Guaíra ist ein brasilianisches Munizip im Bundesstaat Paraná. Es liegt an der Grenze zu Paraguay und zum Bundesstaat Mato Grosso do Sul. Am anderen Ufer des Paraná liegen Salto del Guairá (Paraguay) und Mundo Novo (Mato Grosso do Sul). Es hat 32.097 Einwohner (2022), die Guairenser genannt werden. Es liegt 220 Meter über dem Meeresspiegel.

Etymologie Der Name kommt von dem Guarani-Begriff 'Kway ra' für kein Durchkommen, unüberwindlich, der sich auf die großen Wasserfälle Sete Quedas bezieht.

Geschichte Die folgende Chronik ist ein Auszug aus der História de Guaíra des IBGE.

Spanische Kolonialzeit Als erster Europäer entdeckte Aleixo Garcia im Jahr 1525 die Wasserfälle des Rio Iguaçu und die Sete Quedas des Rio Paraná. Seine Route nach Peru verlief über die Peabiru-Wege.

Der neuernannte Gouverneur Álvar Núñez Cabeza de Vaca zog 1541 auf dem Landweg von der Insel Santa Catarina in Richtung Asunción, entlang des Rio Piquirí zum Paraná.

Im Auftrag von Domingo Martínez de Irala gründete García Rodríguez de Vergara 1554 am Übergang über den Paraná die Stadt Ontiveros. Vergara wurde mit seinen 60 Soldaten von Häuptling Canindeyú (Guaraní: Gelber Papagei) freundlich empfangen. Die Siedlung diente der Versorgung des Landwegs zwischen Asunción und Santa Catarina. Über den Fluss wurde eine 77 m lange Hängebrücke in drei Abschnitten gespannt. Noch im selben Jahr erbaute Rui Dias de Melgarejo mit 100 Soldaten Ciudad Real Del Guairá an der Piquiri-Mündung, wohin ein Teil der Bewohner von Ontiveros umgesiedelt wurde.

Die aufständischen Guaranís in Guairá unterwarf Ortiz Vergara 1561. Ihr Häuptling hatte zuvor verkündet: 'co ivi agorecó yara' – 'dies Land ist nicht herrenlos'.

Um die Jahrhundertwende lebten in Ciudad Real Del Guayrá 50 europäische Bürger sowie in der Umgebung rund 200.000 Guaranís (1601). Rui Dias de Melgarejo stellte Eisenartikel her und prägte sogar Münzen.

Am 18. Februar 1628 setzte der Gouverneur von Guairá Hernando Arias de Saavedra einen Gedenkstein zu seinem Besuch von Sete Quedas.

Portugiesische Kolonialzeit (1632–1822) Mit der vollständigen Räumung von Ciudad Real und Villa Rica durch die Spanier im Jahr 1632 endete die spanische Präsenz in der Region abrupt: 60.000 Indios wurden versklavt, 40.000 flohen unter Führung von Jesuitenpatern nach Süden, und 100.000 bis 150.000 kamen ums Leben. In der Folge geriet der Westen Paranás um 1650 in vollständige Vergessenheit. Mit dem Vertrag von Madrid wurde 1750 die Westgrenze von Paraná und die Zugehörigkeit von Guaíra zu Brasilien schließlich vertraglich festgelegt.

Kaiserreich (1822–1889) Einen empfindlichen Verlust für die Regionalgeschichte brachte das Jahr 1845: Die kaiserliche Regierung holte alle für die Geschichte von Paraná „interessanten“ Dokumente in das brasilianische Nationalarchiv, wodurch die Geschichte der Guaranís in Paraná, also der Guayrá-Indianer, weitgehend verloren ging.

Im Tripel-Allianz-Krieg (1864–1870) zwischen Argentinien, Brasilien und Uruguay auf der einen und Paraguay auf der anderen Seite wurden die meisten Überreste der spanischen Reduktionen zerstört. Paraguayische Truppen zerstörten 1866 zwei Abschnitte der Brücke, die Paraguay mit Brasilien verband.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Name Sete Quedas 1872 im Grenzvertrag zwischen Brasilien und Paraguay. Der Westen von Paraná war damals unbewohnt und wurde nur von Reisenden, Abenteurern und Forschern besucht. Im Jahr darauf, 1874, gründete Francisco Mendes Gonçalves in Buenos Aires ein Unternehmen für die Verarbeitung und den Vertrieb von Mate-Blättern, während Thomaz Laranjeira in Mato Grosso do Sul mit der Bewirtschaftung des Mateanbaus begann.

Die erste Karte der Provinz Paraná, auf der der Ortsname Ciudad Real Del Guayrá erscheint, wurde 1876 veröffentlicht. Im selben Jahr entdeckten die Brüder Telemaco Borba und Nestor Borba die Ruinen von Ontiveiros und von Ciudad Real Del Guayrá an der Mündung des Piquiri und führten Vermessungen für eine neue Hängebrücke unterhalb der Sete Quedas durch, wo der Fluss 60 Meter breit und die Felswände auf beiden Seiten 34 Meter hoch sind.

Thomaz Laranjeira gründete 1883 gemeinsam mit zwei Bankiers die Companhia Mate Laranjeira, die das Produkt exklusiv für Francisco Mendes Gonçalves zum Vertrieb auf dem argentinischen Markt herstellte. Der Bau einer Eisenbahnlinie von São Paulo nach Rio Grande do Sul mit einer Hauptstrecke nach Guaíra und nach Porto Mendes wurde 1889 genehmigt.

Republik (1889–1930) mini|Abfahrt des Zuges von Guaíra nach Porto Mendes Nach der Niederlassung der Companhia Mate Laranjeira in Guaíra im Jahr 1902 gründete das Unternehmen den Hafen Mojoli (heute Porto Paragem). Aus demselben Jahr stammen auch die ältesten heute noch erhaltenen Häuser der Stadt.

Mit dem Staatsgesetz Nr. 815 vom 6. Mai 1908 wurde die Stadt Guaíra offiziell gegründet. Der Transport von Mate-Blättern zur Verarbeitung in Buenos Aires wurde ab 1910 aufgenommen: Die Fracht wurde zunächst per Schiff nach Guaíra gebracht, dann von Rindergespannen zum Salto Carapan gezogen und von dort über ein Drahtseil nach Paraguay befördert.

Zur argentinischen Aktiengesellschaft wurde die Companhia Mate Laranjeira 1917 umgewandelt. Zwei Jahre später, 1919, entstand eine neue Hängebrücke unterhalb der Wasserfälle mit einer Spannweite von 89 Metern, errichtet nach den Plänen der 1866 zerstörten Brücke.

Als die Coluna Prestes (Truppen der Leutnantsaufstände) 1924 durch Guaíra zog, berichtete Leutnant J. Nunes de Carvalho, dass die mächtige Companhia Mate Laranjeira Tausende von Arbeitern zu Löhnen beschäftige, die gerade mal für das Lebensnotwendigste ausreichten. Die Hängebrücke wurde erneut zerstört. Der Umsatz der Companhia Mate Laranjeira erreichte in dieser Zeit das Sechsfache des Staatshaushalts von Paraná. Auf der Karte von Paraná aus demselben Jahr erscheint letztmals der Name Ciudad Real. Die Eisenbahn der Companhia Mate Laranjeira wurde 1930 für die Öffentlichkeit geöffnet.

Ära Vargas und Folgezeit (1930–1964) Auf Initiative der Companhia Mate Laranjeira wurde 1934 die Kirche Nossa Senhora do Perdão errichtet, deren Heiligenfiguren indianische Züge tragen. Präsident Getúlio Vargas verstaatlichte 1944 die Schifffahrt auf dem Paraná sowie die Eisenbahn Guaíra – Porto Mendes mitsamt festem Material, Hafenanlagen und allen schwimmenden Einrichtungen. Um Devisen zu sparen, unterband Argentinien 1945 die Einfuhr von Mate.

Unter Schutz gestellt wurden 1948 insgesamt 121 Hektar Land mit den Überresten von Ciudad Real Del Guayrá an der Mündung des Piquiri an seinem linken Ufer – was jedoch eine unkontrollierte Plünderung der archäologischen Stätte auslöste.

Durch das Staatsgesetz 790 vom 14. November 1951 wurde das Munizip Guaíra gegründet. Ab 1953 wurden mehrere Untersuchungen zur Wasserkraftnutzung von Sete Quedas in Angriff genommen. Japanische Ingenieure veröffentlichten im Mai 1961 einen Entwurf, der eine mächtige halbkreisförmige Mauer um die Sieben Wasserfälle vorsah, sodass diese nicht verschwinden würden und 20 % des Wassers weiterhin über die Katarakte strömen sollte.

Bei Ausgrabungen in den Ruinen von Ciudad Real Del Guayrá fand der Archäologe Igor Shmicz 1958 nur noch einige Urnen. Das Museum Sete Quedas wurde 1959 gebaut. Ein Jahr später nahm das Wasserkraftwerk Guaíra in den Sete Quedas den Betrieb auf. Den Nationalpark Sete Quedas gründete Präsident Jânio Quadros im Jahr 1961.

Militärdiktatur (1964–1985) Mit der Unterzeichnung des Itaipú-Vertrags durch Brasilien und Paraguay im Jahr 1973 wurde die Überflutung der Sete Quedas endgültig besiegelt. Beim Bau einer Straße zu den Wasserfällen im Nationalpark Sete Quedas wurde 1975 die archäologische Stätte von Ontiveros entdeckt. Der Nationalpark wurde 1981 aufgehoben und der Wald zur Rodung freigegeben. Ein Jahr darauf, 1982, wurden die Schleusen von Itaipú geschlossen. Die Fährverbindung zwischen Guaíra und Salto Del Guayrá wurde 1983 aufgenommen.

Demokratie (seit 1985) mini|Fähre über den Paraná mini|Ayrton-Senna-Brücke Als Nationalpark geschaffen wurde 1997 das Gebiet Ilha Grande, ein Labyrinth aus Kanälen, Inseln und Seen, das dem Gebiet den Namen Pantanal Paranaense einbrachte.

Freigegeben wurde die Ayrton-Senna-Brücke im Jahr 1998. An den zweiten Indigenen-Spielen nahmen 1999 insgesamt 31 Stämme mit 570 Athleten teil.

Geographie Fläche und Lage Guaira hat eine Fläche von 564 km². Es befindet sich auf dem Breitengrad 24º04'48" Süd und dem Längengrad 54º15'21" West. Es liegt auf einer Höhe von 220 Metern.

Klima Das Klima ist mild sowie allgemein warm und gemäßigt. Guaira hat während des Jahres eine erhebliche Menge (1579 mm) an Niederschlägen zu verzeichnen. Das gilt auch für den trockensten Monat. Cfa lautet die Klassifikation des Klimas nach Köppen und Geiger.

Gewässer Der Itaipú-Stausee beginnt westlich der Stadt.

Der Piquirí mündet an der nördlichen Grenze zum Munizip Altônia in den Paraná.

Der Arroio Guaçú mündet an der südlichen Grenze zum Munizip Mercedes in den Paraná.

Bundesstraßen Guaíra liegt an der BR-163, die von Tenente Portela im Bundesstaat Rio Grande do Sul über 3500 km durch die Bundesstaaten Santa Catarina, Paraná, Mato Grosso do Sul und Mato Grosso bis nach Pará führt, wo sie in der Stadt Oriximiná endet. Nördlich der Stadt überquert die BR-163 den Parana auf der Ayrton-Senna-Brücke, der mit 3.607 Metern Länge längsten Flussbrücke Brasiliens.

In Guaíra endet die BR-272 von São Paulo bis zur Grenze mit Paraguay.

Busbahnhof Guaíra Der Busbahnhof wird von mehreren Busunternehmen bedient, darunter EUCATUR, Viação Garcia, Viação Ouro e Prata, Unesul, Expresso Maringá, Expresso Nordeste oder Viação Umuarama.

Flughafen Guaíra Der Flughafen verfügt über eine Start- und Landebahn von 1300 × 30 m und ein Abflugterminal.

Nachbarmunizipien

Stadtverwaltung

Bürgermeister (Prefeito Municipal): Heraldo Trento (2017–2024) Stellvertretender Bürgermeister (Vice-Prefeito): Gileade Osti (2017–2024)

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung JahrEinwohnerStadtLand18721.0161890115190036519202.35519507.081196021.4868.89012.596197032.87511.26121.615198029.17019.5999.571199130.00022.7907.210200028.65924.8783.781201030.70428.2062.498202232.097202432.966

Quelle: IBGE (2011) und Volkszählung 2022

Ethnische Zusammensetzung Ethnische Gruppen nach der statistischen Einteilung des IBGE (Stand: 1991, 2000 und 2010) Gruppe*Anteil 1991Anteil 2000Anteil 2010AnmerkungBrancos18.77918.59817.462Weiß: wer sich als "weiß" erklärtPardos10.0268.39411.233Braun: wer sich als "braun" erklärt oder wer sich mit einer Mischung von zwei oder mehr der fünf Gruppen identifiziertPretos414876828Schwarz: wer sich als "schwarz" erklärtAmarelos735502669Gelb: Personen fernöstlicher Herkunft wie japanisch, chinesisch, koreanisch etc.Indígenas-263512Indigen: wer sich als Ureinwohner oder Indio erklärtohne Angabe3526-Gesamt30.00028.65930.704 *) Das IBGE verwendet für Volkszählungen seit 1991 ausschließlich diese fünf Gruppen. Die Gruppenzugehörigkeit wird bei der Befragung vom Einwohner selbst festgelegt. Das IBGE verzichtet bewusst auf Erläuterungen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Guaíra verfügt über touristische Infrastruktur. Angesprochen werden Besucher, die an der Geschichte der Kolonisierung und dem Naturerlebnis interessiert sind. Die frühere Hauptattraktion Sete Quedas ist jedoch im Itaipú-Stausee versunken.

Kultur- und Geschichtstourismus Guaíra Park: wichtigste Grünfläche in Guaíra Sete-Quedas-Museum: Tiere der Region, Kunst der Eingeborenen und Gegenstände, die den Durchzug der Spanier und Portugiesen durch dieses Gebiet belegen Steinkirche Nuestro Señor Del Perdón: Spanische Kapelle, die mit Steinen aus den Sete Quedas erbaut wurde Wassersportzentrum Marinas: angelegt in Form eines Dorfes auf 15 Hektar mit Einrichtungen für Kultur-, Sport- und Freizeitaktivitäten, mit sieben Pavillons für Veranstaltungen wie das Festival der Nationen