Heinrich Hugo Karny (* 7. Oktober 1886 in Mödling; † 7. August 1939Alfred Peter Kaltenbach: Die Orthopterensammlung des Naturhistorischen Museums in Wien und ihre Geschichte. In: Denisia. Band 8, 1. September 2003, S. 57–61, hier S. 60. Zoologisch-Botanische Datenbank (ZoBoDat). Auf ZoBoDat.at (PDF; 764 kB), abgerufen am 6. Oktober 2021. Zitat: „Im gleichen Jahr wie Franz Werner starb … Heinrich Hugo Karny.“ Das war im Jahre 1939. in Kroisbach (Sterbedatum und -ort nach anderen Quellen am 7. August 1937 in GrazKarny Heinrich Hugo, (Heinrich). In: Physicus. Universitätsbibliothek, Medizinische Universität Wien. Auf UB-Physicus.MedUniWien.ac.at, abgerufen am 6. Oktober 2021.Karny, Heinrich Hugo (1886–1937), Entomologe und Mediziner. In: Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation. 1815–1950. Band 3, Lieferung 13, 1963, S. 245. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2020, ISBN 978-3-7001-3213-4. Auf Biographien.ac.at, abgerufen am 6. Oktober 2021. oder WienDr.phil.med. Heinrich Hugo Karny. Personeneintrag in der Zoologisch-Botanischen Datenbank (ZoBoDat). Auf ZoBoDat.at, abgerufen am 6. Oktober 2021.)) war ein österreichischer Arzt, Zoologe und Entomologe, der sich auf Fransenflügler (Thysanoptera) und Heuschrecken (Orthoptera) spezialisierte.
Leben Karny wurde 1886 in Mödling in Niederösterreich als Sohn eines Militärbeamten geboren.Anonymus: Aus Entomologenkreisen. In: Koleopterologische Rundschau. Band 25, Nr. 1/2, April 1939, ISSN 0075-6547, S. 204–206, hier S. 206. Zoologisch-Botanische Datenbank (ZoBoDat). Auf ZoBoDat.at (PDF; 511 kB), abgerufen am 6. Oktober 2021. Er studierte zunächst unter Friedrich Becke am mineralogisch-petrographischen Institut der Universität Wien. Er beschäftigte sich mit fundamentalen Untersuchungen an Feldspaten und deren optischen Orientierung.Margarete Hamilton: Friedrich Johann Karl Becke als akademischer Lehrer am mineralogisch-petrographischen Institut an der Universität in Wien von 1898–1927. In: „10 Jahre Arbeitsgruppe Geschichte der Erdwissenschaften Österreichs“. 8. Wissenschaftshistorisches Symposium. Berichte der Geologischen Bundesanstalt, Band 45, Wien 2009, ISSN 1017-8880, S. 12–15. Auf Opac.Geologie.ac.at (PDF; 7,34 MB), abgerufen am 6. Oktober 2021. Nach gleicher Quelle soll Karny ein bekannter Sammler und Experte von Orthoceraten geworden sein. Der Gehalt dieser Aussage erscheint fragwürdig, es gibt bislang keine weitere Quelle hierfür. Möglicherweise könnten Orthoceraten, eine ausgestorbene Gruppe der Kopffüßer, mit Orthopteren (Heuschrecken) verwechselt worden sein. Er promovierte 1909 als Doktor phil. und 1915 als Doktor med. in Wien. Im Jahre 1910 legte er seine Lehramtsprüfung für Naturgeschichte etc. ab.Helmuth Zapfe: Karny Heinrich. In: Index Palaeontologicorum Austriae. 1971, S. 55 f. Zoologisch-Botanische Datenbank (ZoBoDat). Auf ZoBoDat.at (PDF; 766 kB), abgerufen am 6. Oktober 2021. Er war als Lehrer am Gymnasium in Elbogen (Böhmen) und Wien tätig, zumindest im Jahre 1913 arbeitete er als k. k. Gymnasialsupplent (Hilfs- bzw. Vertretungslehrer). Wegen der in den neuen Lehrplänen eingeführten Vereinigung der Fächer Mineralogie und Chemie erachtete es Karny als notwendig, eine Wiederholungstabelle des mineralogischen Lehrstoffes sowohl für Schüler der Unterstufe als auch des Gymnasiums zusammenzustellen. Daher fiel in seine Zeit als Lehrer die Veröffentlichung seines Büchleins Wiederholungs-Tabellen der Mineralogie im Jahre 1914.Heinrich Karny: Wiederholungs-Tabellen der Mineralogie. Nebst 30 Kristallnetzen. A. Pichlers Witwe & Sohn, Wien 1914. In: Verordnungsblatt für den Dienstbereich des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht. Jahrgang 1915. Wien 1915, S. 312. Auf Google-Books (online), abgerufen am 6. Oktober 2021.
Nach dem medizinischen Studium diente er als Militärarzt im Ersten Weltkrieg, 1915 zunächst als Landsturmassistenzarzt-Stellvertreter beim k. k. Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 1, dann als Landsturmassistenzarzt-Stellvertreter bei der k. u. k. Kavallerieschützendivision Nr. 4, dort namentlich als Malariaforscher. Nachdem er vom Kriegsdienst in Galizien und Albanien zurückgekehrt war, habilitierte er sich 1918 für Entomologie an der Lehrkanzel für Zoologie an der Universität in Wien.Luitfried Salvini-Plawen, Maria Mizzaro: 150 Jahre Zoologie an der Universität Wien. In: Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich. Band 136, 1999, S. 1–76, hier S. 30. Zoologisch-Botanische Datenbank (ZoBoDat). Auf ZoBoDat.at (PDF; 22,3 MB), abgerufen am 6. Oktober 2021.
Karny nahm 1920 in niederländischen Diensten eine Stellung an, die für seinen Lebensverlauf richtungsgebend war: Zunächst am Zoologischen Museum in Buitenzorg auf Java als Zoologe, später als Arzt im Malaria-Laboratorium. Seine Forschungsarbeit in Niederländisch-Ostindien (heute: Indonesien) führte er im Auftrag des königlich Niederländischen Kolonialministeriums von 1920 bis 1928 aus. Bereits 1926 kehrte er mit seiner Familie in seine Heimat zurück.Heinrich Hugo Karny: Vorläufige Mitteilung über die wissenschaftlichen Ergebnisse meines Europa-Urlaubs. In: Entomologische Mitteilungen. Band 17, 1928, S. 60–76, hier S. 62. Zoologisch-Botanische Datenbank (ZoBoDat). Auf ZoBoDat.at (PDF; 1,39 MB), abgerufen am 6. Oktober 2021. Sogleich nahm er seine Vorlesungstätigkeit an der Wiener Universität wieder auf.Heinrich Hugo Karny: Vorläufige Mitteilung über die wissenschaftlichen Ergebnisse meines Europa-Urlaubs. In: Entomologische Mitteilungen. Band 17, 1928, S. 60–76, hier S. 69. Zoologisch-Botanische Datenbank (ZoBoDat). Auf ZoBoDat.at (PDF; 1,39 MB), abgerufen am 6. Oktober 2021. Ein Jahr später reiste er nochmals nach Buitenzorg, obschon sämtliche Zoologen des Zoologischen Museums in Buitenzorg auf Java im Jahre 1927 für ein Jahr Urlaub nach Europa erhalten hatten.Wladimir Afanasievich Karawajew: Ameisen aus dem Indo-Australischen Gebiet. In: Travaux du Musée Zoologique. Nr. 3. Reihe: Mémoires de la Classe des Sciences Physiques et Mathématiques. Band 7, Heft 1, 1927, S. 3–52, hier S. 4. Académie des Sciences de l'Ukraїne. Auf Antbase.org (PDF; 2,94 MB), abgerufen am 6. Oktober 2021. Von 1928 bis 1930 war er Mittelschullehrer in Wien. Im Jahre 1932 zog er sich aus gesundheitlichen Gründen nach Graz zurück und arbeitete dort als Privatdozent. Karny habilitierte sich 1933 in Entomologie an der dortigen Universität für Botanik, im Jahre 1935 erweitert auf das Gesamtgebiet der Zoologie. Lange Jahre hatte er in den Tropen Niederländisch-Ostindiens gelebt und gearbeitet, seine angegriffene Gesundheit zwang ihn, von Buitenzorg zurückzukehren.
Sein Sohn Tibor Karny wurde 1922 in Buitenzorg auf Java geboren. Heinrich Hugo Karny starb 1939 im 53. Lebensjahr.
Als Entomologe Karny war ein vielseitiger Naturwissenschaftler. Er war mit großer Ausdauer und außerordentlichem Fleiß auf verschiedenen Gebieten der Zoologie tätig. Ursprünglich Mineraloge, als der er auch seine Doktorarbeit verfasste, war er später vorwiegend als Entomologe tätig. Er hatte innerhalb der Insektenkunde sein Interesse schon früh auf die Heuschrecken (Orthopteren) und Ohrwürmer (Dermaptera) gerichtet, wie seine ersten Veröffentlichungen aus dem Jahre 1907 zeigen,Heinrich Karny: Revisio Conocephalidarum. In: Abhandlungen der k. k. Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien. Band 4, Heft 3, Gustav Fischer, Jena 1907, S. 1–110. Zoologisch-Botanische Datenbank (ZoBoDat). Auf ZoBoDat.at (PDF; 24,9 MB), abgerufen am 6. Oktober 2021. um sich in besonderem Maße auf Grillen (Gryllacriden) sowie Fransenflügler (= Blasenfüße oder Thripse, Thysanopteren) zu spezialisieren, denen auch der Großteil seiner mehr als 200 wissenschaftlichen Arbeiten galt.
Unter seinen zahlreichen Veröffentlichungen finden sich auch einige paläontologischen Inhalts. Von Käfern handeln nur fünf kleinere Veröffentlichungen, darunter über Cerapterus, einen Fühlerkäfer, schwammbewohnende Schwarzkäfer (Tenebrioniden), eine Gattung der Werftkäfer (Atractocerus) sowie einen malaiischen Ptiliinen (Zwergkäfer). Auch über die Insektenordnung der Netzflügler finden sich nur wenige Publikationen.Horst Aspöck: Österreichs Beitrag zur Neuropterologie. In: Monografien Entomologie Neuroptera. Band MEN1, Graz 1984, S. 13–47. Zoologisch-Botanische Datenbank (ZoBoDat). Auf ZoBoDat.at (PDF; 6,45 MB), abgerufen am 6. Oktober 2021. Er arbeitete mit Lucien Chopard zusammen,Karny. Heinrich Hugo. In: Database of Scientific Illustrators 1450–1950. Universität Stuttgart. Auf DSI.hi.Uni-Stuttgart.de (englisch), abgerufen am 6. Oktober 2021. der sich ebenfalls auf Heuschrecken spezialisiert hatte und ihm ermöglichte, die Sammlungen des Pariser Museums untersuchen zu können.Heinrich Hugo Karny: Vorläufige Mitteilung über die wissenschaftlichen Ergebnisse meines Europa-Urlaubs. In: Entomologische Mitteilungen. Band 17, 1928, S. 60–76, hier S. 74 f. Zoologisch-Botanische Datenbank (ZoBoDat). Auf ZoBoDat.at (PDF; 1,39 MB), abgerufen am 6. Oktober 2021.
Karny hatte seine Veröffentlichungen immer wieder auch mit eigenen Zeichnungen und Illustrationen versehen.Vergleiche hierzu Heinrich Karny: Zoological and anthropological drawing. In: Claus Nissen: Die zoologische Buchillustration. Ihre Bibliographie und Geschichte. 2 Bände; Band 1: Bibliographie, Band 2: Geschichte der zoologischen Buchillustration. Anton Hiersemann Verlag, Stuttgart 1969 und 1978, ISBN 3-7772-6615-9, Nr. 3763.Vergleiche hierzu auch Heinrich Karny: Revision der Gryllacriden des Naturhistorischen Museums in Wien einschließlich der Collection Brunner v. Wattenwyl. 2. Hälfte. In: Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien. Band 44, S. 45–198. Zoologisch-Botanische Datenbank (ZoBoDat). Auf ZoBoDat.at (PDF; 13,3 MB), abgerufen am 6. Oktober 2021.
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