Funafuti [, engl. ] ist ein Atoll des Inselstaates Tuvalu und als Stadtgemeinde dessen offizielle Hauptstadt. Alle staatlichen Einrichtungen befinden sich im Dorf Vaiaku, welches als inoffizielle Hauptstadt gilt, auf der Insel Fongafale.

Funafuti ist auch die einzige Stadtgemeinde und einer von acht Bezirken (Falekaupule) des unabhängigen Staates Tuvalu.

Die Lagune des Atolls misst etwa 18 km × 14 km. Der schmale Landstreifen zwischen der Lagune und dem offenen Meer ist maximal etwa 200 Meter breit. Die Landfläche beträgt 2,79 Quadratkilometer und die Gesamtfläche mit Lagune 277 Quadratkilometer.

Bevölkerung Die Bevölkerungszahl beträgt 6320 (Zensus 2017). Rund 60 Prozent der Tuvaluer leben auf Funafuti. Damit ist es das am dichtesten bevölkerte Atoll des Landes. Die größte bewohnte Insel ist Fongafale im Osten des Atolls mit dem Dorf Vaiaku (682 Einwohner; 2012) als Regierungssitz. Manchmal werden Fongafale oder Vaiaku als Hauptstadt angegeben, jedoch bildet die gesamte Stadtgemeinde Funafuti die amtliche Hauptstadt.

Die einzelnen Dörfer sind:

Dorf Insel (Lage) Einwohner(2012) Koordinaten Alapi Fongafale (Zentrum) 1.059 Amatuku Amatuku 128 Fakaifou Fongafale (Zentrum) 1.191 Funafala Funafala 18 Lofeagai Fongafale (Norden) 629 Senala Fongafale (Zentrum) 1.222 Tekavatoetoe Fongafale (Süden) 651 Teone Fongafale (Norden) 572 Vaiaku Fongafale (Zentrum) 682

Geographie Das Atoll umfasst mindestens 30 Inseln, die die TeNamo-Lagune umgeben, die mit 275 Quadratkilometer Fläche und bis zu 52 Metern Tiefe weitaus größte Lagune in Tuvalu, gefolgt von der Lagune des Atolls Nukufetau mit 142 Quadratkilometer. Die Landfläche von Funafuti liegt dagegen mit 2,8 Quadratkilometer im Mittelfeld der neun Inseln beziehungsweise Atolle Tuvalus.

Südöstlich des Atolls befindet sich Nukulaelae; Im Nordwesten befinden sich Nukufetau und die Insel Vaitupu. Der westliche Teil des Atolls liegt in der Funafuti Conservation Area, einem 33 km² großen Meeresschutzgebiet, das seit 1999 besteht.Kogatabu Funafuti Conservation Area, Karte des Schutzgebietes. TuvaluIslands.com abgerufen am 28. September 2015

Klima

Geschichte Vorgeschichte Nach einer Sage, die der Missionar George Turner aufgezeichnet hat, war der erste Bewohner von Funafuti der Igelfisch, dessen Nachkommen Männer und Frauen waren. Eine andere mündliche Überlieferung berichtet, der Gründervater sei Telematua (oder Telemaiatua), angeblich ein Riese, der mit seinen zwei Frauen von Samoa auf die Insel kam. Er blieb aber nicht auf Dauer, sondern zog auf der Suche nach schönerem und fruchtbarerem Land weiter nach Vaitupu.Donald G. Kennedy: Field Notes on the Culture of Vaitupu, Ellice Islands. In: The Journal of the Polynesian Society, Band 38, 1929, S. 2–5 Telematuas Sohn und Nachfolger war Kaitosuga, der angeblich den Sumpftaro (Cyrtosperma merkusii), eine wichtige Nahrungspflanze, auf die Insel brachte. Die Überlieferung berichtet weiterhin von einer Einwanderungswelle aus Kiribati, die sich mit der ursprünglichen Bevölkerung vermischte, sowie von einer Invasion von Kriegern aus Tonga. Es wird erzählt, dass die Tonganer mit zwei oder drei Kanus ankamen, besetzt mit je 100 Kriegern, und den Häuptling Toua und einen großen Teil der Einwohner Funafutis aus reiner Mordlust massakrierten. Sein Enkel, ein großer Krieger, konnte weitere Invasionen von Tonga abwehren, starb aber schließlich in einer blutigen Schlacht. Einer von Touas Nachfolgern teilte den Besitz an Land, das bis dahin alleiniges Eigentum des Oberhäuptlings (aliki tupu) war, unter den Großfamilien auf.Hugh Laracy (Hrsg.): Tuvalu: A History. Institute of Pacific Studies, University of the South Pacific, Suva 1983, Kapitel 13, Vinaka Ielemia: Funafuti, S. 92–96 In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es eine Fehde zwischen Funafuti und der Insel Nukulaelae, während der Krieger von Funafuti zu der Nachbarinsel segelten und viele Bewohner töteten.

Inwieweit solche Erzählungen einen wahren Kern haben, ist nicht zu belegen, da sie nur auf mündlicher Weitergabe beruhen. Die Insulaner hatten keine eigene Schrift entwickelt. Tatsächlich waren, wie aus sprachlichen Vergleichen hervorgeht, die ersten Bewohner Funafutis Polynesier, die im Rahmen der Polynesischen Expansion höchstwahrscheinlich von Samoa, möglicherweise auch von Tonga einwanderten.

Bis zur Mission waren die Ureinwohner Funafutis Anhänger der Naturreligion, sie verehrten die Kräfte der Natur, Vögel, Fische und Geister, aber auch vergöttlichte Vorfahren. Es scheint so, dass religiöse und weltliche Macht, das Amt des Priesters (vakatua) und es Häuptlings (aliki), in einer Person vereint waren.William Johnson Sollas: The Legendary History of Funafuti, Ellice Group. In: Nature, 55, vom 11. Februar 1897, S. 353–355 Als aliki tupu (Oberhäuptling oder „König“, wie ihn die Europäer bezeichneten) wurde jeweils der älteste Mann aus einer der vier führenden Familien der Hauptinsel Fongafale gewählt. Das Herrschaftssystem der aliki endete mit der Ankunft der Missionare von Samoa. Der letzte aliki tupu war Elia, der 1902 starb.

Entdeckungsgeschichte Der amerikanische Handelskapitän Arent Schuyler de Peyster, Kommandant der bewaffneten Brigantine Rebecca, die unter britischer Flagge segelte, entdeckte am Montag, dem 17. Mai 1819, ein Atoll, das er „Ellice’s Group“ nannteAndrew Sharp: The Discovery of the Pacific Islands. Greenwood Press, Westport (CT) 1960, S. 195, nach Edward Ellice (27. September 1783 – 17. September 1863), dem Eigner der Rebecca, einem britischen Kaufmann und Politiker.Edouard A. Stackpole: The Sea Hunters. Lippincott Co., Philadelphia 1953, S. 280

De Peyster bemerkte keinerlei Anzeichen von Bewohnern, die Insel war dicht mit Kokospalmen und niedrig wachsenden Büschen bedeckt. Da die Rebecca wegen der starken Brandung nur knapp einer Havarie entgangen war, ankerte das Schiff nicht, sondern umsegelte nur die West- und Nordseite in sicherer Entfernung.Doug Munro: A Further Note on De Peyster’s Rebecca Logbook, 1818–1824. Pacific Studies, Band 12 (1) vom November 1988, S. 198 De Peyster betrat die Insel nicht.

Am 14. März 1849 erreichten die Schiffe Peacock und Flying Fish der United States Exploring Expedition (US Ex.Ex.) unter Charles Wilkes Funafuti. Bei der Ankunft der Schiffe legten zwei Auslegerkanus von der Insel ab, eines davon, mit fünf Kriegern besetzt, kam längsseits. Die Insulaner präsentierten verschiedene Gegenstände, mit denen sie handeln wollten. Darunter waren Kokosnüsse, geflochtene Matten, Sennit-Streifen (eine Art von Makramee aus Pflanzenfasern), große hölzerne Angelhaken, mit Haifischzähnen besetzte, hölzerne Kampfmesser und Schwerter sowie grob gefertigte Keulen. Die stark tätowierten und nur mit einem Lendenschurz bekleideten Männer schienen mit Europäern vertraut zu sein, denn sie zeigten keinerlei Scheu und erschraken auch nicht, als ein Signalschuss abgefeuert wurde. Sie konnten sich problemlos mit einem Samoaner verständigen, der an Bord der Peacock war. Wilkes schreibt, dass die Inselbevölkerung schätzungsweise 250 Personen umfasste.Charles Wilkes: Narrative of the United States Exploring Expedition […]. Philadelphia 1849, Band 5, Kapitel II, S. 37–40

Der erste Europäer, der sich auf Funafuti ansiedelte, war der irisch-australische Händler und ehemalige Walfänger John „Jack“ O’Brien. Er kam in den 1850er Jahren nach Funafuti und heiratete Salai, die Tochter des damaligen „Königs“ (aliki tupu). O’Brien hatte zahlreiche Kinder mit mehreren Frauen, deren Nachfahren heute noch zu den angesehensten Familien der Insel gehören. Mission Der Niedergang der alten Naturreligion wurde um 1860 nicht von Missionaren eingeleitet, sondern von Jack O’Brian. Seine Motive waren nicht religiöser Art, sondern von handfesten materiellen Erwägungen bestimmt, denn er war der Auffassung, dass die alte Religion einen Großteil der Zeit der Inselbewohner in Anspruch nähme, die zu seinem Vorteil dem Kopra-Sammeln gewidmet werden sollte. Er erzählte den Insulanern, dass ein Schiff käme, dessen Kapitän gedroht habe, jeden Mann, jede Frau und jedes Kind zu erschießen, wenn sie nicht ihre Geister- und Fetischhäuser zerstören würden. Einige glaubten die Geschichte, doch es regte sich auch Widerstand, sodass O’Brian mit einem einheimischen Helfer selbst zur Tat schritt und die Häuser verbrannte. Der Priester konnte die Idole retten und flüchtete.

Die Missionsarbeit auf Funafuti, die 1865 begann, steht in engem Zusammenhang mit der Tätigkeit des Missionars Elekana von der London Missionary Society (LMS) auf der Nachbarinsel Nukulaelae (siehe → Nukulaelae#Mission). Als der Missionar Archibald Wright Murray von der LMS am 16. Mai 1865 auf Funafuti ankam, wurde er zu seinem Erstaunen vom Häuptling mit dem Wunsch begrüßt, in der christlichen Lehre unterwiesen zu werden. Die Bewohner hatten von Elekana und seinem Wirken auf Nukulaelae gehört. Murray ließ Matatia, einen Laienprediger von Samoa, und seine Frau als Lehrer auf der Insel zurück. Sie blieben bis zum Jahr 1868.A.W. Murray: Missionary Voyage to the Lagoon Islands. In: The Missionary Magazine and Chronicle, Dezember 1865, S. 335–345 Der eigentliche Kirchengründer auf Funafuti war jedoch der Missionar Samuel James Whitmee (LMS). Er kam mit dem Missionsschiff John Williams am 3. Oktober 1870 nach Funafuti und war erstaunt festzustellen, dass fast alle der 116 Insulaner lesen und schreiben konnten. Außerdem waren die Menschen mit der Bibel grundlegend vertraut. Whitmee ließ den Samoaner Tema als Priester auf der Insel und suchte 28 Insulaner als die ersten Kirchenhelfer aus.Samuel James Whitmee: A Missionary Cruise in the South Pacific […]. Joseph Cook, Sydney 1871, S. 12–14 Heute gehört die Mehrzahl der Einwohner der Ekalesia Kelisiano Tuvalu (EKT) an, einer kongregationalistischen, christlichen Religionsgemeinschaft. Blackbirder Zur Mitte des 19. Jahrhunderts kam der Sklavenhandel aus Afrika zum Erliegen. Das hatte auf den großen Haziendas in Südamerika einen Mangel an Arbeitskräften zur Folge. Sogenannte Blackbirder kamen daher auf die Idee, die fehlenden Arbeitskräfte auf den pazifischen Inseln zu rekrutieren. Die Methoden der Kapitäne waren unterschiedlich. In der Regel lockte man die Menschen mit kleinen Geschenken zum Tausch an die Küste oder an Bord der Schiffe. Im besten Fall kamen sie freiwillig mit, im schlimmsten Fall überfiel und fesselte man sie. Einmal an Bord, wurden sie aufgefordert, langjährige Arbeitskontrakte zu unterzeichnen, deren Bedeutung sie nicht verstanden.

Im Mai 1863 kamen mehrere Schiffe aus Peru nach Funafuti, die zwei Boote in die Lagune entsandten. Mit an Bord war Tom Rose, ein Beachcomber von Nukulaelae, der sich als Missionar ausgab, aber den Blackbirdern als Helfer und Dolmetscher diente. Er versprach den Insulanern, ihnen Arbeit mit der Produktion von Kokosöl auf einer anderen Insel zu verschaffen. Neben guter Entlohnung bekämen sie dort Unterricht und religiöse Unterweisung und würden nach einigen Wochen wieder in ihre Heimat gebracht.