Proserpine (LWV 58) ist eine Tragédie lyrique in einem Prolog und fünf Akten von Jean-Baptiste Lully (Musik) mit einem Libretto von Philippe Quinault nach den Metamorphosen des Ovid. Die Uraufführung fand am 3. Februar 1680 am französischen Königshof in Saint-Germain-en-Laye statt.
Handlung
Kurzfassung
Prolog. Der Sieg befreit die allegorischen Figuren des Friedens und seiner Freunde aus der Gefangenschaft der Zwietracht. König Ludwig XIV. wird als Held verherrlicht.
Erster Akt. Die Fruchtbarkeitsgöttin Ceres, die Nymphe Cyané und der Flussgott Crinise planen eine Feier für Jupiters Sieg über die Giganten. Jupiter gibt Ceres einen Auftrag in Phrygien. Sie muss daher ihre Tochter Proserpine unter der Obhut der Nymphe Arethuse in Sizilien zurücklassen. Letztere wird von dem Flussgott Alphée begehrt, vor dessen Gefühlen sie zurückschreckt. Während der Siegesfeier versuchen die Giganten einen weiteren Angriff, werden aber von Jupiter schnell zurückgeschlagen. Dabei bricht der Ätna aus.
Zweiter Akt. Der von Pluton auf die Erde geschickte Unterweltsdämon Ascalaphe verliebt sich ebenfalls in Arethuse. Dies führt dazu, dass sie sich ihre Liebe zu Alphée eingesteht und die beiden ein Paar werden. Auch Pluton ist auf die Erde gekommen. Er verliebt sich in Proserpine und entführt sie gegen ihren Willen in die Unterwelt.
Dritter Akt. Alphée und Arethuse begeben sich in den Hades, um dort nach Proserpine zu suchen. Ceres kehrt von ihrer Reise zurück und erfährt von der Entführung ihrer geliebten Tochter. Aus Verzweiflung lässt sie die Erde verwüsten.
Vierter Akt. In den Elysischen Feldern genießen glückliche Schatten ihr Leben. Proserpine kann nicht mehr auf die Erde zurückkehren, da sie von einer Unterwelt-Frucht gegessen hat. Arethuse und Alphée raten ihr daher, ihr Schicksal zu akzeptieren und die Liebe Plutons anzunehmen. Die Gottheiten und die drei Richter der Unterwelt feiern sie als neue Königin.
Fünfter Akt. Pluton weigert sich, dem Befehl Jupiters, Proserpine freizugeben, Folge zu leisten. Aus Protest versetzt er die gesamte Hölle in Aufruhr. Daraufhin beschließen die Götter, dass Proserpine ihre Zeit abwechselnd auf der Erde und in der Unterwelt verbringen soll. Himmel, Erde und Hölle werden wieder miteinander versöhnt.
Prolog
Die Höhle von la Discorde (der Zwietracht)
In der Höhle sind la Paix (der Frieden) und seine Begleiter la Félicité (die Glückseligkeit), l’Abondance (die Fülle) sowie die Spiele und die Vergnügungen angekettet. Sie rufen verzweifelt nach einem Helden (Ludwig XIV.), der sie aus den Händen ihrer Feinde befreit. Die Zwietracht und ihre Freunde, darunter la Haine (der Hass), la Rage (der Zorn), les Chagrins (die Leiden), la Jalousie (die Eifersucht), le Dépit (der Ärger) und le Désespoir (die Verzweiflung), versuchen, ihnen jegliche Hoffnung auf Rettung zu nehmen. Die Zwietracht weist darauf hin, dass sie den Helden bereits in neue Kämpfe in weit entfernten Gegenden verwickelt habe. Da erscheint la Victoire (der Sieg) mit einem großen Gefolge von Siegen und Heroen. Sie befreien den Frieden und seine Gefährten und fesseln im Gegenzug die Zwietracht und ihre Begleiter. Der Frieden jubiliert. Die Zwietracht hingegen beklagt ihren Untergang. Das Glück preist die Liebe als Voraussetzung für das Leben. Der Chor freut sich auf eine Zeit voller Vergnügungen und Spiele.
Erster Akt
Der Palast der Ceres
Szene 1. Die Fruchtbarkeitsgöttin Ceres, die Nymphe Cyané und der Flussgott Crinise genießen den Frieden und die Landschaft Siziliens. Sie preisen Jupiter, der die Götter erfolgreich gegen die Angriffe der Giganten verteidigt hat. Cyané und Crinise machen sich auf, um die Gottheiten und das Volk für eine Siegesfeier zusammenzurufen.
Szene 2. Mercure steigt vom Himmel herab und fordert Ceres im Auftrag Jupiters auf, nach Phrygien zu gehen, um dort für Fruchtbarkeit zu sorgen. Als Ceres sich enttäuscht darüber zeigt, dass Jupiter ihre Liebe nicht zu erwidern scheint, entgegnet Mercure, dass er wegen seiner Regierungsgeschäfte nicht genug Zeit für die Liebe habe. Mercure fliegt zurück in den Himmel.
Szene 3. Ceres bittet die Nymphe Arethuse, während ihrer Abwesenheit gut auf ihre Tochter Proserpine zu achten. Arethuse will jedoch ebenfalls Sizilien verlassen. Sie fühlt sich hier fremd und fürchtet sich vor den Annäherungsversuchen des Flussgottes Alphée. Ceres rät ihr, im Land zu bleiben und seiner Liebe nachzugeben. Sie macht sich auf den Weg zu Proserpine, um sich von ihr zu verabschieden.
Szene 4. Arethuse glaubt nicht, dass sie Alphée lange widerstehen kann (Arethuse: „Vaine fierté, faible rigueur“). Sie versucht daher zu fliehen, als sie ihn kommen sieht.
Szene 5. Alphée versichert Arethuse, dass er die Hoffnung auf ihre Liebe aufgegeben habe und sie nicht länger belästigen werde. Er will jetzt Proserpine umwerben und bittet Arethuse, ihn dabei zu unterstützen. Arethuse lehnt das ab.
Szene 6. Proserpine verkündet Alphée, Arethuse, Cyané, Crinise, diversen Nymphen, Wald- und Wassergöttern und dem Volk von Sizilien, dass ihre Mutter für eine Weile das Land verlassen müsse. Alle bedauern dies zutiefst.
Szene 7. Ceres verabschiedet sich in einer von geflügelten Drachen gezogenen Kutsche von den anderen und bittet sie, sich um ihre Tochter zu kümmern und sie mit fröhlicher Musik zu unterhalten.
Szene 8. Die Feiern zum Sieg Jupiters beginnen. Alle singen und tanzen um die von den Giganten eroberten Trophäen herum. Plötzlich bringt ein Erdbeben den Palast der Ceres zum Einsturz. Entsetzt ruft Proserpine Jupiter um Hilfe gegen die erneut angreifenden Giganten an. Dieser schleudert in der Ferne einen Donnerschlag auf den Ätna, der daraufhin ausbricht. Der Anführer der Giganten wird zurückgeschlagen.
Zweiter Akt
Die Gärten von Ceres
Szene 1. Alphée gesteht Crinise, dass sich seine Gefühle für Arethuse noch verstärkt haben.
Szene 2. Der Unterweltsdämon Ascalaphe wurde von Pluton auf die Erde geschickt, um zu prüfen, ob das Erdbeben den Eingang zur Unterwelt geöffnet hat. Er erzählt Alphée, dass er sich in der Hölle in Arethuse verliebt habe, als diese vor ihm dorthin geflohen war. Er glaubt, auch wenn es Alphée nicht gelungen sei, werde er selbst in der Lage sein, ihre Gefühle zu wecken.
Szene 3. Alphée ist eifersüchtig auf Ascalaphe (Alphée Arie: „Amants qui n’êtes point jaloux“).
Szene 4. Alphée erzählt Arethuse, dass Ascalaphe nach ihr suche und sie dessen Gefühle womöglich erwidere. Arethuse geht weiterhin davon aus, dass Alphée jetzt Proserpine begehrt. Beide wollen nicht zugeben, dass sie einander lieben.
Szene 5. Ascalaphe gesteht Arethuse seine Liebe. Er erkennt aber, dass sie eigentlich Alphée bevorzugt, und zeigt sich zuversichtlich, dass sein Liebesschmerz schnell vergehen wird. Außerdem kündigt er an, dass Pluton in Kürze vor der Rückkehr in sein Reich hier vorbeikommen werde.
Szene 6. Pluton informiert Arethuse darüber, dass das Erdbeben keinen neuen Eingang zur Unterwelt geöffnet hat. Er will vor seiner Abreise Proserpine sehen. Arethuse teilt ihm mit, dass diese vor ihren Verehrern fliehe. Er könne sie aber vielleicht für einen Moment sehen, wenn er sich im Gebüsch versteckt.
Szene 7. Wenig später erzählt Pluton Ascalaphe, dass er Proserpine mit Tränen in den Augen beim Gebet aufgefunden und sich sofort in sie verliebt habe (Duett: „L’Amour, comblé de gloire“).
Szene 8. Pluton und Ascalaphe beobachten aus einem Versteck heraus, wie Proserpine mit den anderen Nymphen tanzt und die schönen Tage und den Frieden besingt. Proserpine und Cyané suchen getrennt nach Blumen, um einen Kranz für Ceres’ Rückkehr zu binden.
mini|hochkant=1.5|Die Entführung der Proserpine, Paris 1699
Szene 9. Pluton ruft acht Gottheiten der Unterwelt herbei, die aus der Erde auftauchen. Zugleich erscheint sein Wagen. Pluton und Ascalaphe versuchen die erschrockenen Nymphen zu beruhigen. Proserpine muss in Plutons Wagen Platz nehmen und wird in die Unterwelt verschleppt. Nur ihr Schal bleibt in Cyanés Händen zurück.
Dritter Akt
Der feuerspeiende Berg Ätna und seine Umgebung
Szene 1. Alphée, Arethuse und Crinise suchen zusammen mit weiteren Nymphen und Waldgöttern verzweifelt nach Proserpine.
Szene 2. Arethuse macht sich Vorwürfe, Pluton zu leichtfertig vertraut zu haben. Sie will sich in die Unterwelt begeben, um herauszufinden, ob er Proserpine dort gefangen hält. Alphée besteht darauf, sie zu begleiten.
Szene 3. Als Ceres von ihrer Reise zurückkehrt, wagt es niemand, ihr vor die Augen zu treten. Alphée und Arethuse steigen in die Hölle hinab. Die anderen verstecken sich.
Szene 4. Ceres freut sich darauf, ihre Tochter endlich wiederzusehen. Sie wundert sich, dass all die Nymphen verschwunden sind, die sie eben noch zu sehen glaubte.
Szene 5. Ceres fragt einige der Nymphen und Waldgötter, die sich wieder hervorwagen, nach Proserpine. Sie geben ihr keine Antwort, sondern klagen nur.
Szene 6. Cyané erzählt Ceres von der Entführung ihrer Tochter. Als sie jedoch den Namen des Schuldigen nennen soll, verliert sie die Sprache.
Szene 7. Ceres ist verzweifelt. Sie weiß noch nicht einmal, wen sie dieses Verbrechens beschuldigen soll. Sie verdächtigt Apollon oder Mars, deren Mütter sie um ihre schöne Tochter beneiden. In ihrer Wut will sie die gesamte Gegend zerstören.
Szene 8. Die Anhänger der Ceres fällen Bäume und machen Fackeln aus den Zweigen, die sie am Feuer des Ätna anzünden. Damit verbrennen sie die Felder. Ceres macht ihrem Zorn Luft und ignoriert die Klagen der Nymphen, Waldgötter und Einwohner.
Vierter Akt
Die Elysischen Felder
Szene 1. Eine Gruppe glückseliger Schatten besingt unter Flötenbegleitung weiterer Schatten ihr schönes Leben an diesem Ort, wo alles der Liebe dient und überall Vergnügungen zu finden sind.
Szene 2. Proserpine beklagt ihre verlorene Freiheit. Ascalaphe und die Schatten raten ihr, Plutons Liebe zu akzeptieren und zu genießen.
Szene 3. Arethuse und Alphée kommen hinzu. Sie haben zuvor mit Pluton gesprochen und folgen seinem Wunsch, Proserpines Schmerz zu lindern. Als Proserpine ihre Verwunderung darüber ausdrückt, dass die beiden jetzt zusammen sind, entgegnet Arethuse, dass einer beständigen Liebe nichts unmöglich sei. Ascalaphe ergänzt, dass auch Pluton einen Weg finden werde, dass sie seine Liebe annehmen könne. Es sei ihr jedoch nicht mehr möglich, auf die Erde zurückzukehren, da sie bereits von einer Frucht der Unterwelt gegessen habe. Sie könne die Hölle jetzt nur noch mit seinem Einverständnis verlassen. Proserpine verflucht Ascalaphe, der ihr die gefährliche Frucht gezeigt hatte. Daraufhin verwandelt er sich in eine Eule und fliegt davon.
Szene 4. Proserpine fleht Pluton an, sie freizugeben (Duett Proserpine/Pluton). Er weist sie stattdessen auf die Annehmlichkeiten hin, die es auch hier trotz des Mangels an Licht gebe (Jupiter: „Je suis roy des Enfers“). Ihre Furcht vor ewigen Qualen weist er mit einem Hinweis auf seine ewige Liebe zurück.
Szene 5. Pluton fordert die Gottheiten und die drei Richter der Unterwelt auf, ihre neue Königin zu ehren. Die glücklichen Schatten stimmen in die Lobpreisungen ein. Alle bringen Proserpine wertvolle Geschenke und feiern mit Tanz und Gesang.
Fünfter Akt
Der Palast Plutons
Szene 1. Pluton bittet seine Untergebenen, die drei Richter, die drei Furien und die Gottheiten der Unterwelt, um Rat. Jupiter hat ihn aufgefordert, Proserpine freizulassen. Er findet dies ungerecht, da sie seine erste Liebe ist, während Jupiter selbst schon hunderte Liebesbeziehungen hatte. Die anderen stimmen ihm zu. Um ihrem Willen Nachdruck zu verleihen, wollen sie die Giganten aus ihrem Gefängnis befreien und die Welt verwüsten.
Einsame Gegend
Szene 2. Ceres beklagt weiterhin den Verlust ihrer Tochter und ihr Schicksal, auf ewig in Schmerzen leben zu müssen.
Szene 3. Ceres vernimmt Stimmen aus der Unterwelt, die den Untergang des Universums verkünden.