 1919, handelt es sich um einen Druckfehler.Lebensdaten gemäß Traueranzeige. In: Nürnberger Nachrichten vom 10./11. März 2001 in Augsburg; † 8. März 2001 in Forchheim) war ein deutscher Opernsänger (Bass). Er wirkte insgesamt 45 Jahre am Opernhaus Nürnberg.
Leben Ausbildung und Anfänge Albert Vogler besuchte das Gymnasium bis zur Mittleren Reife und nahm Gesangsunterricht.Siehe Personalakte von ALBERT VOGLER, Stadtarchiv Nürnberg, Signatur C 45/II Nr. 3161 Seine Ausbildung erhielt er am Konservatorium Augsburg und privat bei Martha Mödl. Von 1935 bis 1938 war er als Kfm. Angestellter tätig.
Im Alter von 19 Jahren wurde er zu Beginn des Zweiten Weltkriegs nach Schlesien zur Wehrmacht eingezogen, konnte bei Auftritten im Rahmen der „künstlerischen Truppenbetreuung“ zeitweise aber immer wieder als Sänger auftreten. Sein erstes Engagement erhielt er noch während des Zweiten Weltkriegs am Landestheater Schweidnitz.Nach Kosch (S. 54) erhielt Vogler sein erstes Engagement am Landestheater Schweidnitz. Anhand der Ensemblelisten der Deutschen Bühnenjahrbücher der Jahre 1939–44 lässt sich ein solches Engagement jedoch nicht nachweisen. Es ist somit davon auszugehen, dass Vogler zwar dorthin engagiert worden war, das Engagement aber aufgrund der Kriegsereignisse nicht antreten konnte. Ein Engagement an die Sächsische Staatsoper Dresden, das er nach Kriegsende hätte antreten sollen, konnte er aufgrund der Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs nicht annehmen.
Nach mehreren Lazarettaufenthalten, bei denen er wegen eines Leber- und Gallenleidens behandelt worden war, wurde er 1943 als nicht „k.v.“ (= nicht kriegsdienstverwendungfähig) aus dem Wehrmachtslazarett der Luftwaffen-Sanitätsstaffel in Reichenbach (Eulengebirge) entlassen.Siehe Personalakte von ALBERT VOGLER, Stadtarchiv Nürnberg, Signatur C 45/II Nr. 3161. Darin: Brief von A. Vogler vom 25. August 1977 an das Versorgungsamt Nürnberg, als Einspruch gg. den Bescheid des Versorgungsamts Nürnberg vom 27. Juli 1977 mit Feststellung einer Reduzierung der Erwerbsminderung auf 40 vom Hundert. Als Heimatvertriebener aus den ehemaligen deutschen OstgebietenSiehe Personalakte von ALBERT VOGLER, Stadtarchiv Nürnberg, Signatur C 45/II Nr. 3161. Darin: Schreiben des Theaterbetriebsamts vom Juni 1953, in welchem bestätigt wird, dass Vogler als „anerkannter Flüchtling“ nach dem Bundesvertriebenengesetz Anspruch auf einen Wohnungsbauzuschuss hat., kehrte Vogler nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in seine bayerisch-schwäbische Heimat zurück, wo er nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft zunächst mit einem eigenen herumreisenden Ensemble, dem „Künstlerensemble Vogler“, bei sog. „Bunten Abenden“ als Solist mit Opern- und Operettenmelodien hervortrat und Konzerte für Flüchtlinge und Vertriebene gab.
1947 trat er an der „Schwäbischen Landesbühne Kaufbeuren“ in der Sparte „Operette“ sein erstes Nachkriegsengagement an.Im Deutschen Bühnenjahrbuch 1945-48, welches die Ensembles der Spielzeit 1947/48 auflistet, wird Vogler in der Ensembleliste der Schwäbischen Landesbühne Kaufbeuren auf Seite 267 mit einem *-Vermerk geführt, d. h. der jeweilige Künstler war bereits mehrere Spielzeiten dort engagiert. In der dortigen Erstaufführung der Oper Der Barbier von Sevilla übernahm er den Doktor Bartolo. In der Spielzeit 1947/48 sang er an der Schwäbischen Landesbühne der Besenbinder Peter in Hänsel und Gretel.
Engagement am Opernhaus Nürnberg Ab der Spielzeit 1948/49 (Vertragsbeginn: August 1948) war Vogler, zunächst mit Jahresverträgen, am Opernhaus Nürnberg engagiert.Albert Vogler. In: Deutsches Bühnenjahrbuch 1949, Seite 327. Viele Jahre war er später dort auch im Künstlerischen Beirat tätig.
Am Opernhaus Nürnberg trat Vogler als „Seriöser Bass, Bassbuffo und Charakterkomiker“ meist in mittleren und kleineren Rollen auf. Häufig übernahm er auch sog. „Comprimario“-Partien. Er sang und spielte im Laufe seiner Karriere über 150 verschiedene Rollen, konzentrierte sich dabei jedoch schwerpunktmäßig auf ein Kernrepertoire von circa 25–30 Partien, die er jederzeit „abrufen“ konnte und die es ihm ermöglichten, in diesen Rollen auch kurzfristig für erkrankte Kollegen einzuspringen. In der Spielzeit 1958/59 übernahm er beispielsweise nahezu sämtliche Partien der längerfristig erkrankten Bass-Kollegen Alfred Stein (1906–1972) und Max Kohl (1908–1962) und stand in dieser Saison an fast 120 Abenden, manchmal mehrfach in einer Woche, auf der Nürnberger Opernbühne.Rapportbände des Opernhauses Nürnberg für die Spielzeit 1958/59 mit Besetzungslisten. Stadtarchiv Nürnberg, Signatur C45/III Nr. 142 und Nr. 143. Mit den Aufführungen im Stadttheater Fürth sang er in der Saison 1958/59 fast 170 Aufführungen.
Vogler übernahm auch mehrere Hauptrollen, häufig als Zweit- bzw. Alternativbesetzung und als Einspringer.
Anfangsjahre In seiner ersten Nürnberger Spielzeit 1948/49 wirkte Vogler gleich in mehreren Neuinszenierungen und musikalischen Neueinstudierungen mit.
Seine ersten Premierenrollen waren im Oktober 1948 der Professor Süffle in der Operette Der Vogelhändler und der General [sic!] Lefort in Zar und Zimmermann.Rapportband des Opernhauses Nürnberg für die Spielzeit 1948/49 mit Besetzungslisten. Stadtarchiv Nürnberg, Signatur C45/III Nr. 85. Im November 1948 sprang er für den erkrankten Bass-Kollegen Alfred Stein als Lord Tristan Mickleford in Martha ein. Im Dezember 1948 und Januar 1949 folgten Neueinstudierungen als Benoit in La Bohème und als Marquis d’Obigny in La Traviata.Besetzungszettel La Bohème, Stadtarchiv Nürnberg, Signatur A 81/II Nr. 26715.
Im Juni 1949 sang er den Notar in einer Neuinszenierung von Richard Strauss’ Oper Der Rosenkavalier in einer Festaufführung mit Cäcilie Reich (Marschallin), Maud Cunitz (Octavian) und Kurt Böhme (Ochs). Von Juni bis Oktober 1949 war er als Hofopernsänger Johann Michael Vogl in der Operette Das Dreimäderlhaus zu hören.Rapportband des Opernhauses Nürnberg für die Spielzeit 1949/50 mit Besetzungslisten. Stadtarchiv Nürnberg, Signatur C45/III Nr. 90. Im Dezember 1949 sang er den Aibler in einer musikalischen Neueinstudierung der Oper Der Evangelimann.Besetzungszettel Der Evangelimann. Stadtarchiv Nürnberg, Signatur A 66/I Nr. 835
Im Juli 1950 sang er in der ersten Nürnberger Meistersinger-Inszenierung nach dem Zweiten Weltkrieg in drei Festaufführungen anlässlich der 900-Jahr-Feier der Stadt Nürnberg den Hans Foltz.Besetzungszettel Die Meistersinger von Nürnberg. Stadtarchiv Nürnberg, Signatur A 66/I Nr. 834. Seine Partner waren u. a. Paul Schöffler, Kurt Böhme, Karl Kronenberg, Lorenz Fehenberger, Trude Eipperle und Hella Ruttkowski. In späteren Produktionen und Wiederaufnahmen übernahm er zusätzlich auch den Nachtwächter und sang in zahlreichen Vorstellungen oft beide Rollen an einem Abend. Im Oktober 1950 übernahm er den Micha in einer Neuinszenierung der Oper Die verkaufte Braut mit Hella Ruttkowski (Agnes) als Partnerin.Rapportband des Opernhauses Nürnberg für die Spielzeit 1950/51 mit Besetzungslisten. Stadtarchiv Nürnberg, Signatur C45/III Nr. 93.Besetzungszettel Die verkaufte Braut. Stadtarchiv Nürnberg, Signatur A 66/I Nr. 2618 Im November 1950 war Kurt Böhme als Kezal sein Partner, im März 1951 Richard Holm als Hans.
In der Spielzeit 1951/52 sang er bei der ersten Premiere im von den US-Amerikanern an die Stadt Nürnberg „zurückgegebenen“ Opernhaus den Dancaïro in einer Carmen-Neuinszenierung an der Seite von Hella Ruttkowski und Robert Licha.Gisela Schlutheiß/Ernst-Friedrich Schultheiß: Vom Stadttheater zum Opernhaus. 500 Jahre Musiktheater in Nürnberg. Verlag A. Hofmann. Nürnberg 1990. Seite 173 mit Besetzungszettel. ISBN 3-87191-151-8 Stadtarchiv Nürnberg, Signatur A 81/II, Nr. 610 (Foto). Außerdem sprang er in der Spielzeit 1951/52 kurzfristig als Baculus in Der Wildschütz ein.
In der Spielzeit 1952/53 übernahm er in einer Neuinszenierung der Oper Tiefland (Premiere: Februar 1953) ab April 1953 zunächst für den erkrankten Max Kohl den Tommaso, anschließend für den länger erkrankten Alfred Stein zusätzlich den Moruccio und sang bis zum Spielzeitende abwechselnd beide Partien.Rapportbände des Opernhauses Nürnberg für die Spielzeit 1952/53 mit Besetzungslisten. Stadtarchiv Nürnberg, Signatur C45/III, Nr. 105 und Nr. 106. Außerdem übernahm er nach mehreren zeitintensiven Proben als Cover für den länger erkrankten Bassisten Alfred Stein die Rolle des Lorenz von Pommersfelden in Mathis der Maler.
Nürnberger Premieren (Auswahl) Vogler wirkte ab Anfang der 50er Jahre bis zum Beginn der 80er Jahre in zahlreichen Nürnberger Opern- und Operettenpremieren mit. Bestimmte Parteien (u. a. Herr Reich, Kuno, Micha, Masetto, Antonio, Dancaïro, Fürst Yamadori, Doktor Grenvil, General Lefort/Lord Syndham, Notar, Hans Foltz/Nachtwächter u. a.) sang er im Laufe seines Engagements über Jahrzehnte, teilweise in bis zu vier Nürnberger Neuinszenierungen.
In der Spielzeit 1954/55 sang er in Neuinszenierungen u. a. im September 1954 den Masetto in Don Giovanni und im November 1954 den Besenbinder in Hänsel und Gretel bei der Premiere im Stadttheater Fürth (mit Hella Ruttkowski in ihrer Nürnberger Erfolgsrolle als Knusperhexe).Stadtarchiv Nürnberg, Signatur A 81/II Nr. 1005Stadtarchiv Nürnberg, Signatur A 66/I Nr. 911Stadtarchiv Nürnberg, Signatur A 81/II Nr. 971Rapportband Stadttheater Fürth. Stadtarchiv Nürnberg C 45/III Nr. 116. Im Januar 1955 war er in der Fürther Premiere der Neuinszenierung der Oper Die lustigen Weiber von Windsor als Herr Reich, an der Seite von Hella Ruttkowski als Frau Reich, zu hören.
In der Spielzeit 1957/58 war er der Doktor Bartolo in einer Neuinszenierung der Oper Der Barbier von Sevilla (Premiere: Dezember 1957), bei der Lotte Schädle, Cesare Curzi und Willi Domgraf-Fassbaender seine Partner waren.Stadtarchiv Nürnberg, Signatur A 81/II Nr. 155 Im Februar 1959 sang er in einer weiteren Don Giovanni-Neuinszenierung erneut den Masetto, diesmal mit Lotte Schädle als Zerlina.Stadtarchiv Nürnberg, Signatur A 81/II Nr. 1019
In der Spielzeit 1962/63 (Premiere März 1963) folgte seine zweite Nürnberger Neuinszenierung der Oper Die lustigen Weiber von Windsor, wieder als Herr Reich und wieder an der Seite von Hella Ruttkowski als Frau Reich. In der Spielzeit 1966/67 sang er in der sog. „Zweiten Premiere“ im März 1967 den Mesner in ToscaStadtarchiv Nürnberg, Signatur A66/I, Nr. 1469., mit weiteren Vorstellungen von April bis Juni 1967. Außerdem gab er in der Spielzeit 1966/67 mit schwäbischem Heimatakzent den Ritter Adelhof in einer Neuproduktion der Oper Der Waffenschmied.
In der Spielzeit 1973/74 sang er in einer weiteren Nürnberger Neuinszenierung der Oper Der Barbier von Sevilla als Zweitbesetzung den Doktor Bartolo neben Andreas Camillo Agrelli. Im Juni 1977 folgte Voglers dritte Nürnberger Neuinszenierung der Oper Die lustigen Weiber von Windsor, wieder als Herr Reich, diesmal an der Seite von Reinhild Runkel als Frau Reich. In der Spielzeit 1978/79 sang er Rollen in zwei Nürnberger Erstaufführungen: den Arzt in Pelléas et Mélisande (Premiere: Februar 1979) und den Farfallo in Die schweigsame Frau (Premiere: Juli 1979). In der Spielzeit 1979/80 übernahm er im Mai/Juni 1980 als Zweitbesetzung den Erbförster Kuno in einer Neuinszenierung der Oper Der Freischütz (Regie: Peter Beauvais).Rapportbände des Opernhauses Nürnberg für die Spielzeit 1979/80 mit Besetzungslisten. Stadtarchiv Nürnberg, Signatur C45/III, Nr. 272 und Nr. 273Weitere Vorstellungen als Kuno in Der Freischütz sang Vogler im November 1980 (kurzfristig, als Einspringer) und im Februar/Juli 1981.
Im Mai 1981 war er in der Meistersinger-Wiederaufnahme erneut als Nachtwächter zu hören, eine Rolle, die er seit über 30 Jahren am Opernhaus Nürnberg immer wieder gesungen hatte.