Das k.u.k. Infanterieregiment „Ritter von Milde“ Nr. 17 war ein Regiment der Gemeinsamen Armee Österreich-Ungarns. Im November 1916 wurde der vierjährige Kronprinz Otto auf Wunsch seines Vaters Karls I. zum letzten Regimentsinhaber ernannt.Stefano Alusini, Mario Busana, Ruggero Dal Molin: Guida ai campi di battaglia dell’Altopiano dei Sette Comuni – Itinerari della Grande Guerra: Monte Chiesa e Monte Forno Volume terzo. S. 29. Von diesem Zeitpunkt an hieß es inoffiziell Infanterieregiment „Kronprinz“ Nr. 17.
Geschichte Das Regiment wurde am 13. Februar 1674 von Heinrich Graf von Reuß-Plauen als Regiment Reuß–Plauen zu Fuß aufgestellt. Nachdem es 1679 aufgelöst worden war, wurde es zwei Jahre später erneut von Ferdinand Freiherr von Stadl aufgestellt.Alphons von Wrede, Anton Semek: Die Geschichte der k. u. k. Wehrmacht: Die Regimenter, Corps, Branchen und Anstalten von 1618 bis Ende des XIX. Jahrhunderts. Band I: Infanterie. S. 232, 234.
Nach seiner Neuaufstellung 1681 war es zunächst in den Vorlanden stationiert und warb dort auch die Mannschaften an. Mit der Vergabe der Stammnummern 1769 wurde dem Regiment die 17 zugewiesen. 1771 erhielt es den Ergänzungsbezirk Böhmen zugewiesen. Der Regimentsstab war in Leitmeritz untergebracht. Von 1807 bis 1817 ergänzte es sich aus dem Kreis Jungbunzlau in Mittelböhmen, bevor das Regiment seinen endgültigen Ergänzungsbezirk Krain erhielt. Der Stab befand sich in Laibach. Zwischen 1857 und 1860 ergänzte es sich kurzfristig zudem aus Kroatien und Fiume.Alphons von Wrede, Anton Semek: Die Geschichte der k. u. k. Wehrmacht: Die Regimenter, Corps, Branchen und Anstalten von 1618 bis Ende des XIX. Jahrhunderts. Band I: Infanterie. S. 233.
Die erste Regimentsschule wurde 1782 in Prag eingerichtet, bevor sie nach Kosmanos verlegt wurde. Von 1824 an fand die Ausbildung in Laibach statt. 1893 wurde der Sitz von drei Bataillonen von Laibach nach Klagenfurt verlegt. Lediglich das I. Bataillon verblieb am Standort Laibach. Im Zuge der ab Mai 1917 begonnenen Neuorganisation der Armee wurde die Feldstärke der Infanterieregimenter ab Herbst 1917 von vier auf drei Feldbataillone reduziert. Infolgedessen wurde das VI. Bataillon des Regiments mit anderen Bataillonen zur Aufstellung des 117. Infanterie-Regiments herangezogen.Österreichisches Bundesministerium für Heereswesen, Kriegsarchiv (Hrsg.): Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914–1918. Siebter Band: Das Kriegsjahr 1918. S. 54–55.
Der „17er Regimentsmarsch“ stammt aus der Feder von Friedrich Korolanyi. mini|hochkant|Oberst des 17. InfReg. in Paradeadjustierung
Stand Juli 1914 Unterstellt: 12. Infanterie-Brigade – 6. Infanterie-Truppendivision – III. Armeekorps Umgangssprachen bei Mannschaften: 86 % slowenisch – 14 % verschiedene Ergänzungsbezirkskommando und Ersatzbataillonskader: Laibach Dislozierung: Stab, II., III., IV. Baon: Klagenfurt – I. Baon: Laibach Kommandant: Oberst Adolf Freiherr von Stillfried und Rathenitz Bataillonskommandanten: Oberstleutnant Karl Breidl (I.), Oberstleutnant August Zell (IV.), Oberstleutnant Franz Perner (II.), Major Hugo Ventour von Thurmau (III.)Schematismus für das k.u.k. Heer und für die k.u.k. Kriegsmarine für 1914. S. 412. Deutsche Uniform – Egalisierungsfarbe: rotbraun – Knöpfe: weißMaximilian Ehnl: Die österreichisch-ungarische Landmacht nach Aufbau, Gliederung, Friedensgarnison, Einteilung und nationaler Zusammensetzung im Sommer 1914. S. 20.
Soldatenaufstand in Judenburg Am 12. Mai 1918 brach unter den Angehörigen des in Judenburg stationierten XL. Marschbataillons ein Aufstand aus. Die Mehrzahl der 2600 dort stationierten Soldaten waren Slowenen. Angeheizt wurde der Aufstand durch eine Reihe von Faktoren, die im Frühjahr 1918 die Stimmung in der Armee anspannten. Die sich verschlechternde Versorgungssituation und eine allgemeine Kriegsmüdigkeit trugen dazu ebenso bei, wie der Umstand, dass die Reihen der Armee verstärkt durch Minderjährige, alte Männer, kaum genesene Verwundete und aus russischer Kriegsgefangenschaft freigelassene Gefangene der k.u.k. Armee aufgefrischt wurden. Dabei verbreiteten die nach dem Frieden von Brest-Litowsk freigelassenen Gefangenen auch die Ideen der Oktoberrevolution unter den Soldaten.Karin Almasy: ‘V spomin žrtvam svetovne vojne‘ – Erinnerungskultur, Gefallenendenkmäler in der Untersteiermark und die Zäsur 1918 für die Slowenen. S. 14–15. Aus ähnlichen Gründen war es bereits im Februar 1918 zum Matrosenaufstand von Cattaro gekommen. Großen Einfluss hatte auch die Idee des Zusammenschlusses der Südslawen zu einem Jugoslawien.
Zudem wirkten sich im Falle des Marschbataillons des Infanterie-Regimentes Nr. 17 einige lokale und zeitliche nahe liegende Faktoren zusätzlich aus. So war die Truppe in Judenburg zum Großteil in unbewachten, nicht umzäunten Baracken einquartiert und konnte beliebig ein- und ausgehen. Außerdem war drei Tage vor dem Aufstand, die bereits spärliche Brotration rückwirkend gekürzt worden, so dass an dem Tag nur 50 g Brot je Mann ausgegeben wurden. Da es Anzeichen gab, dass es bald wieder an die Front gehe, kam es zu Trinkexzessen. Vom Alkohol aufgeheizt, wurden zunächst Kantine und Küche geplündert, bevor man bewaffnet durch die Stadt zog und um Frieden und Brot grölte. Dem plündernden Zug schlossen sich bald auch mehrere hundert Zivilisten an. Als man versuchte die Aufständischen aufzuhalten und ziellos mit Maschinengewehren in die Meute schoss, gab es die ersten Toten. Nachdem am nächsten Tag Verstärkungen angerückt waren, konnte der Aufstand niedergeschlagen werden. Laut unmittelbar eingesetzten Standgericht, beteiligten sich fast 1200 Mann an dem Aufstand, die bis auf knapp 400 Mann alle festgenommen werden konnten. Sieben als angebliche Rädelsführer ausgemachte Meuterer wurden zwischen dem 16. und 18. Mai 1918 vor dem angetretenen Bataillon standrechtlich erschossen: Anton Hafner, Karel Možina, Alojz Štefanič, Joso Davtovič, Alojz Rogelj und ein Soldat namens Hrachovina. Alle hingerichtete Slowenen bekannten sich dazu, ihr Leben für die Idee eines jugoslawischen Staates zu opfern.Petra Svoljšak, Gregor Antoličič: Leta strahote-Slovenci in prva svetovna vojna (deutsch: Dia Jahre des Grauens-Slowenen und der Erste Weltkrieg), Cankarjeva založba, Laibach 2018. Einer wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe begnadigt. Dem Aufstand selbst waren sieben Menschen zum Opfer gefallen, darunter eine Frau. Knapp 30 Personen waren verletzt worden.Richard Georg Plaschka, Horst Haselsteiner, Arnold Suppan: Innere Front. Militärassistenz, Widerstand und Umsturz in der Donaumonarchie 1918. Erster Band: Zwischen Streik und Meuterei. S. 324–341.
mini|hochkant|Aufständische aus Judenburg werden zur Exekution eskortiert. mini|hochkant|Denkmal für hingerichtete weißkrainer Soldaten in Črnomelj
Gefechtskalender Holländischer Krieg
1675 Schlacht bei Goldscheuer
Spanischer Erbfolgekrieg
1702 Belagerung der Festung Landau. In der Schlacht bei Friedlingen gegen die Franzosen fällt der Regimentsinhaber Karl Egon Fürstenberg-Möskirch. Von 1705 bis 1712 in Oberitalien unter dem Oberbefehlshaber der Antifranzösischen Koalition Prinz Eugen von Savoyen 1705 Schlacht bei Cassano 1706 Schlacht von Turin 1707 Belagerung von Toulon 1708 Besetzung des Kirchenstaates
Venezianisch-Österreichischer Türkenkrieg
1716 Schlacht von Peterwardein gegen die Osmanen und anschließender Teilnahme an der Belagerung von Temesvár 1717 Schlacht von Belgrad
Russisch-Österreichischer Türkenkrieg
1737 Teilnahme am Feldzug nach Serbien und an der Verteidigung der Festung Užice
Österreichischer Erbfolgekrieg
1741 Schlacht bei Mollwitz im Ersten Schlesischen Krieg 1742 Belagerung von Prag 1745 Gefecht bei Habelschwerdt im Zweiten Schlesischen Krieg 1745 Schlacht von Soor
Siebenjähriger Krieg
1756 Schlacht bei Lobositz und gescheiterter Entsatz bei der Belagerung bei Pirna 1757 Schlacht bei Prag, Schlacht bei Breslau, Schlacht bei Leuthen 1758 Belagerung von Olmütz 1760 Schlacht bei Torgau 1761 Erstürmung von Schweidnitz 1762 Verteidigung von Schweidnitz
Erster Koalitionskrieg
1794 Schlacht bei Maubeuge, Schlacht bei Fleurus, Schlacht bei Charleroi, Gefechte bei Limburg und Düren 1795 Belagerung von Mainz 1796 Schlacht bei Wetzlar, Belagerung der Festung Kehl, Schlacht bei Amberg, Schlacht um Würzburg, Schlacht bei Limburg
Zweiter Koalitionskrieg
1799 Belagerung von Ancona 1800 Belagerung von Genua, Schlacht bei Marengo, Schlacht am Mincio
Dritter Koalitionskrieg
1805 Schlacht bei Günzburg, Schlacht bei Neresheim, Schlacht bei Haslach-Jungingen
Fünfter Koalitionskrieg
1809 Schlacht bei Ursensollen, Schlacht bei Eggmühl, Schlacht bei Regensburg, Schlacht bei Aspern, Schlacht bei Wagram, Schlacht bei Znaim
Sechster Koalitionskrieg
1813 Schlacht um Dresden, Völkerschlacht bei Leipzig 1814 Schlacht bei Mâcon, Schlacht bei Lyon, Schlacht bei Limonest 1815 Schlacht bei Altkirch, Schlacht bei Belfort
Revolution 1820/21 1821 Beteiligung an der Niederschlagung revolutionärer Unruhen im Piemont und Neapel
Erster Italienischer Unabhängigkeitskrieg
1848 Schlacht von Curtatone und Montanara, Schlacht von Goito, Schlacht bei Sommacampagna, Schlacht bei Custozza, Beteiligung an der Niederschlagung des Aufstandes in Mailand 1849 Schlacht bei Gambolò, Teilnahme an der Belagerung von Bologna und Ancona
Ungarischer Unabhängigkeitskrieg
1849 Dritte Schlacht bei Komorn, Gefecht bei Kács
Zweiter Italienischer Unabhängigkeitskrieg
1859 Schlacht von Solferino
Dritter Italienischer Unabhängigkeitskrieg
1866 Schlacht bei Custozza
Okkupationsfeldzug in Bosnien
1878 Gefechte bei Jajce und LivnoAlphons von Wrede, Anton Semek: Die Geschichte der k. u. k. Wehrmacht: Die Regimenter, Corps, Branchen und Anstalten von 1618 bis Ende des XIX. Jahrhunderts. Band I: Infanterie. S. 235–238.
mini|Gedenkstein am Monte Chiesa südwestlich des Ortigara
Erster Weltkrieg Galizien und Karpaten Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges war das Regiment dem III. Korps, dem sogenannten „Eisernen Korps“, zugeordnet. Letzteres unterstand der 2. Armee, die für den russischen Kriegsschauplatz bestimmt war.Österreichisches Bundesministerium für Heereswesen, Kriegsarchiv (Hrsg.): Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914–1918. Erster Band: Das Kriegsjahr 1914. S. 72. Am 12. August 1914 ging das Regiment mit der Eisenbahn nach Galizien ab und erreichte drei Tage später Mykolajiw südlich von Lemberg. Kurz danach, am 22. August, wurde das III. Korps und damit auch das 17. Infanterie-Regiment der von General Rudolf von Brudermann geführten 3. Armee zugewiesen.David Hazemali: The Battle of Galicia: The disintegration of the Austro Hungarian land forces on the eastern front in the First World War, with special emphasis on the role of the Graz’s III Corps and Slovenian soldiers. S. 188. Als Teil der 6. Infanterie-Truppendivision nahm es in den nächsten Monaten an den Kämpfen in Ostgalizien teil. War es in der Schlacht von Kraśnik (23. bis 25. August) noch mit Sicherungsaufgaben betraut, griff es in den anschließenden Kämpfen um Lemberg ein. Bereits im ersten Gefecht in der Schlacht bei Złoczów am 26. August hatte das Regiment hohe Verluste zu verzeichnen, als es beim Angriff auf die russischen Linien bei Gologory in kombiniertes Artillerie- und Maschinengewehrfeuer geriet.David Hazemali: The Battle of Galicia: The disintegration of the Austro Hungarian land forces on the eastern front in the First World War, with special emphasis on the role of the Graz’s III Corps and Slovenian soldiers. S. 192. Bei den Kämpfen wurde unter anderem der Regimentskommandeur schwer verwundet und musste ersetzt werden. Des Weiteren fielen die Hälfte der Offiziere und ein Großteil der für den Angriff abgestellten Mannschaften aus.