mini|Stammwappen der Emmerichs im Neuen Lausitzischen Magazin 68 (Beilage, 1892) Emmerich (auch Emerich, Emrich) war zunächst ein Patriziergeschlecht in der Oberlausitz. 1559 und 1742 wurden Familienmitglieder aus unterschiedlichen Stämmen der Familie in Nikrisch bzw. in Frankfurt geadelt. Ihr bekanntestes Mitglied ist Georg Emmerich.

Etymologie und Herkunft Nach Richard Jecht (1892) ist das Geschlecht erst mit Urban Emmerich und nicht vorher in Görlitz ansässig gewesen. Hermann Knothe (1879) und Walther Ludwig (1980) behaupteten dies beispielsweise. Vor allem ist es nicht, wie behauptet wurde, mit Ermanrich, Ermenrich, Ermerich, Ermelrich bzw. Ermelreich verwandt, da letztere Geschlechter in den vielen urkundlichen Quellen nie ohne das ‚r‘ im Anfang des Wortes geschrieben sind. Vielmehr gehe Emmerich bzw. Emerich, Emrich auf Ambricho bzw. Embricho zurück.

Der im Görlitzer Urkundenbuch zu findende und von Knothe und Ludwig als Georg Emmerichs Vorfahr herangezogene Kunradus de Grifenberch quem Emmericum vocitant, sei in der Urschrift als Ermericum zu lesen.

Hans Emrich, der in den 1390er Jahren mehrmals in Urkunden steht, sei auch als „ein erbar Mann aus Hainau“ belegt, der Geld auf Hypothek nach Görlitz verlieh.

Die Nachricht einiger Chronisten, dass der Rat zu Görlitz im Jahr 1422 mit Vincenz Heller und seinen Schwiegersöhnen und Bürgermeistern in damaliger Zeit Nikolaus Günzel und Wenzel Emrich in Verhandlung trat, sei falsch, da Wenzel Emrich nie Bürgermeister von Görlitz gewesen, in jener Zeit gar nicht nachweisbar und schon gar nicht im Görlitzer Rat gesessen habe. Sie gehe wahrscheinlich auf den „bekannten ‚Lügenhistoriographen‘ Hofemann (Cnemiander)“ zurück.

In diesem Sinne erwarb Urban Emmerich ohnehin erst im Verwaltungsjahr 1432/33 im Alter von über 50 Jahren das Bürgerrecht in Görlitz.

Stammbaum Quellen Die nachfolgende Stammlinie ist hauptsächlich auf Richard Jechts „Urkundliche[n] Nachrichten über Georg Emmerich“ im Neuen Lausitzischen Magazin 1892 begründet, die die Vorfahren, Geschwister und unmittelbaren Nachkommen Georgs und seines Halbbruders Wenzel, sowie eine Linie bis zum Görlitzer Bürgermeister Hans Emmerich belegen.

Die Nachkommen Wenzels Sohn Jakob sind in einer Quelle des 18. Jahrhunderts zu finden.

Oskar Pusch veröffentlichte des Weiteren Mitte der 1980er Jahre, im Rahmen seiner fünfbändigen Arbeit über das Breslauer Patriziat, einen Stammbaum der Emmerichs, der ähnlich erscheint, teils grundlegend übereinstimmt, allerdings eine tiefgreifende Abweichung aufweist. So hieß nach Puschs Darstellung Georg Emmerichs Vater Nicolaus und der herkömmlich als Georgs Vater betrachtete Urban sei Georgs Onkel gewesen. Wenzel sei auch nicht Georgs Halbbruder, sondern sein Cousin gewesen. Paradoxerweise beschrieb Pusch jenen Wenzel in der Einzeldarstellung jedoch tatsächlich als Halbbruder Georgs.

Günter Grundmann überlieferte eine spätere Linie, die sich nicht in die Vorfahren eingliedern lässt, aber durch den Bau der Emmerich’schen Familiengruft Relevanz hat.

Stammlinien Urkundlich bestätigt ist nach Jecht, dass Urbans 1329 geborener Vater auch Urban hieß. Der war verheiratet mit einer aus dem Hause Pfinzing aus Nürnberg. Als Emmerich von der Warthe wird der Vater des älteren Urbans bezeichnet, der mit seiner Frau Margarethe (⚭ vor 1375; geb. von Arnoltsdorf) das Haus am oberm Ringe in Glatz von Frenczel von Fokkus kaufte. Er vermachte es noch zu Lebzeiten seinem Sohn Urban.

Urban II. hatte aus zwei seiner drei Ehen sieben Kinder: Erste Ehe (Margarethe Sauermann; vor 1422 in Breslau): Dorothea (⚭ Nickel Rose) Hedwig (⚭¹ Gregorius Hammer; ⚭² Hans Jost) Regina (⚭ Matthes Art) Urban III (* um 1400 in Glatz oder Leopoldshain bei Görlitz; † April 1472) heiratete im Jahr 1461 Anna Behr, Tochter eines angesehenen Behr unbekannten Taufnamens und Barbara Behr (nach Richard Jecht heißt sie Anna Valentin, was nach Erich Wentscher jedoch ein Missverständnis spätestens durch den Görlitzer Genealogen Christian Schäffer ist, da ein Hirschberger Bürger Valentin und seine Frau Margarethe am 16. Mai 1641 lediglich einen Leibrentenvertrag mit Anna und Urban abschloss. Annas Mutter werde darin als Barbara Behr erwähnt.), nachdem er sie 1459 gewaltsam aus Hirschberg entführt hatte. Er wurde bei Hoyerswerda von Feinden überfallen und wurde erst gegen eine große Summe Geld freigelassen. Dieses Ereignis ist möglicherweise identisch mit seiner fünfzehnmonatigen Schuldhaft 1468/69 in Tetschen, veranlasst durch eine aus der mit Görlitz verfeindeten Familie von Wartenberg. Demnach hatte er sich aber selbst verschuldet. Unterstützung seiner reichen Familienangehörigen hatte er trotz seines Flehens nicht empfangen. Ein Herr von Gersdorf löste ihn schließlich aus. Krank durch das lange Gefängnis und gezeichnet durch den Druck seiner Gläubiger starb er früh im Jahr 1472. Kinder hinterließ er nicht. Matthäus Schneider, der Vater Franz Schneiders, heiratete 1482 Anna Behr und beglich einige oder die gesamten Schulden Urbans. Georg (* 1422 in Glatz; † 1470 in Görlitz) Erste Ehe (Barbara Knebel; Januar 1468): Peter († 1529) heiratete in erster Ehe die Liegnitzer Ratsherrentochter Martha Schönfeld und in zweiter Ehe Catharina Berger († 1541) aus Leipzig. Aus zweiter Ehe sind acht Kinder überliefert.Oskar Pusch: Die Breslauer Rats- und Stadtgeschlechter, Band 1, S. 372–373 Andreas hat im Jahr 1529 einen Bezug zu Schlesien. Seine Tochter unbekannten Vornamens heiratete „Hans Marcel v. d. Neisse aus Breslauer Patriziergeschlecht“ Erasmus († vor 9. August 1549) Catharina Anna (⚭ Hans Stollberger von Birkenhain) Valentin (im Jahr 1543 Tuchmacher) Christoph († 1548) Clara (⚭ Joachim Schütz) Sophie (⚭ 1540: Hieronymus Keul, Notar in Löbau)

weitere Kinder aus der ersten Ehe Georgs Martin Hans der Ältere († 1. Mai 1539 in Görlitz) war Ratsherr in Görlitz und heiratete im Jahr 1526 Anna Hörnig aus Breslau. Am 9. März 1538 bat er darum, den Rat zu verlassen, um nach Freiberg übersiedeln zu können. In der Vorbereitung zu seinem Umzug starb er nach Erkrankung. Er hinterließ vier Töchter.Oskar Pusch: Die Breslauer Rats- und Stadtgeschlechter, Band 1, S. 372–373 Anna (⚭ um 1520: Hofrichter Christoph von Tarnau, Sohn des Iban von Tarnau und Anna, geborene von Bank). Anna Emmerich starb bei der Geburt ihres vierten Kindes Christina (⚭ Matthes Garn) Margarethe Katharina († 1571; ⚭ Andreas von Reuss)

weitere Kinder aus der ersten Ehe Georgs Katharina (auch Katharine) heiratete in erster Ehe Gregorius Klett(e) und in zweiter Ehe Gregorius Berndt Apollonia heiratete Steffan Alnpeck (auch Steph. Altnbeck), in zweiter Ehe Martin von Manewitz Barbara heiratete Niklas Köhler und in zweiter Ehe Jakob Aspe Magdalena heiratete Melchior Frankenstein Margaretha heiratete Ulrich Schütz. Dorothea († 1520), Barbara Knebels jüngste Tochter und Georgs neuntes Kind heiratete 1506/07 in Görlitz Sebastian Schütz (auch Sebastian Schütze; * um 1485 in Nürnberg; † 6. Juli 1569 in Görlitz), einen Leipziger Studenten, Anhänger Kaspar Schwenckfelds und Sohn eines Görlitzer Tuchhändlers. Sebastian Schütz war im Jahr 1528, gemessen anhand der im Steuerregister von 1528 bis 1543 angegebenen Vermögenswerten, vor Jörg Schmid („Jorg Schmyd“) und den Erben Bernhard Bernts reichster Mann der Stadt Görlitz.

Zweite Ehe Georgs (mit Klara Eschlauer; Ende 1470er Jahre): Caspar studierte 1486 in Leipzig, erwarb dort 1498/1501 den artistischen Bakkalar und den Magister. Er war Dekan und Domherr zu Bautzen und 1504/05 Rektor der juristischen Fakultät der berühmten Universität zu Bologna. Anna heiratete Adolar Ottera. Hans der Jüngere erbte das Dorf Nikrisch und pflanzte sein Geschlecht in männlicher Linie bis 1725 und in weiblicher Linie durch die Familien Fischer, Meyrich und Hagedorn in Nikrisch bis heute (erstes Viertel des 20. Jahrhunderts oder weiter) fort. Er befand sich 1528 unter den fünf reichsten Bürgern in Görlitz. mini|Das den Emmerichs 1559 verliehene Wappen mini|Epitaph des Georg Emmerich (Emerich) in der Adamskapelle beim Heiligen Grab

Urban Emmerich (Sohn Hans des Jüngeren) wurde 1559 mit seinem Bruder Johann von Ferdinand I. in „Nickers“ (Nickrisch) als erster Zweig der Familie Emmerich geadelt. Johann (auch Hans, Hans Emerich Johansen Sohn, Herrn Georgen Ritters Sohnssohn; † 1594) ließ 1578 in der Adamskapelle zwei (lateinisch und deutsch) Epitaphien errichten, die zu der Legende führten, dass Georg Emmerich der Stifter des Heiligen Grabes sei. Hans Emmerich wurde im Jahr 1584 von Ferrandus de amatis zum Pfalzgrafen ernannt, als welcher er beispielsweise 1587 den Brüdern Göbel ihr Wappen und Kleinod verlieh. Im Jahr 1590 heiratete er Elisabeth Ritter von Hennersdorf, Tochter des ehemaligen Görlitzer Bürgermeisters Valentin Ritter († 1586). Hans Emmerich wurde selbst 1617 und 1620 Bürgermeister von Görlitz, verstarb wohl aber in seinem zweiten Amtsjahr. Sein Testament befindet sich in der Milichschen Bibliothek.

Zweite Ehe Urbans II (mit Margarethe Rinckengießer; vor 1433): Wenzel (* 1442; † 24. März 1503) begann 1458 in Leipzig Jura zu studieren. 1477 wurde er in den Görlitzer Rat gewählt und übte das Schöppenamt in den Jahren 1481, 1486, 1496 und 1500 aus. Weil sein (Halb-)Bruder Georg auch im Rat saß, und diese Konstellation nicht erlaubt wurde „feierte“ er wohl, das heißt er machte frei. 1479 war er Kirchenvater in der Frauenkirche und Verweser des ehemaligen, in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstandenen Spitals St. Jakob (auch Hospital zum heiligen Geist, Neißehospital), 1495 Kirchenvater zu St. Peter und Pauli. Zum Wohle der Stadt reiste er viel in nahgelegene Ortschaften, wie Forst, Sorau, Löbau, Muskau, Bautzen, Sagan. Er hatte besonders bei seinem Halbbruder Georg Schulden, der ihn deswegen auch mehrmals verklagt. Wenzel heiratete Margarethe (geb. Uthmann) und bekam mit ihr acht Kinder: Simon (letzter katholischer Pfarrer auf Ludwigsdorf) Wenzel II. Jakob († 1553) erwarb Rauschwalde und hatte mindestens einen Sohn Joachim, der Rauschwalde erbte. Eine Martha Emmerich a.d.H. Rauschwalde († 1629), verheiratet mit Johannes Tscherning (auch: Johann Tscherning; * 1521; † 1586) stammte wohl von Jakob ab. Martha stiftete ihrem Ehemann, dem sie zwei Töchter und einen Sohn geboren hatte, ein Denkmal an der Südseite der katholischen Pfarrkirche (Maria Himmelfahrt) in Bunzlau. Dorothea (⚭ Paul Schmid) Margarethe (⚭ Johannes Mey) weiterer Sohn Wenzels I.: Paul († 1540; ⚭ Anna Tilicke) erwarb bzw. kaufte sich nach dem Tod seines Vaters Wenzel alle vier Teile von Heydersdorf (poln. Włośień), die im Erbe zunächst getrennt worden waren. 1527 zog er aus der Stadt Görlitz auf sein Gut Heydersdorf. Er hatte angeblich acht Kinder, wenngleich zehn beschrieben wurden. Nach Pauls Tod verkauften die im Folgenden aufgelisteten Kinder Heydersdorf an Matthias von Salza. Stephan († in Lauban als Junggeselle) Wenzel III. (kämpfte im Türkenkrieg in Ungarn) Anna (⚭ Mathes Arnold) Johann († 1572 in Lauban; ⚭ Mariane Scheuffler) Catharina (⚭ Balthasar Helffer) Elisabeth (⚭ Georg Gast) Georg († 20. August 1604 in Lauban; ⚭ Anna Zeidler) Margaretha (⚭ Peter Schulz) Christoph († im ersten Lebensjahr) Christoph (wurde in der Belagerung Blassenburg erschossen)

weitere Kinder Urbans III.: Urban IV. Margaretha (⚭ Ditrich Cranleit) Hedwig (⚭ Nikolaus Tilicke, nach Christian Speer ein Verwandter Hans Frenzels Schwiegervater Caspar Tilicke)

Anhand des verfügbaren Quellenmaterials nicht in den Stammbaum einfügen lässt sich:

Martha Emmerich, seit etwa Mitte des 16. Jahrhunderts verheiratet mit Valentin Hass. Die Meerfrauen im geeinten Wappen beweisen Marthas Zugehörigkeit zur Görlitzer Familie Emmerich.

Arthur Haupt nennt in der Aufzählung der „Grabdenkmäler und Epithapien auf dem alten Nikolaifriedhof und in der Nikolaikirche zu Görlitz“ (1937) mit dem Namen E(m)merich: