Als G-Klasse bezeichnete die Regia Marina im Ersten Weltkrieg eine Klasse von 47 Trawlern, die Italien im Ersten Weltkrieg in Japan kaufte und im Mittelmeer vor allem für Geleit- und Sicherungsaufgaben einsetzte.
Technische Daten 1916 kaufte Italien 47 gebrauchte Trawler und Frankreich 34 dieser Fischereifahrzeuge in Japan, um den Mangel an Hilfsfahrzeugen in den Marinen zu mildern.Donko, S. 110 Mitten im Ersten Weltkrieg war es schwierig, geeignete Schiffe zu finden, da die Kapazitäten der Werften belegt waren und in Großbritannien Verkaufsbeschränkungen bestanden. Neben Schiffen aus Frankreich fand die Regia Marina auch in Japan geeignete Schiffe, da dort der Schiffsmarkt entspannter war als in Europa.
Nach Ankunft der Boote in Italien ließ die Marine sie zu Hilfskriegsschiffen umbauen: Die Frachträume wurden für zusätzliche Mannschaften sowie Vorräte und Munition hergerichtet und Geschütze eingebaut. Die 47 Boote bildeten keine einheitliche Serie, sondern waren unterschiedliche Bauten. Aufgrund ihrer Herkunft aus Japan wurden sie in der Regia Marina als G-Klasse zusammengefasst, wobei das „G“ für „Giappone“ (italienisch: Japan) stand.
Die Boote waren zwischen 1907 und 1913 gebaut worden, wobei die meisten von ihnen erst zwei bis drei Jahre alt waren. Sie stammten von neun japanischen und der britischen Werft Smiths Dock Company, wobei allein 18 Boote von Osaka Ironworks hergestellt worden waren. Die Boote waren zwischen etwa 32 und 42 Meter lang und hatten eine Konstruktionsverdrängung zwischen 280 und 500 Tonnen. Als Antrieb diente jeweils eine Dreizylinder-Dreifach-Expansionsmaschine, die zwischen 221 und 544 PS leistete und den Booten eine Geschwindigkeit zwischen 7,5 und 15,0 Knoten ermöglichte. Als Bewaffnung trugen sie in der Regel zwei 76-mm-L/40-Geschütze, seltener nur eines. Die Besatzung bestand aus höchstens zwei Offizieren und 20 bis 27 Mann.Fraccaroli, S. 170–182Conway’s All the World’s Fighting Ships. 1906–1921. S. 286
Verwendung der Boote Aus der Zeit der Boote als Fischereitrawler in Japan liegen keine Informationen vor. Die Regia Marina stellte die umgebauten Boote gebündelt an vier Daten in Dienst: die ersten 9 Boote am 1. Januar 1917, 23 Boote am 31. Januar und 1. Februar, gefolgt von 5 Booten am 15. März sowie 10 Boote am 1. April 1917. Nach unterschiedlichen Angaben wurden sie als Patrouillenboote oder als Minensuchboote klassifiziert. Zahlreiche Boote setzte die Regia Marina zur Blockade der Straße von Otranto ein. Die Sperre lag an der engsten Stelle zwischen Italien und Albanien, um die K.u.K.-Marine in der Adria einzuschließen.Donko, S. 70 Inwieweit die Regia Marina die Boote darüber hinaus für Geleit- und Sicherungsaufgaben und/oder zur Minensuche einsetzte, bleibt zu klären. Über die Verlustorte der Boote in den Jahren 1917 und 1918 ist nur ablesbar, dass sie im gesamten Mittelmeer operierten (Verlustorte: G4 Elba, G6 Sizilien, G20 Alexandria, G32 Elba, G46 Sizilien). Davon sanken drei Boote durch deutsche U-Boote: G6 wurde durch U 63, G32 durch UB 49 und G46 durch U 39 versenkt.Gröner, S. 188 Die Beteiligung eines Trawlers der G-Klasse an der Versenkung gegnerischer Schiffe ist nicht belegt.Harald Fock: Flottenchronik. Die an beiden Weltkriegen beteiligten aktiven Kriegsschiffe und ihr Verbleib. Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2000, ISBN 3-7822-0788-2, S. 37ff., S. 56 f.
Nach dem Ersten Weltkrieg verkauft die Marine einen Großteil der Trawler an Privatleute und Unternehmen. Dort verliert sich in der Regel die Spur der einzelnen Boote, nur bei wenigen ist über weitere Quellen der Verbleib geklärt (Beispiel: G17 -> Dobrudja). Die Regia Marina selbst behielt etwa ein Dutzend der Boote, die sie größtenteils zu Kanonenbooten umklassifizierte. Einige Boote nutzte sie auch als Vermessungsschiffe und Wassertanker.
Im Zweiten Weltkrieg fanden die noch existierenden Boote wieder eine aktive Verwendung als Geleit- und Wachboote (G13, G15, G16, G23, G24, G31, G36). Zusätzlich requirierte die Regia Marina auch private ehemalige G-Klasse-Trawler wie viele andere private Fischdampfer und setzte sie ebenfalls für Geleit- und Sicherungsaufgaben ein (G12, G14, G35, G44).Cannoniere, Posamine e Dragamine (Storiadelle navi militari italiane 1940–1945). xoomer.virgilio.it Die wenigen nicht versenkten Boote wurden nach der italienischen Kapitulation vom 9. September 1943 von der Kriegsmarine übernommen (G23, G31, G36, eventuell auch G16). Die längste Lebensdauer hatten einige der zu Wassertankern umgebauten Boote: Die früheren Trawler G5 und G25 wurden erst 1966 bzw. 1975 abgewrackt, das Boot mit der früheren Kennung G29 war 1988 noch in Fahrt.
Liste der Boote Die Liste enthält ausgewählte technische Daten der einzelnen Boote, weitere Angaben in der aufgeführten Literatur.Minensucher und Minenleger Italiens. navyworld.narod.ru