Die Operation Blissful (deutsch Operation Glückselig), auch unter dem Decknamen Raise Hellto raise hell → dt.; Krach schlagen, oder einen Aufstand veranstalten bekannt, bezeichnet die Landung US-amerikanischer Streitkräfte auf der Insel Choiseul am 27. Oktober 1943 während des Pazifikkriegs im Zweiten Weltkrieg. Die Operation diente zur Unterstützung für die bevorstehende Cherryblossom-Landung auf Bougainville.
Vorgeschichte
Choiseul Die Insel Choiseul liegt in der Gruppe der Salomonen nördlich der New-Georgia-Gruppe und östlich von Bougainville. Sie ist 2971 km² groß, bei einer Länge von 195 km und einer maximalen Breite von 32 km. Auf Choiseul gibt es kaum nützliche Ankerplätze oder geeignete Flächen für Flugfelder. Daher ist die Insel nicht von militärischer Bedeutung. Zudem ist sie mit dichtem Dschungel bedeckt und die Ausläufer des zentralen Gebirges verlaufen bis zur Küste. So ist die Bewegung entlang der Küste sehr schwierig.
Bedeutung der Insel für die Japaner Charles J. Waddell und Carden W. SetonWaddell war Teil eines Netzwerks von Küstenbeobachtern, die über japanische Aktivitäten auf den Inseln nordöstlich von Australien berichteten. Er war 1941 und 1942 auf Choiseul gewesen und kannte die Gegend und die Einheimischen besser als jeder andere. Seton, ein ehemaliger Manager einer Plantage auf den Shortland-Inseln in den Salomonen, kannte das ganze Areal ebenfalls sehr genau. waren als Küstenbeobachter auf Choiseul stationiert und lieferten unschätzbare Informationen über japanische Schiffsbewegungen während der Guadalcanal-Kampagne an das amerikanische Hauptquartier. So berichteten sie, dass die Insel auch zu einem bedeutenden japanischen Aufmarschgebiet für Lastkähne wurde, die Truppen aus Kolombangara evakuierten, nachdem Choiseul von den Alliierten umgangen worden war, und Seton schätzte, dass bis Ende 1943 etwa 4000 Japaner die Insel passieren müssten und weitere 3000 sich noch auf der Insel aufhielten.
Planung Die Alliierten waren am 15. August 1943 im Rahmen der Operation Dogeared auf der Insel Vella Lavella gelandet. Das 2. US-Marine-Fallschirmbataillon unter Oberstleutnant Victor H. Krulak, unterstellt dem I Marine Amphibious Corps (IMAC), traf später am 1. Oktober auf der Insel ein.
Am 6. September 1943 wies Admiral Halsey Vizeadmiral Aubrey W. Fitch, Generalleutnant Millard F. Harmon, Generalmajor Charles D. Barrett und Konteradmiral Theodore S. Wilkinson an, eine Untersuchung der strategischen Situation und Empfehlungen für die weitere Planung abzugeben. Schritt 3 der am Folgetag ausgegebenen Empfehlung beinhaltete eine gleichzeitige Einnahme der Treasury-Inseln und der Choiseul-Strände, dort die Errichtung von Langstreckenradar sowie den Bau eines Flugfeldes an einer der beiden Positionen wenn möglich. Weiterhin die Einrichtung von Basen für Motortorpedoboote und Zwischenstationen für Landungsboote, um gegen das südliche Bougainville vorgehen zu können. mini|240x240px|Oberstleutnant Victor Harold Krulak Einige Wochen danach wurde Krulak in das IMAC-Hauptquartier auf Guadalcanal beordert, um eine Sondermission für sein Bataillon zu besprechen. In Erwartung alliierter Landungen in den nördlichen Salomonen bewegten die Japaner verzweifelt Truppen per Lastkahn, oft von Kolombangara nordöstlich nach Bougainville, Choiseul und zu den Shortland- und Treasury-Inseln.
Der Plan dazu bestand darin, dass Krulaks Truppen, die den Japanern zahlenmäßig weit unterlegen waren, auf Choiseul landen und dort Ablenkungsangriffe auf japanische Stellungen im nordwestlichen Teil der Insel durchführen sollten. Dies sollte dazu führen, dass die japanischen Kommandeure glaubten, dass dort eine größere Anzahl an alliierten Einheiten gelandet wäre, als dort tatsächlich vorhanden waren. Der Deckname für diese Operation war Blissful.
Der Geheimdienst des IMAC von Generalleutnant Alexander A. Vandegrift schätzte, dass sich bis zu 4000 japanische Truppen auf Choiseul aufhielten. Diese könnten dazu vorgesehen sein, die Garnison auf Bougainville zu verstärken und die Operation Cherryblossom gefährden. mini|228x228px|General Alexander A. Vandegrift Die Operationsbefehle für die Landung auf Choiseul wurden daher vom IMAC am 22. Oktober erteilt und das 2. Fallschirmjägerbataillon angewiesen, in der Nacht des 27. Oktober bei Voza auf Choiseul zu landen, nicht nur um einen Ablenkungsangriff auszuführen, sondern auch um bereit zu sein, eine dauerhafte Basis zu errichten, wenn die Situation dies erfordern würde.
Aufklärungen Vor dem Hauptangriff wurden mehrere Aufklärungsgruppen auf Choiseul gelandet. So wurde am 6. September kurz vor Mitternacht eine Patrouille von einem PT-Boot in ein einheimisches Kanu abgesetzt und landete gegen Morgen um 1:15 Uhr am Missionskai auf der Südostseite der Insel. Sie erkundeten in den nächsten Tagen einige strategische Positionen und Dörfer und erreichten am 12. September die Küstenwachstation nordnordwestlich des Dorfs Kanaga. Nachdem sie am nächsten Tag dem Fluss Kanaga zur Nordküste der Insel gefolgt waren, wurden sie dort gegen Mittag von einem Marine-Patrouillenbomber aufgenommen, der zum Rendezvous mit ihnen bestimmt war.
Am 22. September wurden zwei weitere Patrouillen nahe der Nordostküste von Choiseul abgesetzt. Sie erkundeten getrennt die Insel bis zum 28. September, wobei sie mehrere geeignete Orte zur Anlage von Flugfeldern in der Nähe des Hafens von Choiseul entdeckten, und sie konnten genaue Kenntnisse über die Aktivitäten der feindlichen Lastkähne in diesem Gebiet erhalten. Auch mehrere gute Landungsstrände konnten gefunden werden, und aus Gesprächen mit Eingeborenen und dem Küstenbeobachter ging hervor, dass sich in der Region um die Choiseul-Bucht etwa 300 und in der Region Kakasa etwa 1000 Japaner aufhielten.
Vorbereitungen der Landung Am 22. Oktober wurde die 8. Brigadegruppe angewiesen, am D-Day minus fünf Tage auf den Treasury-Inseln zu landen (→ Operation Goodtime). Anschließend sollten sie eine Schützenkompanie bereithalten, die als Garnison für die PT-Boot-Basis im Nordwesten von Choiseul mit einer Frist von vier Tagen nach Befehlsstellung des Hauptquartiers der 3. Flotte unter Konteradmiral Turner dienen konnte.
Nach seiner Rückkehr nach Vella Lavella rief Krulak seine Kompanieführer und Mitarbeiter zusammen, zeigte ihnen die Befehle und gab detaillierte Anweisungen für die Operation. In den nächsten vier Tagen arbeiteten Offiziere und Mannschaften daran, Ausrüstung zusammenzustellen, endgültige Pläne zu machen und alle verfügbaren Informationen zu sammeln und zu verarbeiten. Die Untersuchung des Landegebiets wurde durch die Ankunft von Seton erleichtert, der am 24. Oktober von einer Catalina aus Choiseul ausgeflogen worden war. Um das Laden zu erleichtern, wurden Waffen, Munition und Vorräte in vier einzelnen Stapeln am Strand platziert. Acht LCMs wurden aus dem Bootspool von Vella Lavella ausgeliehen, und es wurden Vorkehrungen getroffen, dass diese in getrennten Paaren zum Strand des Bataillons fuhren. Da japanische Kampfflugzeuge zu dieser Zeit täglich Angriffe flogen, wurde die Einschiffung in die Dämmerungszeit verlegt.
Am späten Nachmittag des 27. Oktober luden Marines des Fallschirmjägerbataillons die Hälfte ihrer Ausrüstung und Vorräte in ihre geliehenen LCMs. Als dann die schnellen Transportzerstörer McKean, Kilty, Crosby und Ward vor der Mündung des Flusses Juno lagen, wurden die LCMs neben ihnen geankert, so dass sich die 725 Mann des Bataillons mit aller Ausrüstung und Vorräten in 45 Minuten einschiffen konnten.
Mit einem Zerstörerkonvoi als Eskorte setzten die Schiffe um 19:21 Uhr Kurs auf Choiseul. Um 23:10 Uhr warf ein einzelnes japanisches Flugzeug eine Bombe in der Nähe des letzten APD in der Kolonne ab, verursachte aber keinen Schaden.
Die Landungen mini|Karte vom Nordwesten Choiseuls mit den Pfaden der Aufklärungseinheiten vom September und dem besetzten Gebiet nach der Landung des 2. Fallschirmjäger-Regiments im November 1943Zwei Kilometer vor der Südwestküste von Choiseul, in der Nähe des kleinen Dorfes Voza, das hinter der kleinen Insel Zinoa lag, stoppte der Konvoi und der Zerstörer Conway beschoss eine Patrouillenstation etwa drei Kilometer seewärts. Gemäß Bataillonseinsatzplan ging um 23:52 Uhr ein Boot mit einem Aufklärungstrupp unter Oberleutnant Rea E. Duncan an Land, gefolgt von der ersten Welle der Landungstruppe, der F-Kompanie.
Die Truppe der US-Marines war um 1:00 Uhr vollständig an Land. Während der Landung griff ein japanisches Wasserflugzeug erfolglos die Conway an. Kurz nachdem die Schiffe wieder abgelaufen waren, erschien ein weiteres japanisches Flugzeug, umkreiste den Landestrand und warf zwei Bomben ab, die in Ufernähe im Wasser landeten.
Die kleine Insel Zinoa wurde ausgewählt, um dort vier Landungsboote und ihre Marine-Crews zu verstecken, die für die Küstenerkundungen benötigt wurden. Der Rest des Bataillons begab sich unterdessen landeinwärts zu einem als Patrouillenstützpunkt ausgewählten Hügel.
Admiral Halsey veröffentlichte am 30. Oktober die Pressemeldung über die Invasion von Fallschirmjägern auf Choiseul, um die Japaner davon in Kenntnis zu setzen. Dies war Bestandteil des Ablenkungsplans für die Landung auf Bougainville, die für den 1. November angesetzt war. Eine Zeitung in den USA illustrierte die Geschichte mit fantasievollen Zeichnungen von Fallschirmspringern, die vom Himmel herabschwebten.
Mit Hilfe von rund 80 Eingeborenen und angeführt vom Australier Seton zogen die Marines vom Strand in den Dschungel. Sie errichteten auf dem Hügel ihre Operationsbasis und Außenposten am Strand nördlich und südlich des Dorfes. An einem 3,2 Kilometer entfernten Strand wurde aus leeren Kisten ein vorgetäuschtes Versorgungslager errichtet, um die Aufmerksamkeit der Japaner auf die Landung zu lenken. Tatsächlich funktionierte die Täuschung, da bei Tagesanbruch japanische Flugzeuge das vorgetäuschte Lager angriffen. Kurz nach Mittag ließ Krulak eine unverschlüsselte Nachricht an IMAC senden, die besagte, dass die gesamte Division in einer Stärke von 20.000 Mann gelandet war und sich auf ihre Ziele zubewege.
Am Nachmittag des 29. Oktober bewegte sich eine kleine Marinepatrouille mit einem Radarspezialisten entlang der Küste nach Westen, um vorläufige Positionen für Radargeräte und mögliche Standorte für eine PT-Boot Basis zu untersuchen. Eingeborene erzählten ihnen, dass etwa 200 Japaner eine Barge-Station in Sangigai im Südosten bewachten und eine andere Streitmacht sich 30 Kilometer nordwestlich hinter dem Fluss Warrior aufhielt. Krulak beschloss Sangigai am 30. Oktober anzugreifen. Einen Tag vorher schickte er mehrere Patrouillen aus und leitete persönlich eine zur Erkundung des Ziels. Krulaks verstärkter Trupp traf in der Nähe von Sangigai auf zehn Japaner, die einen Lastkahn entluden. Bei einem kleinen Gefecht wurden sieben von ihnen getötet. Später am Tag vertrieb ein Außenposten einen japanischen Zug und tötete sieben weitere. Einige der Patrouillen beobachteten beträchtlichen Schiffsverkehr entlang der Küste.
Angriff auf Sangigai mini|Angriff auf Sangigai