Hellbent ist ein amerikanischer Horrorfilm von Paul Etheredge-Ouzts aus dem Jahr 2004. Es handelt sich um einen Slasher-Film, in dem die Figuren Schwule sind; er gilt daher als „erster Gay Slasher“King, S. 249 und Begründer einer Welle weiterer solcher Filme.King, S. 263; King nennt als Beispiele für „queer horror“, die in den nächsten Jahren folgten: October Moon und A Slice of Terror von 2005, In the Blood und Model Kill von 2006 und Dead Boyz Don’t Scream von 2007.

Handlung In der Nacht vor Halloween wird das Paar Mikey und George, als sie gerade auf einer Waldlichtung im Auto beginnen sich auszuziehen, um Sex zu haben, plötzlich von einem Killer, der bei nacktem Oberkörper eine Teufelsmaske trägt, mit einer Sichel geköpft. Am folgenden Tag soll der Schreibtischpolizist Eddie in West Hollywood Flyer über die Morde verteilen, wofür er die Polizeiuniform seines Vaters als Kostüm trägt, und begegnet dabei dem attraktiven Jake, der Motorrad fährt, an einem Tattooshop. Mit seinen Mitbewohnern und Freunden, dem bisexuellen promiskuitiven Chaz, dem athletischen Unterwäschemodel Tobey, der diesmal Drag trägt, und dem schüchternen, jüngeren Joey, der einen Lederharnisch trägt, fährt Eddie an den Tatort. Als der Mörder auftaucht, halten sie ihn für einen Cruiser und machen sich lustig, bis er verschwindet. Sie nennen ihn „Devil Daddy“.

Sie besuchen beim West Hollywood Halloween Carnival einen Club, wo sie auch den Mann mit der Teufelsmaske und Eddie Jake wiedersieht. Der zeigt sich interessiert, als Eddie erzählt, dass er bei einem Schießtraining der Polizei sein Auge verletzt hat, und will ihn an einem Karnevals-Schießstand sehen, wohin sie mit Tobey weggehen. Auf Chaz’ Ermunterung gibt Joey seinem Schwarm seine Telefonnummer, aber wird dabei von dessen Freunden abfällig heruntergemacht. Chaz bringt ihn tröstend in ein leeres Bad und geht dann einem Mann hinterher. Alleine wird Joey erst von seinem Schwarm Jared überrascht, der ihm seine Nummer gibt, dann von dem Mörder, der den abgetrennten Kopf mitnimmt und die Leiche zurücklässt. An einer Bühne im Freien tanzt Chaz, der zuvor Ecstasy genommen hat, im Rausch, sodass er nicht realisiert, wie der Killer ihm in den Bauch sticht. Als dieser ihn köpft, tanzt die Menge jubelnd weiter. Während Eddie und Jake Spaß haben, ist Tobey frustriert, dass ihn in Drag niemand anmacht, und läuft dem Mann in der Teufelsmaske hinterher. Der ignoriert ihn im Weggehen zunächst, aber dreht sich um, als Tobey Perücke und Schmuck abnimmt und seine männliche Brust zeigt, und tötet ihn. Tobey hat ihm auch seinen Führerschein mit der gemeinsamen Adresse der Gruppe hinterlassen.

mini|rechts|Eddies Glasauge wird für den finalen Schockmoment prominent in Szene gesetzt. Ed Gonzalez deutet es als Motiv für Eddies sexuelle Unsicherheiten und Selbst-Besessenheit und Fetischobjekt für den Mörder. Als Eddie und Jake zum ersten Club zurückkehren, um dessen Motorrad zu holen, ist der Ort nach der Entdeckung von Joeys Leiche durch Polizisten bewacht, sodass sie heimlich über den Maschendrahtzaun klettern. Als Jake sich mit dem Motorrad wieder draußen befindet, aber Eddie noch innerhalb des umzäunten Bereichs, steht plötzlich der Mörder neben ihm und jagt ihn über das Gelände. Gerade als er mit der Sichelklinge Eddies Glasauge trifft, kommt Jake mit einem Polizisten dazu, worauf der Mörder flieht. Nachdem sie auf der Polizeiwache waren, wo Eddie Jake von dem Glasauge erzählt, fahren sie zu Eddie nach Hause. Beim Vorspiel fesselt Jake Eddie mit Handschellen, die zur Polizeiuniform gehören, ans Bett. Während Jake im Bad nach Kondomen sucht, erscheint der Mörder und sticht auf ihn ein; der Mörder geht auch auf Eddie zu, aber wird von Jake mit einem Baseballschläger von hinten getroffen. Darauf gelingt es Eddie, seine Hände zu befreien, und nachdem er Jakes Wunde versorgt, am Telefon den Notruf zu wählen, doch der Mörder kann noch die Leitung kappen. In der Küche holt Eddie sich ein Messer und stößt auf die Köpfe seiner getöteten Freunde; im Schlafzimmer sperrt er sich mit Jake ein, den er zur Fluchttreppe bringt, und nimmt die Pistole seines Vaters an sich. Der Mörder bricht die Tür auf und stößt Eddie durchs Fenster und, nachdem er dessen Glasauge mit der Zunge herausnimmt, die Fluchttreppe herunter, wo er mit den Handschellen hängenbleibt. Während der Mörder Jake festhält und bedroht, schießt Eddie, trifft aber erst Jake in die Schulter und beim zweiten Versuch den Mörder in die Stirn.

Als der Krankenwagen da ist, trägt Eddie eine Augenklappe und Jake wird auf einer Trage mitgenommen, der Mörder jedoch auch, denn er ist noch am Leben. Der öffnet Augen und Mund und offenbart so Eddies Glasauge zwischen seinen Zähnen.

Konzeption Idee und Inhalt Die Grundidee des Films stammt von den Produzenten, darunter am wichtigsten Joseph Wolf (Halloween, A Nightmare on Elm Street), die drei Elemente festgelegt hatten, bevor Drehbuchautor und Regisseur Paul Etheredge-Ouzts in die Produktion einstieg: dass die Figuren schwul sein, der Film am West Hollywood Halloween Carnival spielen und der Mörder eine Maske tragen sollte. Etheredge-Ouzts erhielt völlige Freiheit, daraus eine Geschichte zu entwickeln. Er wurde für das Projekt ausgewählt, nachdem einer der Produzenten ein paar Seiten einer unveröffentlichten romantischen Komödie von ihm gelesen hatte, obwohl er zuvor noch kein Drehbuch geschrieben oder bei einem Film Regie geführt hatte.

Für ihn sei es eine Herausforderung gewesen, einen Slasher zu schreiben, weil er eigentlich empfindlich gegenüber Gore und Sadismus sei. Daher hatte er während der Arbeit am Drehbuch eigentlich geplant, so wie Hitchcock kein Blut zu zeigen. Er wollte Slasher nicht neuerfinden, sondern einen vertrauten Film mit neuartigen Figuren schaffen. Dazu recherchierte er für mehrere Monate, indem er sich mit Slasher aus den 1980ern vertraut machte, was ihm half, typische Strukturen und Figuren dieser Filme zu erkennen. Seine Haupteinflüsse seien aus den 1970ern als ‘goldene Zeit’ des Horrors gekommen; als „seltsame“ Einflüsse die Filme Orfeu Negro, Die schwarze Narzisse, Invasion vom Mars und die Filme von Kenneth Anger; außerdem das Hüllencover einer Psychomania-Videokassette, das unter anderem Partygänger, Handschellen und Motorräder zeigte. Visuelle Einflüsse kamen dazu von Künstlern wie den schwulen Pierre et Gilles und James Bidgood sowie durch den Katalog von Abercrombie & Fitch. Mit dem Produktionsdesigner und dem Hauptkameramann arbeitete zusammen, um eine surrealistische Karnevalsatmosphäre von Halloween zu erschaffen.

Auch wenn der Film teilweise Sexualverhalten zeigt und an einigen Stellen sexy ist, entschied Etheredge-Ouzts, keine überflüssige Sexszene einzufügen, die das lebhafte Tempo aufhalten würde. Die Produzenten befanden zwar, eine Darstellung vollständiger Nacktheit, die die Genitalien zeige, würde den Verkauf ankurbeln, aber drängten ihn nicht, eine in den Film aufzunehmen. Allerdings zeigt der Film viel Haut, alle Schauspieler sind im Verlauf des Films teilweise nackt, was aber gerechtfertigt sei, weil es zu dem West Hollywood Halloween Carnival passe und auch einen „Tits ’n’ Ass“ genannten Grundsatz der Slasher-Filme befolge, der auch für Schwulenfilme gelte. Er arbeitete mit zwei Teams zusammen, eines aus dem Schwulenfilmbereich, das mehr Haut forderte, und eines aus dem Horrorfilmbereich, das zögerlich war gegenüber intimen Momenten, und wählte einen Mittelweg.

Nach dem Film entwickelte Etheredge-Ouzts die Geschichte für ein Sequel, das nicht umgesetzt wurde, nachdem Joseph Wolf im September 2005 verstarb.

Figuren Die Hauptfiguren charakterisierte Etheredge-Ouzts nicht als repräsentativ für die gesamte Schwulencommunity. Sie sollten nicht bestimmte ‘Typen’ Schwuler darstellen, sondern Figuren mit Tiefe und Menschlichkeit sein. Als Ausgangspunkt nahm er Stereotype aus Slasherfilmen – die Schlampe, die Naive, der Toughe, das Final Girl – und wandte einen schwulen Blickwinkel auf sie an. Während in Slasherfilmen Mord oft Bestrafung für vorehelichen Sex ist, wollte er schwulen Sex nicht mit Tod verknüpfen. „Stattdessen gab ich jedem von ihnen einen bestimmten tödlichen Makel, den der Mörder ausbeutet: Konsum sinnesbetäubender Drogen, Aufmerksamkeitssucht, einen Fluchtinstinkt von Liebesglück überwältigt. Ich verurteile ihr Verhalten bestimmt nicht – es sind im Grunde Kinder. Sie werden nicht für ihre menschlichen Fehler bestraft; der Mörder zieht einfach seinen Vorteil aus jeder Gelegenheit, die er sieht.“ Sie seien selbstbewusste, sympathische queere Jungs, die sich über die Sorge, ob es akzeptabel ist, schwul zu sein, hinaus bewegt haben. Sie sollten sich in ihrer Sexualität wohlfühlen und kein Problem mit ihr haben – so wie Etheredge-Ouzts selbst.

Neben den Hauptfiguren wollte er einen Querschnitt verschiedener Arten der Schwulenkultur zeigen; so sind auf dem Karneval etwa auch Bären, Ledermänner und echte Dragqueens zu sehen.

Den Mörder gestaltete Etheredge-Ouzts als stumme Bedrohung und unbeschriebenes Blatt, ohne ihm ein Motiv oder eine Stimme zu geben, die ungruselig wirken könnte, damit die Zuschauer selbst eine Interpretation aufstellen können. „Ich fand, dass jedes Detail, das ich dem Mörder hinzufügte, ihn der Gefährlichkeit beraubte; die beste Herangehensweise war, ihn so wenig wie möglich zu definieren.“ Auch ergebe sich daraus, dass der Film an 24 Stunden spielt und sich währenddessen auf die Gruppe Jungs konzentriere, dass diese keine Einsicht darin erhielten, wer der Mörder sei; in der kurzen Zeit gäbe es viele Informationen, die sie hätten entdecken müssen. Er habe aber mit den Produzenten, die bis zur letzten Drehwoche gefragt haben, ob er das Motiv enthüllen könne, darum gekämpft, es nicht zu tun. Es sei aber deutlich gemacht, dass die Morde nicht als Hassverbrechen begangen werden, der Film also nicht selbst antischwule Gewalt betreibe; auch weil der Held schwul ist. Etheredge-Ouzts wählte die Figur eines Teufels, eines klassischen Böses, weil der Mörder keine alte, hässlich verunstaltete Version des Bösen darstellen sollte. Stattdessen müsse er reizvoll sein, sodass die jungen Menschen ihn attraktiv und verführerisch finden und die Gefahr nicht erkennen würden. Daher sei das Kostüm bewusst sexuell. Die Sichel statt des typischen Messers soll an eine tierische Klaue erinnern.

Produktion Besetzung Etheredge-Ouzts wollte Schauspieler, die nicht schwul spielen würden, da die Sexualität der Figuren beiläufig sein sollte, statt sie zu definieren, und normale schöne Typen seien. Außerdem mussten sie ihre Figuren im Verlauf des Drehs entwickeln können, weil der Zeitplan zu eng für Proben war. Auch wenn abgesehen von Eddie, der als Lateinamerikaner geplant wurde, die Figuren hinsichtlich ihrer Ethnie nicht näher definiert waren, hoffte Etheredge-Ouzts diesbezüglich auf eine diverse Besetzung. Allerdings konnten nur wenige nicht-weiße Schauspieler zu Vorsprechen überzeugt werden. An einem Tag waren Vorsprechen für mehr als dreißig nicht-weiße Schauspieler angesetzt, von denen aber keiner erschien.

Alle Schauspieler der Hauptfiguren sind heterosexuell, aber empfanden es als kein Problem, schwule Liebesszenen zu spielen und Männer zu küssen, und seien zu allem bereit gewesen. Matt Philipps, der Tobey spielt, fürchtete sich davor, während des gesamten Drehs High Heels zu tragen, und zog sich mehrere Stürze zu.King, S. 257 Etheredge-Ouzts’ Anweisung, wie man ein schwuler Mann sei, war, dass sie einfach sie selbst sein sollten, ein Mensch.

Der zentrale Hauptdarsteller Dylan Fergus (Eddie) wurde erst zwei Tage vor dem Drehbeginn besetzt, sodass, obwohl Etheredge-Ouzts für die Figur einen anderen Haarschnitt wollte, Dylans nicht mehr geändert wurde. Der Darsteller des Teufels war ein Model bei Abercrombie & Fitch.

Dreharbeiten und Effekte