Die Regierung Støre bildet seit der Ernennung durch König Harald V. am 14. Oktober 2021 die Regierung des Königreiches Norwegen und wird von Ministerpräsident (Statsminister) Jonas Gahr Støre (Arbeiderpartiet) geführt. Sie ging aus der Parlamentswahl 2021 hervor. Die Regierung ist eine Minderheitsregierung, die von der sozialdemokratischen Arbeiderpartiet gebildet wird. Bis zum 4. Februar 2025 gehörte auch die Senterpartiet der Regierung an.
Geschichte Wahl 2021 Bei der Wahl 2021 verloren die die Regierung Solberg stützenden Parteien Høyre, Fremskrittspartiet (FrP), Venstre und Kristelig Folkeparti (KrF) ihre Mehrheit im norwegischen Nationalparlament, dem Storting. Die linkeren Parteien Rødt, Miljøpartiet De Grønne (MDG), Sosialistisk Venstreparti (SV), Arbeiderpartiet (Ap) und Senterpartiet (Sp), die sich allesamt im Wahlkampf für einen Regierungswechsel ausgesprochen hatten, gewannen hingegen die Mehrheit.
Die SV, Ap und Sp, die bereits in der Regierung Stoltenberg II zusammenarbeiteten, erlangten mit 89 Sitzen auch alleine eine Mehrheit. Sowohl die SV als auch die Ap sprachen sich für eine erneute Regierungszusammenarbeit aus. Die Senterpartiet erklärte im Wahlkampf hingegen mehrfach die Absicht, nur mit der Arbeiderpartiet eine Regierung bilden zu wollen.
Sondierungs- und Koalitionsgespräche Nach der Wahl begann Jonas Gahr Støre, der Spitzenkandidat der Arbeiderpartiet, mit den linken Parteien Gespräche zu führen. Am 23. September 2021 begannen in Hurdal die Sondierungsgespräche zwischen den Parteien Senterpartiet, Arbeiderpartiet und SV. Die SV verkündete am 29. September 2021, dass sie sich nicht an einer Regierung beteiligen werde. Der SV-Vorsitzende Audun Lysbakken erklärte, dass es in mehreren Fragen und insbesondere im Bereich der Erdölpolitik keine Einigung gegeben habe.
Die Arbeiderpartiet und die Senterpartiet unter ihrem Vorsitzenden Trygve Slagsvold Vedum verständigten sich darauf, Koalitionsverhandlungen ohne die SV weiterzuführen. Støre und Vedum verkündeten am 8. Oktober 2021 schließlich, dass sie sich über eine Regierungsbildung einig geworden seien und man einen Regierungswechsel am 14. Oktober 2021 anstrebe.
Am 12. Oktober 2021 erklärte Erna Solberg, dass sie im Staatsrat dem König ein Abschiedsgesuch vorlegen werde. König Harald V. bat daraufhin Jonas Gahr Støre, eine neue Regierung zu bilden.
Präsentation der Regierung Am 13. Oktober 2021 veröffentlichten die Senterpartiet und die Arbeiderpartiet die beschlossene Regierungsvereinbarung. Aufgrund der in Hurdal stattgefundenen Koalitionsverhandlungen wurde die Vereinbarung unter dem Namen Hurdalsplattformen (deutsch die Hurdalsplattform) veröffentlicht.
Støre präsentierte am 14. Oktober 2021 das Regierungsteam, nachdem er im Staatsrat mit Wirkung ab 12 Uhr zum neuen Statsminister ernannt worden war. Das neue Kabinett setzte sich aus 19 Personen zusammen. Acht Posten erhielt die Senterpartiet, die Arbeiderpartiet bekam elf. Von den Posten gingen bei der Regierungsbildung zehn an Frauen, neun an Männer.
Regierungsarbeit Das erste Jahr der Regierungsarbeit war unter anderem geprägt von einer neuen Welle der COVID-19-Pandemie, dem Russischen Überfall auf die Ukraine, der Energiekrise und einer hohen Inflation. Zudem wurde eine Revision von Teilen der von der Regierung Solberg durchgeführten Regionalreform in Norwegen beschlossen. Durch die Rückgängigmachung stieg die Zahl der Fylker (Provinzen) erneut an. Kurz nach Übernahme der Regierungsarbeit begannen die Werte der Regierungsparteien in Wahlumfragen zu sinken. In vereinzelten Umfragen erreichte die Senterpartiet Werte unterhalb der Sperrgrenze von vier Prozent.
Im Laufe des Jahres 2023 gerieten mehrere Minister wegen der nicht ausreichenden Befolgung der Befangenheitsregeln in die Kritik. Im Falle der Kultur- und Gleichstellungsministerin Anette Trettebergstuen (Ap) sowie des Forschungs- und Hochschulbildungsministers Ola Borten Moe (Sp) führte die Regelmissachtung zum Rücktritt.
Kommunal- und Fylkestingswahlen 2023 Bei den Kommunal- und Fylkestingswahlen 2023 am 11. September 2023 mussten beide Regierungsparteien im Vergleich zu den Wahlen 2019 teils erhebliche Verluste hinnehmen. Die Arbeiderpartiet verpasste es das erste Mal seit 1924, bei einer Wahl landesweit die meisten Stimmen zu erhalten. Die Senterpartiet fiel bei der Wahl auf das Niveau zurück, das für die Partei lange als normal galt, durch die guten Wahlergebnisse aus dem Jahr 2019 jedoch einen starken Rückgang bedeutete.
Im Oktober 2023 nahm Støre einen größeren Umbau in der Regierungszusammensetzung vor. Fünf neue Minister kamen in die Regierung, davon vier von der Arbeiderpartiet, zwei Minister wechselten ihren Posten und vier Minister verließen die Regierung.
Vorfeld der Stortingswahl 2025 Im Vorfeld der Stortingswahl 2025 gaben mehrere Abgeordnete, die der Regierung Støre angehörten, bekannt, dass sie nicht zur Wiederwahl antreten. Von der Senterpartiet stellte sich Ola Borten Moe, der bis August 2023 dem Kabinett angehörte, nicht dem Nominierungsprozess. Bei der Arbeiderpartiet waren es Espen Barth Eide und die ehemalige Kultur- und Gleichstellungsministerin Anette Trettebergstuen. Des Weiteren trat die frühere Außenministerin Anniken Huitfeldt nicht erneut zur Wahl an, da sie zur norwegischen Botschafterin in den Vereinigten Staaten von Amerika ernannt wurde. Zudem scheiterten mit Marte Mjøs Persen, Ingvild Kjerkol und Hadia Tajik drei ehemalige Arbeiderpartiet-Ministerinnen an der parteiinternen Nominierung.
Aufgrund der schlechten Umfragewerte der Arbeiderpartiet stieg gegen Ende des Jahres 2024 der parteiinterne Druck auf Ministerpräsident Jonas Gahr Støre. Anfang Dezember 2024 begannen norwegische Medien verstärkt darüber zu berichten, dass innerhalb der Arbeiderpartiet über einen möglichen Rücktritt Støres diskutiert werde.
Regierungsaustritt der Senterpartiet Im Januar 2025 kam es bei der Umsetzung von Teilen eines EU-Richtlinien-Pakets zu Unstimmigkeiten zwischen der Arbeiderpartiet und der Senterpartiet. Ausschlaggebend waren Richtlinien zur Energiepolitik („Saubere Energie für alle Europäer“), die Norwegen aufgrund der Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) umsetzen sollte. Die EU räumte Norwegen eine Frist bis Mai 2025 ein. Die Arbeiderpartiet strebte an, drei der Richtlinien vor der Stortingswahl im Herbst 2025 in nationale Gesetze umzuwandeln, auch um die EU-Kommission aufgrund der langen Liste an noch nicht umgesetzten Richtlinien zu beschwichtigen. Die EU-skeptische Senterpartiet plante hingegen, die Wahl abzuwarten, da sie die Strompreise durch die Richtlinien gefährdet sah.
Am 30. Januar 2025 verkündeten der Senterpartiet-Vorsitzende und Finanzminister Trygve Slagsvold Vedum gemeinsam mit der Senterpartiet-Fraktionsvorsitzenden Marit Arnstad den Austritt der Senterpartiet aus der Regierung. Dem Ministerpräsidenten Støre sprachen sie jedoch weiter ihr Vertrauen aus. Støre verkündete daraufhin, dass die Arbeiderpartiet alleine weiterregieren werde und die acht Minister und Ministerinnen der Senterpartiet ersetzen werde. Vorgezogene Wahlen sind in Norwegen nicht möglich.
Die acht Minister der Senterpartiet schieden schließlich am 4. Februar 2025 aus der Regierung aus. Ihre Ämter wurden mit Politikern der Arbeiderpartiet neu besetzt. Mit Jens Stoltenberg holte Støre auch einen früheren Ministerpräsidenten in die Regierung. Infolge des Regierungswechsels verzeichnete die Arbeiderpartiet bei Wahlumfragen einen starken Anstieg.
Parlamentswahl 2025 Bei der Parlamentswahl 2025 behielt die Regierung Støre ihre Mehrheit. Die Regierung ist seit der Wahl jedoch zusätzlich auf die Unterstützung von Rødt und Miljøpartiet De Grønne (MDG) angewiesen. Aufgrund der nun fünf Parteien, die für die Mehrheit benötigt werden, erhielt die Zusammenarbeit in den Medien und von der Opposition auch den Namen „Tutti Frutti“.
Im März 2026 votierte die Senterpartiet gemeinsam mit den Parteien des rechten Blocks für eine vorübergehende Senkung der Treibstoffabgaben. Die Arbeiderpartiet warf der Senterpartiet daraufhin vor, gegen die Haushaltsvereinbarung der fünf Parteien verstoßen zu haben.
Durch den Tod von Harald V. im August 2026 fiel der Thronwechsel in die Amtszeit der Regierung Støre. Kurz darauf kam es am 11. September 2026 zu einer Kabinettsumbildung, bei der vier Ministerposten neu besetzt wurden.
Regierungsmitglieder