mini|Gedenkstein der Widerstandsgruppe Standort: Am Lustgarten (Mitte) mini|Stolperstein Lotte Rotholz Die Herbert-Baum-Gruppe war eine jüdisch-kommunistische Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus in Berlin.

Geschichte mini|Gedenktafel Martin und Sala Kochmann in der Gipsstraße 3 Die Gruppe wurde 1936 von Herbert Baum gegründet. In dieser Zeit entstanden viele kommunistische Widerstandsgruppen in Berlin, die fast alle miteinander in Verbindung standen. Die meisten Mitglieder kannten sich aus der Jüdischen Jugendbewegung. Den Kern dieser Gruppe bildeten Herbert Baum, seine Frau Marianne Baum, Martin Kochmann und dessen Frau Sala Kochmann. Zeitweilig umfasste die Gruppe etwa 100, vor allem recht junge Mitglieder. Insbesondere die weiblichen Widerstandskämpferinnen der Gruppe waren Jugendliche und junge Frauen. 1941 lag das Durchschnittsalter bei 22 Jahren. Alice Hirsch war zu dem Zeitpunkt mit 18 Jahren die Jüngste, Hildegard Loewy wurde in dem Jahr 19 Jahre alt. Charlotte Paech, die 32 Jahre alt war, wurde im Scherz „Großmutter“ genannt. Die meisten jungen Frauen sollen mit männlichen Widerstandskämpfern der Gruppe liiert gewesen sein, einige waren bereits verheiratet. Das Geschlechterverhältnis war nahezu ausgewogen.

Die Herbert-Baum-Gruppe arbeitete und finanzierte sich völlig eigenständig.

Die Gruppe erstellte Flugblätter und Untergrundzeitungen. Zudem unterstützte sie jüdische Zwangsarbeiter und half Juden beim Untertauchen, um ihre Deportation zu verhindern. Intern wurden zahlreiche politische Diskussionen geführt und die kulturelle Arbeit gepflegt.

Im Oktober 1940 führten die Antifaschisten auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee eine Aktion durch. Rudi Arndt, ein jüdisches KPD-Mitglied, war im Mai 1940 im KZ Buchenwald von den Nazis ermordet worden. Ihm zu Ehren organisierten sie dort eine Beisetzungsfeier mit ca. 50–60 Teilnehmern. Wie durch ein Wunder hatte es für die Teilnehmer keinerlei Folgen.

In Brainstormings diskutierten mehrere Mitglieder gemeinsam über den Inhalt der Flugblätter und Untergrundzeitungen, wobei Juden in Deutschland damals die Benutzung einer Schreibmaschine nicht erlaubt war. Dieses Problem lösten zwei „arische“ Gruppenmitglieder, die während der Arbeitszeit die Texte heimlich auf einer Schreibmaschine im Keller von Herbert Baum zu Papier brachten. Die Flugblätter wurden entweder postalisch verbreitet oder gezielt an Angehörige bestimmter Berufsgruppen verteilt.

Angesichts der hohen Kosten für die verschiedenen Aktionen, für das Papier, für einen Kopierapparat und die Matrizen beging die Gruppe Diebstähle. Die Mitglieder mussten sogar einen Teil ihres erarbeiteten Einkommens spenden. Im Laufe des Krieges wurde das Papier immer knapper und immer begehrter, was den Preis zusätzlich in die Höhe trieb.

mini|Stolperstein für Siegbert Rotholz Am 17. Mai 1942 (oder 18. Mai 1942) führten sie einen Brandanschlag auf die Ausstellung „Das Sowjet-Paradies“ durch, eine antisowjetische und auch antisemitische Propagandaschau der Nazis im Berliner Lustgarten.Wolfgang Scheffler: Der Brandanschlag im Berliner Lustgarten im Mai 1942 und seine Folgen. In: Jahrbuch des Landesarchivs Berlin. 1984, S. 91–118. Wenige Tage später wurde die Widerstandsgruppe aufgedeckt und die meisten Mitglieder wurden verhaftet.

Hinrichtungen, Ermordungen und Überlebende Viele Mitglieder wurden in den Jahren 1942 und 1943 in der Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee hingerichtet, darunter Marianne Baum, Heinz Birnbaum, Adolf Bittner, Herbert Budzislawski, Joachim Franke, Felix Heymann, Hardel Heymann, Hella Hirsch, Hildegard „Hilde“ Jadamowitz, Arthur Illgen, Heinz Joachim, Marianne Joachim, Martin Kochmann, Sala Kochmann, Karl Kunger, Hildegard Löwy, Hans-Georg Mannaberg, Gerhard Meyer, Hanni Meyer, Helmut Neumann, Heinz Rotholz, Siegbert Rotholz, Lothar Salinger, Werner Schaumann, Werner Steinbrinck, Hans-Georg Vötter, Irene Walther und Suzanne Wesse.

Andere wurden bis zum Kriegsende in den Vernichtungslagern im Osten ermordet.

Im KZ Auschwitz starben Kurt Bernhardt, Edith Fraenkel, Alice Hirsch und Lotte Rotholz.

Der Leiter der Gruppe, Herbert Baum, wählte im Juni, kurz nach der Festnahme am 22. Mai 1942, im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit den Suizid.

Folgende Mitglieder haben den Zweiten Weltkrieg überlebt: Herbert Ansbach, Lisa Behn (geb. Attenberger), Hans Fruck, Ilse Haak, Ilse Heller, Charlotte Holzer, Richard Holzer, Franz Krahl, Willy May, Walter Sack, Alice Zadek, Gerhard Zadek und Ismar Zöllner. Inge Gerson, die spätere Inge Berner, hatte die Gruppe nach eigenen Angaben 1938 verlassen und überlebte ebenfalls.

Siehe auch

Mitgliederliste der Herbert-Baum-Gruppe Gedenktafeln, Stolpersteine, Ehrenmäler, Gedenksteine der Herbert-Baum-Gruppe

Weblinks und Apps

Actionbound (multimedialer Stadtrundgang/App) , Workshop und Stadtspaziergang zur Marianne-und-Herbert-Baum-Gruppe , Station 14 des Rundgangs zum Thema Jüdisches Leben in Berlin, Bildungsserver Berlin-Brandenburg Baum-Kochmann-Gruppe, Antifaschistinnen aus Anstand

Literatur (Herbert-Baum-Gruppe und Jüdischer Widerstand) Stephan Hermlin: Die erste Reihe. Verlag Neues Leben, Berlin 1951, S. 165 ff. Günther Weisenborn (Hrsg.): Der lautlose Aufstand. Bericht über die Widerstandsbewegung des deutschen Volkes 1933–1945. Rowohlt, Hamburg 1953 Wolfgang Wippermann: Die Berliner Gruppe Baum und der jüdische Widerstand, Berlin 1981 ASTA der TU Berlin (Hrsg.): Die Berliner Widerstandsgruppe um Herbert Baum. Informationen zur Diskussion um die Benennung des Hauptgebäudes der TU Berlin, Berlin 1984 Konrad Kwiet / Helmut Eschwege: Selbstbehauptung und Widerstand. Deutsche Juden im Kampf um Existenz und Menschenwürde, 1933–1945, Hamburg 1984, S. 114–139 Margot Pikarski: Jugend im Berliner Widerstand. Herbert Baum und Kampfgefährten. 2. berichtigte Auflage, Berlin 1984 (1. Auflage 1978) Eric Brothers: Anti-Fascist Resistance of German Jews. In: Leo Baeck Institute Year Book. Vol. XXXII. 1987, S. 369–382 Alfred Etzold et al.: Jüdische Friedhöfe in Berlin. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin, 1987, S. 91–93 Hermann Graml: Reichskristallnacht. Antisemitismus und Judenverfolgung im Dritten Reich, München 1988 Wilfried Löhken / Werner Vathke (Hrsg.): Juden im Widerstand. Drei Gruppen zwischen Überlebenskampf und politischer Aktion, Berlin 1933–1945, Berlin 1993 Arno Lustiger: Zum Kampf auf Leben und Tod! Vom Widerstand der Juden 1933–1945. Köln 1994 Arnold Paucker: Deutsche Juden im Widerstand im Kampf um Recht und Freiheit. Studien zur Abwehr, Selbstbehauptung und Widerstand der deutschen Juden seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, Teetz 2004 (mit einer Einführung von Reinhard Rürup), S. 183–289 Regina Scheer: Im Schatten der Sterne. Eine jüdische Widerstandsgruppe. Berlin 2004 Autorenkollektiv: Zum Kampf gegen den Antisemitismus (Teil 1), Vor aller Augen: Das Novemberpogrom 1938, Offenbach 2007

Einzelnachweise

Kategorie:Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus Kategorie:Historische Organisation (Berlin) Kategorie:Gründung einer politischen Organisation 1936 Kategorie:Aufgelöst 1942